Schloss Eckartsau: Ein Ausflug in die letzten Tage der Donaumonarchie

Schloss Eckartsau im Marchfeld ist jenes geschichtsträchtige Privatschloss der Habsburger, in das sich unser letzter Kaiser mit Anhang für paar Monate zurückzog, nachdem klar geworden war: Die Österreicher wollen keinen Kaiser von Gottes Gnaden mehr.

schloss eckartsau zugangsweg

Ein Ausflug zum Schloss Eckartsau

Das Schloss Eckartsau liegt am Rand des Nationalpark Donau-Auen im Marchfeld und damit im Weinviertel. Es gehört zum Marchfelder Schlösserreich: Die fünf Schlösser Eckartsau, Orth, Marchegg, Niederweiden und Schloss Hof haben sich zu dieser ARGE zusammengeschlossen. Und allesamt sind sie einen oder mehrere Besuche wert.

Schloss Eckartsau - Factbox 2019
  • Öffnungszeiten für Besucher: Ende März bis Allerheiligen täglich 10-17 Uhr
  • Ins Schloss darf man nur mit Führung – täglich während der Öffnungszeiten um 11, 14 und 17 Uhr – sehr empfehlenswert!
  • Im Café kann man drinnen oder draußen im Schlosshof sitzen – hübsches Ambiente. Ein kleines Shop ist auch dabei!
  • Der Schlosspark ist das ganze Jahr über geöffnet – für allfällige Picknicks mit Hund 🙂
  • WEBLINK zum Schloss Eckartsau
  • TIPP: 2 spannende Videos zum Gedenkjahr 2018 – „Ankunft“ und „Abschied“ von Kaiser Karl im Schloss Eckartsau ONLINE
  • Ja, die NÖ-Card gilt im Schloss Eckartsau – einmalig mit Führung: LINK
  • Ein riesiges Angebot an Spezialführungen gibt es hier ONLINE
  • Das Schloss Eckartsau ist ein kulturelles Highlight der europäischen Reiseroute und Ferienstraße „Donau – Straße der Kaiser und Könige“.

Mit Hund im Schloss Eckartsau
  • Hunde sind im Schlossinnenhof und im Café sowie im Park erlaubt
  • Der Schlosspark ist das ganze Jahr über öffentlich zugänglich: Für einen schönen Hundespaziergang oder ein Picknick mit Schloss-Ausblick sehr empfehlenswert.

innenhof eckartsau

 

Was war damals los im Schloss Eckartsau? „Unser“ letzter Kaiser Karl

Dass sich Kaiser Karl im November 1918 nach Eckartsau „zurückzog“, das ist vielleicht zu euphemistisch ausgedrückt, eigentlich war es ein Zufluchtsort für ihn und seine große Familie. Man hört zwar immer nur von Karl und Zita mit acht Kindern – aber in Wirklichkeit waren viel, viel mehr Menschen vorort – und warteten ab. Bis klar war: Der letzte Kaiser muss ins Exil. Das alles und noch viel mehr hat sich dort im Marchfeld von November 1918 bis März 1919 abgespielt und wenn man ein bisschen reinliest, liest es sich wie ein Krimi.

War es auch irgendwie, denn nach fast 640 Jahren Herrschaft waren die Habsburger weg vom Fenster. Karl wurde gezwungen, auf die Regierungsgeschäfte zu verzichten – für Österreich un Ungarn. In Eckartsau sitzt Karl nun mit seiner riesigen Entourage, beschützt von einem aus England eigens für ihn geschickten Bewachungsoffizier und seiner Frau Zita, die ihn quasi coached: Sie ist noch konservativer und noch religiöser erzogen als Karl – die Habsburger herrschen aus Gottes Gnaden – davon wird sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1986 überzeugt sein.

Ihr Begräbnis gerät in Wien zu einem Massenspektakel (ich war dabei!) – eine gut begründete „Gesetzeslücke“ machte es möglich, dass sie nach Österreich zurückkehrt und hier begraben wird. Obwohl sie nie auf irgendwas verzichtet hat.

Während also Karl im Winter 1918/19 hochnervös rumtelefonierend und telegrafierend an einem möglichen Comeback von Eckartsau aus arbeitet – sein Onkel Franz Ferdinand hat das Schloss mit allem für damalige Verhältnisse luxuriösen Pipapo eingerichtet von fließendem Warmwasser über Heizung, elektrisches Licht und Telefon – arbeitet seine Gefolgschaft immer noch am Wohlergehen der kaiserlichen Familie: Fensterputzerinnen, Köche, Hoftafeldecker, Gärtner, Extrafrauen und Extramänner (sic!),  Hofdamen, der Hofarzt, zahlreiche Chauffeure und Büglerinnen – eine kleine Restmonarchie in Eckartsau. Spooky.

Das Telefon ist nicht wirklich sein Medium – dem Vernehmen nach

Hilft aber nix. Karl Renner kommt vorbei und wird nicht empfangen vom letzten Kaiser. Warum? Darüber gehen die Meinungen der beiden Protagonisten damals auseinander. Offiziell werden Karl und Zita nie abdanken. Dies und viele andere hochinteressante Details und Anekdoten über Eckartsau als letzten Zufluchtsort der kaiserlichen Familie kann man in einer Dauerausstellung im Schloss heute sehen. Und mit einer Führung kommt man in die verschiedensten Räumlichkeiten des Schlosses.

