[7Ways2Travel] Mein Reisetipp für 2018: Die holländische Nordsee

Es muss nicht immer das Meer in Kroatien sein. Auch wenn es ein bisschen näher liegt als mein heutiger Reisetipp für 2018: Die Nordsee in Holland. 

Legen wir einen halben Tag Fahrzeit drauf und fahren wir doch mal gen Norden ans Meer anstatt in den Süden. Gerade wir Hundebesitzer sind ja immer auf der Suche nach neuen Geheimtipps, wo unsere Vierbeiner gern gesehene Gäste sind und wir als Urlauber mit Hund nicht als Bittsteller daher kommen. Deswegen möchte ich heute die niederländische Küste als Reiseziel für 2018 vorstellen. Ich persönlich war von meinen Besuchen heuer dort oben schwer begeistert, was mich selbst überrascht am meisten hat.

Aber dieses verdammt flache Holland mit seinen sehr offenen Menschen und den vielen Wasserflächen, Tulpen, Leuchttürmen, Deichen und Dünen hat mich wirklich fasziniert. Und für Hundebesitzer, die nicht gerade in der Hochsaison verreisen (müssen), habe ich gleich zu Anfang den besten Tipp parat: Ab 1. September (spätestens ab 1. Oktober) herrscht an vielen Stränden an der holländischen Nordsee KEINE Leinenpflicht für Hunde. Und: Die Insel TEXEL ist überhaupt als Hundeparadies bekannt – das ganze Jahr über. Hier meine Empfehlungen.

  • Die Provinz Holland: Die Anreise

Ja es ist weit. Und wie so oft tun sich Allreinreisende per Flieger ungleich leichter als Großfamilien oder Hundebesitzer, die mit Sack und Pack in den Norden wollen. Nach Nordholland auf die Insel Texel fliegt man per Amsterdam und nimmt dann Zug, Bus und Fähre auf die heimelige nordholländische Insel. Dort bewegt man sich am besten per Rad weiter, alles ist hervorragend ausgeschildert und vernetzt.  Mit dem Auto fährt man ebenfalls bis Den Helder und setzt dann mit der Fähre über. Die Insel ist aber übersichtlich, allzu oft wird man das Auto nicht brauchen, wenn man viel von der Natur sehen will. Nachteil beim Fliegen: Coffee muss daheim bleiben.

Nach meiner Fluganreise im Frühling über AMS nach Texel, bin ich im November 2018 mit der Unterstützung von Mazda mit Auto (und Hund) bis Passau und dann durch ganz Deutschland bis nach Noordwijk gefahren. Eine stramme Anfahrt, die ich auf zwei Tage (14 Stunden unterwegs in Summe) aufgeteilt habe. Dafür war ich vorort herrlich unabhängig mit Hund zwischen Noordwijk, Katwijk und Scheveningen (alles Süd Holland) an der frühwinterlichen Küste unterwegs. Ein Fahrrad (gegebenenfalls mit Hundetrailer) kann man dort an jeder Ecke und zu jeder Jahreszeit ausleihen. Unglaublich praktisch.

Noch ein Vorteil, wenn man mit dem Auto unterwegs ist: Wer vom Nordseeklima kurzfristig genug hat, ist in kürzester Zeit in Amsterdam, Leiden, Den Haag, Utrecht oder Alkmaar zum Sightseeing und Kulturtanken. Meine Erfahrungen aus diesen Städten datieren leider aus 1993 – auch ein Grund mehr, warum ich 2018 wieder in die Niederlanden will. Neue Fotos machen.

  • Die holländische Insel TEXEL: Das Hundeparadies schlechthin

Alle Deutschen kennen sie, aber kaum ein Österreicher hat eine Ahnung, dass es Texel gibt. Dabei ist es eine entzückende holländisch westfriesische Insel, die besonders für ihre abertausenden Schafe bekannt ist. Einst ging es in Texel zu wie in Shanghai oder Rotterdam, war es doch DIE Warteposition („Reede“) für alle Handelsschiffe, die im 16. und 17. Jahrhundert auf den rechten Wind warteten. Heute ist Texel vor allem in der Nebensaison ein Traum für Vogelliebhaber, Radfahrer und Naturfreunde. Und warum ist Texel bei Hundereisenden so beliebt? Weil man vorort als Urlaub stets hört: „Ihr Hund darf dort hin, wo Sie auch hin dürfen“ und „Im größten Teil der Insel muss Ihr Hund nicht angeleint sein“. Einen gewissen Anstand auf „Fietspaden“ (Radwegen) und bei der Schaf-Beschau müssen die Vierbeiner natürlich hier trotzdem an den Tag legen. Wir wollen ja wieder kommen. Die Strandabschnitte werden hier „PAAL“ genannt und danach kann man sich auch orientieren, wenn man einen Radweg, einen Parkplatz, einen Strandpavillon, einen Leuchtturm oder einen Hundestrand sucht. Aber grundsätzlich haben die Hunde hier an den meisten Stränden eigentlich Hundenarrenfreiheit – und das macht auch die Besitzer sehr froh und entspannt.

