Sie beten, chanten und posten – Zu Gast bei den Mönchen im Stift Heiligenkreuz.

Natürlich ist das Stift Heiligenkreuz im Wienerwald viel zu schade für einen schnellen Ausflug zwischendurch, deswegen: Ein Zimmer mit Frühstück, bitte! Wieder einmal zu Gast im Kloster.

               

SALVETE!

Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals im August 2017 und wurde im Juni 2018 anlässlich eines Klösterreich-Trips aktualisiert und erweitert.

In der Handschriftensammlung

Der Lesegang des Kreuzganges

Mediale und andere Superlativen im Stift Heiligenkreuz

Mit etwa 200.000 Besuchern im Jahr ist das Stift Heiligenkreuz mit seiner mittelalterlichen Klosteranlage an Stelle 3 der besucherreichsten Klöster in Österreich (nach Melk und Klosterneuburg). Und seit der Sache mit den chantenden Mönchen von Heiligenkreuz und der Medienpräsenz im Rahmen der Verfilmung von „Das Leben der anderen“ kennt man die Zisterzienser Mönche aus dem Wienerwald auf der ganzen Welt.

Auf der Via Sacra

2008 brachte ihre erste CD „Chant-Music for Paradise“ die Mönche in die Pop-Charts, in Talk-Shows in aller Welt und sogar einen Echo Classic Award heimste man ein. Sie haben ein eigenes Music-Label, ein Aufnahmestudio mit dem Namen „1133“ (dem Jahr ihrer Gründung) sowie eine engagierte Web-Präsenz inklusive Blog, Social Media und regelmäßigen Live Messen ins Web in alle Welt. An der eigenen Hochschule Heiligenkreuz werden zudem fünf Studienformen für momentan über 300 Studenten angeboten – in hypermodernen Studiencampus direkt am Stiftsgelände.

Pater Johannes Paul im Aufnahmestudio „1133“

So nimmt es nicht Wunder, dass man in Heiligenkreuz kein Problem mit dem Nachwuchs hat (da war ich schon in ganz anderen Klöstern zu Gast), 97 Mönche gehören momentan zum Konvent – aber nicht alle wohnen hier.

Das Chorgestühl für die Mönche. Jene mit dem höchsten monastischen Alter sitzen weiter vorne.
Das Brunnenhaus mit dem artesischen Brunnen und den Glasfenstern.
Im Kapitelsaal – hier in Heiligenkreuz befinden sich die letzten Ruhestätten der Babenberger.

„Es ist ein Kloster, das lebt“, so Pater Johannes Paul – seines Zeichens für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Denn eine „Kirche muss kommunizieren“ und dazu nutze man eben jene Kommunikationskanäle, die heutzutage zu den Menschen führen. Das sind nun mal auch die sozialen Medien, deswegen findet man das Stift Heiligenkreuz auch auf Facebook, YouTube, Twitter, Instagram und Soundcloud. Die LIVE Übertragungen der Messen gibt es hier zum Miterleben und auf Facebook wird Dienstags dazu gar interaktiv gebetet: „Wir beten für Sie“ – man kann seine Gebetswünsche twittern, diese werden per Display zu den Patres weitergeleitet und unmittelbar ins live Gebet mit aufgenommen.

„ONLINE seit 1133“ – steht auf der Visitkarte des Stift Heiligenkreuz und „Patent Portae, Magis Cor“ – „Unsere Türen stehen offen, noch mehr unser Herz“. 

Als Nächtigungsgast im Kloster Stift Heiligenkreuz: Hier fehlen Gäste nie.

Es ist im Kapitel 53 der „Regula Benedictini“ nachzulesen: „Einem Kloster fehlen Gäste nie“. Das stimmt hier in Heiligenkreuz ganz besonders: Gruppen, Busse, Familien, Pilger, Busfahrer, Reiseveranstalter – vormittags um 10 „wurlt´s schon“ und mittags nach dem Gebet ist bereits High Noon im schönen Wirtshausgarten. Letzterer ist übrigens unbedingt empfehlenswert, sei es während eines Ausflugs, einer Wanderung im Helenental oder nach einem Besuch im neu gestalteten Besucherzentrum in Mayerling. Aber natürlich kommt man in erster Linie als Besucher hierher, um den Choral der Möche mitzuerleben – zu jeder Tageszeit.

