„Leine los!“ in Holland – Mit Hund am Strand von Noordwijk.

Im Winter vom Weinviertel bis an die Nordsee? Nach Holland? Mit Hund? So weit? Ja – und gerne wieder! Hier unser Reisebericht.

Ja, es war weit und der November schien für uns Landratten auf den ersten Blick nicht gerade der verlockendste Monat für einen Trip an die Nordsee zu sein, aber die Reise hatte einen guten Grund. An den Stränden der holländischen Nordsee dürfen Hunde ab 1. September alljährlich ihre Hüllen, äh Leinen fallen lassen und frei laufen. Kilometerweit. Kreuz und quer am Strand und entlang der Dünen.

Ich wurde von Noordwijk in Holland Zuid eingeladen, dieses für uns Österreicher schwer fassbare Angebot der Hundefreiheit vorort zu erleben. Natürlich nicht allein – dazu habe ich zu wenig Beine und keinen Schweif. Jemand mit guter Kondition, ausdauernd und reichlich haarend und mit gesundem Kläff-Vermögen musste mit: Hund Coffee war offiziell zu seiner ersten Pressereise geladen. Ich fungierte dabei nur als Chauffeur, Dosenöffner, Süßwasserspender und Reiseleiter. Und Pfotenabputzer, denn Sand, Wind und Wetter hat´s dort natürlich im Winter reichlich.

Mit Mazda Österreich an die Nordsee nach Holland

Von Mazda Österreich wurde mir ein funkelnagelneuer SUV, ein knallroter Mazda CX3 für diese Reise zur Verfügung gestellt, der die lange Fahrt quer durch Österreich, Deutschland und die Niederlanden (immerhin 1300 km pro Strecke) sehr erquicklich machte. Auf zwei Etappen mit jeweils einer Nächtigung in Deutschland und mithilfe kluger Hörbücher waren Coffee und ich pro Strecke jeweils 14 Stunden unterwegs – kein Schmarrn. Aber es hat sich gelohnt. Wahrlich. Der Moment, als ich mich (zugegebener Maßen bei strömendem Nordsee Regen) vor dem Leuchtturm von Noordwijk einparkte und den ersten Blick auf den kilometerweiten fast menschenleeren Strand warf, war wirklich ein sehr froher.

Bevor die offizielle Einladung von Noordwijk für Coffee und andere reiselustige Hunde begann, hatten wir einige Tage für uns, um uns auf die ungewohnten Freiheiten an Hollands Stränden ein wenig einzustellen. Das war auch nötig, denn: Freiheit ist gut, aber Kontrolle ist besser. Vor allem im Morgengrauen, wenn wir gegen 7 Uhr normalerweise zum Morgengassi aufbrechen, empfiehlt sich die gewohnte Leine – denn da ist es in Holland noch so zappenduster, dass man den eigenen Hund vor Augen nicht erkennen kann. So zappelte neben mir allmorgendlich ein neongrün leuchtendes Halsband durch die Dünen – davor und dahinter sah man – rein gar nichts. 

Hund sein in Holland: Urlaub mit Hund in Noordwijk

Hier gleich mal die Fakten für alle, die es immer noch nicht glauben können: Von 1. September bis 31. Mai dürfen Hunde rund um Noordwijk frei am Strand laufen. Übrigens auch im nahen Katwijk und in Scheveningen bei Den Haag (dort gelten leicht unterschiedliche Termine).  Jedes Jahr. Natürlich müssen etwaige Verlassenschaften immer aufgeräumt werden, aber das ist ja wohl klar. Was aber dort kein Problem ist, weil man dort mitdenkt und alle paar Hundert Meter Mistkübel aufgestellt sind und sich bei den großen Strandzugängen sogar Wasserspender finden.

Bei jedem Strandzugang findet man auch reichlich Sackerlspender – die übrigens auch immer aufgefüllt werden. Übrigens wird in Noordwijk Naturschutz und damit auch Tierschutz besonders groß geschrieben, das hat mich begeistert. Da das Meer und die Dünen unmittelbar vor der Haustür sind und quasi den Tagesablauf bestimmen, ist dies dort selbstverständlich.

Bei einer Führung mit einem so genannten „Boswachter“ durch die „Hollands Duin“ – also durch die geschützte Natura 2000 – Dünenlandschaft Noordwijks erfuhren wir zwischen Überresten des Atlantikwalls und dem Golfplatz: Es gibt auch hier reichlich Wild, Federvieh und Füchse in den Dünen. Das hatte Coffee natürlich längst allein rausgefunden. Dazu Eichen, Föhren und Gräser. Und sehr viel Sand. In einem Auslaufgebiet, das etwa so groß war wie meine gesamte Heimatgemeinde im Weinviertel wanderten wir durch die beeindruckende Dünenlandschaft in dem Wissen, dass hier Mensch, Fauna und Flora und – Haushunde 🙂 – nebeneinander existieren dürfen und können. Denn auch hier in diesem „Losloopgebiet“ zwischen City und Strand dürfen sich Hunde frei bewegen. Sofern sie abrufbar sind und in Blickkontakt mit dem Besitzer bleiben, so der Boswachter mit einem strengen Seitenblick auf mich und in die ungefähre Richtung, in der wir Coffee in der Dünenlandschaft vermuteten.  Nunja, vielleicht beim nächsten Mal. Mit soviel Freiheit müssen wir erstmal umzugehen lernen.

