12 (ganz) ernst gemeinte Tipps für eine Flusskreuzfahrt

Wegen des großen Erfolges meines Artikels bezüglich Hausbooten in Frankreich (20 ganz ernst gemeinte Tipps für´s Hausbootfahren), nun der ultimative Nachfolger: Flusskreuzfahrt – Besser lesen, bevor es zu spät ist und Sie zu alt dafür sind. 

Denn ich komme langsam in ein Alter, in dem man sich für viele Dinge nicht mehr zu schämen braucht: Abends müde sein, „Schnell Ermittelt“ anschauen, Denken statt Reden oder auch: Die erste Flusskreuzfahrt. Gemeinsam mit einer Touristikerin meines engsten Vertrauens war ich jüngst von AROSA zu unserer persönlichen Jungfernfahrt ex LYON auf der Rhone geladen.Kreuzfahrt Arosa

Flusskreuzfahrt AROSA: Ist das was für uns?

Wir beide waren uns recht schnell einig: Flusskreuzfahrten ist was für alte Herrschaften. Aber auch für mittelalterliche. Und für junge und teilweise auch für Familien. Auf jeden Fall aber war es was für Halbjunge – also für uns. Warum haftet den Flusskreuzfahrten dann der Nimbus der Grauen-Panther-Fahrten an? Entscheiden Sie selbst, ob eine Flusskreuzfahrt für Sie in Frage käme: Hier unsere (ganz erst gemeinten 🙂 Tipps. Die schönsten Momente – mit Video und Fotos von den Landgängen gibts übrigens auch noch – extra zu lesen.

  • Es gibt immer was zu tun. Immer. 

Verabschieden Sie sich von der Vorstellung, dass Sie sich an Bord ausruhen werden. Werden Sie nicht. Sie werden Handouts, Infozettel und Hafenpläne wälzen. Sobald die ersten fertig Formulare gelesen und/oder ausgefüllt sind, hängen neue Kuverts an der Tür. Und damit Sie nichts verpassen, werden Sie alles, alles lesen. So wie wir: Wir waren jeden Tag aufs Neue gespannt. Wir verbrachten wirklich nur die Nächte in der Kabine, denn ansonsten hätten wir was versäumt. An Deck. Dort wiederum greift man nur in den seltensten Fällen zum Buch. Eher zum Fotoapparat, zum nächsten Glas Sekt oder nach seiner Mütze – wegen des Mistral.

Wer nicht an Bord bleibt, geht durch die Stadt (Avignon, Arles, Viviers, Lyon) oder nimmt an einem organisierten Ausflug ins Umland teil – der allerdings für Individualisten etwas gewöhnungsbedürftig ist. Wenn nicht genug Interessierte zusammenkommen, werden die Ausflüge abgesagt. Leider muss man sich oft entscheiden, ob man die historische Stadt oder aber die traumhafte Umgebung erkunden will – alles kann man leider bei den kurzen Stops nicht haben. Täglich schwere Entscheidungen für uns, die wir immer alles sehen wollten.

  • Es ist alles durchorganisert. 

Für Reisende, die gewohnt sind, ihre Reisen von Australien über Vietnam bis Slowenien stets selbst zu organisieren, ist es anfangs schwer: Schwer sich daran zu gewöhnen, dass jemand anderer alles für einen organisiert. Und dass es Listen gibt, in die man sich einträgt, wenn man nichts versäumen will. Fürs A la Carte Dinner, für das Lunchpaket, für die Schiffsführung, die Ausflüge sowieso (extra Handout!), als Interessensbekundung für eine Massage oder für ein Handtreatment in der Lounge. Sogar das Gepäck wird mit verschieden farbigen Schleifen versehen, damit es den Weg in den richtigen Flieger findet. WOW. Manchmal tauchen natürlich auch unvermutet Fragen auf wie etwa „Warum darf man nicht an Land gehen, wenn man fast einen halben Tag in Vienne liegt?„, Antwort von Wissenden bitte gerne in den Kommentaren!

  • Vergessen Sie niemals Ihre Landgangkarte.

Vergessen Sie die Brille, das Smartphone oder den Ortsplan. Aber niemals ihre Landgangkarte – das gilt auch für die Teilnahme an organisierten Ausflügen. Beim ersten Mal hab ich alles vermasselt, was möglich war: Keine Landgangkarte, keine Buchungsbestätigung an der Frau. Der Ardèche Ausflug fand dennoch mit mir statt: Die Crew lässt nämlich mit sich reden. Vielleicht war ich aber auch nur zu deutlich als Flusskreuzfahrt-Frischling zu erkennen. Wer nicht rechzeitig seine Karte an Bord retour gibt, der wird gesucht. Wir schafften es meist im Laufschritt rechtzeitig wieder an Bord, bevor der Apéritif uns zu sich rief.

  • Spa und Fitness? Ja, das gibt es auch an Bord. 