Wer hier nächtigt, wird vom Gastmeister betreut. Und zum Reden ist auch immer jemand da – das ist wichtig. Gegessen wird gemeinsam, bei den mehrmaligen Chorgebeten kann man immer dabei sein – ab 5:15 Uhr morgens. Als Gast erhält man einen eigenen Schlüssel und darf jederzeit in die Kirche und den Kreuzgang.

QUID ERIT? QUID FUIT?

Bei meinem zweiten Besuch durfte ich diesmal auch einen Blick in die Bibliothek, das Magazin für Antiquitäten und die Handschriftenkammer werfen. Pater Roman führte uns durch Teile des Stifts, die nur nach vorheriger Anmeldung oder zum Studium zugänglich sind – durch eine Stahltür betraten wir das für mich Allerheiligste (nein, nicht die größte Kreuzreliquie nördlich der Alpen – deswegen der Name: „HEILIGENKREUZ“) – sondern die Handschriftenkammer. Schon bald nach der Gründung im Jahr 1133 gab es hier Schreibkräfte, die liturgische Bücher zusammenstellten und „Illuminatoren“, die die Texte künstlerisch ausstaffierten. Die Schreiber in de Fraterie bekamen damals übrigens die einzige Heizung im Kloster – wegen der klammen Finger! In der Sakristei mit den Einlegearbeiten der Mönche aus dem Jahre 1807 zeigt uns Pater Roman auch noch die kunstfertigen Gewänder von anno dazumals – unter Seidenpapier gehütet.

Neben dem Verzehr der Klostersuppe und der Kloster-Cremeschnitte (gibt es eigentlich Höhenbegrenzungen für Nachspeisen?) wird mein Gästezimmer bezogen. WC und Bad befinden sich am Anfang des Gangs in der Nähe der Gästebibliothek, einen Waschtisch und einen Schreibtisch habe ich im Zimmer.

Das abendliche Kloster, wenn die Klosterpforte geschlossen ist, ist das schönste. Aber auch um 6 Uhr früh herrscht noch heilige Ruhe, nur einige Gäste huschen über den Hof, um bei den morgendlichen Vigilien und der Konventmesse dabei zu sein. Was für eine Stille – vor meinem kleinen Morgenlauf stehen auch für mich die Pforten der Abteikirche offen, nur wenige Menschen sind an diesem Tag frühmorgens als Gäste dabei.

Als ich bei meinem ersten Besuch nur kurzer „Ausflugsgast mit Hund“ war, waren wir am barocken Kreuzweg unterwegs. In unmittelbarer Nähe beginnt auch die Via Sacra, die u.a. nach Mayerling führt – diesmal führt uns Pater Tarcisius anderntags mehr als frohgemut dorthin. 

Das ehemalige Jagdschloss von Kronprinz Rudolf, in dem er sich mit seiner letzten Freundin Mary Vetsera am 30. 1. 1889 das Leben nahm, ist nun endlich auch besuchertechnisch und medial besser aufgestellt und unbedingt mal wieder einen Besuch wert. Man erfährt so einiges über die damaligen Umstände und die Verschwörungstheorien bis in die Gegenwart (wer es noch nicht wusste) und weiß mit einem Male: Damals war das Getratsche und die künstliche Aufregung auch nicht anders als heute. Dann schon lieber die echte Ruhe in Stift Heiligenkreuz, wenn abends die Klosterpforte geschlossen wird.


HINWEIS: Ich wurde von Klösterreich und dem Stift Heiligenkreuz eingeladen, eine Nacht im Kloster zu verbringen.

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