Karl sagt... Renner sagt...
Karl sagt… Renner sagt…

Schlafzimmer mit Wärmeflasche, Sekretär und modernem Badezimmer

Was sieht man im Schloss Eckartsau heute?

Vorweg: Eckartsau ist ein wunderschönes Ausflugsziel. Am feinsten ist aber, wenn man nach dem Kulturgenuss im riesigen Schlosspark abhängt – im Liegestuhl oder auf der PIcknickdecke. In der Dauerausstellung „Karl und Zita“ sieht man ein wenig hinter die Kulissen der letzten Tage des Kaiserpaars in Österreich. Aber auch wie die Realität beim gemeinen Volk nach dem großen Weltkrieg aussah: Hunger und Elend, während man in Eckartsau fieberhaft um einen Weiterbestand der Monarchie kämpfte.

Bei der Führung trifft man sich in der Eingangshalle und geht dann hinauf – gleich Richtung Festsaal. Natürlich mit einem Daniel Gran Deckenfresko – welches Schloss oder Stift im Donauraum hat das nicht. Danach geht´s durch die verschiedenen Räume. Witzig sind dabei die Kleinigkeiten: Wärmflaschen von anno dazumals, Pinkelboxen für Frauen (der Vorläufer unserer heutigen Frauen-Urinale für unterwegs – kennt jede Backpackerin!), kaiserliche Duschbäder und die ersten Flush-Toiletten aus England. Aber auch der Schreibtisch, an dem die Verzichtserklärung auf Ungarn unterzeichnet wurde und 120 Jahre alte, noch funktionierende Lichtschalter.

Wärmflasche. Ich mag sie.
Mitten im Schlosspark
Deckenfresko mit Hund
Sie funktionieren noch! Lichtschalter, 120 Jahre alt. Nur nach rechts drehen!

Die Bibliothek und das Speisezimmer des letzten Mittagessens der kaiserlichen Familie vor dem Gang ins Exil kann man ebenfalls besehen. Was es zu essen gab? Das Menü gibt´s zum Nachkochen auf der Website des Schloss Eckartsau. Im Schloss Innenhof findet sich ein Café, innen drinnen ein kleines Shop mit Büchern und Souvenirs. Übrigens ist Eckartsau nicht nur eine ausgezeichnete Wedding Location, sondern gibt auch Filmlocation was her. „Das Sacher – in Bester Gesellschaft“, der weihnachtliche TV-Mehrteiler 2016 mit der guten Besetzung hatte die eine oder andere Szene hier gedreht. Für Insider: Die mit der Geburt auf den Stufen.

Das letzte Mittagessen
Speisezimmer

 

Wer wirklich interessiert ist an den letzten Tage des Karl in Eckartsau, der fährt auch noch kurz nach Kopfstetten: Dort am Bahnhof wartete damals im März 1919 der Salonwagen, der Familie Habsburg nach Feldkirch und weiter in die Schweiz brachte. Der Weg nach Kopfstetten war damals noch recht beschwerlich für den ganzen Konvoi, Karl jammert darob ein bisschen.

Bahnhof beim Schloss Eckartsau
Bahnhof Kopfstetten heute 2019
REISETIPP: Die DONAU – Straße der Kaiser und Könige

In der internationalen ARGE „Die Donau-Straße der Kaiser und Könige“ engagieren sich Tourismusorganisationen und Schifffahrtsunternehmen für das gemeinsame europäische Erbe Auf den Spuren u. a. von Marc Aurel, Friedrich Barbarossa oder den Habsburgern.

Das Schloss Eckartsau und das Schlösserreich im Marchfeld sind nur einige der kulturellen TOP HIGHLIGHTS der Straße der Kaiser und Könige: Die Donauregion Niederösterreich mit allen Highlights – nachlesen und nachREISEN! 

Duschkabine à la Franz Ferdinand

Lohnt sich der Ausflug? Meine Meinung

  • Ja. Ich fand die Dauerausstellung zu Karl und Zita mit den vielen kleinen Hints zur damaligen Zeit sehr interessant. Wie etwa: „Weil es im Krieg auch an Brot mangelt, kommen Brotersatzmittel zum Einsatz. In Bruck wurde Brot mit 20-30% Holz(schliff) hergestellt…“ Das Rezept zum „Brot aus Holz“ gibt´s zum Mitnehmen. Oder: Ein Kuchen aus Kartoffelschalen.
    Kochrezept aus Kriegszeiten
  • Man kann im „Familienalbum“ von Karl und Zita blättern, wie im eigenen Fotoalbum.
  • Ich fand den Park sehr ansprechend. Vor allem für einen Familienausflug mit Hund für ein Picknick mit Ausblick aufs Schloss.
  • Das Schloss selbst ist restauriert und strahlt nur so. Man könnte den Ausflug mit einem Trip in die Donau-Auen, Fischessen in Orth oder einem weiteren Besuch im Marchfelder Schlösserei verbinden.
  • Das Schloss ist eine mit dem Austrian Wedding Award ausgezeichnete Hochzeitslocation. Der Park mit dem Hochzeitspavillon und der Festsaal sowie die Stiege hinan sind aber auch sehr pittoresk.
Ein Staubsauger bei Kaisers
im Shop des Schloss Eckartsau

 

 

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