[7ways2travel] Mein liebster See: Altaussee. Aber nicht ohne Hund.

Am See mit Hund – eine Geschichte voller Widersprüche, wie die österreichischen HundebesitzerInnen leiderfahren wissen. Mein liebster See in Österreich ist der Altausseer See und auch hier gilt: Je weniger Saison, desto besser. HundebesitzerInnen wissen, was ich meine.

Es gibt viele Ausprägungen: „Hunde am See verboten“, „Hunde im See verboten“, „Hunde baden verboten“, „Hunde an die Leine“, „Leinenpflicht“, „Hier werden Nahrungsmittel produziert – Hunde verboten“ etc. Noch nervender als ein Hundeverbot an natürlichen Gewässern ist die Abart, nur angeleinte Hunde ins Wasser lassen zu dürfen. In diesem Fall kann man sich damit  behelfen, den Hund mit seiner Leine schwimmen gehen zu lassen – dass ich dabei die Leine am anderen Ende halten muss, stand dabei noch nirgends geschrieben.

Aber zurück zu meinem liebsten See, dem Altausseer See, der zu jeder Jahreszeit perfekt daherkommt und letztens sogar meinen wortkargen, mit emotionalen Lobeshymnen auf mich oder andere Naturschönheiten stets geizenden Mann zu überraschenden Sätzen wie „Hier ist es aber WIRKLICH schön!“ nebst „Das ist aber WIRKLICH ein schöner Badeplatz“ verleitete.

Zuvor aber hatten Hund und Mann die Aussichtswarte am Tressenstein in rekordverdächtigem Tempo erlaufen, äh erstiegen und traumhafte Fotos von dort oben abgeliefert. Unser Basislager war diesmals übrigens der Campingplatz Temel, ebenfalls in Altaussee.

Campingplatz Temel in Altaussee
Blick vom Tressenstein auf den Altausseer See
Blick vom Badeplatz nahe Kahlseneck auf die Trisselwand.

Was uns anno 2017 am Altausseer See natürlich als erstes ins Auge sticht, ist das fast neue VIVAMAYR Resort direkt neben der Seevilla und neben der köstlich duftenden Gradieranlage. Ein nicht unschönes dreiteiliges Gesundheitshotel mit Holzfront (Schwesternhotel in Maria Wörth), das natürlich auf das Konto des hiesigen Salzbarons geht, F. X. Mayr auf ultramodern anbietet und damit einen sehr guten Ruf genießt. Wenn wir vom Hotel Seevilla am See entlang Richtung Bootsanlegestelle (SOLARBOOT!) spazieren, kommen wir am ersten öffentlichen Badeplatz vorbei (Hunde verboten), der groß und sehr gepflegt einladend wirkt – für die ganze Familie – mit viel Gras und einem Traumblick über den gesamten See bis ganz nach hinten zur Trisselwand. Hunde verboten, dafür in unmittelbarer Nähe zum Geburtshaus von Barbara Frischmuth, die österreichische Autorin ist Ausseerin und hier allgegenwärtig – auch wegen ihres Gartens. (Und der Bücher über ihren Garten…)

Friedrich Torberg etwa schrieb 1942, als er  im kalifornischen Exil saß (wie soviele andere Intellektuelle auch, u.a. Heinrich und Thomas Mann, Franz Werfel, Arnold Schönberg, Bruno Frank und Lion Feuchtwanger… die Liste ist endlos) über sein geliebtes Altaussee:

„…Gelten noch die alten Strecken?
Streben Gipfel noch zur Höh‘?
Liegt im bergumhegten Becken
noch der Altausseer See? …

Treibt’s mich heut‘ zum See, zur Klause?
Treibt’s mich auf die Blaa Alm hin?
Wird’s beim Fischer eine Jause,
wird’s ein Gang zur Wasnerin?…“

Torberg durfte 1951 alles wieder sehen – andere kamen nie mehr zurück.

Hund. Belesen. Nachdenklich.

Noch ein Viertelstündchen dauert es, bis wir zu unserem „WIRKLICH“ schönen Badeplatz kommen, wo wir auch Hunde-Wasser-Frisbee spielen dürfen: Am Seerundwanderweg bei der Jausenstation Kahlseneck lassen wir die Räder stehen und steigen durch das Grünzeug hinunter zu See: Schmale Kiesbuchten mit viel Privatsphäre laden dort die Hundebesitzer zum Baden und Sonnen ein – und das ganze mit einem Atem beraubenden Blick auf den Dachsteingletscher. Schöner kann Baden in Österreich wohl kaum sein.

Unser Platzerl anno 2017 und allezeit – „wild baden“ am Altausseer See.
Hundeblick auf mich und Dachsteingletscher
ICH.LIEBE.BADEN.BEI.DIESEM.AUSBLICK. Dachstein.

