Alles wird einfach, wenn man einen SEPP dabei hat.

„I bin a SEPP“, sagt Leopold, als er mit seinem riesigen schwarzen Mostviertler Hut mit dem geschmiedeten Band und mit Jopperl zu uns in den Bus steigt. Ja, er ist ein SEPP und man kann ihn mieten. „RENT-A-SEPP“ heißt die Devise hier im Mostviertel, wenn man einen kundigen Einheimischen beim Erforschen von Kultur und Natur  an seiner Seite wissen will.

Unser SEPP war Leopold, seines Zeichens mehrfacher Vater, Biobauer, Natur- und Landschaftsführer, Kulturliebhaber, Brandmaler, Drechsler und Holzliebhaber. Einer von 10 SEPPn.

Wer keinen hat, sollte sich einen nehmen im Mostviertel

Vorweg: Einen SEPP zu haben ist genial. Vor allem einen, der hier aufgewachsen ist, jeden und jede Gschicht kennt, die Natur erklären kann und uns auch gleich Einblick in unbekannte Terrains wie das Drechseln oder in seine Bio-Landwirtschaft gibt. Mit ihm erkunden wir die Schmiedemeile und den Eyblhammer, besuchen das Köhlerei-Museum vom Fahrnberger Hammer und die FERRUM Erlebniswelt in Ybbsitz. Eingekehrt wird im Landgastaus Steinmühl: Ein schwarzes Tischtuch in einem so gepflegt bodenständigen Haus? Gut, dass wir einen SEPP dabei haben: Angeblich steht das schwarze Tischtuch für das Eisen in der Gegend, will er uns weismachen. Und für die schwarzen Grafen. Dafür ist aber die Spezial-Cremeschnitte hell und fluffig und der Most süffig.

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Danach aber gehts mit ihm in die erste Sensenmähschule Österreichs, zur Familie Lueger nach Opponitz. Am Vormittag habe ich noch die erste Schmiede meines Lebens besucht, meinen ersten Nagel selbst fabriziert und nun kann ich endlich meinen Schwiegervater in Oberkärnten beeindrucken: Ich werde zum ersten Mal eine Sense in der Hand halten. Zumindest halten.

Ka gmahte Wiesn

Davor aber heitßt´s Dengeln! Und das Dengeln ist ja schließlich das wahre Sensen. Gedengelt und gewetzt wird hinterm Haus und ich kann mir gut vorstellen, wie die Gruppen, die Hans Lueger sonst beim Sensen betreut, von der Lage des Hofs und dem Biobetrieb mit Rindern begeistert sind.  Zudem ist Hans Lueger  ein kluger Mann und hat vollkommen Recht, wenn er sagt, dass Sensen etwas Meditatives hat: Mähen im Einklang mit der Natur wie vor hundert Jahren. Da vergisst man schon mal auf Social Media und Smartphone. Auch wenn man nur einen klitzekleinen Teil der Wiese niedermäht, äh senst, wie ich.

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Zwar tut sich nicht viel, als ich meine Sense dengle, d.h. mit einem Hammer bearbeite, um sie zu schärfen – aber es scheint fast wichtiger als das Sensen selbst. Wofür sollte man denn schließlich sonst „A Schneid ham“?Dann wird noch ein wenig gewetzt und schließlich versuche ich unter Anleitung von Hans die Sense so wunderbar bodennah schwingen zu lassen wie er das tut. Ich sags gleich: „A gmahte Wiesn“ wars nicht.

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Folgende Beobachtungen treffen zu: 🙂

  • Die Sense ist leichter als ich gedacht habe.
  • Ja, man sollte in die Knie gehen um die Bandscheiben nicht unnötig herauszufordern.
  • Man (ich) bekommt leicht zuviel in Schwung und schwingt dann behende und leicht tänzelnd über die eigene Körperachse hinaus. Das ist natürlich nicht erforderlich.
  • Das Gras, das nach meinem „Sensen“ stehen bleibt, ist nicht so niedrig, wie es sein könnte.
  • Es macht Spaß und ich hätte gerne länger weitergemacht. Allerdings nicht mit sovielen Zuschauern

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HINWEIS: Ich wurde von Kreativ Reisen Österreich und Mostviertel Tourismus ins Mostviertel eingeladen. Die Meinungen sind meine eigenen.

 

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