Zwischen den Jahren in Reichenau an der Rax

Zum Auslüften, Spazieren und Genießen

by Angelika Mandler-Saul

Wo ich als Vielreisende hinfahre, wenn ich mal privat sein, den Kopf freikriegen und nur die Zeit mit meinen Lieben (Mann und Hund) genießen will? „Zwischen den Jahren?“ Nach Reichenau, ins Höllental und auf die Rax in die Wiener Alpen.

Pavillon Reichenau an der Rax
Pavillon in Kurpark – hier gibts auch das Eröffnungsfest der Festspiele Reichenau im Sommer

Nicht mehr und noch nicht: Zwischen den Jahren

Es gibt nichts mehr zu tun, was man nicht auch verschieben könnte und es gibt noch nichts zu tun, was nicht noch warten könnte: So ungefähr fühlen sich für mich die Tage zwischen den Jahren an. Das sind die Tage nach den drei Feiertagen mit Feiern, Familie und Festmahl und vor dem stressigen Silvesternacht. Diese Tage könnte ich mit lesen, gassigehen und Sorgenmachen (über das nächste Geschäftsjahr) verbringen, oder aber: Wegfahren.

Thalhof Runde im Winter mit Hund Reichenau an der Rax
Thalhof Runde in Reichenau

Und wenn ich das privat und ganz ohne Reiseauftrag mache, dann fahr ich : Im Sommer ins Kamptal, im Herbst ins Salzkammergut, im Frühling an die Donau und im Winter – wenn keiner pendelt und die fast leere Tangente nur auf uns WeinviertlerInnen zu warten scheint – nach Reichenau an der Rax oder an den Semmering. Auf jeden Fall in die Wiener Alpen. In diesem heurigen Falle wurde es nicht der Semmering, denn dort wurde gerade wichtig Weltcup gefahren und das war genau die Art von Getöse, die ICH nicht wollte – für meine zwei freie Tage.

reichenau an der rax mit hund winterspaziregang am fluss
Winterspaziergang an der Schwarza

Also gings nach Reichenau, zum Höllental und auf die Rax und das nun ja, semispontan (d.h. ich wusste schon länger davon, der zweibeinige Mitreisende wurde mit „Hast Du zufällig Lust, spontan morgen ….“ überrascht) in den Marienhof: Um alle unsere gewohnten, geliebten und geschätzten Wegerln noch einmal im alten Jahr und in Muße und möglichst ohne Menschenaufläufe abzugehen, Schnee zu schnuppern und es uns gemütlich zu machen. Ohne Schnick Schnack, ohne Luxus, dafür mit Bergen, Luft und blauem Himmel.

rax reichenau höllentalausblick im winter mit hund
Die Rax hat wahrlich immer Saison. Hier am Höllentalausblick

Wir sind wieder mal da: Reichenau an der Rax im Winter

Da geht es den ganzen lieben Tag dann meistens so: „Weißt du noch?“ und „kannst dich erinnern“ und „da waren wir damals…“ oder „Als der Schnitzler damals hier war, hat er….“ oder sogar „Pfoh, der Hund bekommt hier überall als erster was zu trinken“ und „Im Payerbacherhof* hamma aber auch gut gewohnt und gegessen, gell?“. Man kann reden, muss aber nicht – erstens weil man eh schon weiß, was die andere wieder erzählen wird und zweitens weil man einfach auch mal schweigen kann, beim Spazieren.

Thalhof Reichenau im Winter
Wieder einmal: Zum Thalhof gehts

Hach, es ist auch so fein, en privée rumschlendern zu können, einmal alle zehn Jahre gebackene Leber zu essen, überall einen Platz zum Einkehren zu kriegen, freundlich empfangen zu werden und nichts reservieren zu müssen. Quasi „einmal ein verfluchter Kerl“ zu sein, wie der Weinberl im „Jux“. Fast nichts haben wir reserviert aus lauter Abenteuerlust, außer das Zimmer im Marienhof*, den haben wir natürlich schon vorausgebucht. Einen Tag vorher. Aber sonst: Ins Kaffeehaus, ins Wartholz, ins Wirtshaus und sogar auf die Rax sind wir bei schönstem Winterwetter noch mit raufgekommen (und auch beizeiten wieder runter), ohne vorher zu reservieren. „Reisen wie früher“ quasi – als man noch ohne Internet und Smartphone um die halbe Welt fuhr und AUCH ÜBERLEBTE! Ich weiß das, ich war nämlich dabei!

promenade mit hund im winter raxblick reichenau
Die Rax im Blick auf den Promenaden im Winter

Winterpromenaden in Reichenau

Wir sind sie alle abgegangen, die Touren und Promenaden. Parken kann man im Winter herrlich einfach bei der Kirche neben den Reichenauer Schloss-Stuben. Dort befindet sich auch eine Tafel mit den TutGut-Routen, Rad- und Wanderwegen rund um Reichenau.

