„Auffi am Berg“ mit Ernest Hemingway & Thomas Mann: Wintertourismus vor 100 Jahren

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Mein sportlich stets umtriebiger #Ü40 Vorarlberger Gastautor Hansjörg Klotz feiert zwar 2015  seinen 69er (!), aber bei den Anfängen des Wintertourismus in der Schweiz und in Vorarlberg vor 100 Jahren – da war selbst er noch nicht dabei 🙂

Die Schweiz feiert 2014/15 ihr 100-Jähriges Winterjubiläum: Von Touristen als Gletscherleichen in der Bernina, der Höhenluft à la Zauberberg (Thomas Mann), ersten Touristen-Zugfahrten nach Arosa (Wer kennt nicht das Gletscherzuckerl?) und Ernest Hemingway als Skilehrer.

Wiederunterwegs-Gastautor #Alpin Hansjörg über die Anfänge des Wintertourismus in SEINER Region. Gab es überhaupt ein Skilehrerleben VOR Hansjörg? 🙂

 


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Beim Skifahren und Tourengehen kann ihm keiner was vormachen:

Ich werde zwar 2015 69 Jahre alt, will aber trotzdem heuer wieder am Hochjoch im Montafon aushilfsweise in der Skischule tätig werden und zusätzlich meine Komfortskitouren für den Alpenverein Bludenz durchführen. Ob ich die heuer geplanten Länderüberschreitenden AV-Tagesskitouren wie die Madrisarunde Gargellen (A) – Antönien/Klosters (CH) – Gargellen (A) schaffe, oder es eine längere Tagestour Schruns (A) bis nach Davos (CH) wird, oder die Tour von Lech (A)  über Bregenzwerwald und das Kleinwalsertal bis nach Oberstdorf (D) durchführe, liegt am Wetter und an den Schnee– und Lawinenverhältnissen.“

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Wie es begann mit den Gästen und dem Winterurlaub in der Schweiz und in Vorarlberg?

Gab es überhaupt ein Skilehrerleben vor Hansjörg? 🙂

JA – Vor 100 Jahren (1914/15) konnte ein Hotelier aus St. Moritz einige englische Gäste mit einer nun ja, Alkoholwette überzeugen („Wetten, bei uns könnt Ihr auch im Winter mit kurzen Ärmeln bei Sonnenschein auf der Terrasse sitzen?“)  einen Winter ohne Nebel und viel Sonne in den Bergen zu verbringen und sie wurden seine Stammgäste. Dies waren allerdings nicht die allerersten Wintergäste von St. Moritz wie ein damaliger Chronist berichtet: 100 Jahre vorher hatte ein englischer Tourist bereits sein ewiges Grab in der Gletscherwelt der Bernina gefunden. Er liegt vermutlich immer noch zugedeckt hier, unversehrt, in Schnee und Eis.

Erst kamen die Sanatoriumsgäste, dann die Sportler.

1914/15 wurde deutschen Lungenkranken die Höhenluft von Davos offiziell zur Ausheilung empfohlen, die Heilungen entwickelten sich so gut, dass die Hotelier und Touristiker von St. Moritz befürchteten, der Wintertourismus ginge in die Richtung Sanatoriums-Aufenthalt. 10 Jahre später schrieb ja Thomas Mann auch seinen „Zauberberg“, seine Frau hatte 1912 einen eben solchen Kur-Aufenthalt in Davos genossen.

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Auch genau 100 Jahre ist es heuer auch her, dass die berühmte Bahnstrecke Chur- Wintersportort Arosa (auf 1000 Höhenmetern) eröffnet wurde, somit war es mit der harten Kutschenanfahrt zum „Winterurlaub“ ins Gebirge vorbei. Als Wahrzeichen der Strecke und als Denkmal der euphorischen Ingenieurskunst am Ende des vorletzten Jahrhunderts steht der Langwieserviadukt immer noch mitten in der traumhaften Landschaft.

Und wie war das mit den Bergführern und dem „Wintertourismus“ früher? Da hat natürlich auch einer aus der Familie KLOTZ mitgemischt.

Die einheimischen Bergführer wurden früher vom Alpenverein ausgebildet und autorisiert und hatten mit den „Wintertouristen“ und dem aufkommenden Alpinen Skilauf der Massen so gar nichts am  Hut. Der legendäre Lechtaler Bergführer und vielfache Erstbegeher Anselm Klotz (1895) gilt als erster Bergführer der Alpen, der einen wirklichen Skikurs besucht hat. Heute gilt der Arlberg als „Wiege des alpinen Skilaufs“

Im Vorarlberger Montafon dauerte es dagegen etwas länger mit den Wintertouristen. Dafür hat sich in Schruns der berühmte Schriftsteller Ernest Hemingway 1924- 1926 als Skilehrer betätigt. Englisch konnte er sicher besser als die einheimischen Bauern, aber vielleicht führte er diese Tätigkeit doch nur darum aus, um seinen damals hohen Alkoholkonsum finanzieren zu können. Er soll ja darum dem winterlichen Pariser Stadtleben und Nebel entflohen sein, weil das Leben im Montafon billiger war.

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Ernest Hemingway werkte im Montafon nicht nur an seinm Werk „Fiesta“, sondern schrieb auch eine Kurzgeschichte („Ein Gebirgsidyll“) über unsere Bergwelt. So soll früher ein Galtürer Bauer seine verstorbene Gattin in seiner Scheune als gefrorene Leiche aufbewahrt haben und den Mund der Verstorbenen manchmal als Aufhänge-Vorrichtung für seine Pfeife benutzt haben.

Bilder: Archive

An der Geschichte ist etwas Wahres dran, denn die Ischgler (A) und Galtürer (A) gehörten kirchlich ins Engadin (CH). Diese Walser Bauern hatten das Recht und die christliche Plicht, ihre Toten am Friedhof über den hohen Bergen, bei ihrer Hauptkirche zu begraben. Der Weg über diese Jöcher war nur möglich bei sicheren Verhältnissen – da musste man die Leichen schon mal eine Zeitlang am Hof aufbewahren, bis das Begräbnis wettertechnisch möglich war.

Dieser gefährliche Weg über die hohen, wilden Jöcher ist heute noch möglich, aber auch nur bei sicheren Schnee- und Lawinenverhältnissen.


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