Entspannt wirken hier auch die tausenden Schafe – kein Wunder, gibt es hier gar eine „Lämmer-Radroute“, den lämmer-reichsten Fahrradweg der Insel. Anfang Mai ist Hochsaison für den Lämmer-Nachwuchs und wer da nicht weich wird, na ich weiß nicht. „Lammetjes knuffelen“ geht man hier auf Texel auf die Schaffarm, wenn die Kleinen da sind. Und meistens ist man dann auch gleich bei einer Lämmer-Geburt im Stall dabei. Sehenswert übrigens auch die engagierten Hütehunde, die ihren Kollegen in Australien um nichts nachstehen. Also wenn das nicht genug Gründe für einen Texel-Urlaub sind?!

  • Leinen los für Hunde: Zwischen Noordwijk und Katwijk

Noordwijk ist ein geschichtsträchtiges Seebad in Südholland nahe Leiden (Innenstadt empfehlenswert!) und ist im Sommer ein bunter, vielbesuchter Tummelplatz mit vollen Boulevards, zahlreichen Pavillons am Strand, Strandhütten und vollen Stränden. Ganz voll? NEIN! Wer sich ein paar Hunder Meter von den offiziellen Strandparkplätzen und den begehrten Sonnenterrassen der Strandpavillons entfernt, vielleicht ein paar Hundert Meter durch die Dünen wandert und dann noch den Strand entlang (der immerhin 13 KM lang ist), der findet auch im Hochsommer ruhige Plätzchen für Mensch und Hund an Stränden, die so breit sind wie die kroatischen Buchten lang.

Nostalgie: 1993 am hochsommerlichen Strand von Katjwijk per Rad unterwegs.
Katwijk in der Nebensaison: Hundehalterung statt Radständer

Aber die wirkliche Urlaubsfreiheit gibts dann ab 1. September in Noordwijk an Zee: Dann dürfen die Hunde ohne Leine überall am Strand und auch in gekennzeichneten Dünen – Auslaufgebieten rumtollen, gemeinsam mit den Reitern und Kitern (also die letztereen „tollen“ nicht, aber es gibt eine funktionierende „Begegnungszone“ am gesamten Strand für alle). Im nahen Katwijk am See ist es ähnlich: Dort verläuft die Straße kilometerweit an den Dünen entlang, es gibt weniger Promenaden-Flair, dafür nach meinem Gefühl noch breitere Strände. Bis 1914 war Katwijk eine bekannte Künsterkolonie für Maler, in Noordwijk hingegen trafen sich die Intellektuellen (Freud, Mann).

Zudem ist Noordwijk die „Europäische Stadt des Sports 2017“ und hat mit der Space Expo ein Raumfahrt Besucherzentrum der ESA. Wer es weniger modern mag, besichtigt die Reste des Atlantikwalls in den Dünen. Im Frühling aber ist die Gegend hier ein einziges Blumen- und vor allem Tulpenmeer: Bei Keukenhof gibt es den größten Blumenpark.

  • Süd-Holland: Scheveningen, Matjes und der Pier

„Hollands Nieuwe Haringe“ – ein geflügeltes Wort, das ich aus meinem ersten Holland-Campingurlaub 1993 bis in die aktuelle Neuzeit herübergerettet habe. Hier isst man superfrische Matjesfilet mit rohem Zwiebel aus der Hand und es ist einfach köstlich. Und ich weiß genau, dass ich damals ein Foto davon gemacht habe… ja – gefunden!

So sieht es dann ganz korrekt aus, das Matjes Essen.
Der Vergleich macht Sie sicher: 2017
1993 beim Matjes Essen in Scheveningen

24 Jahre später bin ich wieder hier, mit Mazda und Hund und parke am riesigen Parkplatz „Zwarte Pad“ am Ostduinpark – dem Vernehmen nach findet man in der Hochsaison hier nichtmal einen Parkplatz für einen Handtaschenhund und fährt lieber öffentlich mit der Tram oder dem Bus her. 

Wir parkten in den Dünen in erster Reihe, gratis, und marschierten am hundeleinenfreien Strand von Scheveningen höchst gepflegt Richtung Kurhaus, Pier und Riesenrad. Denn diese drei Wahrzeichen von Scheveningen kennt man einfach und auch, dass Scheveningen der Küstenort zu Den Haag ist, das man bequem per Tram erreichen kann.

