Top Ausflug: Julius Raab isst Beamtenforelle im Stift Seitenstetten.

In einem Kloster- oder Stiftsgasthaus isst man immer gut. Das habe ich heuer bereits mehrmals empirisch getestet. Zugegeben: Die Stichprobe ist nicht riesig, aber repräsentativ. Diesmal: Einkehr im Stift Seitenstetten. 

Das Mostviertel ist romantisch, ruhig und hochsommerlich, als ich von der A1 abfahre und mich zunächst nur hungrig auf die Suche nach dem Stift Seitenstetten mache. Anders als andere Benediktinerstifte sieht man Seitenstetten erst, wenn man im Ort um die enge Ecke gebogen ist – es liegt nicht wirklich erhoben mit Ausblick über die Weiten des Mostviertels. Erwarte ich mir aber auch gar nicht: Ich bin hungrig und neugierig auf die aktuelle Ausstellung im Stift.

Der Stiftsmeierhof („himmlisch bodenständig“ – so ein appetitlicher Spruch!) ist begrünt, beschattet und lauschig: Alles, was man sich nach langer und heißer Autobahnfahrt so erwartet. Noch dazu ein zuvorkommender und freundlicher Service, flott und lächelnd, wie es einem Stiftsgasthaus gut ansteht 🙂 Warmer Schweinsbraten auf Salat – viel Kaffee und ein Blick auf den Topfenstrudel am Nebentisch, das muss genügen. Innen die Apfel- und die Birnenstube sind wunderbar modern adaptiert und das mit schönen warmen Farben – so einladend muss ein Stiftsgasthaus sein. Den barocken Festsaal kann man mieten.

Weiter gehts ins Klostershop, wo ich keinen (!) Apfelmost einkaufe und mich von der netten Dame an der Kasse beraten lasse. „Kommt und seht!“ titelt der Folder des Stifts Seitenstetten – oder auch „Der Vierkanter Gottes“, der seit 900 Jahren schon der spirituelle Mittelpunkt des Mostviertels ist. Ich lasse mich von der Hitze nicht abschrecken und spaziere durch den schönen Hofgarten – Hunde leider nicht erlaubt, aber auf die wartet vor dem Eingang ein Schattenplatzerl mit Wassernäpfen. Vorbildlich!

Die Bibliothek mit den Fresken von Paul Troger darf ich ohne Führung (in der Saison zweimal täglich um 10 und 15 Uhr) leider nicht alleine besichtigen, aber alle anderen öffentlichen Bereiche darf ich besehen: Das Stift hat eine der wichtigsten Kunst-Privatsammlungen Österreichs – aus Moderne und Barock und 3000m² Ausstellungsfläche – Beeindruckend!

Mich zieht es aber besonders zur aktuellen Ausstellung „Schau ma amoi“ – unter dem Titel „Wirtschaft & Werte 2.0, Hl. Benedikt und Julius Raab +:-)“ (SIC!) kann ich mir zunächst wenig vorstellen.

Einmal drinnen, muss ich aber an jeder Ecke leise vor mich hinkichern! Ach, so war das damals, als Julius Raab maturierte und später unser „Baumeister der Nation“ wurde. Als er das ihm zu moderne Staatsvertrag Bild kurzerhand neu malen ließ und damit quasi bereits „photoshopte“. Und am liebsten aß er Knackwurst – die berühmte „Beamtenforelle“. Spannend auch seine Maturafragen anno 1911 in Seitenstetten.

So eine witzige, moderne Ausstellung in einem Benediktinerstift – ich bin begeistert. Anlässlich des 125. Geburtstags unseres „Staatsvertragskanzlers“ Raab gibt es eine spannende Mischkulanz: Ein Überblick über Werte und Meinungen damals und heute – das ganze wird dem Stiftsleben gegenübergestellt.

Welche Werte haben wir eigentlich heute? Julius Raabs humanistische Bildung, seine Kriegserfahrungen und seine Politik der sozialen Marktwirtschaft contra unsere/meine Werte anno 2017: Smartphone und Kommunikation. Na, „schau ma amoi“ – ich muss jetzt erstmal nachdenken.

Noch mehr Ausflugstipps rund um Seitenstetten

HINWEIS: HINWEIS: Drei Reisebloggerinnen sind für den Sommerblog der TOP AUSFLUGSZIELE Niederösterreich von April-September unterwegs. Da wir (so wie Sie wahrscheinlich auch) nicht gratis arbeiten, entstand dieser Beitrag in entgeltlicher Kooperation. Die Meinung im Artikel ist dennoch unverkennbar meine eigene.

 

Wie hat Dir dieser WIEDERUNTERWEGS Reisebericht gefallen?