Krumau – Cesky Krumlov: Lohnt sich ein Tagesausflug trotz Touristenmassen?

„Krumau? Cesky Krumlov? Da musst Du unbedingt mal hin!“ – das hör ich seit Jahren. Endlich hab ich es geschafft: Ein Tagesausflug nach Krumau in Tschechien, aber lohnt sich das eigentlich? Schließlich ist Krumau bereits ein weiteres Beispiel für den grassierenden Overtourism.

Fotopoint Krumau

Alle reden von Krumau – Lohnt es sich hinzufahren?

Krumau. Es gibt – zumindest in meinem regionalen Einzugsgebiet – gleich zwei davon. Das kleine, malerische Krumau am Kamp bei den Kamptalstauseen im Waldviertel und das berühmte besagte Krumau in Tschechien: Cesky Krumov an der Moldau Krümmung, dort wo Egon Schiele kurz mal gelebt und gearbeitet hat, früher „Böhmisch Krumau“ hieß und die Perle Südböhmens genannt wird.

Denn wer heutzutage Krumau oder Cesky Krumlov sagt, der muss zeitweise auch „Overtourism“ sagen und die schöne Stadt in einem Atemzug mit Dubrovnik, Hallstatt, Salzburg zur sommerlichen Festspielzeit, Barcelona, Amsterdam oder Venedig nennen. Dabei ist es so klein und schnuckelig und pittoresk!

Krumau an der Moldau

Aber ist die Stadt nur noch eine Kulisse, wie der Standard schreibt? Wohnen wirklich nur noch 200 echte Menschen in der echten Stadt, wie mein Waldviertler Verbindungsmann erzählt? Warum ist Krumau UNESCO Weltkulturerbe? Wir haben einen Tagesausflug vom Waldviertel aus über die nahe Grenze gemacht und zugegeben, es war nur eine herbstliche Momentaufnahme, aber ich fand die Stadt famos und fast zu überwältigend für einen Tagesausflug. Man muss sie auf sich wirken lassen und die Touristengruppen ausblenden, dann kann man tolle Eindrücke mit heim nehmen, versprochen!

Natürlich war auch der rastlose Rilke hier in Südböhmen:

„Wenn einmal ein Zufall, müßige Reiselust oder der Tod Ihrer verehrten Frau Erbtante Sie nach Südböhmen führt, lassen Sie es nicht verdrießen, einen Tag in dem malerisch gelegenen Städtchen Aufenthalt zu nehmen“, schreibt er 1895 an wen auch immer und klingt dabei ein wenig wie Erich Kästner oder Kurt Tucholsky. Übrigens wurde auch Ernst Waldbrunn in Krumau geboren.

Mittlerweilen hat „die Perle“ Krumau fast 2 Millionen Touristen pro Jahr und dabei offiziell 13.000 Einwohner. Overtourism ist hier besonders zwischen Mai und September Thema.

  • Wo liegt Krumau und wie kommt man hin?

Krumau, auf tschechisch Cesky Krumlov, liegt im südlichen Teil Tschechiens in Südböhmen an einer besonders schönen und engen Schleife der Moldau. Von Wien fährt man mit dem Auto knappe drei Stunden hinauf, vom Waldviertel oder vom Mühlviertel kann man in einer knappen Stunde dort sein. Man nennt es auch „Böhmisch Krumau“, einst hieß es „Krummau“, weil es direkt in der Krümmung des Flusses liegt. In einer halben Stunde ist man von dort übrigens auch in der bekannen Bierstadt Budweis. Organisierte Tagesausflüge gibt es von Nieder- und Oberösterreich aus, auch Flixbus fährt – teilweise über Budweis – nach Krumau/Cesky Krumlov.

  • Was kann man in Krumau unternehmen?