Mit Hund in Noordwijk: Zwischen Strandpavillons, Dünen und Möwen unterwegs

Wettertechnisch konnten wir an diesen Tagen an der holländischen Nordsee alles durchprobieren:  Sand, Wind, Sturm, Regen, Sonne, Hagel, Nebel, Gewitter, Hackwind, Schneeregen und Regenbogen. Aber vor allem hatten wir eines, und deswegen waren wir dort. Kilometerweite Spaziergänge am Strand mit vielen willigen vierbeinigen, einheimischen Spielgefährten und meist wohlwollenden Spaziergängern. Und das mehrmals täglich. Fremde Kinder in Augenhöhe wurden von Coffee begeistert abgeschleckt (könnte ja eine Nichte von mir dabei sein) und männliche, einzelne Spaziergänger von Andreas´ Statur nachhaltig wie Kriegsheimkehrer begrüßt.

Viele Strandpavillons (die als Jausenstation, Bar, Restaurant oder Glamping-Unterkunft dienen), werden in den Winterräumen vollständig vom Strand weggeräumt, nur einige wenige sind fix und bleiben auch im Winter gemütliche Zufluchtsorte für nasse, hungrige, glückliche Spaziergänger mit nassen, schmutzigen, glücklichen Hunden. Mein Favorit war die Winterlodge, in der wir zwei Mal einkehrten – einmal auf der Flucht vor einem megaschwarzen Unwetter am Strand, als wir die todesmutigen Kitesurfer beobachtet hatten. Eine knappe Stunde später wanderten wir übrigens in der warmen Nachmittagssonne still vor uns hin trocknend wieder retour.

Gut einkehren lässt es sich auch in den Lokalen an der Promenade in Noordwijk, von denen einige auch offiziell als hundefreundlich firmieren. Unser Favorit war nachmittags das Pannekoekenhuisje am Königin Wilhelmina Boulevard, wo wir samstags sogar gefühlt mehr Hunde als Menschen vorfanden. Dort lässt man sich übrigens vom Chef frische Poffertjes backen, Eierlikör dazu wärmt. Reichlich Schlagobers sowieso.

Wenn gerade keine Laufkameraden für Coffee in der Nähe waren, gaben wir uns mit den zahlreichen Möwen ab, von denen jede einzelne jeden Tag verbellt wurde. Bis zuletzt. Einmal musste Coffee gar über seinen Hundeschatten springen und eine angeschwemmte Robbe retten. Das tat er zunächst mit bravem Umrunden seines Fundes in angemessener Entfernung. Als ich dann näher kam, ging er endlich zum gewohnten Kläffen über und gemeinsam mit einer einheimischen Spaziergängerin (ebenfalls mit kläffendem Hundebegleiter) riefen wir die EHBZ Noordwijk, die an den Stränden patroulliert und bei solchen Fällen gerufen werden soll: „Zeehond melden“ heißt es. Jedes gerettete Tier wird übrigens online dokumentiert und so konnten wir uns dann daheim versichern, dass es auch unserem gefundenen Zeehond wieder gut geht.

Übrigens noch ein Einkehrtipp, wenn man nach der Dünenwanderung mal wieder nass geworden ist und einen ordentlichen frischen Minztee, eine Erbsensuppe, holländische Fischkroketten oder einen authent gemütlichen HIGH Tea am offenen Feuer braucht: Das Langs Berg En Dal hat uns an einem gutbesuchten Sonntag extrem hundefreundlich empfangen und das, obwohl jede Kellnerinnen pro Serviergang über durchschnittlich 5 Hunde drübersteigen musste.

Mit Hund in Noordwijk: Wohnen in „Vakantieparks“ oder Hotels

In Noordwijk lernten wir auch die holländischen „Vakantieparks“ kennen. Wir wohnten in einem wunderschönen, gepflegten Bungalow im Vakantiepark Duinrust hinter den Dünen  bei Noordwijkerhout. Solche Parks kann man sich als Mischung aus Kleinstadt und Glamping-Platz mit Selbstversorger Bungalows und Chalets vorstellen – ein wenig wie die Mobilhome Parks in Kroatien, aber viel gepflegter.

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Hunde waren im Duinrust sehr gerne gesehen und da die Gegend dort von einem perfekten Radwegenetz durchzogen ist (übrigens auch von einem Spazierwegenetz und Pferdepfadnetz – alles voneinander getrennt. Genial!) ist man auch mit Hundetrailern für echte und Hundekörben für handtaschengroße Hunde auf radfahrwillige Hunde eingestellt. Deshalb haben wir es endlich mal getestet: Mit Coffee im Hundeanhänger per Rad über die wunderbar breiten „Fietsrouten“ Noordwijks durch die Dünen zu treten. Leider Fehlanzeige. Coffee, der ansonsten gerne als frecher Halbstarker durch die Gegend zieht, jaulte und weinte in bisher ungeahnten Höhen und so war des Radfahrens nicht besonders lange. Wir probieren es wieder.

