Camping: 15 (ganz) ernst gemeinte Tipps & knallharte Facts.

„Camping? Super! Es gibt nichts Besseres!“ ODER „Camping? OMG, Never! Diese grindigen Sanitäranlagen!“ – Es gibt nur diese beiden Antworten, wenn man seinem Gegenüber ankündigt, auf Campingurlaub fahren zu wollen. Immer schon.

Vor dem Wilden Kaiser – mit heißem Hund – in Tirol.

Und diesmal war es fast wirklich ein fast echter Urlaub. Nach meiner dreimonatigen Campingtour 2013 quer durch Australien und einigen Mobilhome- und Glamping Trips seitdem – endlich wieder im Campervan unterwegs. 14 Tage lang durfte ich endlich wieder eintauchen in die spannende Welt des –

…des organisierten Stellplatzwesens, der Verlängerungskabelstromplatzproblematik, des „fast kein Gewand Brauchens“ Credos, des abends „lange vor dem Bus Sitzens“ Feelings, des „nächtens zu den Sanitärräumen Pilgerns“ (Stolpern über Hund inklusive zu jeder Zeit), der „Kein Bier vor Vier“ Thematik und „Nach dem Aufstehen sofort Nass Werdens“ Problematik.

Übernahme des Campervans. Nass, aber sehr sehr happy.
Mann, Hund, Campervan und Dachsteingletscher. Was will man mehr.

Viel hat sich verändert, seit ich als Vierjährige mit meinen Eltern zum ersten Mal wild campte – am Leopoldsteiner See. Aber ich muss sagen – auch 40 Jahre und etliche Campingtouren als Kind, Jugendliche und Studentin durch ganz Europa später – inkl. Australien, mag ich es immer noch. Sehr sogar. I love Camping. Dennoch gebe ich es zu:  Etwas, manches, vieles ist seitdem anders geworden.

Früh übt sich.
Mit den Geschwistern am Putterer See mit Wohnwagen.
Allein im Camper in Westaustralien

„Wir bringen Ihnen jetzt also – ob Sie es hören wollen oder nicht – unseren Camping-Rundreise-Bericht“ singen Pirron und Knapp. Hier meine 15 (wie immer) ganz ehrlich gemeinten

Tipps und Hard Facts zum Camping von heute.

1. Camping ist mitnichten billig/günstig/wohlfeil. Es sei denn, man schläft im eigenen Garten auf der Luftmatratze.

Ich schwöre: 1992 bin ich um 500 Österreichische Schillinge in den Konsum in 1210 Wien einkaufen gegangen und konnte mich mit Packerlsuppen, Nudeln und Inzersdorfer Dosen für 4 Wochen (!) Campingbusurlaub in Frankreich eindecken. Als Studentin waren übrigens 500 Schilling viel Geld und ich wurde dazu von Mum gesponsert. Heute bekommt man um 40 Euro einen Stellplatz für eine Nacht für 2 Personen mit WOMO und Hund und Strom – an einem so genannten Luxuscampingplatz in Tirol.

Dafür geht man mit diesem Blick schlafen. Hier am Wolfgangsee.
…und wacht so auf – mit dem ersten Kaffee am See.

2. Camping ist nicht einfach Camping. Heute kann Camping  alles sein – auch Glamping.

Schlafen im  winzigen Zweimann-Zelt oder im Familien Wohnzelt, im 6m Campingbus mit Radträger, im 8 Meter Wohnmobil mit Elektroauto am Anhänger, im Wohnwagen (das ohne Motor!!!), im Mobilheim am Meer, im Fass, im Baum- oder Stelzenhaus. Wir haben viel ausprobiert – und auch darüber geschrieben:

3. Ein Campingplatz ist ganz selten ein „Zeltplatz“ – viel öfter eine Kleinstadt mit ausgefeilter Logistik und riesigen Distanzen.

Mit 20 war ich schon auf riesigen Campingplätzen in Frankreich und etwa am Gardasee zugange, RIESIG! Mit 45 auf einem ebenso großen Campingplatz in Kroatien auf Cres oder Pag noch viel furchteinflößender. Aber ich muss zugeben: Für Familien mit unternehmungslustigen Kids ist so eine Campingplatzwelt ein riesiger Spielplatz. War ja bei uns in der Steiermark nicht anders. Nur kleiner.

