Stift Kremsmünster: Von Gärten, Büchern und klugen Menschen.

Marcus Tullius Cicero hatte es gegen Ende seiner politischen Laufbahn zwar nicht leicht, aber er hat zumindest länger überlebt als die meisten seiner Mitstreiter. Nicht selbstverständlich im korrupten Rom seiner Zeit. Im Stift Kremsmünster ist einer seiner bekanntesten Sprüche allgegenwärtig.

Stift Kremsmünster: Gelebte Philosophie

„Si hortum in bibliotheca habes, deerit nihil“. Der Spruch für alle Nichtmehr-Lateiner – flapsig übersetzt im Stil unserer Zeit: „Es reicht, wenn Du einen Garten und noch dazu eine Bibliothek hast.“ (nicht ganz wörtlich). Dem kann ich durchaus etwas abgewinnen, denn beides macht auch mich persönlich daheim in meinem Basislager sehr froh. Auf Strom, Smartphone und meine Familie will ich auch nicht verzichten – aber grundsätzlich schließe ich mich Marcus Tullius´ Meinung gerne an.

Cicero überwacht die „Historia Literaria“ in der Stiftsbibliothek Kremsmünster. Rechtschaffen. Er wusste ja auch immer zu allem was zu sagen.
Blick zur „Moschee“: Oberösterreichische Landesgartenschau 2017

Bei einem Ausflug ins oberösterreichische Stift Kremsmünster ist Ciceros Aussage tatsächlich allgegenwärtig: Auch deshalb, weil dort gerade die Oberösterreichische Landesgartenschau abläuft, die gemeinsam mit dem Kloster, dem Markt und dem Schloss Kremsegg das Stift zu einem mehr als lohnenden Tagesausflug unter dem Titel DREIKLANG macht. Reichlich Parkmöglichkeiten, ein neu eröffnetes Stiftswirthaus, das alle Stückerln spielt (also flott für Gruppen, erfrischend für Radler und gemütlich für alle anderen), ein Klosterladen, in dem ich sofort fündig werde, ausgedehnte Gartenanlagen (mit Öffnung des „geheimen Gartens“ der Patres für die Ausstellung) und ein barockes Benediktiner Stift voll der Kunstschätze: Ich sage nur „Tassilo Kelch“.

„Dies Tor soll jedem offen stehen, der ehrbar will durch jenes gehen“ – dies ist der Gruß am Eingangstor des Stifts – und steht einmal mehr für die benediktinische Gastfreundschaft. Und gastfreundlich ist man hier in Kremsmünster – und bereit für viele interessierte Tagesgäste, Ausflügler und Radfahrer. Touristisch fast perfekt aufbereitet sind die zahlreichen Lagepläne, die bunten Stelen mit Infos und die Broschüren für Individualgäste und Gruppen.

Ein Erdstall.

Ein Traumtagerl, an dem wir von Pater Daniel Sihorsch (bekannt aus Film und Fernsehen 🙂 seit seinem Auftritt bei „Mei liabste Weis“) durch die Räume des Stifts geführt werden, bevor wir die inspirierenden Gärten des Klosters erwandern. Im Rahmen der aktuellen Landesgartenschau spürt man die Wirkung der verschiedenen Gärten hintaus beim Kloster: DREIKLANG.  Drei Standorte gibt es nämlich für die Gartenschau: Das Kloster und seine Gärten, das nahe Schloss Kremsegg und den Markt Kremsmünster, den man vom Heurigen im Garten gut von oben sehen kann. Die sogenannte Moschee, ein alter Erdstall und das historische, renovierte Feigenhaus – lauter historische Gebäude neu renoviert: Mit Blick auf die Sternwarte aus dem 18. Jhdt. und die Terrassen, die wir natürlich auch besteigen. Nicht ohne vorher in den Zwischenstöcken mehrere Blicke auf die naturwissenschaftlichen Sammlungen geworfen zu haben: Aus aller Welt haben die Benediktinermönche hier v.a. Tierpräparate (Kolibrisammlung) und astronomische Gerätschaften zusammengetragen. Dieser „mathematische Turm“, wie er offiziell heißt, beeindruckt mich besonders.

Das restaurierte Feigenhaus
Der Mathematische Turm
Sammlungen im Observatorium – begleitet werden wir von Fr. Felix, seines Zeichens Novize.

Der barocke Fischkalter ist frei zugänglich, hier pritschelt und plätschert und schwanzelt es unter den barocken Arkaden. Der Kaisersaal (bei der Führung zu besichtigen) wird für Business-Events, Konzerte und private Feierlichkeiten genutzt – ein steinerner Hund wacht als Retro Kühlschrank über ein Wasserbecken. Frei durchstreifen kann man natürlich auch die Kirche, die Kapellen und den Mönchsfriedhof.

Im Stift Kremsmünster lagern, wie wohl in den meisten Klöstern in „Klösterreich“ – immense Kunst- und Naturschätze als auch riesige historische Büchermengen – wiewohl letztere bereits digitalisiert und online katalogisiert sind.

A – T – E – M beraubend.

