In die Grean gehen oder: „Ein Achterl zum Frühstück“

Sonntags um 10 daheim im Weinviertel. Ein Achterl DAC zum Frühstück, feste Schuhe, eine handfeste Sturmhaube zur Vermummung und wir Reiseblogger ziehen los – wie damals: In die Grean. 

In die Grean 2016_DSLR_WEB (5 von 19)In die Grean – Früher und heute

Früher gingen zu Ostern die Erntehelfer mit den Winzern eine Runde durch die Rieden, heutzutage wandern die Weinviertler Weinbauern mit ihren Gästen hintaus und erklären Wissenswertes über das Weinviertel, die Kellergassen und das Wichtigste: Den Wein.

Für uns übernimmt das heute DER Wein-Kapazunder Österreichs: Josef Pleil, ehemaliger Präsident des österreichischen Weinbauverbandes und auch sonst sehr umtriebig beim Wein-Business empfängt uns um 10 Uhr morgens bereits mit einem Achterl. Und es schmeckt schon jetzt – wenn das kein gutes Zeichen ist!In die Grean 2016_smartphone_WEB (1 von 17)In die Grean 2016_DSLR_WEB (6 von 19)

Weinviertel Tourismus hat uns Reiseblogger eingeladen, in Wolkersdorf gemeinsam in die Grean zu gehen und dabei haben wir einen ständigen Begleiter: Den Wind. Oder wie sage ich immer so schön: Das Weinviertel ist immer auch ein Windviertel.In die Grean 2016_DSLR_WEB (1 von 19) In die Grean 2016_smartphone_WEB (4 von 17)Unglaublich, dass hierher früher die Sommerfrischler aus Wien gekommen sind, um beim Wirten oder in Privatquartieren zu wohnen. Aber wenigstens weiß ich jetzt, warum es etwa im nahen Niederkreuzstetten etwa so tolle Villen gibt. Ein bisschen Ausseerland und Semmering-Feeling im Weinviertel quasi.In die Grean 2016_smartphone_WEB (5 von 17)

Foto: Elena Paschinger
Foto: Elena Paschinger

Durch die Wolkersdorfer Kellergasse –

…dort wo man (wenn man es weiß) rüber zum Rußbach sieht und wo früher einer der alten Haupthandelswege, die Salzstraße, von Wien in den Norden nach Schlesien führte – gehen wir „durch Lahm und Löss“ bergan – die Kellergasse hat sich an manchen Stellen tief eingegraben und ist ein richtiger Hohlweg. Nicht aber durch die Fluten von oben, sondern tatsächlich durch die zahlreichen Fuhrwerke und die Transporte nach Norden – von der Brünner Straße, die heute etwas weiter östlich verläuft, war da noch keine Rede.In die Grean 2016_DSLR_WEB (8 von 19)In die Grean 2016_DSLR_WEB (12 von 19)

Für mich ist das heutige In die Grean Gehen auch ein Staunen und Erinnern: Wir spazieren am Elternhaus meines Vaters in der Kellergasse 3 vorbei. Irgendwo hier sind meine Urgroßeltern bei einem der letzten Bombenangriffe durch die Alliierten im April 1945 in einem Keller ums Leben gekommen. Und am „Roseneck“, wo ich als Kind meine Sommer verbracht habe, standen früher die Rösser, um die hängen gebliebenen Fuhrwerke hinaufzuziehen auf den Berg. Rösser also, nicht Rosen.In die Grean 2016_smartphone_WEB (3 von 17) In die Grean 2016_smartphone_WEB (2 von 17)

Der Wolkersdorfer Wein&Kultur Wanderweg 

durch die Stixenkreuter eignet sich hervorragend für einen Weinspaziergang in die Grean – die Schautafeln brauchen wir eigentlich nicht, weil Josef Pleil naturgemäß alles weiß. Mit bis zu 6 Bar Druck arbeitet so eine Weinknospe, erzählt er uns. Wolkersdorf hat übrigens noch eine Hauerfahne – ein Symbol für den Berufsstand des Winzers und diese Tradition wird hier nicht nur hochgehalten sondern auch hoch getragen: 8 Burschen schleppen das Gestänge mit der 4m hohen Fahne durch Wolkersdorf – früher durften dies gar nur Winzer sein – heuer gibts aber offiziell nur noch 4 Weinbauern im Ort.In die Grean 2016_DSLR_WEB (4 von 19) In die Grean 2016_DSLR_WEB (2 von 19)

Und auch teuer war es allemal: Als Josef Pleil damals noch mitschleppte, kostete das seine Eltern mehr als seine spätere Hochzeit, erzählt er. Klar, Hunger und vor allem Durst hatten die Hauerburschen schon damals. Wir verstehen das und kehren ein beim Friedlmayer. Wie einst schenkt auch er im Privathaus aus – eine deftige Brettljausn wartet auf uns und ein Achterl vom Gemischten Satz.In die Grean 2016_smartphone_WEB (6 von 17)

In die Grean 2016_DSLR_WEB (17 von 19)Die Kellergassen – „Trink ma wos?!“ – Eine Feststellung.

