Die Wildnis vor der Haustür: Weltnaturerbe Dürrenstein bei Lunz am See

by Angelika Mandler-Saul

Im Haus der Wildnis direkt in Lunz am See gibt es ab Mitte Mai ein modernes, neues Infozentrum zu einem echten Wildnisgebiet in Österreich: Dem Weltnaturerbe Dürrenstein. In der neuen Begegnungszone kommt man dem letzten Urwald des Alpenbogens ganz nahe.

Haus der Wildnis nahe

Das Haus der Wildnis in Lunz am See

Man kennt den Lunzer See, die Drei Seen Wanderung und den Maiszinken – wenn man hierher in die alte Sommerfrische Region Lunz am See kommt. Und wir Camper kennen natürlich auch noch den entzückenden kleinen Campingplatz direkt an der Ois. Aber eine echte Wildnis? Ein UNESCO Weltnaturerbe – das gibt´s hier auch? Jawohl, dem Wildnisgebiet Dürrenstein wurde 2017 das begehrte Naturerbeprädikat verliehen – gemeinsam mit dem Nationalpark Kalkalpen übrigens. Jüngst wurde es noch um das steirische Lassingtal erweitert – „ein wichtiger Erfolg in Sachen Naturschutz“, sagt der WWF. Gemeinsam mit den Sulzbachtälern im Nationalpark Hohe Tauern im Salzburger Land gibt es in Österreich damit zwei echte und geschützte WILDNIS-gebiete.

Wildnisgebiet

Ein Wildnisgebiet, das ist international gesehen als noch schützenswerter eingestuft als etwa ein Nationalpark. Wieder was dazu gelernt, als ich beim Pre-Opening direkt am Kirchenplatz in Lunz im Haus der Wildnis dabei bin. Denn das Haus der Wildnis ist der Angel- und Knotenpunkt für Infos über dieses Wildnisgebiet, das nur wenige Besucher im Jahr „verträgt“ und vor menschlichen Einflüssen jeglicher Art bestmöglich geschützt werden soll. Und diese Expeditionen und Besuche sind bereits gut gebucht. Deswegen gibt es nun das Haus der Wildnis: Hier erfährt man von der Einzigartigkeit eines solchen Wildnisgebiets mitten in Europa, während der Naturraum selbst geschont wird.

Haus der Wildnis Raum 1
Räumlichkeiten im Haus der Wildnis

Im Haus der Wildnis jedoch darf man alles angreifen, ausprobieren und sich in dreidimensionale Naturraum-Welten begeben, ohne direkt im Wald zu stehen – mittels Virtual Reality. Es soll ein Treffpunkt und Info-Zentrum für Ausflüge in diese Region des alpinen Mostviertels sein und aufzeigen, wie wichtig eine intakte Wildnis für uns und unseren Lebensraum ist. Auch von außen ist das Haus sehenswert – es ist übereinandergeworfenen Baumstämmen nachempfunden und macht sich super neben der Lunzer Pfarrkirche und neben dem Genussplatzl zum regional Einkaufen.

Haus der Wildnis in Lunz am See
Direkt in Lunz am See

Die Ausstellung im Haus der Wildnis

Der Urwald. Den gibt es hier quasi vor der Haustür und das Haus der Wildnis präsentiert auf moderne und virtuelle Art diesen Lebensraum Wildnis. Nachdem man sich im Foyer erstmal ganz ruhig hingestellt hat, um Füchslein, Eule und den Hirschen auf der großen Vidi-Wall zu Gesicht zu bekommen (die schleichen nämlich nur dann vorbei, wenn man sich ruhig verhält…), kann man im Untergeschoß durch die zwei großen Räume der Ausstellung wandern.

Video Wall Haus der Wildnis
Hirsch und Fuchs kommen auf Besuch
Foyer Haus der Wildnis
Im Foyer im Haus der Wildnis

Und dabei alles ausprobieren, was einem unterkommt: Als Habichtskauz mit Virtual Reality Brille über den Buchenwald fliegen (könnte etwas schärfer sein, der Ausblick – schließlich hat der Habichtskauz ja nicht soviele Dioptrien wie ich) oder einen Baumstamm in 3 D erkunden. Ich fand es spannend, wie sich der Lunzer See in den letzten Jahren aufgrund der Klimaerwärmung verändert hat: In zwei gleich großen Wasserbecken kann man das gut verfolgen und vergleichen. Oder man setzt sich in ein kleines Karbäuschen und lauscht, schaut und schnuppert – in die Wildnis.

Lunzer See Erwärmung Wildnis
Die Veränderung des Lunzersees – wegen der Erwärmung
Flug über Buchenwald Habichtskauz
Als Habichtskauz unterwegs

3 D Brille Wildnisgebiet museum
3D Virtuell in der Wildnis sein

Ein 3D Kino, Stationen für Kids und eine große Darstellung der Naturerbe Region (grenzübergreifend NÖ und Steiermark) sind weitere Highlights. Letztere kann man mit Bildschirmen, die an großen Gelenken angebracht sind, gleich nochmal dreidimensional virtuell erkunden: Wo genau gab es noch Bären, Wölfe und Wisente in dieser Wildnis und vor allem – bis wann? Cool zum Ausprobieren, traurig – wenn man dran denkt, was alles ausgerottet wurde – trotz UNESCO Naturerbe, Artenschutz und Nationalparks in Österreich….