Ganz schön was los 1993 im Sommer

Der Pier ist heute viel kommerzialisierter als anno 1993, aber dasselbe „Matjes“ Schild wie damals am Boulevard glaube ich dennoch gefunden zu haben. Nur einen Spaziergang von dort am Strand entlang ist das berühmte Freiluftkunstmuseum Beelden an Zee zu besichtigen. In der Nähe liegt auch Madurodam, ein holländischer Miniaturpark à la „Minimundus“, nur mit dem Unterschied dass hier in Holland leider Hunde verboten sind. Aber sowohl Den Haag als auch Madurodam stehen auf der Bucketlist für 2018.

  • Kulinarik Tipps für Holland – mit und ohne Hund

Auf Texel gibt es eine eigene Brauerei, von der die Holland-Fans bereits auf der Fähre schwärmen: Hier trinkt man das Texel Spezialbier mit den schönen Namen „Skuumkoppe“, „Dubbel“ oder „Stormbock“.

Man isst regional handgemachtes Eis vom Bauern wie daheim in Niederösterreich beim Eis-Greißler, kehrt in der hiesigen Chocolaterie ein und verkostet das Texel Brot aus der „Bakkerij“. Dazu trinkt man „Koffie“ (spricht sich wie ein berühmter Hundename 🙂

Weiters wärmt man sich in Holland gerne mit „chocomel“ mit viel Schlagobers auf.

Überall in Holland werden entweder zum Abendessen automatisch Pommes Frites auf den Tisch gestellt oder man wird proforma danach gefragt, ob man eh dazu auch noch Fritten bringen dürfe. Auf Texel gibt es die als „Friet Orloog“ mit Erdnuss-Sauce und Mayo oder aber mit Curry Ketchup. Als Vorspeise nimmt man einen Salat mit Shrimps, Crevetten oder reichlich „Geitenkaas“, gefolgt von Fleisch- oder Fischkroketten (high carb im Semmerl) und – das darf nicht fehlen – „lekker Kibbeling“ (sic!), einen hiesigen Backfisch, der wirklich sehr zart schmeckt.

In der Konditorei nimmt man stets einen frischen Minztee (gerne mit Honig), der ein Atem beraubendes Aroma hat – dazu frisch gebackene Poffertjes mit allerlei süßem Kram (oder süßem Alkohol) dazu. Außerdem war ich offensichtlich die letzte auf Erden, die nicht wusste, dass in Holland mit Vehemenz und Nachdruck zum Frühstück Butterbrot mit buntem Streusel verzehrt wird. Ja, wirklich.

  • Noch mehr Holland mit mehr Meer

Weitere sehr beliebte Orte am Meer in Holland sind Zaandvoort (ebenfalls 1993 schon besucht) und Kijkduin. In allen Seebädern gibt es reichlich Air BnB Wohnmöglichkeiten, Hotels von Grand bis Klein und vor allem Campingplätze und Vakantieparks mit Bungalows und Chalets. Am beliebtesten sind aber hier in Holland in Strand- und Dünennähe sicher die Ferienhäuser, um die ein wahres G´riss herrscht. Wahrscheinlich nur noch getopped von den Strandhütten, die im Winter übrigens abgebaut werden. Nirgends sonst kann man so mitten in der Natur in Wind und Wetter und Sand nächtigen, wie in diesen kleinen Hüttchen, die manchmal schon wahrlich luxuriöse Chalets am Strand sind.

Typisch holländische, sehenswerte Natur und Kultur gibt es an jeder Ecke: Deiche, Polder, Kanäle, Hausboote und die traumhaft schönen Windmühlen, die man auch in Windmühlen Parks wie etwa „Zaanse Schans“ besichtigen kann (1993 schon erledigt). Jeder Holland-Fan hat seinen eigenen ultimativen Strandpavillon-Tipp, seinen Lieblingsleuchtturm und den Ferienhaus-Geheimtipp. Und bei „Urlaub mit Hund“ ist Holland sowieso ganz vorne mit dabei.


Im Dezember geben die Reiseblogger von 7Ways2Travel persönliche Reisetipps für 2018.

  • Andersreisender: Reisetipp Mongolei
  • Kofferpacken: Reisetipp Portugal
  • Lifetravellerz: Reisetipp AZOREN
  • Travelpins: REisetipp Madagaskar
  • Reisebloggerin: Reisetipp Usbekistan
  • CitySeacountry: Reisetipp Costa Brava

 

 

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