Einfach kreuz und quer durch die Stadt wandern (alles sehr kurze Wege und äußerst abwechslungsreich) und dabei immer hinauf schauen: Auf die Häuserfronten, die Giebel und die Dächer. Ins Stadtmuseum gehen, das Schloss besichtigen (in die Innenhöfe kann man gratis spazieren, auch mit Hund kein Problem), Knödel oder Kartoffelpuffer essen, ein süßes Trdelnik mit Schoko und Zimt oder aufwändiger mit Eis und Saucen gefüllt genießen, ins barocke Puppentheater wie in Pilsen oder in Thüringen reinschauen, auf den bildschönen Turm steigen und in einem der Terrassenrestaurants am Fluss schmausen oder Kaffee trinken.

Die mehr als imposante Burganlage am Felsen oben (diese mehrgeschoßige Brücke – ein Wahnsinn!) ist nur ein wenig kleiner als jene in Prag, der Hradschin. Die gesamte Anlage inklusive Park mit Theater, Brücke, Schloss und Schlosspark soll insgesamt gar über 2 Kilometer lang sein. Wenn man an der Fußgänger-Holzbrücke darunter steht, kann sogar ich als Weitgereiste nur mit offenem Mund staunen: So was von beeindruckend! Adorabel.

In der Innenstadt gibt´s zudem keine offensichtlichen Bausünden: Alle Häuser sind – sogar für uns Österreicher – uralt, teilweise bis 500 Jahre alt, die Altstadt vollkommen erhalten, bzw vorbildlich renoviert. Enge Gasserln, bunte Altstadthäuser mit netten, manchmal auch gewöhnungsbedürftigen Geschäften mit fragwürdigen Antiquariats Fundstücken, viele Lokale mit vermeintlich tschechischer Hausmannskost, Bierlokale und Cafés. Jedoch: Einen Supermarkt wird man vergeblich suchen – Stichwort: Disneyland? Dazu noch später.

Wer länger bleibt, ein kultureller Feinspitz und Kenner oder Einheimischer ist, kommt auch wegen der Kultur hierher.

  • Die bekanntesten Kultur-Events in Krumau

Das Fest der Fünfblättrigen Rose (Renaissance und Mittelalter wiederbelebt, Straßentheater und Handwerksmärkte, Straßentheater und Musik auf der Gasse), Kammermusikfestival, internationales Musikfestival und die Freilicht-Theatervorstellungen bei der drehbaren Zuschauertribüne im Schlosspark (auch Musicals!). Ganz wichtig auch: Das berühmte Wenzels-Fest im September (Wenzel als Schutzpatron der böhmischen Länder, der Bierbrauer und Winzer!)

  • Meine Tipps – Sehenswert

Ein wunderhübsches Jugendstil Fotoatelier namens Seidel (in dem man auch in Fin de Siècle Mode posieren kann), das Schiele Art Center (schon wegen des Shops!), Schloss Intérieur, der Schloss Turm (!) und das Gartenatelier Schieles. Im Schloss gibt es ein barockes Schlosstheater, das ist heutzutage ein historisches Juwel. Wenn ich noch Zeit hätte, würde ich die Synagoge besichtigen und das barocke Marionettentheater besehen. Wachsfigurenkabinett und das beworbene Foltermuseum würde ich persönlich auslassen.

Ganz ganz ganz besonders wunderschön war in meinen Augen die berühmte Mantelbrücke, die mehrgeschoßig und teilweise mit geschlossenen Geschoßen über den Burggraben führt und in meinen Augen – gemeinsam mit der Burg – eine der schönsten Plätze und Bauwerke ist, die ich je gesehen habe.

  • Was hat es mit den (asiatischen) Touristenmassen auf sich?

