„Merk-würdiges“ Mühlviertel: Urlaub an der Grenze

Immer wenn ich „rauf“ ins Mühlviertel fahre, erinnert mich die dortige Gegend ein wenig an mein heimatliches Viertel, das Weinviertel. Grün und hügelig, unaufgeregt und „chillaxing“ – das ist auch die „Traumarena“ Mühlviertel rund um Bad Leonfelden ganz nah der tschechischen Grenze. Und damit ganz und gar: merk-würdig.

Ich persönlich verstehe ja nicht, warum der Kärntner Dialekt so beliebt sein soll. Mein Favorit war von jeher schon der bodenständige Zungenschlag der Mühlviertler (Ja, den Vorarlberger mag ich auch). Von uns im Weinviertel ist das Mühlviertel nicht gerade um die Ecke gelegen, doch eines verbindet uns: Bei beiden „Vierteln“ ist die Grenze allgegenwärtig  – und damit auch die Geschichte. Sowohl mein niederösterreichisches HeimViertel, das Weinviertel,  als auch das oberösterreichische Mühlviertel haben eine lange Grenze mit Tschechien und  lagen somit jahrzehntelang direkt am Eisernen Vorhang.

Heutzutage hat dies für uns, die wir frei reisen dürfen, den Vorteil, dass es statt des Stacheldrahts ansprechende grenzüberschreitende Rad- und Wanderwege gibt und dass man schnell „drüben“ ist. Im Mühlviertel zwischen der Region Bad Leonfelden und dem Böhmerwald lohnen sich die Ausflüge überhaupt: „Mal schnell über der Grenze“ ist man sowohl am malerischen Lipno Moldaustausee oder in Krumau an der Moldau in Südböhmen, der „Perle des Böhmerwaldes“, in der schon Egon Schiele wirkte. Adalbert Stifter übrigens stammt ebenfalls aus dieser Gegend – er ist hier immer noch allgegenwärtig. Aber eigentlich wollte ich ja vom Mühlviertel schwärmen. 

Rund um Bad Leonfelden lässt es sich, so wie im gesamten Mühlviertel, in der hügeligen Landschaft hervorragend laufen, wandern, walken, langlaufen – immer mit einem Touch von Geschichte – die Hotels dazu sorgen für den Wellness-Faktor. Es gibt mehr Rad- und Laufstrecken, als man während eines einzigen Urlaubs abarbeiten kann. Hier nahe Bad Leonfelden verlief auch die alte Salzstraße, entlang derer die erste Eisenbahn Europas verlief – eine Pferdeeisenbahn zwischen Linz und Budweis – zum Transport von Salz und Eisen.   Auch diese alten, historischen Wege erfahren im Mühlviertel als neue Wanderwege ausgezeichnet, wieder einen Aufschwung.

Der Salzwanderweg geht übrigens über die europäische Wasserscheide, noch so eine Besonderheit aus der Region. Ein alter Brunnenstein erinnert heute daran, dass sich hier die Fließrichtung der Flüsse „scheidet“: Der Granitzbach fließt nach Norden und der Rodlbach nach Süden. Als Coffee und ich dort entlang wanderten, war uns die Fließrichtung herzlich egal: Das Wasser schmeckte ihm in jedem Fall ganz köstlich.

Auch das Wasser des ehemaligen alten Schwarzenbergischen Schwemmkanals hat er ausprobiert. Die spannende Geschichte dahinter war ihm zwar egal, mir aber nicht: Der Schwemmkanal galt einst fast als ein Weltwunder – war es doch durch ihn möglich, die riesiger Reichshauptstadt Wien mit Brennholz aus dem Böhmerwald zu versorgen. Über den Schwemmkanal wurde das Holz nach Wien gedriftet (Lesetipp: Top Ausflug: Auf dem Holzweg ins Mendlingtal) ein Wunderwerk damals, denn die Wasserscheide zwischen Donau und Moldau musste dabei überwunden werden.

Beim Wandern und Spazieren trifft man nur allzu oft auf noch mehr Hinweise aus der Vergangenheit: Alte Handwerke wie das Weben, das Wachsziehen, Hinterglasmalerei und der Blaudruck sowie eine Leinenweberei können hier noch einmal erlebt werden. Zu empfehlen ist auch der R5, der MÜHLVIERTEL-Radweg, der auf fast 240 Kilometern Länge ebenfalls immer wieder an der Grenze vorbeiführt – grenzgenial quasi.

Und noch eine Besonderheit haben wir hier heroben beim Wandern nahe der Grenze entdeckt: Hier gibt es wahrhaft eine ausgewiesene Hundeloipe für den Winterurlaub mit Vierbeiner. Denn das haben die Mühlviertler uns Weinviertlern voraus: Sie haben gar ein Nordisches Zentrum, die Böhmerwaldarena. Und nach dem Wintersport soll übrigens das klostereigene Bier der Stiftsbrauerei Schlägl im nahen Aigen ganz hervorragend munden, habe ich mir sagen lassen.

Wo früher Schießscharten und Stacheldrahtzaun vorherrschten, kann man heute bequem wandern, walken und laufen.

Wohnen, Wellnessen, Kuscheln und Schmausen nach den vielen merkwürdigen Eindrücken aus unserer Geschichte und nach dem Walken, Laufen und Langlaufen – egal zu welcher Jahreszeit – lässt es sich hier übrigens vortrefflich im Wellnesshotel Guglwald.  Kleiner Tipp: In der gemütlichen Kräutergartenhütte des Hotels dürfen auch Hunde mit-wohnen. Hier kann man gar nicht anders, als sich zu entspannen.

Das Mühlviertel mit seiner Merk-Würdigkeit hilft dabei mit.

Ruheraum im Kuschelhotel Guglwald – Das nenn ich Lesecouch…

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