Znaim liegt bei uns im Weinviertel quasi um die Ecke – gerade recht für einen Tagesausflug nach Tschechien. Ob mit Auto oder Zug, aber immer mit Hund. Wir waren angenehm überrascht. Auch ohne Znaimer Gurken.Znaim Tschechien Gasse

Von meinem heimatlichen Basislager im Weinviertel ist Znaim genauso weit entfernt wie meine Landeshauptstadt St. Pölten, nämlich knappe 100 Kilometer. Für eine Reisende wie mich ein Katzensprung.

Bis zu meinem ersten richtigen Besuch war mir Znaim nur ein Begriff aus dem Schwarz Weiß-Film „Der Hofrat Geiger“ aus der Wachau, in dem sich das „alte Mariandl“ vom strengen Spitzer Bürgermeister abkanzeln lassen muss („Mariann, ich habe festgestellt, dass Du in ZNAIM geboren bist!!“ ). Nur Retro-Cineasten wissen, wovon ich spreche. Des weiteren kannte ich Znaim aus dem Weinviertler Polt-Krimi von Alfred Komarek: Nein, in diesem Krimi fuhr man nicht zum Zwecke des Sightseeing über die Grenze. Dieses mein marginales Wissen über die südmährische Stadt konnte ich dann endlich mal bei einem überraschend schönen Tagesausflug revidieren.
Znaim Burg Tschechien Znaim Burg Tschechien

Die Anreise nach Znaim

Wiener werden in Floridsdorf in die Bahn steigen, um freundliche 83 Minuten später am zugegeben nicht besonders einladenen Bahnof Znojmo ihren Znaim-Tag zu beginnen. Weinviertlerinnen wie ich es bin, planen ihr Boarding in Stockerau und sind 66 Minuten später in jener Stadt, in der Peter Alexander einst maturiert hatte. Oder man fährt die ganze Strecke mit dem Auto, an einem Parkplatz wird es in der Nebensaison in der Znaimer City nicht mangeln.

Dem Zugreisenden bleibt die wenig einnehmende Straßenstrecke über die E59, die sich nach der österreichischen Grenze aus Fashion Outlets, Hundebad-Betreibern, Fisch-Doktoren, einem vermeintlichen „Luxus-Hotel“ und Glücksspiel-Centern definiert und von defilierenden Damen flankiert wird, erspart. Der Znaimer Bahnhof lässt zwar etwaige  aufkeimende Glücksgefühle beim Reisenden auch schnell ersticken, aber nach kaum 10 Minuten sieht man sich bereits dem Stadttheater gegenüber – und da dieses an das Wiener Volkstheater gemahnt, fühlt man sich hier recht schnell heimisch. innenstadt znaim znaim burg burg in znaim

Znaim – Endlich in die City: Die Hotspots

Weitere fünf Minuten Marsch später befindet man sich am Masaryk Platz mit seiner Pestsäule und spätestens hier ist man sich nicht mehr sicher, ob man sich nicht doch vielleicht im nahen Retz, in Weitra oder doch in Znaim befindet. Nur das Gebäude am Ende des Platzes mit einem „Panorama-Café“ im Obergeschoß, das Kaufhaus Dyje („Thaya“), das erinnert mit seiner Plattentektonik dann doch schnell an die Tatsache, dass Znaim bis 1990 HINTER dem Eisernen Vorhang lag.

sachertorte in znaim kaffeehaus

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Doch danach beginnt die Fußgängerzone und alles ist gut: Die Sehenswürdigkeiten sind – vor allem im Winter – schnell besichtigt und man kann sich beim Spaziergang auf die persönlichen Eindrücke vom mittelalterlichen Stadtkern konzentrieren und die vielen architektonischen Parallelen zu Prag und Wien entdecken. Letztere findet man besonders an den Bürgerhäusern, den Palais Daun oder Ugarte, die an die Wiener Ringstraße erinnern. Dazwischen aber liegen immer wieder Gasserln, die man euphorisch als „pittoresk verfallen“ bezeichnen kann. Und dennoch: Es promeniert sich hervorragend zwischen den alten Häusern über das Kopfsteinpflaster – wie hervorragend mag das Reiseerlebnis erst im Sommer sein, wenn man dabei nicht allein auf weiter Flur weilt. Nahe der Burg ein weiteres Aha-Erlebnis: Gregor Mendel lehrte hier und zwar nicht nur über seine Erbsen und die von ihm aufgebrachte Vererbungstheorie. Er war auch als Lehrer tätig, allerdings mit mäßigem Erfolg.

Auffällig in Znaim ist, dass die Häuser (so wie etwa auch in Prag) je zwei Hausnummern führen: Eine aus der Habsburgerzeit stammend, die die Reihenfolge des Bauzeitpunkts in der gesamten Stadt bezeichnen (Konskriptionsnummern) und eine aus der Neuzeit, die dafür sorgt, dass der Postler die  Häuser auch in der heutigen Zeit findet: Die Ordnungszahlen, die sich auf die jeweilige Straße beziehen.

