Waldness®: Was kann der Wald? Ein Selbsttest.

„Leg dich an einem schönen oder auch windigen Tag in den Wald, dann weißt du alles selbst.“ So sprach dereinst Robert Musil (1880-1942). Und was sage ich dazu? Waldness®.

75 Jahre später folge ich Musils Rat und es hat nun sogar einen offiziellen, schön klingenden Namen: WALDNESS®. Im Wald sein im Einklang mit der Natur und dort Kraft tanken. Ich war dabei, als das Projekt im oberösterreichischen Grünau im Almtal seine ersten Gäste zum „Waldbaden“ begrüßte. Dazu musste ich nichts anderes tun, als mich – unter professioneller Anleitung von Waldcoaches – auf die Begegnung mit dem Wald einzulassen und alles, was er so bietet, auf mich wirken zu lassen. Was er kann? Er kann Bluthochdruck und Blutzuckerspiegel senken, das Immunsystem stärken und den guten Schlaf fördern. Was ich brauche: Stress-Reduktion und Entschleunigung.

In Japan geht man in seiner (kargen) Freizeit in den Wald, um die ätherischen Öle, die Enzyme , Botenstoffe und das gesunde Klima „aufzusaugen“, da dies als Ausdruck einer hohen und gepflegten Lebensqualität gilt. Wir wollen 4 Tage lang versuchen, auf „Dr. Wald“ zu hören und das, was er uns glücklichen Österreichern gratis bietet, für uns zu nutzen. Was kann das sein? Ich bin täglich in der Natur unterwegs, aber meistens gehetzt. Wie wir die Natur rundum erspüren, dadurch Stress abbauen und die entspannende Waldatmosphäre mit nachhause nehmen können, das wollten wir als die ersten in Österreich bei Waldness lernen. Indem wir einfach bewusst im Wald SIND.

Und weil der Wald Natur ist und die Natur auch unwirtlich sein kann, wurden wir zuvor noch ordentlich ausgestattet: Hermann Hüthmayr, seines Zeichens Waldness – Mitbegründer der ersten Stunde, Ideengeber, Multiplikator, Stimmrohr, Unternehmer und ehemals Hüttenwirt stattet uns WaldEleven erst mal ordentlich aus: Mit Hut und Loden-Wetterfleck. Ich bin bereit.

Aber zuerst sollte ich endlich mal „runterkommen“. Hinter mir liegen ein Hongkong und ein Klagenfurt Kurztrip, reichlich Büro- und Hausarbeit und eine gehetzte Anfahrt vom Weinviertel ins Almtal, weil ich daheim noch einen Kurzzeit-Hundesitter organisieren musste – ganz normaler Alltag eben.

WALDNESS und WYDA – keltisches Yoga quasi.

Entschleunigung muss also her – mit WYDA, einer von den keltischen Druiden überlieferten Art der Bewegungsmeditation. Die „WYDA-Faust“ ist dank unseres ersten Waldcoaches Magy Bernhard (Ausbildung bei den TEM Marienschwestern Bad Kreuzen) recht schnell erlernt und am Fluss im Schindlbachtal im Nieselregen stehend, erkunden wir zunächst mal unsere 3 Zentren im Körper: Mental, Emotional und Vital – ich kann überall Entspannung brauchen, danke.

Keltisches Yoga mitten im Wald – die Waldness Gäste versuchen sich an der Stille – mehr oder weniger erfolgreich. Man merkt gleich, wer versucht, sich auf das neue Erlebnis einzulassen und wer sich (noch) sträubt oder es lächerlich findet. Aber wir wären nicht hier – und zwar quer durch alle Altersklassen – wenn wir nicht etwas Neues ausprobieren und erleben wollten. Jetzt also machen wir WYDA im regennassen Wald und es fühlt sich gut an.

Was mich betrifft, diesmal brauche ich gar keine Sonne: Hinter mir pritschelt und fließt es, das Bacherl plätschert, es grünt, es tropft, der Nebel hängt tief und die Luft ist ganz satt. Ein guter Start. Alles was mit Wasser zu tun hat, ist gut für mich. Das weiß auch Dr. Wald.

