#Innradweg14: Ein Ende bei Hochwasser und Bier

Als ich morgens mein Radl unter den schützenden Arkaden des Stifts Reichersberg für eine letzte Regen-Etappe aufrüste und gerade meine Ganzkörper-Regenhaut überziehen will, höre ich von hinten ein fröhliches „Guten Morgen“, das  gar nicht zum grauen, fast vernebelten Regentag past. Der „Chef“ vom Stift will sich persönlich von mir verabschieden (Ich hatte nur Grüße ausgerichtet und bei der Arbeit nicht stören wollen) und innerhalb von 5 Minuten hat er…

… -eine LKW-Lieferung für den Klosterladen abgebrochen, -veranlasst, dass die Ware daraus zwischengelagert wird, um mein Rad verstauen zu können, -mich auf einen kleinen Tratsch in sein Büro eingeladen, -die Autoschlüssel besorgt, -mein Rad wieder fachmännisch verzurrt und -sich gleich wieder selbst hinters Steuer gesetzt, um mich trocken nach Schärding zu befördern. Unkompliziert und tatkräftig. Danke vielmals. Ein letzter Tratsch übers Reisen, Bergsteigen und Radfahren und schließlich bin ich in der schönen Barockstadt Schärding am Inn inkl. Rad und Gepäck und noch immer nicht nass.

2016 feiert man hier „700 Jahre Stadt“ – eine beeindruckende Zahl. Heute ist hier Hochbetrieb – Tagesausflügler in Gruppen wohin man schaut.

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Das ändert sich zwar schnell bei meiner kleinen Rundfahrt am Stadtplatz. Fast genau 1 Jahr nach dem verheerenden Hochwasser ist heute auch wieder Hochwasser-Alarm. Schon in der Früh hatte ich mehrmals die Sirenen gehört. Bei der Schärdinger Brauerei Baumgartner Bier treffe ich zwei Damen vom Schärding Tourismus (die ersten, die während #innradweg14 gemeinsame Fotos schießen, um sie auf Facebook zu posten – sehr professionell!) und Fremden- und Brauereiführer Wini. Schärding war mal ne Hochburg des Biers – 14 Brauereien gab es einst – der Inn macht (die Innschiffer und andere) wohl recht durstig. Und der Inn ist hier allgegenwärtig – auch heute: Wasser überall.

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Die bunten Häuschen an der Silberzeile repräsentieren die Zunftfarben von einst, wie überall am Inn war auch hier der Salzhandel ein Thema. Und wie schon während der letzten 8 Tage auf meinem #innradweg14 durch die Schweiz, Deutschland und Österreich gibts hier auch aktuelle #Genuss Themen. Picknickkörbe, das „Schärdinger Schlemmerfest“ , die vielen Wirtshäuser und das Bier….

Die Brauerei Baumgartner hat ihre Führung jüngst multimedial gestaltet – wir besichtigen das Sudhaus mit der Sudpfanne, sehen einen 3D Film und es gibt ein kleines Museum mit Video-Elementen. Den Abschluss bildet der Besuch der „Bier-Apotheke“, eine vorzügliche Umschreibung für die Verkostung des prämierten Pils – oder anderer Sorten (ich nehm ein Zwickl). Der Arbeitsplatz eines Braumeisters anno 2014 ist übrigens – am Computer.

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Mit dem allwissenden Winfried Parzer kehre ich schließlich in der „Bumsn“ ein – die kennt hier jeder. Der Name ist hierorts ein vielzitiertes Hauptwort und kommt aus der Zeit, als man hier noch die Bier-Fässer in den Keller runterplumpsen ließ: Dort bumsten sie aufeinander – voilà. Heute ist auch hier Hochbetrieb. Dank dem allwissenden Wini sehe ich Fotos von der Hochwassersituation vor genau einem Jahr – sehe Bilder seines unter Wasser stehenden Elternhauses am Burggraben – für ihn seit jeher ein fast gewohntes Bild. Auch zeichnet er mir am Stadtplan ein, bis wohin das Wasser im Hochwasserfall gelangt und erzählt von den Einsätzen von Bundesheer und Feuerwehr. Ich frage mich, wie die Menschen, die Hotels und anderen Gewerbetreibenden hier mit der ewigen Gefahr des Hochwassers das ganze Jahr leben können. Der neue Hochwasserschutz (bis 9m) ist fertig, mehr ist nicht möglich – beim Extremhochwasser letztes Jahr stand der Wasserpegel  bei 10m 80.

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Für den Schärdinger „Relaxweg“ ist es heute zu nass und leider fallen auch die zwei letzten Programmpunkte meines Projekts #innradweg14 im wahrsten Sinne ins Wasser. Dabei wäre es doch meine erste „Plättenfahrt“ gewesen. Zwischen Schärding und Passau in Neuhaus am Inn hätte ich gerne noch das Schloss Neuburg als Bergetappe „mitgenommen“ und eine Rundfahrt mit der MS Neuhaus gestartet. Diese „Plätte“ ist völlig aus Holz gefertigt und fährt mit Batteriebetrieb lautlos durch eine schmale Inn-Enge, vorbei an den Schlössern am Inn. Und auch sorry, Passau! Wieder einmal verpasse ich die „Drei Flüsse-Stadt“ ganz knapp – aber eine Erstbesichtigung in nasser Kleidung auf nassem Rad mit nassem Gepäck – das hätte nicht gepasst. Ich komme wieder!

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Doch mittlerweilen schüttet es fast seit Wasserburg durch und ich beende meinen persönlichen #innradweg14 in Schärding – mit nassen Füßen und feuchten Beinen – am Bahnhof. Nur noch zweimal das schwere Radl in den hohen Zug rein- und raushieven und dann noch über die endlosen Stiegen der Unterführungen des Passauer Bahnhofs runter und rauf – mit Hilfe anderer leidender pitschnasser Radlfahrer – und der #innradweg14 ist für mich gelaufen.

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8 Tage, 3 Länder, 1.8 GB Fotos, viele Radl-Kilometer bei Sonne, Regen und Gewitter am Inn entlang oder hoch oben am Berg sowie einige Zug-Etappen, Genuss & Kulinarik, Natur und Begegnungen – wieder einmal habe ich in dieser kurzen Zeit mehr erlebt und gesehen (und gelernt), als (vielleicht?) gut ist.

In jedem Fall gibts bald noch eine Hitlist meiner GANZ persönlichen Lieblings-Erfahrungen am #innradweg14. Aber vorher muss ich noch ein bisschen nach-denken.

HINWEIS: Die Radreise auf und ab entlang des Inns wurde mir ermöglicht von der Marketinggruppe Innradweg und deren Leistungspartnern – in Kooperation mit Pangerl&Pangerl. Die Meinungen sind meine eigenen – alle Blogartikel rund um #innradweg14 geben meine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke wieder. Bedanken möchte ich mich auch bei den Landecker Verkehrsbetrieben für das Zurverfügungstellen eines E-Bikes.

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