Camping am Fluss am gut organisierten, großzügigen Umweltzeichen Camping Platz
Etwas enger am Campingplatz Natterer See – ParzellenLife.

4. Leisten Sie sich bloß keine Fehler, wenn Sie Ihren (meist zugewiesenen) Stellplatz beziehen. Sie stehen unter Beobachtung – ganz sicher. Schauen Sie mal nach links zu dem langen Wohnwagen aus Deutschland: Ja, genau. Der mit dem Bier. Eben.

Selber Aussuchen ist heutzutage Luxus. Wer DEN perfekten Stellplatz direkt am Wasser inkl. Hunde erlaubt haben will, muss so wie überall alles heutzutage, vorher reservieren. Also zugewiesener Stellplatz und dort gilt: Es gibt immer jemanden, der Dich beobachtet. Vor allem, wenn man als Frau einparkt oder als Mann versehentlich den falschen Stecker dabeihat.

Irgendwer beobachtet einen immer und sagt einem, was man falsch macht.

5. Vergessen Sie niemals, wirklich niemals:  Verlängerungskabel, noch ein längeres Verlängerungskabel, Spanngurte (ugs Spanner), Abwaschmittel, wasserfeste Schlapfen, noch einen Fetzen, noch eine Klappkiste, Heringe und Hammer (ja, auch beim WOMO Fahren), Kluppen (kann man für ALLES brauchen, ich betone ALLES), Sonnenschutz in jeder Form (v.a. um sich ein Sonnensegel zu bauen). Auch eine Wäscheleine ist für viele schöne Dinge gut (Stichwort Sonnenschutz). Wie gesagt: Eine seit Jahrzehnten allgemein gültige Zusammenfassung von allem, was man als echter Camper alles benötigt – geben Pirron und Knapp (Ich hab immer Tränen in den Augen vor Lachen…)

Wäscheleine immer schon unerlässlich. Hier am Retro Bild in den Sanitäranlagen.

Diese Liste lässt sich endlos fortführen, wie jeder Camper weiß. Was man heutzutage eigentlich nicht mehr braucht, früher aber unerlässlich war: Einen Dosenöffner.

Wir haben alles dabei. Und noch mehr. Hier am Bodensee.

6. Früher fragte man  beim Camping nach Strom, heute nach WIFI.

Und dazu muss man nicht unter 60 sein. Der meist gehörte Satz in allen Sprachen von Campern jeden Alters beim Check IN an allen CampingplatzRezeptionen quer durch Österreich hieß bei unserer Campingtour: „Do you have WIFI“? Und ich muss wohl nicht dazusagen, dass sich das viele österreichische Plätze tatsächlich immer noch extra und stundenweise zahlen lassen.

Richtung Montafon unterwegs.
Ich tu es gern: Kochen im Camper.

7. Ein Wohnwagen – das ist das ohne Motor zum Anhängen – lässt sich heutzutage mit Kinderspielzeug-Fernbedienung einparken.

Vorbei die Zeiten, als wir Kinder und Hund in sicherer Entfernung stehen und warten mussten, bis die Eltern von Hand den Wohnwagen mit dem Stellrad gerade und eben eingerichtet hatten – mit reiner Mannes/Frauenkraft! Nö, jetzt steht der füllige deutsche Herr neben uns, hat eine Spiel-Fernbedienung in der Hand und der riesige Wohnwagen surrt sich von selbst in die richtige Stellung. SPOOKY.

Auch das ist ein Stellplatz. Raus kommt man nur verkehrt bergab. Am Nenzinger Luxus-Camping in Vorarlberg.

8. Der campende Hund von heute benötigt natürlich auch das entsprechende Equipment.

Als wir Kinder waren und in der Steiermark per Wohnwagen campten, war der damalige Hundling immer irgendwo leinenlos in der Nähe (meistens UNTER dem Wohnwagen) zugange. Niemand fragte danach, es gab keine extra Hunde Vorschriften, keine Hunde-Infozettel, keinen Hundeaufpreis. Davon verabschieden wir uns jetzt mal.

