Von Hauben und Hunden im Schlosskeller Mailberg

Ganz ehrlich: Ich weiß gar nicht, ob ich bis zum gestrigen Abend schon jemals in einem Zwei-Haubenlokal war. Kann sein, kann aber auch nicht sein. Ist aber auch müßig die Überlegung, denn ich möchte mich in einem Lokal (egal ob Heuriger, Wirtshaus oder Hauben-Restaurant) in erster Linie wohlfühlen, geschätzt wissen und genau das (ver)kosten, was ich daheim nicht auf den Herd bringen kann oder will. Das alles habe ich jüngst im Schlosskeller Mailberg bei Verena und Christoph bekommen – und überdies war es saugemütlich. Pardon 🙂

Im Schlosskeller Mailberg

Haubenlokalen eilt ja ansonsten nicht unbedingt der Ruf voraus, für ihre umwerfende Gemütlichkeit bekannt zu sein – wenn mitten im Haubenlokal eine riesige Weinpresse steht und früher hier mal ein Heurigen existiert hat, dann darf man sich als bodenständige Weinviertlerin auch bei Gault Millau Haubenkoch, Falstaff-Aufsteiger und Wirtshaus-Preisträger Christoph Schüller in Mailberg wohlfühlen.

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Heut abend gibts „Carte Blanche“.

Endlich wird mir mal eine Entscheidung abgenommen und ich muss mich einfach nur überraschen lassen 🙂 Und das gleich 8 Mal. Denn wir nehmen das „7-erlei“, erweitert um einen Veggie-Gruß aus der Küche. 7 Gänge lang – das sind in unserem Falle fast 3 Stunden – werden wir mit farbenfrohen und köstlichen kulinarischen Kompositionen (hier passt dieses Wort sogar aus meinem Munde) überrascht.

Veggie-Gruß und Mangalitzaschwein an Salz und Pfeffer

Wofür haben wir schließlich hier in Niederösterreich soviele „Genuss-Regionen“ – da bin ich einer Meinung mit dem Tiroler Küchenchef  Christoph Schüller, der nach getaner Arbeit kurz bei uns vorbeischaut. Er kauft vorzugsweise in regionalen Betrieben und mit der „Laaer Zwiebel“ haben wir beim Amuse Gueule gleich begonnen.

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Weinviertler Erdäpfel, Weinviertler Wild, Weinviertler Getreide, Retzerland Kürbis – nur ein paar der niederösterreichischen Genussregionen, deren Produkte gestern über unsere Tellerränder gegangen sind – hervorragend erfrischend und farbenfroh zubereitet.

Während wir einen um den anderen Gang hocherfreut mit der passenden Weinbegleitung genießen, werden wir von Verena Schüller aufmerksam umsorgt und bei zwei dezent anwesenden „Schlosskeller-Hunden“ nebst Besucherhund dreht sich das Gespräch dann schon bald mal nicht um die Hauben, sondern um Hunde. Denn nicht nur im Schlosshotel Mailberg, sondern auch im Schlosskeller sind Hunde gern gesehene Gäste:

Niemals zuvor wurde in einem Haubenlokal für Hund Coffee von der Chefin selbst ein Sessel beiseite gerückt, damit er es sich gemütlich machen kann. Ein kleiner Drink, zusätzliche Streicheleinheiten, ein Knochen und gute Gespräche mit ihr rundeten den gelungen Abend auch für ihn zufriedenstellend ab.

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Zurück zur Carte Blanche – wir begaben uns also vertrauensselig in die Hände von Koch Christoph Schüller, ließen uns fast 8 Gänge lang immer wieder überraschen und:

Wir würden es jederzeit wieder tun!

Meine Favoriten waren eindeutig die vegetarischen Gerichte – und auch Christoph Schüller gibt zu, dass er momentan wirklich Freude am Experimentieren mit Gemüse hat. Wir haben es geschmeckt!

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Mein Favorit: Chioggia.Rübe. Sauerrahm.Distelöl

Weil ich zu Recht große Zweifel an meinem Kurzzeitgedächtnis hege, habe ich die Menüabfolge sogar mitgeschrieben. War aber nicht nötig. Nicht, weil ich mir alles gemerkt hätte, sondern weil wir nachher das Menü („Vom Bedürfnis, die Neugier zu stillen“) schriftlich mit nach Hause bekamen.

Zum Nachlesen und Nach-Genießen: Chioggia Rübe, Quinoa, Kletzn, Wolfsbarsch, Alge, Dill, Vogelbeergelee, Feldhase, Maroni, Amaranth, Sorbet,  ….

Das alles und noch einiges mehr war unser 7-erlei.

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Auswählen kann man im Schlosskeller-Mailberg (nebst der À La Carte Auswahl) aus Überraschungsmenüs zu 4, 7, 9 oder 12 Gängen. Und das Beste daran: Die Menüs sind durchaus erschwinglich und machen nicht pappsatt sondern hochzufrieden mit sich und der Welt. Dass die Weine aus dem Mailberg Valley kommen und ich einen Rosé vom Fürnkranz kostete, muss nicht extra erwähnt werden. Übrigens, à propos regional:

Mein Apfel Cider als Apéro kam vom Filipp aus unserem Nachbarort Bogenneusiedl. Weinviertler sollten zusammenhalten.

Das gilt auch für Hunde: Deswegen beschlossen wir den wunderbar genussreichen Abend gemeinsam mit Verena und ihren aufgeweckten Schlosskeller-Hunden Meru und Sari bei einem kleinen spontanen Hundewettrennen (für uns ging Coffee in den Kampf 🙂 im Hof des Schlosses Mailberg.


HINWEIS: Ich wurde vom Schlosshotel Mailberg freundlicherweise eingeladen, hier eine Nacht zu verbringen und den Schlosskeller zu besuchen. Die Meinungen in diesem Artikel sind dennoch meine eigenen.


 

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