Der Salzburger Almkanal: Mönchsberg unterirdisch.


Gummistiefel sind Gummistiefel.
Das sind keine Lackschuhe, keine Laufpatschen und keine Ballerinas. Der Tipp hatte schon Hand und Fuß, wenn bei der Einladung zur Wanderung durch den geheimnisvollen unterirdischen Almkanal unter dem Salzburger Mönchsberg ausdrücklich um „knöchelhohe, wasserfeste“ Schuhe gebeten wird.

IMG_5981

Auf den ersten Blick nicht gerade verlockend der Einstieg – aber abenteuerlich.

Draußen Salzburger Schnürlregen, innen zentimeterhohe Lacken, nur das Licht unserer Taschenlampen – und ein mittelalterlicher Kanal, der nur drei Wochen im Jahr gangbar gemacht wird. Und ich mittendrin.

Der Almkanal ist das älteste mitteleuropäische Wasser-Versorgungssystem.

IMG_5976

Entlang des Stiftsarmgerinnes gehts zum Einstieg

                      IMG_5978IMG_5983

Während der sogenannten ALMABKEHR, die 3 Wochen pro Jahr dauert, kann man den alten Stollen mit einem Führer erkunden. Der Kanal ist heute immer noch in Betrieb – für Energieerzeugung, Brauchwasserversorgung und als Entwässerungssystem. Dazu wird aus der Königsseeache (Almfluss) Wasser in den künstlichen Almkanal abgeleitet – das Wasser kommt durchs Salzburger Land (Grödig, Gneis, Leopoldskron, Max Glan, Mülln) in die Salzburger Altstadt geflossen. Wer es weiß, der findet in der Altstadt 7 Teilarme, die erst unterirdisch plätschern und dann irgendwo aus der Böschung treten.

So wie daheim im Weinviertel, wo jeder Ort, der auf sich hält, von unterirdischen Weinkellernetzen durchzogen ist, zieht sich auch durch Salzburg ein Stiftsarmsystem unter der Altstadt hindurch.

Und in den wichtigsten Abschnitt, in den Stollen unter dem Mönchsberg – da durften wir reinklettern.IMG_5982

Der Einstieg wirkte ein wenig, nun ja, nicht vertrauenserweckend, aber mit unserem kundigen Führer voran, waren die ersten knöchelhohen unterirdischen Lacken schnell überwunden.

Teilweise nur 1 Meter hoch, eng und voller eingebauter „Schikanen“ über dem Kopf, gings im Stockdunkeln durch das alte Gemäuer. Teilweise wandelten wir auf Grabplatten vom alten umgesiedelten Friedhof am Residenzplatz – die Bauweise des 12. Jahrhunderts ist so perfekt, dass sie auch heute noch allen modernen Tests standhält.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der Einstieg war nahe dem Leopoldskroner Moor – ans Tageslicht kamen wir wieder im Herzen der Mozartstadt – am sonntäglich sehr gut besuchten Friedhof St. Peter nahe dem Dom tauchten wir wieder aus der Unterwelt auf. Verdreckt, nass und äußerst gut gelaunt. Wie oft ich wohl schon an der unscheinbaren Holztür vorbeigegangen bin, ohne zu ahnen, dass hier eine geheime, unterirdische Verbindung besteht. Und das seit dem Mittelalter. Das Ende des Kanals war gar direkt unter der Festungsbahn – ganz  neue Aussichten auf ein Salzburg, das ich seit gut 30 Jahren zu kennen glaubte.

Der Friedhof, über den uns die charmant-eloquente Stadtführerin Irmi (mit Erlaubnis!!!) sonntags führte, barg dann weitere interessante Geschichten über das alte Salzburg und seine Bewohner. Wir hören Geschichten von der Familie Fürst (mit den echten, den ganz echten, heute noch handgemachten, Mozartkugeln), Michael Haydn und der mit den Mozarts verbandelten Hagenauers. Wer sich heute aufregt, dass in Mozarts Geburtshaus im Erdgeschoß eine Lebensmittelkette haust, dem sei gesagt: Das war immer schon so. Schon zu Mozarts Lebzeiten hatte hier der Hausherr Hagenauer ein Delikatessengeschäft (ich sage nur: importierte Austern!)

So oft war ich schon in Salzburg, aber noch nie in den hiesigen Katakomben. Diesmal steige ich hinauf – denn hier sind die Katakomben oberhalb des Friedhofs. Denn Begräbnisstätten waren sie hier in Salzburg nie, wohl aber Location für Messen.

IMG_6057

Und das Mühlrad der legendär alten Bäckerei St. Peter wurde nur dank des von uns unterirdisch beschrittenen Almkanals angetrieben.

Einen kleinen Wermutstropfen beim diesjährigen Salzburg Besuch muss ich vermelden:  Die Dame, die ich schon als Kind (und auch jedes Jahr danach) in der Getreidegeasse immer wieder beim Verkaufen und Tanzenlassen ihrer possierlichen Holztierchen an den langen Schnüren beobachtet hatte, war nicht mehr da. Weiß jemand etwas über ihren Verbleib?

Wir erholten uns übrigens morgens und abends vorzüglich im Boutique-Hotel Auersperg – nahe der LInzer Straße, die ja als Fußgängerzone diretissima zur Staatsbrücke führt. Der Nebenbau aus dem späten 19. Jahrhundert wurde dazugekauft und dient nun als „Villa Auersperg“ mit entzückenden Zimmern als Dependance.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ein wunderschön heimeliger Fußboden, eine Bar, von der man den Blick nicht wenden kann – Bücher und CD´s rund um Salzburg sowie eine eigene Espressomaschine – sehr gemütliche Zimmer, um den Schnürlregen abzuwarten. Diesmal war leider keine Zeit, um das Dachterrassen-Spa zu testen, aber allein der wunderschön gestaltete Garten machte Lust zum Ausrasten. Das Bio Frühstück im Wintergarten ist so persönlich hergerichtet, dass man den Abmarsch zum Kulturgenuss solange verschiebt, bis der Regen aufgehört hat. Und das kann in Salzburg dauern.

TIPP: Das Bio-Frühstück im Hotel Auersperg kann man auch als Nicht-Hotelgast genießen!

HINWEIS: Ich wurde von Salzburg Tourismus und KreativReisen Österreich eingeladen, die Stadt Salzburg zu erkunden. Die Meinungen in diesem Artikel bleiben meine eigenen.


 

Wie hat Dir diese Story gefallen?