„Fahr ma Weinholen nach Mailberg!“

Jahrzehnte lang war der Ausspruch meiner Großeltern

„Fahr ma Weinholen zum Lorenz nach Mailberg“

ein geflügelter Satz in unserer Familie. Als hätte es in Strebersdorf und Stammersdorf nicht genug Wein gegeben 🙂 Denn „Weinholen in Mailberg“ versprach stets einen abenteuerlichen Ausflug ins Weinviertel, Versteckspielen im Kellergewölbe, dunkle Presshäuser und deftige Speckjausen.

Anno 1969 im Keller beim Fürnkranz in Mailberg

Und Zuschauen beim Weinabzapfen mit dem Weinheber – hochspannend für uns Kinder!

Es war jahrelang dasselbe Prozedere.

Opi legte den Kofferraum des ohnehin schon recht tiefliegenden Autos behutsam mit mehreren dicken Decken für die Doppler aus, Omi richtete „eine Kleinigkeit“ als Jause her und dann gings für mich gefühlte Stunden vom heimatlichen Stammersdorf Richtung Norden nach Mailberg.

Bei der Heimfahrt, die meist bei ausgesprochen guter Laune verlief, hatten wir durch die reichliche Doppler-Ladung deutlich an Bodennähe gewonnen und bei jeder Kurve klirrte es verheißungsvoll aus dem Kofferraum.

 

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Seit den 60er Jahren des vorigen Jahrtausends (!) fuhr Familie Kraft also 2-3 Mal im Jahr nach Mailberg, um den Kofferraum randvoll zu füllen – mit Grünem Veltliner vom Fürnkranz – einen anderen Wein trinkt Opi auch heute mit knapp 91 noch nicht freiwillig. Früher wurden ausschließlich Doppler heim nach Wien gebracht, später und bis heute lagern bei uns die handlichen Literflaschen. Bouteillen werden ausschließlich zu Weiterschenk-Zwecken gekauft und auch hier bleibt Opi gerne seiner Linie mit dem GV treu.

Etwaige DAC-Weine oder sonstige niederösterreichische „Modeerscheinungen“ 🙂 wie Gelber Muskateller sind an ihm und seinem Weingeschmack über die Jahrzehnte spurlos vorüber gegangen und noch immer macht man ihm ausschließlich dann Freude, wenn man ihm bei einer Einladung den Fürnkranz Wein (den er gleich selbst mitbringt) kredenzt. Über Ursprungsbezeichnungen wie „Mailberg Valley“ würde er nur verständnislos schmunzeln und das Pulkautal sagt ihm auch nichts. Aber über Mailberg kann man mit ihm immer reden!

Der letzte gemeinsame Ausflug nach Mailberg
Familienausflug anno 2003 zum „jungen Fürnkranz“ nach Mailberg

Wir sind immer wieder mitgefahren: Erst als Kinder, dann als Jugendliche, später mit dem Partner, als Familienausflug mit Tante und Onkel – und 2003 das letzte Mal: Meine Großeltern besichtigten beim „Jungen Fürnkranz“ Hubert als alte Stammgäste gemeinsam mit Andreas und mir stolz die neue Kelleranlage und die modernen Gerätschaften und wir wurden höchst gastfreundlich im neuen Verkostungsraum bewirtet, als wären wir Großkunden.

Sogar durch die Weingärten wurden wir von Hubert kutschiert, meine Großeltern redeten noch sehr lange danach über diesen Tag.

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Voriges Jahr waren wir zu unserem Hochzeitstag radelnd rund um das Pulkautal und das Retzerland unterwegs und statteten auch dem wunderschönen Schloss Mailberg (mit der NÖ-Card) einen Besuch ab.

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Dieser Tage werde ich einmal mehr nach Mailberg zurückkommen und diesmal höchst feudal im Schlosshotel nächtigen. Ab 6. 11. findet dort übrigens ein Fasten-Wochenende im Schloss statt – hineinschnuppern werde ich zwar, aber ein gepflegtes Abendessen im Restaurant Schlosskeller mit seinen zwei Hauben werde ich mir denn doch nicht entgehen lassen! Und hundefreundlich sind sie auch 🙂

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