An schönen Tagen sehen wir vom Gerichtsberg in Wolkersdorf (wo früher die Fuhrwerke hängen blieben) glasklar bis zum Schneeberg – heute hören wir nur den eisigen Wind um die Ohren pfeifen. Kellergassenführer Herbert Kraus zeigt uns am Nachmittag die „Gaitlöcher“ (Polt, schau oba!), wo früher die Trauben nach der Lese in die Presshäuser reingeschüttet wurden und führt uns auch unterirdisch durch die Keller. In die Grean 2016_DSLR_WEB (9 von 19) In die Grean 2016_DSLR_WEB (13 von 19)                                       In die Grean 2016_DSLR_WEB (10 von 19)    In die Grean 2016_DSLR_WEB (7 von 19)

Riesige Kellerschlüssel sind dazu von Nöten, wir brauchen Taschenlampen und kriegen gleich wieder Durst. Die „Köllamauna“ treffen sich zwar nur Mittwochs zum Sitzen, Trinken und Tratschen in der Kellergasse („Trink ma was?“ – eher eine Feststellung, denn eine Frage), aber dank Herbert kriegen wir auch am Sonntag ein Achterl Rosé. Und weil wir im Weinviertel sind, trinken die zufällig vorbeikommenden Spaziergänger aus Ladendorf auch gleich mit. In die Grean Gehen halt 🙂

Die Ziegel, mit denen die Presshäuser hier (mit teilweise verdammt kunstvoll gerundeten Wölbungen, die heutzutage kein Mensch mehr nachbauen kann) gebaut wurden, stammen übrigens alle aus der Gegend. Früher gab es zahlreiche Ziegeleien rundum, es gab die Ziegel-Böhm und die „Böhmischen Platzln“ – das sind Dinge, die eben nur ein Kellergassenführer weiß.

In die Grean 2016_smartphone_WEB (9 von 17) In die Grean 2016_smartphone_WEB (10 von 17) Geheimtipps zum Schmausen und Trinken: In die Grean in Pillichsdorf

Viel über das Weinviertel wissen aber auch die Pillichsdorfer Winzer Flo Faber und Sepperl Gössinger. Wir schauen zum Abschluss noch beim Kellergassenfest vorbei. Hier gibts aber nicht nur die eine, sondern viele Kellergasserln.

In die Grean 2016_smartphone_WEB (17 von 17)Beim Faber sitzt man wunderschön draußen unterm Nussbaum (manchmal „muss“ man bis in den Weingarten ausweichen) und isst allerlei Köstliches vom Mangalitzaschwein (Rosé-Empfehlung).

Beim Sepperl hingegen wird ordentlich „Aufgschmiert“ – Der Meister der Aufstrichbrote hat sich heuer ein neues Ziel gesetzt: Mindestens 43 verschiedene Aufstriche will er heuer in seinem Heurigen vom 10. – 15. 8. anbieten und damit seinen Rekord vom Vorjahr übertreffen – und seine Stammgäste sind jetzt schon gespannt, was er diesmal auf den Tisch, bzw. hinter die Theke bringen wird.

Übrigens: Den Gemeindekeller in der Pillichsdorfer Kellergasse kann man mieten – Kollegin Elena Paschinger hat bereits ein begehrliches Auge für ihre nächste Lesung darauf geworfen. Und in die Grean haben mich außerdem noch meine Reise- und Outdoor Blogger KollegInnen  Lucia Täubler, Claudia Höller und Martin Moser begleitet.
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HINWEIS: Wir wurden von Weinviertel Tourismus eingeladen, gemeinsam in Wolkersdorf #indiegrean zu gehen. Erlebnis-Pakete zum In die Grean Gehen können hier online gebucht werden.


Noch mehr Ausflugstipps für´s Weinviertel? HIER: WIEDERUNTERWEGS im WEINVIERTEL.

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