Entschuldigung gibts keine: Ergometer und Crosstrainer mit Fluss-Sicht sind vorhanden und sogar Gymnastik in der Früh wird angeboten. An Bord werden Tourenräder mitgeführt und während unserer Fahrt wurden drei Radausfahrten ausgeschrieben. Leider durfte man sie nicht individuell ausborgen und war so an die geführten Routen gebunden, die ich persönlich vollkommen umgestalten und ausbauen würde – wenn mich wer früge. Ich selbst habe aber nur diejenige in Avignon mitgemacht – und nach der Radfahrt die Stadt noch schnell im Laufschritt erobert, auch eine Art Fitness. Sauna und Dampfbad sind natürlich auch den ganzen Tag aufgeheizt und ja, ich hab mich dort nach der Mistral Attacke aufgewärmt.

  • Nein, Sie werden nicht abnehmen. Und: Reisen Sie nicht in der Fastenzeit.

Wenn Sie in der selbst verordneten Fastenzeit eine Flusskreuzfahrt antreten, sind Sie selbst schuld: Sie werden kläglich versagen. Wir durften einen Blick in die Küche werfen: Unfassbar, was auf diesem Raum täglich mehrmals kulinarisch fabriziert wird. Wir reisen viel, oft und weit – immer schon. Und wir waren sehr beeindruckt von der Qualität der Speisen, von der Vielfalt und dem Geschmack – täglich mittags und abends wurde ordentlich abwechslungsreich aufgekocht und höchst ansprechend präsentiert. In guter Erinnerung sind mir spontan ein Rieslinggriesbrei (ja, wirklich), eine gelierte Bouillabaisse, Fenchel-Variationen, das beste Lammmkotelett meines Lebens und erst die Pasteten! Brot wird an Bord übrigens täglich frisch gebacken – mit eigenen Gewürzmischungen. Bei Schönwetter wurde noch vor dem Mittagslunch oben an Deck in der Sonne ein kleiner Snack angeboten – meist mit lokaler Weinbegleitung. Wunderschön. In der Luft schmeckt´s halt doch am besten.

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  • Unterschätzen Sie nicht die Wichtigkeit windgeschützter Räume an Bord

Der Mistral – unser Jeep Fahrer in der Camargue konnte gar nicht aufhören, von ihm zu erzählen. Kurz vor Avignon aber war uns nicht mehr zu lachen: Wir hatten alle Liegestellungen an Deck ausprobiert, auch die bodennahe – des Bleibens war dort nicht mehr länger. Alles wurde verzurrt, keiner hielt sich freiwillig an Deck auf außer der Kapitän in seiner geschützten Koje. Oh wie schön warm und windstill hatten wir es dann in der Lounge indoors mit Ausblick.

  • Warten Sie nicht auf die brennende Eistorte und das Captain´s Dinner

Alle daheim haben gesagt: „Ah, da gibts ein Captains Dinner. Ah, am Schluss gibts ne Torte mit Sternspritzern.“ Oho, auch alles Traumschiff-Fans, das erkenne ich gleich. Oder Love-Boat, wer´s noch kennt. Hier läuft das anders: Die Crew stellte sich offiziell am ersten Abend vor und am Schluss marschierten wieder alle auf, um sich mit Sekt bei uns zu verabschieden. Das war mehr als genug Aufmerksamkeit für uns Passagiere, möchte ich meinen. Außerdem ist so ein Flussdampfer ja übersichtlich, die ganze Crew ist stets präsent und steht den Passagieren jederzeit zur Verfügung. Zudem ziehe ich die köstliche Dessert Auswahl jeder Sternenspritzer Torte vor – ein Hoch auf den Patissier. Und auf alle anderen Köche, die täglich mehrmals untertags für uns aufgekocht haben. Und dies noch die nächsten Monate tun werden.

  • Schleusen sind Freunde. Und Abwechslung pur. Und sie machen ganz warm. 

Über 20 Schleusen hatten wir jeweils auf der Strecke zwischen Lyon und Avignon zu bezwingen. Wir schleusten morgens, nachts und während der Fahrt. Bei Mistral, bei Regen und bei Sonnenschein. Beim Schleusen gibt es immer was zu Schauen: Das gilt nicht nur für die selbsternannten Hobbykapitäne an Bord (die ja nur zu gerne mit Hand anlegen würden, auch wenn ihr Ansinnen vollkommen sinnentleert ist: „Soll ich schieben?“) sondern auch für uns war es immer wieder spannend, das riesige Schiff sich senken oder heben zu sehen – noch dazu, weil die Schleuse nur 60 cm breiter war als unser ganzer Kahn. In der Schleuse herrscht zudem wohlige Windstille gepaart mit wärmender Sonne – also nichts wie rauf an Deck und Sonnen braten. Wir lieben Schleusen. Schleusen sind Freunde. Windstille kann gar nicht hoch genug gepriesen werden.

  • Kabine und Bad auf einem Flusskreuzfahrtsschiff sind nicht zu klein.