Die Jause wird selbstredend danach im Kahlseneck eingenommen – zahlende Hunde dürfen zur Konsumation quasi rein, auf die vorgelagerte schöne Liegewiese (Floß!) eben nicht. Wir konsumieren reichlich: Der große gspritzte Most ist ein MUST, gefolgt von einem Steierkasbrot als Vorspeise und den hiesigen Saiblingspatzn (Spezialität des Hauses – köstlich und nahrhaft 🙂 mit Rucola und ordentlich gewürzt. Nur mit Mühe ist mein Mann davon abzuhalten, auch noch Bratwürste mit Eschbonkoh (sic!), einer weiteren typischen Ausseer Spezialität, zu bestellen.

Mein StandardMenü beim Kahlseneck: Steirerkasbrot und großer gspritzter Most
Vor 10 Jahren – hundelos – auf der Seewiese.

Der Kran und damit die aktuelle Baustelle auf der Seewiese ganz hinten, wo einst Klaus Maria Brandauers „Sommernachtstraum“ aufgeführt wurde, lockt uns diesmal nicht. Aber genau auf der anderen Seite des Sees (dort wo die Straße auch zu unserem Campingplatz führt), gibt es noch mehr wilde Badeplätze – für mit und ohne Hund. Alles schon ausprobiert.

Hier gegenüber vom Ort Altaussee gibts reichlich Badeplätze. Hunde kein Problem.

Und wenn es offen hat, ist die Terrasse des Strandcafé der schönste Platz für ein gepflegtes Abendessen mit Ausblick auf die Trisselwand im Sonnenuntergang. Da wir aber antizyklisch zu reisen pflegen und das Strandcafé mit den höchst zyklischen Besuchermengen mitschwimmt (Donnerstag bis Sonntag), haben wir es schon öfter nicht besucht als besucht. Hier isst man übrigens natürlich Saibling, wenn man isst.

Der Loser.

Wer Altaussee sagt, muss auch Loser sagen:

Im Winter ein Skigebiet zum Schwärmen, im Sommer ein Wandergebiet. Auto bei Helis Loserhütte stehen lassen und hinter der Hütte in den Wanderweg zum Losergipfel einsteigen – der Ausblick dort oben ist phänomenal. Über das Loserfenster und den Augstsee (Bademöglichkeit für Hunde und alle Gletscherseefesten Wanderer) wieder zum Ausgangspunkt, wo ich ebenfalls eine mehr als deftige Mahlzeit  (Nockerln und Schmarrn) auf der beliebten Terrasse empfehle.

Der Augstsee – nahe der Loser Panoramastraße.
Abendliche Terrasse auf der Loserhütte
Früher, ganz früher mal – auf der Loserhütte.
Der Altausseer See von oben gesehen

Noch mehr Tipps: Mit Hund rund um den Altausseer See

  • Gar nicht schlecht und sehr aktuell sind die Bademöglichkeiten mit Hund in ganz Österreich auf tierischer-urlaub.com pro Region gelistet – eine generell gut gewartete Seite für reisende Hundebesitzerinnen.
  • Der Grundlsee ist ebenfalls sehr hundefreundlich, wenn man zu Fuß oder per Rad unterwegs ist. Auf den öffentlichen Badeplätzen so wie am Ausseer See auch Hundeverbot, aber ein paar Meter weiter beim „wild baden“ kein Problem“. Einfach beim JUFA Grundlsee weiter Richtung Berg weiterspazieren oder eine Platzerl mit dem Boot suchen! Gleich hinter dem Strandbad bei Gössl gehts am Fluss entlang Richtung Mühle und Toplitzsee – auch hier ist überall eine schöne Abkühlung für Hunde inklusive.
  • Salza Stausee: Überall Hunde erlaubt und außerdem ein wildromantischer Ausflug für heiße Sommertage. Boot ausborgen!
  • Abkühlen können sich die Hunde auch jederzeit in der Traun, die im Ausseerland ja allgegenwärtig ist.
  • GEHEIMTIPP: Der neu ausgeschilderte Koppentalwanderweg – Weg durch die Wildnis! (Prospekt bei der INFO holen!)
  • Lesetipps: Alle Aussee-Krimis von Alfred Komarek mit seinem Titelhelden Daniel Käfer: Es lohnt sich, die in den Büchern beschriebenen Plätze im Ausseerland zu besuchen.
  • Wanderwege für Hunde mit Kultur: Via Artis – ein Traum und die von Barbara Frischmuth zusammengestellte LiteraTOUR – ausgehend vom Literaturmuseum Altaussee.
  • Noch mehr Literatur gibt´s im Literaturhotel, der guten alten Wasnerin, die jetzt ein hochmodernes Natur- und Literaturhotel ist. Dennoch: Hunde erlaubt.
  • Kurz nach Eröffnung war ich im März 2014 auf Besuch im Narzissenbad – hier mein Bericht von anno dazumals.
  • Ein Künstler Besuch in Altaussee: Cu in B.A. – meine Eindrücke aus 2013 über den Maler Horst Jandl, der in der einstigen Sommerfrische Villa von Friedrich Torberg wirkt und das Hotel Erzherzog Johann in Bad Aussee.

NOCH MEHR REISEBLOGGER – noch MEHR SEEN – AUF DER GANZEN WELT:

Eben #7Ways2Travel


 

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