Stimmungsvoll, entschleunigend und still – Wohnen auf Burg Bernstein

Ich war campen in Nepal, habe in Australien im Campingbus geschlafen und einen Hochzeitsantrag im thailändischen Baumhaus bekommen. Kenne Vier- und Fünfsternhäuser etwa so gut wie meine geliebten JUFAs und war in tibetischen Guesthouses auf über 5000 Metern zu Gast. Habe stürmische Nächte auf meinem Boot PASU verbracht und auf Stelzen über dem Mekong in Laos gehaust. Von der Nacht in der russischen Eisenbahn und der lautstarken Straussenfarm in Südafrika gar nicht zu reden…

Aber ich hatte noch niemals eine eigene BurgSuite in einer mittelalterlichen Burg für mich allein – noch dazu mit authentem Inventar. Bis ich zur burgenländischen Burg Bernstein kam.

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Die doppelten Türen zur Kisebb Suite (das war der Gärtner 🙂 öffnen sich und ich stehe quasi in meinem Empfangszimmer – mit schön warm von Hand eingeheiztem Kamin und Ohrensessel. Kein TV, kein Radio, kein Telefon. Ich schreite weiter mein Reich ab, das für einige Nächte mir allein gehört: Ein riesiges Badezimmer und das Schlafzimmer, in dem alles richtig „echt“ wirkt: Kein Wunder, sämtliches Inventar in den 11 Zimmern und Suiten, die die Burg Bernstein vermietet, ist original alt und deswegen – teuer. Nicht nur in der Erhaltung, auch in der Renovierung und Pflege.

Ich war noch niemals in einem Zimmer, wo es so.unglaublich.ruhig.war.

Eigentlich bin ich nicht so der herrschaftlich hausende Typ, aber hier muss man sich doch wohlfühlen. Das liegt auch an der unkompliziert herzlichen Gastfreundschaft der Familie Almásy, die diese Burg geerbt hat. Im Burghof erinnert ein Schild an den Großonkel LASZLO der jetzigen „Burgherrin“ Andrea: Cineasten kennen ihn als den Wüstenforscher und „Englischen Patienten“ aus dem gleichnamigen Film – er ist hier auf Burg Bernstein geboren.

Am liebsten würde ich gleich alles nachlesen, aber wir sind im mit Kerzen ausgeleuchteten und vollkommen stromlosen Rittersaal zu einer Jause bei Andrea Almásy und ihrem Sohn Erasmus zu Gast und solche Gastgeber lässt man nicht warten. Wir tafeln schon am Nachmittag fürstlich mit selbstgebackenen Schinkenkipferln und Burgenländer Kleinbäckerei – bei Kerzenschein schmeckt ja alles noch einmal so gut. Auch hier knistert ein Feuerchen im Ofen und wir haben einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt Bernstein.

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Hier gibts keine Schlüssel für das Zimmer, nachts wird das große Burgtor eigenhändig mit dem überdimensionalen Schlüssel versperrt. Etwas entfernt von den Zimmern in der Burg liegt die etwas neuere Oklahoma Suite, die eine eigene Terrasse mit Blick über Bernstein ihr eigen nennen kann. Perfekt für Reisende mit Hund – denn in den alten ehrwürdigen Zimmer mit dem originalen Mobiliar sind neugierige Hundenasen nicht erlaubt. Bei den manchmal hunderte Jahre alten Bettpfosten nur zu verständlich.

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Blick von der hundefreundlichen Oklahoma Suite über Bernstein

In der Burg Bernstein kann man sich  von Mai-Oktober als persönlicher Gast der Almásys fühlen: Jedes Zimmer hat seine eigene Wirkung und Patina, wobei meine Favoriten das urgemütliche Studentenzimmer (Spezial-ANGEBOTE wieder ab Mai 2015!) und wegen des entzückenden Namens auch das „Tantenzimmer“ war. Abends kann man im Kaminzimmer, wenns denn sein muss, das WLAN ausprobieren oder auch nur in die Flammen schauen, bevor man sich durch die langen dunklen Gänge auf den Heimweg zur eigenen Burg-Suite macht.

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Zuvor heißt es aber : Abendessen – und auch dieses läuft hier anders ab als in „gewöhnlichen Hotels“. Im Rittersaal aus dem 17. Jhdt. wird ein einziges Menü kredenzt, dieses wird aber von der Burgherrin selbst in der eigenen Küche gekocht, auf Platten wunderbar persönlich serviert. „Jeder kann hier nachnehmen, so oft er will. Bei uns geht keiner hungrig raus“, so Erasmus Almásy, der abends gekonnt als unser Gastgeber fungiert.

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Den Apéritif durften wir im Burghof übrigens selbst köpfen – mit Schwert, versteht sich.

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Mit den Besitzern lebt man hier unter einem gemeinsamen Dach, man speist die selben Köstlichkeiten und man schlendert durch die langen Schlossgänge und die zahlreichen offenen Durchgangszimmer wie bei sich daheim.

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Beim Frühstück wäre ich am liebsten ewig sitzen geblieben, die gemütliche Nische, das Silbergeschirr und die brennenden Kerzen im ansonsten dunklen Rittersaal wirkten unglaublich entschleunigend. Und ein Schlossgespenst tut hier natürlich auch Dienst. Man muss bein seinen Erkundungsgängen nur die richtige – oder falsche – Tür öffnen 🙂

Wer von der Burg hinabsteigt in den Ort, stößt alsbald auf das Felsenmuseum, das daran erinnert, dass Bernstein eigentlich seit dem Mittelalter eine Bergbaugemeinde war – hier wurde die „österreichische JADE“ abgebaut, das EDELSERPENTIN. Ein wahrer Künstler in der Behandlung dieses Edelserpentins ist Otto Potsch, sein Sohn Niko Potsch führt heute das Felsenmuseum und die dazugehörigen Kunstaustellungen.

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Otto Potsch ist immer noch hochaktiv als Maler, Bildhauer und Fotograf – bei mir daheim in Wolkersdorf. 

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Im Felsenmuseum sind  interessierte Hunde gern gesehene Gäste! Wir hatten auch eine tierische Abordnung bei der Besichtigung dabei.

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Foto mit Hund: Elena Paschinger
 

TIPP: Ab Mai 2015 steht die Burg Bernstein ihren Gästen wieder zur Verfügung. Fragen Sie nach dem Angebot für das Studentenzimmer oder die Aktion „Flucht aus der Stadt“.

Ein ausführlicher Bericht über unsere Tage in der Burg findet sich auch beim Wellness-Bummler.


HINWEIS: Ich wurde von Burgenland Tourismus und Kreativ Reisen Österreich eingeladen, Bernstein zu besuchen. Die Meinungen in diesem Artikel sind meine eigenen.

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