WALDNESS und Kulinarik in der Waldschule des Öko Jägers

Anderntags lernen wir Waldness „von der Pique“ auf: In der Waldschule, einem Heustadl von 1814 erzählt Österreichs erster Waldpädagoge Fritz Wolf, seines Zeichens auch Förster, Bauer und Öko-Jäger, von gelebter Nachhaltigkeit, dem Sterben der Eschen, dem Abschussplan, den frischen Schwammerln und den Pflanzerln, die wir gefunden haben: Heimische Goldrute, Engelwurz (Angelika), Klebriger Salbei, Hagebutte, Schafgarbe, Holunder und Farne.

Aber ein leerer Bauch studiert nicht gerne, deswegen laben wir uns erstmal, bevor wir das Wunder Wald so richtig auf uns wirken lassen: Ein Waldbuffet erwartet uns in Fritz´Hütte, das bunter nicht sein könnte: Schließlich kommt alles aus der Natur und die ist ja wohl nicht schwarzweiß. Dazu kredenzt uns Fritz schnell mal zwischendurch ein paar frisch abgeprasselte Schwammerln: Schopftintlinge und Rechlinge – darüber wird unsere frisch gepflückte Schafgarbe gestreut- dazu Frischkäse, Erdäpfelkas, Speck vom Wollschwein und dazu der hiesige „Zwieboin“, ein Weckerl, das sich hochdeutsch „Zweiballen“ nennt: Waldkulinarik mitten in der Waldness, auch das bietet uns der Wald.

Dann stapfen wir durch den Wald. „Was ist denn eigentlich Wald“, fragt Fritz. Klima, Boden, Wasser, Öle, Gerüche, Botenstoffe, Enzyme. Bäume sind Wald und drum basteln wir uns gleich mal ein Namensschild aus Holz. Pflanzen sind Wald. „Haben Pflanzen eine Seele?“, fragt Fritz. Wir sind uns uneins. Aber: 99 Prozent aller Lebewesen auf dieser Erde sind Pflanzen. Unsere gebastelten Pflanzenteller sind ja auch unglaublich vielfältig und bunt. „Können denn Tiere fühlen?“, fragt Fritz. Für mich ein klares JA, die anderen zögern. „Wenn nur wir fühlen können und eine Seele haben, sind wir Menschen dann die Krönung dieser ganzen Schöpfung?“, fragt Fritz weiter. Es wird immer schwieriger, aber auch interessanter. Ich persönlich bin nicht gläubig, deshalb für mich ein NEIN. Für die meisten anderen hingegen ein klares JA.

Aber dann sagt Fritz etwas, was mich schwer beeindruckt:

„Allein, wie wir mit unseren Pflanzen und Tieren umgehen, daran wird der Mensch gemessen werden.“

Unser Respekt vor allen anderen Lebewesen, das zeichnet uns als Menschen aus. Ja, daran kann ich glauben.

Warum ein Kaiserschmarrn auch mal nach Bärlauch schmecken kann, warum ein Ei eine Vitaminbombe ist, warum Fortstwirte in Jahrhunderten denken müssen, über die Wein-Liebe der Eiche und die Stechpalme, die wegen der Klimaerwärmung sprießt und warum die Förster das Wiener Wasser machen. Das alles und noch mehr erfahren wir am Nachmittag in der Waldschule, bis wir das erste Mal richtig „waldbaden“. Barfuß wärs übrigens noch viel schöner.

Unter der Anleitung von Fritz stapfen wir mit Liegematten (es ist nass!) in den Wald und suchen uns ein weiches Moosplatzerl. Ich persönlich brauche dazu etwas Abstand von den anderen, darum höre ich auch nicht jedes Wort, das uns Fritz in die Entspannung mitgibt. Aber das brauch ich auch gar nicht: In den Wald zu horchen und hinauf in die Wipfel zu schauen, das ist viel schöner. Aber für echte Stressreduktion und Entschleunigung bräuchte ich etwas mehr Zeit, Wärme und Ruhe – und mehr Einsamkeit. Gruppenerlebnisse sind meiner Entspannung eher abträglich, aber es funktioniert: Wald kann entschleunigen. Auch mich.

Fast so schön wie das Waldbaden sind die Kasnudeln (oder -nockn?), die uns Fritz dann im Stadl noch „gach“ rausbackt. Das Rezept: 14 Topfen, 7 Mehl, etwas Salz. Preiselbeermarmelade drauf. Alles klar?

WALDNESS. Waldmassage, Sonnenaufgangswanderung und ein deftiges Frühstück.

