#Innradweg14: Endlich gesattelt – bis nach Zernez

Heute gehts endlich richtig los. Aber zuvor muss ich mich noch in dem herrlich morgendlich aufmunternden Jugendstil Speisezimmer mit Blick auf den Moritzer See mit dem Frühstück stärken. Und dann gehts um wirklich wichtige Dinge: Werde ich all die Packtaschen auf meinem Velo unterbringen können? Da ich einst durch die Saul´sche Pack-Schule gegangen bin, hab ich mir ein paar praktische Utensilien von daheim mitgebracht und schließlich steht mein Packesel, äh Velo, fertig da zur Abfahrt.

Von St.Moritz nach Zuoz

Mein erster Stop ist 150 Meter weiter beim Info-Büro von Moritz, wo ich ENDLICH eine Radkarte zum Innradweg ausfassen kann – jetzt fühl ich mich schon viel sicherer. Rasant gehts runter zum See nach Moritz-Bad für die ersten Fotos mit dem Velo und den umliegenden weißen Bergesriesen. Über die verbaute See-Seite von Moritz mag man geteilter Ansicht sein (warum muss das Parkhaus die schönste Aussicht und den besten Platz am See haben?), aber die umliegende Bergewelt ist gigantisch.

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In Moritz selbst findet man nicht problemlos zum Innradweg – schon gar nicht unter diesem Namen. Aber ich halte mich an die Graubündner 6-er Radrouten, die mich aus der Stadt raus und schließlich nach Celerina und dann endlich am Fluss entlang bis nach La Punt führen. Es geht öfter über den Fluss, entlang von grünen Feldern, Löwenzahnwiesen und Weiden und einigen kleinen Schlösschen bis nach Zuoz. Dort hätte ich gerne die angeblich höchstgelegene Rösterei besucht, ob dieser Anspruch stimmt, kann ich leider nicht testen. Es riecht zwar köstlich nach frischen Kaffeebohnen, aber rein darf man erst am Nachmittag.

Einsame Waldfahrt mit spektakulären Ausblicken auf die Zugtrasse

Kurz nach Zuoz passiere ich das Örtchen S-chanf (sic!) von sich der Radweg endlich durch Nadelwälder bergan in den Wald schlängelt und schließlich eher einem Wanderweg ähnelt. Einsam radle ich durch den Wald – unter mir immer wieder die Aussicht auf die kühne Streckenführung der Rhätischen Bahnen – die angeblich nur 10 km bis nach Zernez immer im Auf und Ab kommen mir endlos vor. Dank der Landecker Verkehrsbetriebe bin ich im Genuss eines Ebikes – bei dem Gedanken, mit einem vollbepackten Normalo-Fahrrad hier im Wald die teilweise schottrigen Wege raufzuschieben, verginge mir die Lust auf die vielen Fotos-Stopps, die ich hier unweigerlich machen MUSS.

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Doch merke, auch für ein Ebike gilt: Zuerst runterschalten und dann erst die Steigung nehmen. Sonst steht man nämlich irgendwann am steilsten Punkt und kommt trotz „assistance high“ sicher nicht mehr weiter. Ansonsten hat es sich heute bewährt, meist „ohne assistance“ (also ohne Motorunterstützung) zu fahren, und erst kurz vor jeder Steigung umzuschalten. Ich bin halt auch hier ein – Akku – Sparmeister.

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Schließlich stehe ich mit meinem Velo hoch über Zernez – in den Bergen braut sich was zusammen – genieße einen richtigen Downhill Ride und stehe vor einer Radler-Brücke, die gerade gesperrt ist. Der Umweg führt mich über zahllose Löwenzahnfelder in einem weiten Bogen nach Zernez, wo ich ungefähr drei Mal am Nationalpark Zentrum vorbeiradle, ohne es zu sehen. Ein schmuckloser Sichtbeton-Bau neben der Straße, innen modern und mit vielen Multivisions-Elementen sehr ansprechend gestaltet. Denn Zernez – am Zusammenfluss von Inn und Spöl gelegen – ist das Tor zum Schweizer Nationalpark, dem ältesten Der Schweiz, der noch dazu heuer seinen 100. Geburtstag feiert.

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Schweizer Köstlichkeiten und dem Rätoromanischem lauschen – dafür muss Zit sei

Da morgen ein dichtes Programm in der Schweiz und in Tirol auf mich wartet, genieße ich heute Nachmittag in der Zernezer Sonne ein paar Schweizer Spezialitäten: Die Bündner Gerstlsuppe, ein Gläschen vom Rivella und bereits zum 2. Mal in zwei Tagen die Engadiner Nusstorte. Und beim Frühstück hatte ich heute ein Häppchen vom Bündnerfleisch. Nein, ich bin kein Foodblogger, aber ich liebe lokale Köstlichkeiten 🙂 Im Hotel Bär&Post in Zernez, wo ich heute absteigen darf, werde ich von der Chefin höchstpersönlich und sehr zuvorkommend begrüßt – heute werde ich von der Lobby aus bloggen.

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Morgen werde ich leider den Schweizer Teil des Innradwegs verlassen müssen, in Scuol wartet ein Transfer nach Landeck auf mich. Schade, denn das Radln mit den weißen „Piz´n“ und Drei- und Viertausendern in allen Blickrichtungen hat  mir sehr gefallen. Dazu kommt, dass hier im Graubündnerischen auch rätoromanisch gesprochen wird – für mich phonetisch eine Mischung aus vorarlbergerisch, schweizerisch, italienisch und – lateinisch. Kurz gesagt: Ich versteh kein Wort, aber es hört sich wunderbar an und die geschriebene Sprache wirkt für mich geheimnisvoll und spannend zugleich. Manchmal muss ich zweimal hinhören um rauszuhören, ob es nun italienisch (wie in St. Moritz an jeder Ecke gesprochen wurde) oder doch romanisch ist. In meinem Zimmer liegt eine in für mich fremden Zungen geschriebene Information auf und ich kann nur ahnen, dass es darin um an der Heizung geplanten Bauarbeiten gehen könnte. Vielleicht.

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