So liegt ein Camperhund korrekt.

Stichworte heutzutage: Hundezaunabgrenzung, Hundezaunverbot, Hundezone, Hundeverbotszone, Gassisackerlspender, Hundeanzahlbegrenzung, Hundebadeverbot, Hundeleinenpflicht und ganz wichtig: Der HUNDE – HERING. Noch sperriger: Der HUNDE-ANLEGEPFLOCK. Alle Hundebesitzer haben ihn offensichtlich. Außer uns. Doch es war das letzte Mal, dass wir ohne Hunde-Anlegepflock mit Hund campten.

Es gibt viele Arten, sich an das Intérieur des Campervans anzupassen.
Irgendein Teil vom Hund hängt immer raus: Hier der Schweif.
…da die Schnauze. 🙂

9. Man meldet sich beim Camping nicht mehr an oder wartet, bis der Bauer abends zum Kassieren und mit dem Meldezettel kommt, sondern man „checkt ein“ – so wie im Hotel. Dies tut man an der „Rezeption“. An derselben hat man auch zu warten, manchmal elendslange, oft mit dem Nimbus des Bittstellers.

Man reserviert online, erhält Bestätigungen, stellt sich an, wartet, wird vorgelassen, muss (auch in Österreich) Reisepass oder Personalausweis zeigen („Nein, den Führerschein akzeptieren wir nicht als Ausweis!“) und einmal musste ich sogar den Presseausweis als Einsatz über Nacht an der Rezeption lassen. In Kroatien ist es sogar Usus, den Reisepass während des gesamten Aufenthalts an der Camping-Rezeption zu lassen. Kein gutes Gefühl.

Früher stand auf einer Tafel am Campingplatz: „Ruhe ab 22 Uhr“ – heute erhält man beim Check-In an den CampingRezeptionen meist eine elendslange Anweisung zu Öffnungszeiten der Rezeption, Rechnungszeiten, Hundevorschriften, Badevorschriften, Einparkvorschriften, Stellplatzvorschriften, Frühstückssemmelbestellvorgänge, Wellness-Zeiten, Zufahrtsbeschreibungen, Magnetkarte für die Sanitärräume, WIFI-Code, Geheimschlüssel, Bewertungsbogen etc etc.

Ein Campingplatz der Ruhe und Idylle. Mein Favorit.

10. Wohnwagen-Camper reisen heutzutage mit langen Abflussohren und externen Fäkalientanks. Die stehen und liegen die ganze Zeit unter dem Wohnwagen draußen. Unschöne Vostellung, oder?

Noch unschöner ist es aber, wenn man bei der abendlichen Campingplatzpromenade diese externen Abflüsse auch noch permanent anschauen muss. Da sind wir Campervan Fahrer schon dezenter. Übrigens werden diese Fäkalientanks (ob dezent oder nicht) immer von den Männern zur chemischen Toilette befördert – meist wie ein Trolley nachgezogen – was ich unpackbar witzig finde. Auch hier: Frauen, traut Euch! DAVON habe ich aber leider heute kein Foto für Euch. 

Frauen vor! Beim Camping und auch sonst.

11. Damals wie heute: Nichts ist spannender als die morgendlichen und abendlichen Promenaden zu den Sanitäranlagen.

Man lernt nie aus. Es gibt soviel zu sehen. Zu allererst: Andere Hunde. Danach: Außerirdisch anmutende Wäschespinnen, Hundecampingbetten, Anti-SonnenKonstruktionen, Luxus-E-Bikes, Elektroautos,, Hundefahrradanhänger-Lösungen, Lounge Möbel im Vorzelt, Kochlandschaften, Funktionsoutfits von Kampfcampern uvm.

Mein Lieblingsplatzerl am Campervan: Trittbrettfahrer.

12. Auch Campingplätze haben Sterne und Bewertungsportale. Beinharte Konkurrenz. 

Bitte alles am Fragebogen beantworten, dann auf Holidaycheck, dann auf Tripadvisor, dann auf den Campingportalen auf Google, auf Facebook und dann bitte noch einen echten Bericht schreiben. Ja sicher, gerne.