„Du brauchst was zum Entschleunigen, stimmts?“. Lebensstilberaterin Martina Wimmer fragt nicht, sie weiß. Sie ist heute die Masseurin meines Vertrauens, um mir eine Waldmassage zu verpassen. Wir wählen das passende Öl für mich und es ist wirklich schade, dass es draußen zu kalt für eine Outdoor Massage ist, denn: Auch das ist Teil von Waldness, ein Massageerlebnis im Freien. Wir einigen uns also auf das „Balsamtanne-Öl“, das für umtriebige Menschen wie mich passend sein soll. Martina will den Patienten ihrer Seelenheilpraxis einen Lebensstil vermitteln, „mit dem sie gesund bleiben können“ – dabei ist die Natur ein nicht unwesentlicher Helfer.

Wenn der Wecker um 5 Uhr morgens klingelt, dann steht entweder ein Frühflug an oder eine Sonnenaufgangswanderung steht am Plan. Es ist zappenduster, als ich meine Pension Wanderruh verlasse und mit meinem Humboldt die Farrenau Bergstraße über zahlreiche Kehren hinaufdüse. Ja, die Einheimischen können hier sicher im Schlaf raufkurven, für mich ist es ziemlich spannend, in der Stockdunkelheit auf den Berg zu fahren.

Oben startet beim Hochberghaus auf 1200m beim Kasberg nämlich unsere kleine Tauwanderung zum Sonnenaufgang. Das Schönste daran: Im dunklen Wald wandern und dabei zusehen, wie die Steine zu leuchten beginnen, weil es langsam heller wird. Oben haben wir einen Ausblick zum Traunstein, wie uns Waldcoach Kerstin Diensthuber erklärt. Da mein Körper es nicht gewöhnt ist, ohne Kaffee frühmorgens seinem Tagwerk nachzugehen, bin ich die erste beim Absteigen Richtung Hochberghaus.

Dort wartet ein mehr als üppiges regionales Bauernfrühstück mit Bauernbutter auf uns, begleitet von reichlich Kaffee (Danke für das permanente Nachschenken!!). Noch schöner muss es aber draußen im Baumhaus sein.

WALDNESS. Latschenbaden am Berg und Kneippen im Bacherl.

Gute zwei Stunden sind wir mit unserem Waldcoach Sabina Haslinger bergauf unterwegs: Wir wollen rauf Richtung Spitzplaneck, um dort ein ordentliches Latschenbad zu nehmen. Nicht wie früher als Kinder, um uns in einer Wanderpause unter den Latschen zu verstecken und Semmel mit Kabernossi und Schoki zu essen. Mit Sabina starten wir beim Hochberghaus und wandern 2 Stunden stetig über Forststraße und kurze, steile Steige bergan.

Einen Juchitzer, ein paar giftige Eisenhüte und Belladonnas sowie eine kleine Einkehr in der Sepp Huber Hütte später ist Entspannung am eigenen Laybag mitten in den Latschen angesagt.

Jeder sucht sich ein windgeschütztes Platzerl und dann kommt das Allerschwierigste: Entspannen, bewusst die dicke Luft hier oben einatmen und Schweigen. Ich muss mich zwingen, nicht schon wieder an meine Arbeit zu denken, denn: Der wichtigste Moment ist immer JETZT – Atmen in den Latschen, Schauen und Entspannen. Schlagartig vorbei ist es mit der Ruhe, als wir uns dann alle zusammen tun, um unter Sabinas Anleitung mal spontan ein bissl zu jodeln.

Später im kulinarisch hochempfehlenswerten und freundlichen Hochberghaus dann, als wir alle mehr oder weniger einträchtig um unser köstliches Hirschgulasch-Pfandl sitzen und reinschaufeln (also ICH HAB geschaufelt) und sauren Radler trinken, erzählt Wandercoach Sabina noch ein Märchen. Und da sind dann wirklich alle bemerkenswert still. Ein Zirberl koste ich trotzdem noch, bevor es mich wieder an den Fluss zieht. Das hab ich mir verdient.

Als Abschluss zeigt uns dann Waldness Coach und Naturschauspiel Moderatorin Maria Hageneder am 10 Grad kalten Kneipp Bach im Schindlbachtal, was Pfarrer Kneipp seinerseits unter einem erfrischenden Morgen-Kaffee verstand und erzählt über die Lebenspläne eines Baumes. Sie zeigt überzeugend, dass sich Kinder und Erwachsene im Wald nicht viel voneinander unterscheiden: Alle bauen gerne Steinmänner, schlempern kühles Quellwasser („Leberwurst-Schnaps“ genannt. Warum? Denk nach!) und – jausnen.