Warum ich bei Znaim immer an Retz denken muss

Der eigentliche Höhepunkt dieses Tagesausflugs war der Blick von der „Znaimer Rotunde“ hinab auf die Thaya: Wer keine Skrupel hat und unter einem Torbogen hindurchwandert, der auf den ersten Blick nicht an eine Einladung in eine Burg erinnert, wer sich weiters durch die Baustelle der Brauerei schlägt und den Hund – weiß der Geier warum – auf Anweisung draußen warten lassen muss, der wird belohnt: Mit einem fulminanten Blick auf die aufgestaute Thaya bis zum Loucky Kloster, auf die steilen Rieden unter der Wenzelskapelle mit seinem Wandelgang und auf die St. Nikolai Kirche. Die Rotunde und die Überreste der Znaimer Burg im Rücken weiß man spätestens jetzt, warum man nach Jahrzehnten endlich mal nach Znaim gefahren ist. Hier befindet sich auch ein vorzüglich gelegenes Terrassencafé mit Blick über die Thaya – nur schade, dass der Hund draußen vor dem Tore wartet, also retour.

Die beiden Städte liegen nicht nur nah beieinander und geben mit ihrem „Sgraffito“ auf den Häuserfassaden an, sie verfügen auch beide über ein weitverzweigtes unterirdisches Labyrinth an Kellern und Gängen, das mit Führungen besichtigt werden kann. Aber leider nicht zur Mittagszeit, da wird rechtschaffen pausiert. Nun sind die Kellergassen und die unterirdischen Kellersysteme des Weinviertels ja hinlänglich bekannt – fast ist man versucht zu sagen, das gäbe es kein zweites Mal auf der Welt. Aber nur fast, denn auch Südmähren hat ähnliche Kellergassen mit Presshäusern (die teilweise auch ein wenig an die steirischen Kellerstöckl erinnern) und eine Vielzahl an unterirdischen Gängen. Da liegt nur nahe, dass Znaim auch für seinen Wein und die zahlreichen Vinotheken bekannt ist, jedoch auch für seine Gurken! Wer hätte das gedacht.

Nun fiel unser Tagesausflug nach Znaim in den Vorvorfrühling und wir waren froh, ein paar nicht geschlossene Kaffeehäuser und Gasthäuser zu finden – an frischen Gurken hing unser Glück nun wahrlich nicht. Und dennoch, an der Touristeninformation deckten wir uns mit einigen Prospekten ein, die ebendiese Qualität des heimischen Grünzeugs hochpries. Werden wir halt zur Sauren-Gurken-Zeit wieder kommen müssen.

TIPPS für einen Tagesausflug nach Znaim

  • „Sparschiene Tschechien“:  nennt sich ein Folder, der die schnellsten täglichen Direktzüge von Wien nach Tschechien auflistet. Nicht nur Prag steht am Programm, sondern ganz gezielt die Städte für einen gepflegten Tagesausflug: Znaim, Ostrau, Budweis und Olmütz. Diese Städte liegen nämlich deutlich näher, als man glauben mag.
  • Wer vom Bahnhof „herauf“ in die Stadt gewandert und sich am Wolfsturm einen ersten Überblick über die Stadt geschafft hat, möchte sich – nicht nur zu unserer Reisezeit, dem frischen Vorvorfrühling, vor dem Sightseeing vielleicht ein wenig aufwärmen. Hier empfiehlt sich das Kafé U Radnice an der Obroková gleich beim Rathaus. Klein, aber gemütlich und voll der hausgemachten Köstlichkeiten wie Kardinalschnitte, Punschkrapfen und „Sachr Dort“. Unser Vierbeiner wurde ebenfalls extra freundlich hereingebeten und mit Wasser und tschechischen Leckerli bestochen. Wir waren begeistert von der Freundlichkeit und das gleich in drei Sprachen.
  • Ein guter Tagesausflug steht und fällt mit der Versorgung: Wir kehrten ein in der neuen „Hozpoda“ (Kneipe), einem Gasthaus mit eigener Brauerei. Innen modern und gemütlich, die witzige Menükarte (natürlich) auch auf Deutsch und auch hier ein für Wiener Verhältnisse überraschend polyglottes UND freundliches Personal. Fleischgerichte mit und ohne Bier zubereitet, vegetarisches Angebot, frischer Minzesaft des Hauses und das alles zu einem, mit Verlaub, Spottpreis. Besonders das Bier.
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HINWEIS:

Dieser Artikel erschien erstmals am 19. 4. 2017 von mir im ÖBB Online Magazin RAILAXED. Da er dort nicht mehr online ist, gibt es nun hier die Berichterstattung. Die Eindrücke sind meine persönlichen und entspringen einem Besuch in Znaim im Frühling.

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2 comments

Birgit 1. September 2017 - 14:15

Ich muss zu meiner Schande gestehen, ich habe sogar nur 20 km nach Znaim und war erst ein Mal dort! Dein toller Bericht ist ein Ansporn, wieder ein „hinüber“ zu fahren – danke!

Reply
Angelika Mandler-Saul 1. September 2017 - 14:36

ja, mir gings genauso. Wir waren zwar „nur“ an einem kalten Vorfrühlingstag dort, aber es war wirklich nett. vor allem überraschend: Sooo höfliche Menschen, die alle deutsch und englisch sprachen und noch dazu freundlich waren. Ist man ja gar nicht gewohnt von daheim gegenüber Besuchern. Wir fahren wieder hin. Wenn mehr los ist. lg Angelika

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