Spontan mal für ein Picknick neben der Straße stehen bleiben. HURRA.

13. Verzurren | Verstauen | Versorgen – die berühmten Drei Worte, die jeder Camper versteht. Oder übersetzt: Irgendwas scheppert immer.

Oder Ihr hört Euch einfach den Camping-Song von Pirron und Knapp an (LEGENDE! KULT!) dann wisst Ihr auch, worums dabei geht. Dafür hat man immer alles dabei für einen kurzen Stopp zwischendurch: Jause, gekühlte Getränke, frisches Hundefutter – an den schönsten Rastplätzen und Badeseen ganz spontan.

Einer der schönsten Rastplätze Österreichs. Am Elisabethsee.
Und wenn ich nicht selbst fahre, ist dies meine bevorzugte Camper-Mitfahrerinnen-Haltung. Seit Jahren bewährt.

14. Was mitnehmen zum Anziehen? Weniger. Noch weniger. Nur das, was schnell trocknet. Dafür mehr Bücher. Immer.

Was nicht in die Kästen passt, bleibt daheim.

15. „Gerade ist Gut“. Wessen Campervan nächtens schief steht, merkt jedes Grad Neigung. Das garantiere ich, dafür stehe ich mit meinem Namen.

Wer kein Luxuscamper ist und somit in der Armatur eine Wasserwaage als Anzeige integriert hat und wer auch KEIN geschultes Auge hat, kann sich eine Wasserwaage-App runterladen. Man kann auch (s)eine Frau zum Camping mitnehmen, denn alle Frauen, die ICH kenne, haben intern bereits eine virtuelle Wasserwaage in ihrem unsichtbaren dritten Auge eingebaut. Aber Männer haben halt immer lieber ein technisches Gadget, dem sie vertrauen können. Und ich kann versichern: Mein Rücken merkt sich jedes Grad, das er nicht vollkommen horizontal liegt. Übrigens: Jedes Grad, das die App am Handy angezeigt hat, hatte ich vorher GESEHEN.

Schief UND Regen. Hier am Tristacher See.

CAMPING: Und noch zwei ganz ehrliche HINWEISE – unter der Hand unter uns:

  • Camping bedarf heutzutage (wenn man ihn als Urlaub betrachtet) akribischer Vorbereitung. Spontan ist anders.

Es sei denn, man hat ganzjährig seinen eigenen Camper fast fertig gepackt vor dem Haus stehen (Lifetravellerz, ich beneide Euch!). Wer das nicht hat, beginnt Wochen vorher Listen zu schreiben. Lange Listen. Ansonsten pflegt man sich über jedes Ding zu ärgern, das man vergessen und an das man nicht gedacht hat. Wir hatten diesmal alles dabei. Alles. Außer dem Hunde-Anlegepflock. Die schönsten Stellplätze, die niedrigsten Aufpreise, die besten Aussichten, am See, am Fluss und mit Hundezone – dazwischen Panoramastraßen mit schönen Rastplätzen, Kultur-Spots und viel Natur – alles will organisiert und bedacht sein. Wenn man kein Dauercamper sein will.

Ich. Sehr happy. Hoch über Mittersill.

CAMPING – UND NOCH WAS:

  • Auch wenn es unsportlich, retro, altvaterisch und schnarchlangweilig klingt: Leisten Sie sich beim Camping im Zelt, Wohnwagen oder Campervan den Luxus, den eigenen Polster von daheim mitzunehmen. Es lohnt sich. 
    JA, es war gemütlich zum SCHLAFEN!

HINWEIS: Wir haben unseren Campervan bei Gebetsroither Timelkam gefunden und alles selbst bezahlt. Renate Moser ist uns mit den Abholzeiten sehr entgegengekommen, danke nochmals dafür! Der Bus war funkelnagelneu und ein Sunliving Flexo SP. In allen Miet-WOMOs, Wohnwagen und Campervans von Gebetsroither sind übrigens Hunde erlaubt.

DAS TEAM abends am See vor dem Camper.

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