Fünf Säle beherbergen eine eigene Gemäldegalerie und allein der erste Blick vom Prälatenhof auf die Fassade der Stiftskirche lässt weitere Schätze vermuten. Und: Wie schon bei meinem Besuch und meiner „Kloster für Anfänger“- Nächtigung in St. Lambrecht in der Steiermark treffe ich auch hier auf interessante Persönlichkeiten unter den Patres, die den Anschluss an die moderne Welt und auch den persönlichen Zugang zu uns „weltlichen Normalos“ nicht verpasst haben: Pater Daniel, vielgereist, belesen und humorvoll, ist u.a. Lehrer für Geografie, war Prior, ist Seelsorger und Gastpater, arbeitet auch im Klosterladen und betreut noch dazu seine Pfarren als Seelsorger – Ein Fulltime Job mitten im (richtigen) Leben.

Foto: Elena Paschinger. Stummes Staunen.
Foto: Elena Paschinger – „Der Traunstein und der Große Priel, ganz klar..“

Er zeigt mir als Buchliebhaberin, warum ich seit fast 40 Jahren meine Bücher „aufschlage“: Weil sie früher durch feste Haken geschlossen waren und man erst mit der Faust auf den Buchrücken schlagen musste, um die Hacken aufspringen zu lassen. Ich muss mich erst dazu durchringen, auf das wertvoll und alt wirkende Buch zu schlagen, aber Tatsache: Klack, Klack, offen.

Das demonstriert uns Pater Daniel in der beeindruckenden Kloster-Bibliothek, nicht so gleißend weiß wie in Admont aber mindestens genauso atemberaubend. Soviel Wissen, soviel Bücher – unsere Vergangenheit. Wie wohl UNSERE Zukunft archiviert werden wird?

UND VOR ALLEM: WO IST DER AUSGANG AUS DER BIBLIOTHEK?

Das Stift Kremsmünster: Ein wunderbarer Tagesausflug für die ganze Familie

Kremsmünster hat alles für einen perfekten Tagesausflug: Parkplätze, Spazierwege, einen Klosterladen, die Weinkellerei (Weinbau seit mehr als 1200 Jahren), die Stiftsgärtnerei und die aktuelle Landesgartenschau (noch bis Herbst 2017) und nicht zu vergessen: Die Stiftsschank – das Wirtshaus. Für die Kids gibts sowohl am Gartengelände als auch unten im „Markt“ reichlich Platz und vor allem ganz neu angelegte Abenteuerspielplätze. Vom Observatorium erschließt sich uns ein Blick auf das ganze Stift – im Hintergrund Traunstein und Großer Priel – wie gesagt, ein Traumtagerl für einen Klosterbesuch.

TIPPs für einen Ausflug zum Stift Kremsmünster

  • „Menschen im Stift“: Das ist ja mal eine gut zu lesende, kurzweilige Broschüre, in denen die Menschen und ihre Aufgaben im Stift vorgestellt werden. Sehr sympathisch und für mich als Skeptikerin ein hochinteressanter Zugang. Alle präsentieren sie sich: Der Abt aus dem Waldviertel mit Handy und Gießkanne, der Novize erzählt von seinem Tagesablauf, es geht um die vielfältigen Seelsorge-Aufgaben der Patres in den 26 Pfarrein, die Forschungstätigkeiten der Patres, den Pater als Kellermeister und Computerfreak, um Schwester Lydia als Sekretärin und gute Seele für alles.  Die Stiftsorganistin ist Professorin, die Küchenleiterin zeigt ihre „Beichtpofesen“ und einen Hausmeister gibt´s auch. Unbedingt LESEN. 
Foto: Elena Paschinger – Ein gemeinsames Glaserl mit Gastpater Daniel Sihorsch im Stiftskeller. Oder wie Cicero sagte: „Wie nämlich nicht jeder Wein, so wird nicht jeder durch hohes Alter sauer.“ Genau! Prost.
  • Lange Nacht der Klöstergärten (Vollmond!) am 9. Juni 2017
  • Kennenlernen, Begegnen, Feiern und Entschleunigen: Die klösterliche Lebensform. Kremsmünster ist online und auf Facebook.
  • Sonderausstellung (kuratiert von Pater Daniel): „Vom Paradiesgarten zum Gartenparadies“ mit ein paar historischen Gustostückerln in den Vitrinen, bei denen man sich unweigerlich fragt: Wieviel verbirgt sich noch hinter diesen Klostermauern? Bis 31.10. 2017 ist bei dieser Führung auch der Anblick des berühmten TASSILO Kelch inkludiert.

  • Herbstfest: 14. Oktober 2017
  • Adventmarkt: 8. – 10. Dezember 2017 mit „Altes Handwerk in den Schauwerkstätten“.
  • Ganzjährig zu begehen : Der Klima Erlebnisweg zwischen Schöpfung und Erschöpfung
  • Alle Fotos aus Kremsmünster von meiner Kollegin Creativelena gibts hier.

HINWEIS: Ich wurde von Klösterreich und dem Stift Kremsmünster eingeladen, das Kloster und den DREIKLANG zu erkunden. Die Meinungen in diesem Artikel sind, wie unschwer erkennbar, meine eigenen.

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