Ja, es ist wahrlich viel los in Krumau. Wir waren Ende September auf einem sonntäglichen Tagesausflug per Auto in Krumau. Wir kamen kurz vor 10 an und haben einen zentrumsnahen Parkplatz ergattert. An den ausgewiesenen Foto-Hotspots mit zugegeben Atem beraubenden Blicken auf die pittoreske Altstadt war viel los: Selfies, Gruppenfotos und platzraubend rumstehende Grüppchen. Aber ehrlich gesagt: Es waren nicht nur asiatische Gruppen, die wie die Narrischen fotografierten.

mantler brücke krumau

Zur Hochsaison ist es wohl deutlich überfüllter: Laut Standard fallen hier zur Hochsaison mehr Touristen pro Einwohner ein als in Venedig – 20 % mehr sogar als in der Lagunenstadt. Und es werden mehr: Die Touristen kommen aus Deutschland und Österreich, aus England und den USA und vor allem: Aus Asien. Sie bleiben nicht lange, so wie in Hallstatt: Zwei oder vier Stunden, kleinere Gruppen oder Individualbesucher höchstens eine Nacht. Man nimmt Krumau mit als Stopover auf dem Weg nach Linz oder Wien oder als Tagesausflug ex Prag.

An den Foto Spots muss man sich auch jetzt im Herbst manchmal anstellen, wenn man das will. Oder man geht ein paar Schritte weiter, höher, in den Park hinauf: Wer nicht dorthin geht, wo alle hingehen, kann sich schon mal freilaufen. Stichwort Lemminge. Als „Disneyland“ habe ich Krumau bei meiner Stippvisite aber (noch) nicht empfunden. Vielleicht war ich aber auch einfach nur zu begeistert von meinen ersten Eindrücken vorort, um die Problematik zu sehen.

Schlossinnenhof Krumau

Was hat Egon Schiele mit Krumau zu tun? 

Unser Egon Schiele aus Tulln hat hier eine Zeitlang gewohnt, gezeichnet und gemalt – im eigenen Altstadt Atelier. Aber so wie bei uns daheim ist er mit seinen Aktzeichnungen damals nicht gerade auf Gegenliebe und Akzeptanz gestoßen. Fakt ist: Er hat hier nur ein halbes Jahr gewirkt – in Wirklichkeit. Aber gemalt hat er wie ein Irrer hier, pardon: Schiele hat die Stadt, den Fluss und die alten Häuser auf zahlreichen seiner Bilder festgehalten. Im Schiele Art Center gibt es einen tollen Shop, in dem man sich günstig mit Nachdrucken eindecken kann, in antiquarischen deutschsprachigen Büchen stöbern und Schiele Souvenirs einkaufen. Schieles Gartenatelier kann ebenfalls besichtigt werden. Seine Mutter ist übrigens in Krumau geboren.

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  • Die allerschönsten Foto Hotspots in Krumau – Hier kommen alle her.

Beim Schlosspark gibt es mindestens drei Terrassen und Aussichtspunkte, von denen man auf die City sehen kann. Auf der untersten Terrasse nahe dem Zugang zur Brücke (nettes Café dabei) stehen die meisten Menschen. Auch daneben am Zugang zur Brücke – dort wird durch die kleinen Luken fotografiert – Influencer und Instagram Alarm!

Ausblick Krumau
Influencer Hund Pfote

Weiter oben im Schlosspark gibt es mindestens noch zwei schöne Aussichtspunkte, von denen man noch mehr Überblick hat, wo aber keine Schlangen an Selfiestick Trägern abhängen. Vom Turm aus (kostenpflichtig) ist es natürlich ein Muss, herabzufotografieren auf die Dächer Krumaus. Drüben in der Altstadt ist es besonders fein auf der großen Terrasse neben dem Stadtmuseum – dort kommt jeder mal vorbei für ein Selfie. Noch beeindruckender fand ich es aber, beim Rückweg zum Parkplatz an der hölzernen Fußgängerbrücke mit Blick hinauf zur mehrstöckigen Mantelbrücke und zum monumentalen Burg-Komplex zu stehen und zu gaffen – das war mein absoluter Lieblingsblick in Cesky Krumlov. Auch dort sitzt es sich nett bei einem Bierchen – bei dem Ausblick!

mantlerbrücke krumau
Mein Lieblingsbauwerk in Krumau
brücke krumau
An der Fußgängerbrücker Richtung parkplatz1
  • Lohnt sich ein Tag in der UNESCO Weltkulturerbe Stadt Cesky Krumlov?