Promenadentechnisch wird man in Reichenau immer fündig

Viele Stellen auf den Wegerln war vereist, sodass sogar die einheimischen Radfahrer und Sommerhausverwöhnten Wiener und Mödlinger teils grenzwertig fluchend unterwegs waren. Aber die Thalhofrunde war teils aper, teils im hinteren Teil mit Schnee wunderbar zu begehen: Ein glücklicher Hund zeigte uns, wie sehr man sich über eine solche Kleinigkeit freuen kann.

Und dann freuten wir uns auch. Auch über den klaren Blick hinüber zum Looshaus, über das leise Plätschern der Schwarza und über das Knirschen des Schnees – dazu Sonne und kalter Wind: Genau so bekomme ich meinen Kopf frei. Und der Hund darf dazu bellen, was das Zeug hält, denn nirgend hallt es so wunderbar wie hinten beim Thalhof in Reichenau.

Hoppla, doch: Auch in Rossatz am Donaustrand gegenüber von Dürnstein in der Wachau hallt es ganz hervorragend. Getestet und als ein 1a Bell-Echo empfunden!

Am längsten Sonne hatten wir an der Fischerpromenade Richtung Kurtheater Reichenau. Dort entlang der Günstlingbachpromenade war es uns zu frisch und schattig, also nach der Kaffeepause wieder in die Sonne, in den Kurpark und an den kleinen Teich. Auch der Spazierweg Richtung Rax am Schwarza-Ufer ist zu jeder Jahreszeit ein Traum, vor allem mit Hund.

Einkehren auf Gebackenes, Kardinalschnitte, Thai-Food und Kaffeetscherl

Zwischen den Jahren hatten wir kein Problem, offene Wirtshäuser zu finden – Heureka. Schließlich kommen wir auch zum Essen her, das ist ja wohl klar. Herrlich direkt am warmen Kachelofen speisten wir Herausgebackenes in den Reichenauer Schloss-Stuben – der Herr Hund bekam frisches Wasser und legte sich zufrieden in den Weg. Geöffnet waren auch das Gasthaus Kobald und die neue Raxwirtin Meo hinten in Nasswald (Thai-Food! Mjam).

Kaffee und Cremeschnitte vom Vortag (dafür supernettes Service und erstmal Wasser für den Hund) bekamen wir in der Café Konditorei Reichenau, nebst vielen Zeitungen – das muss unbedingt sein. Krone, Kurier, Woman, lokale Schriften – wo liest man das, wenn nicht auf Winterfrische? Höhepunkt wie immer – war einmal mehr das Café Wartholz: Auch deshalb, weil sich der Schmaus dort stets mit einem gepflegten Einkauf in der Gärtnerei mit dem wohlsortierten Shop verbinden lässt. Diesmal wurde ich mit der neuen Ausgabe von „Rundumadum – Reichenauer Spaziergänge“ verwöhnt. Bei Punschkrapferl, einem exzellenten Café im hübschen weiß-rosa Porzellan, Kardinalschnitte und Sommerfrische-Spritzer habe ich mich dann für die nächste Stunde in die neue Lektüre vertieft: Die Villen von Reichenau, die denkmalgeschützten Häuser und viele neue Einblicke und alte Fotos, die ich noch nicht kannte. Wunderbar.

Winterwandern zum Höllentalblick auf der Rax: Danke, NÖ-Card!

Dass wir zwischen den Jahren bei Kaiserwetter nicht allein auf der Rax sein würden, das war mir natürlich klar. Aber dass um zehn alle Parkplätze rund um die Talstation schon voll waren, naja – das muss ja nicht sein. Der Stellplatz (den ich schon so oft mit Camper Cicero genutzt habe) war allerdings als Parkplatz freigegeben (wo sind denn die Wintercamper geblieben?) und so war es eh auch nur ein Sprüngerl rauf zur Station.

Mit meiner geliebten Niederösterreich-Card durften wir Zweibeiner gratis rauf, der Vierbeiner schlug mit 12 Euro tour-retour zu Buche. Geschmalzen, aber ist es uns immer wieder wert. Ob zum Schneeschuhwandern, Sommerwandern oder Winterspaziergang. Dafür darf man sich gratis einen Maulkorb für die Fahrt ausleihen – in der Wunschgröße – für den Hund wohl gemerkt.

Neuer Slogan

Ein Lob ergeht an die wie immer sehr freundlichen Raxbahn-Mitarbeiter (es waren nur Herren da): Das ist wirklich immer wieder sehr erfreulich, dass man tatsächlich mancherorts noch mit ausgesprochener Freundlichkeit den Gästen begegnet. Auch wenn sie in Massen kommen mögen – zwischen den Jahren.

