Dort wo die Eisen glühen: Ich bin meines Glückes Schmied.

Von Schwanzhämmern und schwarzen Grafen, 500 Jahre alten Schmieden und Handwerksburschen auf der Walz – vom Stock im Eisen und Hammerwerken. Eine gänzlich neue, aber alte Welt tut sich für mich auf, als ich in Ybbsitz an der Eisenstraße im Mostviertel erstmals das Hammerwerk Eybl betrete. Und das hat fast gar nichts mit dem Eybl Sepp zu tun, der wie ein Zerberus halbnackt vor seiner Hammerschmiede steht und über sein Leben nach dem Managersein berichtet. Das hat vielmehr damit zu tun, dass es in der Schmiede saukalt und  zappenduster ist – und dass die Gerätschaften dort ganz schön gruselig wirken.

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Ich geb´s zu: Es ist meine erste Schmiede. Und gleich so eine aktive dazu. Das alte Hammerwerk mit der Adresse „In der Noth“ wurde vom Eybl Sepp vor 15 Jahren gekauft und revitalisiert: Mit sämtlichen Werkzeugen, Gerätschaften und Schmiedemaschinen aus jener Zeit. Und das Hammerwerk ist schließlich 500 Jahre alt. Als „Metallkünstler und Schmied“ hat er sich uns vorgestellt und über sein Leben vor dem Schmiedsein schwadroniert, bevor er uns einlässt in sein renoviertes Hammerwerk. Land der Hämmer!

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Oft fällt das Wort „Schwanzhämmer“, bevor wir endlich aufgeklärt werden: Ein wassergetriebener Schmiedehammer, der aus so kernig klingenden Teilen wie Bär, Sattel und Nase (und einigen anderen offensichtlich nicht repräsentativen, umgangssprachlichen) besteht und die ersten Schmiedehammer überhaupt sind, die erbaut wurden. Zu Recht stolz ist der Eybl Sepp auch auf ein anderes Ungetüm (pardon) in seiner Schmiede mit 6 Feuerplätzen: Auf seinen SiebenTönner – die Reibspindelpresse, die er aus Deutschland nach Ybbsitz gebracht hat (eine eigene Geschichte). Er erzählt weiter von Setzhammern, Lufthammern, Fausthammern, Stöckl und Messingbürsten. Eine eigene Welt im Stockdunklen mit glühenden Feuerstellen.

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„Ein Schmied macht sich sein Werkzeug immer selber“, so der Eybl Sepp und demonstriert uns unwissenden Schmiede-Erstbesuchern gleich mal, wie man einen Nagel schmiedet. 800 Grad hat das kleine Teil, als es Sepp bearbeitet – „es glüht aus„, sagt er und beobachtet genau, wie sich die Farbe des glühenden Eisenteils beim Abkühlen verändert. Deswegen ist es in einer Schmiede so dunkel, denn der Schmied muss an der Farbe die Hitze erkennen können. So macht er für uns „Nägel mit Köpfen„, „führt das Feuer“ und hat ganz sicher für später „noch ein Eisen im Feuer„, als wir vor die Schmiede an den Bach hinaustreten.

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Dort steht ein Stock im Eisen. Ja, so wie der in Wien. Der Eybl Sepp hat die alte Tradition wieder aufleben lassen. Alle Handwerksburschen auf der Walz, respektive Schmiede aus aller Welt haben hier ein selbst geschmiedetes Teil hinterlassen: Es gibt Pantoffel aus Holland, ein Kängu aus Australien und das Loch Ness(ie). Die üppige Dame hat schon jemand mitgehen lassen.

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An der Schmiedemeile in Ybbsitz, das als Schmiedezentrum gilt (und sogar ein Internationales Schmiedefest, das Ferraculum von 13.-15.6.2014 ausrichtet) kann man die Geschichte des Schmiedens erkunden. Und das ist eine so eigene Welt, dass es für einen heutigen Menschen wie mich schon wieder hochinteressant ist. Man sieht weitere Hammerwerke (wie die Tannhäuser-Schmiede, wo uns der junge Schmied Thomas Hochstädt von seiner Wanderschaft und Walz erzählt), Wehranlagen und Bürgerhäuser mit kleinen Gucklöchern, aus denen man heimlich die Schmiede auf der anderen Straßenseite beobachten konnte.

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Beim Fahrngruber Hammer am Pollingbach tu ich es dann gar selbst: Ich schmiede mein Eisen, solange es heiß ist! Und das will bei 900 Grad wirklich was heißen. Ich dresche mit meinem Hammer auf das glühende Eisen ein, drehe dabei immer wieder nach, bis es dünn genug für die Nagelform ist. Dann wird der Nagel abgetrennt und wieder wird gehämmert, was mein Hammer hergibt. I proudly present: „Mein erster selbstgeschmiedeter Nagel“!

    Fotos : Elena Paschinger

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In der FERRUM -Erlebniswelt, einem überraschend modernen und interessanten Museum erfährt man dann noch mehr über das Schmieden in dieser Region, die Wasser, Eisen und Kohle schon vor Jahrhunderten zu einem Schmiede-Zentrum gemacht haben. Achja, und die „schwarzen Grafen“, das waren die reichen Herren über die Hammerwerke.

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MEIN FAZIT: Ich war überrascht, wie hochinteressant und spannend die Schmiedemeile und die alten Hammerwerke auf mich gewirkt haben. Das erste Mal eine aktive Schmiede zu betreten, war etwas Besonderes. Ein ganz eigenes Gefühl, ich fühlte mich um hunderte Jahre zurückversetzt.

HINWEIS: Ich wurde von Kreativ Reisen Österreich und Mostviertel Tourismus zur Erkundung der Schmiedemeile Ybbsitz eingeladen. Die Meinungen sind meine eigenen.

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