Tablet im Haus der Wildnis
Dahinter das Gebiet, drüber die dreidimensionale Abfrage über Wölfe und Bären und deren Auslöschung

Das Haus der Wildnis bietet sich auch als Treffpunkt für eine Wanderung in der Region (Tipp: Drei Seen Tour) an, oder vor dem Besuch des Schwimmbads am Lunzer See. Einkehren kann man auch (mit schöner Outdoor Terrasse), die Betreiber der Schlosstaverne Lunz und des Almgasthofs am Hochkar zeichnen hier für´s Catering verantwortlich. Führungen durch das Haus der Wildnis sollte man mindestens zwei Wochen im voraus reservieren.

In einen Baumstamm reinschauen Wildnis
Das tablet über den Baumstamm ziehen und quasi reinschauen

Führungen in der Wildnis Dürrenstein

Unbedingt am Info Schalter im Haus der Wildnis nach der Broschüre zum Besucherprogramm in der Wildnis Dürrenstein fragen: Darin findet man alle buchbaren Packages oder Anregungen für Aktivitäten: Der Besuch der Tausendjährigen Eibe, eine Weekend-Exkursion, eine Tour durchs wilde Büllenbachtal, Fotowalks, geologischer Touren, geführte Wanderungen am Eulen-Erlebnisweg oder Bergtouren und Hochmoor-Touren.

HIER kann man sich die ganze Broschüre auch online anschauen!

wildnis 3d
Die 3 D Wildnis zum Reinschauen
Dreidimensionale Erklärungen
Erklärungen im Haus der Wildnis, offline und online.

Den Urwald und seine Umgebung erkunden – online und offline

TIPPS zur ONLINE Experience
Wildnis hat einen Wert heutzutage.
Heutzutage hat man das endlich erkannt.

Das einzige Wildnisgebiet in Österreich: Naturerbe Dürrenstein und die Buchenwälder

88 Prozent des Wildnisgebiets Dürrenstein sind noch Naturzone – ohne menschliche Eingriffe. Damit ist es der größte noch vorhandene URWALD der Alpen und seit der letzten Eiszeit fast unberührt. Und so soll es auch bleiben, drum darf man nur zum Forschen rein oder mit einer geführten Expedition – ganz am Rand des Rayons. Hier hat noch die Natur die Oberhand, was auch bedeutet, dass die Entwicklung der Fauna und Flora dort nicht von uns Menschen, sondern von der Natur und ihren Kreisläufen bestimmt wird. Die Buchenwälder sind deswegen so schützenswert, weil sie zahllosen Lebewesen Raum gaben – sie sind aber quer durch Europa in den letzten Jahrhunderten rigide abgeholzt worden: Auf diese Art hat etwa der besagte Habichtskauz seine Heimat verloren. Dafür existiert hier in der Wildnis eine andere Besonderheit, den „duftenden Feuerschwamm“, einen Pilz, den es auf der ganzen Welt nur noch an 10 anderen Orten gibt. Der Ranger Reinhard Pekny schwärmt von diesem ganz besonderen Vorkommen: Der Feuerschwamm kann nur auf umgefallenen Tannen existieren, die schon seit 200 Jahren vermodert sind – also in unberührten Gebieten wie hier im Naturpark.

Wildnis zulassen - Spruch
Genialer Spruch im Haus der Wildnis

Das Schutzgebiet erstreckt sich mittlerweilen über zwei Bundesländer – Niederösterreich und die Steiermark – und zu verdanken haben wir es (eigentlich) auch jenen Stiften, die einst um dieses Land „stritten“: 337 Jahre lang konnten sich Stift Admont in der Steiermark und die nahe Kartause Gaming nicht einigen, wem der riesige Rothwald nun zustünde. Danach war – wie auch etwa hinten im Naßwaldtal bei Schwarzau im Gebirge – das Holztriften ein riesiges Thema in dieser Gegend. Aber durch die zahlreichen Hochwasser konnte man nicht soviel Holz fördern (und Natur zerstören) wie gewünscht – der Bedarf der Kaiserstadt Wien an Holz war nun eben mal riesengroß. Albert Rothschild schließlich ersteigerte den Rothwald und erkannte als hochgebildeter Mann dessen unschätzbaren Urwaldcharakter. Fortan war der Wald unter seinem „persönlichen Schutz“ und ihm verdanken wir heute noch diese echte Wildnis mitten in Österreich.

Tafel im Haus der Wildnis
Wie wahr.

Ausflugstipps im alpinen Mostviertel

wandertafel dürrenstein
Ausflugstipps auf www.wiederunterwegs.com

Quellen:

  • www.museumnoe.at
  • noen.at
  • kurier.at
  • wwf.at

Dann gefällt Euch sicher auch

Leave a Comment

* By using this form you agree with the storage and handling of your data by this website.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Auch diese Website verwendet Cookies – nähere Informationen dazu und zu Ihren Rechten als Benutzer finden Sie in unserer Datenschutzerklärung am Ende der Seite. Klicken Sie auf „Geht klar“, um Cookies zu akzeptieren und die Website besuchen zu können. Geht klar. WEITER