Ein Tautröpfchen vom Frauenmantel bietet mir Dr. Wald auch noch und 10 Grad Wassertemperatur sind wirklich kalt – das nehm ich noch mit.

Und dass man an Glücksplätzen am wasserlosen Fluss gut jodeln kann. Ein letztes Abschiedsfoto und ein gut gefülltes Wald-Bschoad-Binkerl mit Feitl und Brettl, ein Schluck BIer und eine letzte Jause mitten im Wald. Vom Wetterfleck trennen wir uns ungern, den Hut dürfen wir behalten. Der erinnert mich jetzt im Weinviertel daran, dass man den Wald nicht nur für Hundespaziergänge nutzen kann.

Mein Waldness Fazit.

Ja, der Wald kann was. Die Natur überhaupt, aber das war mir schon vorher klar. Es scheitert nur an uns selbst. Das Projekt Waldness steht am Anfang, die Ideengeber haben noch viel vor mit Dr. Wald. In Grünau und vielleicht auch anderswo. Die WaldCoaches haben mich durch ihr Wissen und ihre Naturverbundenheit sehr beeindruckt. Das Juchitzen war meins, das Jodeln nicht. Die Zeit für Wald- und Latschenbaden muss man sich erst mal nehmen, aber dann wirkt es auch. Geht aber auch beim Hundespaziergang – habs schon probiert daheim hintaus im „Wäldchen“. Für mich gehört zu Waldness auch das Wasser dazu, irgendein Fluss rundum sollte immer plätschern. Auch eine bodenständige Kulinarik ist dem Erholungsprozess nicht abträglich, das haben die Waldness Organisatoren ebenfalls erkannt.

WALDNESS. Wohnen in der Wanderruh.

Gewohnt habe ich während meines Waldness-Erlebnisses übrigens in der Pension Wanderruh direkt am Almfluss. Mein Zimmer war ein mehr als gemütlicher Rückzugsort mit einem riesigen Balkon. Das Schönste: Das Flussrauschen bei Tag und Nacht. Gudrun Graef führt das Haus sehr liebevoll und mein gewünschter Wasserkocher war schneller da, als ich „Danke“ sagen konnte. Morgens gibt´s Selbstgebackenes am Frühstücksbuffet und direkt vom Haus weg starten Wander- und Radweg – auch der „Genuss am Almfluss“ – Erlebnisweg.

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LESETIPPs: Katja Wegener vom WellSpaPortal hat sich auf WALDNESS eingelassen – hier ihr persönlicher Bericht. Einen schönen und ausführlichen Videobericht gibt es auf Bergauf.tv. Auch die Oberösterreichischen Nachrichten haben natürlich berichtet.

 

 

WALDNESS – Die Fakten.

Die Pauschale kann mit verschiedenen Unterbringungsmöglichkeiten online unter waldness.almtal.at gebucht werden. Waldness ist Anleitung zur nachhaltigen Entspannung in der Atmosphäre des Waldes inmitten von Bäumen, Flüssen, Almen und Wiesen. Enthalten sind neben 4 Nächtigungen:

  • Wald-Wyda im Schindlbachtal
  • Ein Tag in der Waldschule inkl. Waldbuffet
  • Sonnenaufgangswanderung und Frühstück danach im Hochberghaus/Baumhaus
  • Waldmassage
  • Latschenbad und Jodeln
  • Waldkneippen im Schindlbachtal mit Bschoad-Binkerl.

 


HINWEIS: Ich wurde von der Region Almtal-Salzkammergut in Zusammenarbeit mit Pangerl & Pangerl eingeladen, „Waldness.Das Vorspiel 2017“ zu erleben und darüber zu berichten. Für den Arbeits- und Zeitaufwand habe ich ein Honorar erhalten. Meine Meinungen und oben genannten Eindrücke sind aber unverkennbar meine eigenen.

Noch mehr persönliche Reiseberichte aus dem Almtal, von meinen Erfahrungen mit „Traditioneller Europäischer Medizin“, aber auch TCM gibts hier zum Nachlesen:

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