 

Krumau ist mit seiner Altstadt bereits seit 1992 UNESCO Weltkulturerbe und mittlerweilen eine der meistbesuchten Orte Tschechiens. In Prag ist auch viel los, Cesky Krumlov folgt auf dem Fuße, was den Massentourismus und Tagestourismus betrifft. Festen Wohnsitz in der Altstadt haben dem Vernehmen nach nur noch kolportierte 200 Einheimische. Im Kaffeehaus oder Restaurants wird man von jungen, mehrsprachigen Menschen bedient, die weder Deutsch noch Tschechisch zur Muttersprache zu haben scheinen. Aber sehr freundlich sind.

Ein Lebensmittelgeschäft oder einen Supermarkt wird man vergeblich suchen. Ein Kunstprojekt in Krumau hat noch eins drauf gesetzt: Schauspieler gaben vor, Einheimische zu sein und täuschten normales Stadtleben vor – mit Wäsche aufhängen, Blumentopf gießen und Radfahren, wie in einer echten Stadt. Klingt spooky, oder? War Teil der Biennale.

Was uns aufgefallen ist: Noch kommt man fast überall gratis hin – in der City. Auf die Burg, in die Schlossinnenhöfe, in den Park und auf die beeindruckende Brücke. Bei uns hätte man längst an jeder Ecke ein Ticket lösen müssen. Kommt das noch? Wahrscheinlich wird es nicht mehr lange ohne Kontigentierung und Abkassieren gehen, meine Meinung. In Venedig wird bereits bei Tagesgästen Eintritt kassiert, in Dubrovnik dürfen nur maximal 8.000 Menschen sein.

Überrascht hat mich, dass hier keiner, mit dem wir während unseres kurzen Aufenthalts Kontakt hatten, irgendwie auch nur rudimentär deutsch zu sprechen schienen – trotz der unmittelbaren Nähe zur österreichischen Grenze. Wer sich die unrühmliche Geschichte der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung von einst reinzieht, ist natürlich nicht überrascht. Ab Mai 1945 wurden drei Millionen Sudetendeutsche aus ihrer tschechischen Heimat vertrieben, viele Nachfahren kommen heute noch einmal im Jahr in die Heimat ihrer Vorfahren zurück, weil sie sich mit dieser ihrer Geschichte immer noch verbunden fühlen. Vor der Ausweisung mussten jene Sudetendeutsche übrigens weiße Armbinden zur Kennzeichnung tragen – mit einem großen „N“ für „Nemec“, also Deutsche, darauf. Ihr Eigentum wurde konfisziert und an Tschechen übergeben, deswegen verfielen viele Dörfer.

  • Mit Hund unterwegs

Wir waren mit Coffee auf einem Tagesausflug in Krumau unterwegs. Wir wählten den Parkplatz 1 direkt am Schlosspark und waren nach gefühlten zwei Minuten in der Innenstadt. Zuvor bietet sich ein Gassiwalk am Fluss direkt beim Parkplatz an – optimales Parkgelände zum Spaziergehen. Bevor wir über die Holzbrücke in die Altstadt gelangten, wanderten wir durch den höher gelegenen Schlosspark bis zur Freilichtbühne mit der drehbaren Zuschauertribüne. Im gesamten Schlosspark mit Blumen, Rasen und Brunnen waren Hunde erlaubt, nur Leine war natürlich obligat.

Nachdem Tagesgäste keine Zeit für ausgedehnte Parkbesuche haben, waren wir im Schlosspark fast alleine unterwegs – da boten sich ein paar lautstarke Steckerlspiele zur Entspannung quasi an. In der Innenstadt waren viele Hunde unterwegs, anstrengend für Coffee,  aber keine offensichtlichen Verbote. In die Schlossinnenhöfe durften Hunde mit rein, ebenso keine Probleme in den Cafés am Fluss – im Gegenteil.

 


 

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