Zwei weitere Ferienparks, in denen wir Hundeblogger untergebracht waren, sind ebenfalls hundefreundlich: Der Camping de Duinpan und Topparken Parc du Soleil – alle ebenfalls einen Spaziergang durch die Dünen vom Strand entfernt. Beim gepflegten Dinner im Vierstern Haus Fletcher Hotel de Witte Raaf konnte Coffee übrigens beweisen, dass er sich in vornehmen Ambiente auch zu benehmen weiß (Traveldog-Schule).

Im Gegensatz zu unserem Fotoshooting am sonnigen Strand mit der Fotografin Els Bax, das er vor Aufregung vollkommen „verkläffte“.

Foto: Els Bax
Foto: Els Bax
Foto: Els Bax

Dies genannten Ferienparks und Hotels liegen in Noordwijkerhout hinter den Dünen, was bedeutet, dass man einen Spaziergang von über einen Kilometer über Spazier- und Radwege durch den Dünengürtel an den Strand bewältigen muss, bis es heißt: „Leinen los!“. Das sollte man bei der Buchung berücksichtigen. Dafür wohnt man windgeschützt und in der Nähe von Restaurants und Supermarkt, während die Natur einen Spaziergang entfernt vor der Haustür wartet. In Noordwijk an Zee hingegen zieht sich der Boulevard vor einer Reihe von Vierstern Hotels und Restaurants vom Leuchtturm bis hin zum berühmten Grandhotel Huis ter Duin, wo er in einen kleinen Wirwarr aus Gässchen mit vielen lokalen Shops endet. Eines davon ist übrigens das „Ilovedogs“ Shop, von dem wir dankenswerter Weise mit Hundeleckerlis eingedeckt wurden.

Noordwijk an Zee: Kennt man.

Hier in Noordwijk steht übrigens auch ein nicht unbekanntes Grandhotel, das Huis ter Duin. Das Strandhotel war ein beliebtes Refugium von deutschsprachigen Künstlern und Intellektuellen. Der Impressionist Max Liebermann hat hier 1908 sein berühmtes Bild „Am Strand von Noordwijk“ gemalt. Im Sommer 1910 machte Sigmund Freud mit Familie in Noordwijk Urlaub und traf sich im nahen Leiden mit dem gepeinigten Gustav Mahler, der sich vom urlaubenden Psycho-Fachmann Hilfe bei der Bewältigung seiner Eheprobleme erwartete. Auch Thomas Mann hielt sich hier 1939 mit Gattin Katia auf, er hatte sogar eine Strandhütte zum Arbeiten gemietet, was man hört. Er empfing hier zahlreiche intellektuelle Gäste und wartete die Entwicklung der politischen Lage ab. Heute sieht das Hotel nur ein klitzeklein wenig anders aus als damals. Schade.

Noordwijk ist ein sogenanntes „Seebad“, hat einen 13km langen Strand, eine immense Dünenlandschaft und ist außerdem die zweitwichtigeste Kongressdestination der Niederlanden. Ganz wichtig: Es wird auch als „Blumenbadeort Europas“ bezeichnet, weil sich hier im berühmten Keukenhof einer der größten Blumenparks der Welt befindet. Im Frühling ist die Gegend ein einziges Tulpenmeer. Jetzt im Winter genossen wir die Nebensaison am breiten, langen Sandstrand jedoch sehr. Jeder auf seine Weise…

Im Sommer ist an den beliebten Strandabschnitten, die nahe an Parkplätzen, Hotels und Strandpavillons liegen, jedoch ordentlich was los. Doch auch in der Hochsaison gibt es reichlich ausgewiesene Hundestrände (oft gemeinsam mit den Kiterstränden), die meist durch einen weiteren Spazierweg durch die Dünen erreichbar sind und deswegen nicht so belebt – dafür ungleich ruhiger und einsamer. So findet man auch im Sommer hier sicher ruhige Platzerln am Strand, wenn man sich mit den Strandabschnitten ein wenig auskennt. Da aber jeder Abschnitt mit den eigenen Tafeln perfekt aufgeschlüsselt ist, bleiben hier keine Fragen offen.

Dennoch: Für uns war die spätherbstliche Nebensaison einfach optimal zum Laufen, Rennen und Kläffen geeignet – auch weil der Wind so manche Bell-Attacke von Coffee tunlichst „zudeckte“. Müde, sandig und schmutzig – so muss ein Hund am Abend vom Noordwijker Strand heimkommen. Übrigens: Vom „one of the 21 best beaches of the world“ – laut National Geographic.


HINWEIS: Wir wurden von Noordwijk Tourismus eingeladen, die Gegend an der Nordsee aus Hundesicht für ein Wochenende zu erkunden. Von Mazda Österreich wurde mir für die Anreise ein SUV Mazda CX3  zur Verfügung gestellt.

 

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