„Wildkirchli“: Von Bären, Eremiten und Einsiedlern im Fels

In meinen ostösterreichischen Ohren klingt allein das Wort „Wildkirchli“ schon entzückend abenteuerlich und ein bisschen nach einem Buch von Johanna Spyri („Heidi“).

WIEDERUNTERWEGS Gastautor Hansjörg Klotz hat sich für eine Aufwärm-Kletterrunde noch schnell vor dem ersten Schneefall in der Schweiz an einem Morgen im Herbst auf den Weg gemacht – zum Wildkirchli auf der Schweizer Ebenalp, kaum eine Stunde von seinem Vorarlberger Wohnort Nüziders entfernt und – die Wiege des Tourismus im Appenzellerland.


Eine Tour in die Steinzeit und Pionierzeit des Alpin-Tourismus.

Von WIEDERUNTERWEGS Gastautor Hansjörg Klotz.

Einen Tag vor dem ersten großen Schneefall war ich mit Anita wiederunterwegs – zum Wandern und Klettern rund um die Ebenalp.

Der bekannte Schäfler Klettergarten ist nur 20 Minuten von der Ebenalp-Bergstation (1644 Meter) entfernt. Von hier reicht der Blick zum Bodensee, zum Schäfler-Gipfelrestaurant (1924 Meter) und zum Säntisgipfel mit seiner Seilbahn-Bergstation (2504 Meter).

Auf der Ebenalp

Bei Sonnenuntergang gehören die Blicke von unserem Vorarlberger Wohnsitz Nüziders zum Säntis zu einer romantischen Abendstimmung.

Ein beeindruckendes Panorama rund um das Wildkirchli gibts hier.

 

 

Das Wildkirchli ist eigentlich eine Ansammlung von drei uralten Höhlen im Stein und wurde bereits  1621 (!) errichtet. Unser Abstieg ging vorerst zu den Höhlenbärengräbern auf ca. 1500 Meter, die Gesamtfläche der Höhle beträgt 2000 m2. In unseren Alpen ist der Höhlenbär seit rund 20.000 Jahren ausgestorben. Ein Teil der Riesenhöhle ist die Eremitenhöhle (eine frühere Einsiedelei), die Wildkirchli-Kapelle ist gleich nebenan in einer eigenen Einbuchtung der Felswand. Das spielt sich übrigens alles mitten in einer felsdurchsetzten Wand auf 1451 Metern Seehöhe ab! Früher führten die hier hausenden Einsiedler die Bergsteiger durch die Höhlen – mit Fackeln: So entstand der Tourismus im AppenzellerLand.

Kurz danach, auf fast gleicher Höhe  mitten auf dem ausgesetztem Steig, liegt  das Berggasthaus Äscher, direkt an und in die Felswand gebaut, eines der ältesten Berggasthäuser der Schweiz. Ab 1800 begannen die Wildkirchli-Eremiten und die Senner der Alp Äscher dort einfache Speisen und Getränke zu verkaufen. Aus der Äscher Alphütte entwickelte sich dann Anfang des 19. Jahrhunderts das heutige Gasthaus Äscher.

Wildkirchli im Fels

Eine der seltenen Messen in der Wildkirchli Kapelle zu erleben, ist sicher ein starkes mystisches Erlebnis und dann darf natürlich eine Einkehr im Gasthaus Äscher nicht fehlen. Anschließend geht es hinunter zum romantischen Seealpsee und nach kurzer Einkehr hinaus nach Wasserauen auf 876 Meter.

Verdientes Appenzeller Bier

Diese Gegend rund um Ebenalp wird heute von extremen Kletterern besucht, von Seilbahntouristen und anspruchsvollen Wanderern. Anita und ich durften auf unserer Tour von alledem etwas genießen.

Nach der frühen Seilbahnauffahrt über die Köpfe von Gämsen hinweg, kletterten wir einige anspruchsvolle Seillängen am Schäfler. Mit Blick weit ins Land, hinunter zum Dunst des Bodensees, gleichzeitig bester Ganzkörperfrühsport 🙂

Wir wollten aber auch eintauchen in die uralte Geschichte dieser Landschaft um das Schwäbische Meer. Für einen Kletterer ist dieser Abstieg hinunter zum Seealpsee durch Höhlen und gut versicherte, teilweise ausgesetzte Steige ein Genuss, Wanderer sollten zu mindestens keine Höhenangst haben.

Eine Tour für alle Sinne – und wieder mit Geschichte.

Seealpsee


Wie hat Dir dieser WIEDERUNTERWEGS Reisebericht gefallen?