Oben angekommen ging die breite Masse Richtung Ottohaus, weil pardauz: DAS OTTOHAUS hatte OFFEN. Das habe ich schon lang nicht mehr erlebt. Weder sommers noch winters war bei meinen letzten fünf Besuchen dort oben was geöffnet. Der Raxalpengasthaus jedoch ersparte sich diesmal – trotz des Besucherandrangs, trotz des genialen Sonnenwetters und trotz der vollen Stube – draußen seine Liegestühle, Tische und Bänke aufzustellen. Warum? Keine Ahnung. Hab mich nicht fragen getraut, die waren drinnen alle so im Stress.

Also zurück zum Ottohaus, zu dem wir NICHT gegangen sind. Weil nämlich alle anderen hingepilgert sind, kein Wunder – alle waren wohl überrascht ob der Öffnung. Wir drei wanderten eisfrei und hochzufrieden im Schnee bis zur Höllentalaussicht und wieder retour. Was für ein Ausblick, was für ein Tag! Ein kleines Glück, das sehr froh macht.

Übrigens: Ich war auch schon mehrmals zum Schneeschuhwandern mit Hund auf der Rax – unter der Woche bei viel Schnee, unbedingte Empfehlung!

Höllentalausblick Rax im Winter
Höllentalblick
Blick zum Ottohaus auf der Rax
Blick zum Ottohaus

Hoteltipp Reichenau an der Rax: Marienhof

Wir haben uns für ein Supérieur-Zimmer im Marienhof* entschieden, wegen der Lesesessel im Zimmer (spotted auf der Website :-). Glücklicherweise bekamen wir ein Eckzimmer mit Balkon und Raxblick – Hurra! Leider hatten die Lesesessel keine Leselampen und die Beleuchtung im Zimmer war zu retroschummrig, um – außer im Bett – lesen zu können. Aber wir verschoben halt das Lesen, genossen das warme Zimmer mit dem traumhaften Ausblick, das Nostalgie-Feeling im Stiegenhaus und im Speisesaal sowie die Sauna. Einen kleinen Pool, ein winziges IR-Kammerl für zwei und eine Dampfkammer gabs auch, dazu einige Liegemöglichkeiten. Gemütlicher war´s aber im Zimmer, wichtig war uns bei der Reservierung auch ein Zimmer mit Parkettboden.

Abends chillten wir kurz in der Roten Bar, Hund Coffee durfte dort auch mit dabei sein – im ganzen Haus finden sich die Plakate der vergangenen Produktionen der Festspiele Reichenau – wie schön, bei sehr vielen davon war ich als Zuschauerin mit dabei.

Das Frühstück war für uns das Highlight im Hotel: Wir ergatterten einen schönen Platz am Fenster. Am ersten Tag war der Saal von der gleißenden Sonne erleuchtet, anderntags schneite es dicke Flocken vor den Fenstern herab. Die Frühstücks-Damen waren von ausgesuchter Freundlichkeit, höflich und entgegenkommend – so stell ich mir das vor in einem solchen Haus mit Geschichte. Mich stören allerdings Gäste in Schlapfen beim Frühstück, ich sags, wie es ist.

Allerdings durften wir Hund Coffee zum Frühstück mitnehmen und das wiederum ist auch nicht selbstverständlich. Danke dafür! Es gab frischen Prosciutto, warme Croissants, frische Heidelbeeren, eine Eier-Station, eine große Käseauswahl, Lachs und Schinkenwaren. Dazu Kuchen und – hurra, Sekt zum Frühstück.

Beim Frühstück hätten wir es noch länger ausgehalten, aber wir hatten ja was vor: Die Rax stand am Plan.

Der Park, in dem das historische Hotel liegt (ich hab übrigens gleich in Schnitzlers Tagebüchern recherchiert, wann und wie oft er da war…) ist im Sommer – mit der herrlichen Terrasse – sicher ein zusätzliches Asset für BesucherInnen.

Die Mitnahme des Hundes ins Zimmer kostet übrigens 30 Euro pro Nacht – wegen der täglichen Spezialreinigung, wie mir erklärt wurde.

Mit Hund rund um Reichenau an der Rax unterwegs

Einheimische, Zuagraste, Sommergäste und ZweithausbesitzerInnen: Sie alle haben offenbar auch reichlich Vierbeiner im Schlepptau. Nicht anders kann ich es mir erklären, dass – wie oben schon erwähnt – überall der Herr Hund als erster bedient wurde. Er wurde nicht ignoriert, nicht scheel angeschaut und nicht auf die Seite geschoben. Im Gegenteil, er war selbstverständlich ebenso ein glücklicher (aber viel müderer) Gast wie wir und wir haben das sehr genossen.

Gassisackerln und Mistkübel an den Promenaden und Wanderwegen überall vorhanden. Ja, das ist auch wichtig :-)


Noch mehr Unternehmungen in den Wiener Alpen

Ich habe schon oft über Reichenau, die Rax, Semmering und Schneeberg geschrieben, hier kommen weitere Reiseberichte der letzten Jahre mit ganz verschiedenen Ausflugsabsichten – zum Nachreisen, versteht sich:

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