Im Gegenteil: Optimal verbaut und gemütlich und tw. sogar mit französischem Balkon. Wir wurden beim Boarding mit einer Arosa-Rose verwöhnt und in der Kabine wartete die Vase auf uns. Zweimal am Tag (!) wurde die Kabine von den fleißigen Zimmerdamen aufgeräumt und sogar aufgebettet wie im Hotel. Wasserflaschen jederzeit gratis am Zimmer, das Bad blitzeblank. Wir hätten gerne beim Wäsche-Sparen mitgeholfen, aber die Handtücher wurden täglich getauscht. Wer die umtriebige unterirdische Wäscherei an Bord besucht hat (Haben wir – dank Schiffs-Führung), versucht zudem, nicht zu schmutzen 🙂

Wenn es in der Früh mal nicht hell werden will – keine Sorge. Sie befinden sich wahrscheinlich mitten in der Schleuse und die verstellt Ihnen den französischen Balkon der Kabine. Und zwar so nahe, dass man die Wände der Schleuse vom Zimmer aus angreifen kann. Aber: Immer wieder geht die Sonne auf.

  • Auf die Durchsagen an Bord achten!

Wir haben Sie geliebt. Wir haben sogar alle Türe geöffnet, um die Durchsagen der Cruise Managerin niemals zu verpassen. Erstens wars freundlich und nett, zweitens gabs immer was Neues zu erfahren und drittens war es meistens mit der Einladung zu einem Getränk oder einer Sail Out Party an Deck verbunden. Wir wollten ja nichts, genau – versäumen.

  • Für die Crew an Bord gilt – ähnlich wie für Flugbegleiter: Sie haben es nicht immer leicht mit uns Passagieren

Ich bin verheiratet mit einem begnadeten langjährigen Flugbegleiter – ich kenne die Sprüche alle, die er seit Jahrzehnten hören muss: „Dir gehts gut, immer nur in den schönsten Hotels, immer unterwegs, heute Bangkok, morgen Malediven, das ist ja wie Urlaub, das bissl Arbeiten dazwischen, toller Job, etc etc“. Die Crew an Bord unserer AROSA LUNA war zusammengewürfelt aus der ganzen EU – alle waren immer freundlich und vor allem: Sie waren immer da. Ging nicht anders. Bis auf die ihre gesetzlichen Freien Tage sind sie von März bis November am Schiff und arbeiten. Natürlich. Sie bedienen jede Woche neue, fordernde, oft unnötig unfreundliche oder besserwisserische Gäste und das auf engstem Raum. Da ist gehörige Disziplin gefragt – ähnlich wie im Flugzeug. Meine Hochachtung!

Im Rahmen der erwähnten Schiff-Führung sahen wir auch den Aufenthaltsraum, die Küche, die Wäscherei, den Maschinenraum und konnten die Kabinengrößen der Crew erahnen. Arbeitsrealität pur. Auch habe ich manchmal bei Ausflügen die Möglichkeit genutzt, beim Plaudern ein wenig mehr über die Crewmitglieder erfahren. Bis ich dann in der Lounge eine andere Passagierin belauschte, die genau dieselben Fragen wie ich stellte. Wieder war klar: Immer dieselben Fragen, immer dieselben Anliegen und Problemchen der Gäste, jeden Tag für die nächsten Monate – Touristische Dienstleistungen auf engstem Raum. Da liegt professionelle Freundlichkeit auf der Hand.

  •  Mit Kids an Bord? Oder noch mehr Kulinarik? Oder mehr Radeln?

Das Schiff ist überschaubar, man findest sich schnell zurecht. Hotspots waren für uns das obere Deck im Freien, die windgeschützte Lounge indoors, das Restaurant und unsere Kabine. Aber was machen bewegungshungrige Kids? Bleibt das Oberdeck mit dem geheizten Pool, der Liegefläche und dem ShuffleBoard Bereich. In der Hochsaison gibts mit dem Kids Club Kinderbetreuung an Bord, das sorgt sicher für einigen frischen Wind unter den Gästen. Ansonsten bietet die AROSA auch Kulinariker Gourmetreisen und zu manchen Terminen zubuchbare Fahrradpakete. 

Übrigens: Dank AROSA durften wir den PREMIUM Alles Inklusive Vorteil nutzen – den würde ich auch privat unbedingt dazubuchen. Hochwertige (!) Getränke zu allen Tageszeiten inklusive (der Rosé Tischwein hat mich an Korsika erinnert und all meine alkoholfreien Fastentage davor zunichte gemacht), Transfer Airport inklusive, Kids bis 15 gratis, supervolle Vollpension vom Feinsten. 

TIPPs:


HINWEIS: Ich wurde von AROSA Flusskreuzfahrten eingeladen, gemeinsam mit meiner Begleitung die Route Rendezvous auf der Rhone ex Lyon zu unternehmen. Die Meinungen im Artikel sind aber, wie unschwer erkennbar, dennoch meine ganz eigenen und persönlichen.

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