Bratislava einmal anders. Twin City Liner inklusive.

Es gibt viele Möglichkeiten, von Wien (spontan) nach Bratislava zu kommen. Die Twin Citys sind verkehrstechnisch besser vernetzt als Wien und Mistelbach – in jedem Fall aber abwechslungsreicher. Bus, Zug, Schiff, Katamaran, Radweg – alle Wege führen quasi nach Bratislava. Die angenehmste Anreise ist sicher der Twin City Liner, noch dazu wenn man – als #Reiseblogger in der Captain´s Lounge am Oberdeck fläzen kann. Da ist es nur recht und billig, in Bratislava auch mal ganz andere Sightseeing-Seiten aufzuziehen. 

Von der Schiffstation sind es ja nur ein paar Schritte bis zur Fußgängerzone. Aber die roten Oldtimerbusse verlocken zum Einsteigen. Bringen sie uns doch mit einem kleinen Umweg gen Hrad, der Burg von Bratislava  – hoch über der Stadt. Von dort sieht man traumhaft in die Weite nach Ungarn, ins Burgenland bei Kittsee und bis ins heimatliche Niederösterreich – Richtung Hainburg und Schloss Hof.

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Ein anderes Bratislava: Die Burgruine Devin

Aber Bratislava City lassen wir diesmal bald links liegen: Dank der vorzüglichen Organisation von Astrid Schaaf, Marketingdame des Twin City Liners und dem schier allwissenden Fremdenführer Richard geht es im luxuriösen Microbus ins nahe Theben. Was so exotisch in unseren Ohren klingt, ist das slovakische DEVIN, abgeleitet von Devina, „Magd oder Mädchen“. Am Ausläufer der Kleinen Karpaten gelegen mit entzückender Aussicht auf ein paar Weingärten (die uns den Nachmittag noch versüßen sollten), weht oben eine strenge Brise. Dafür ist der Blick einmalig.

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Dort wo March und Donau (in deutlich verschiedenen Farben) zusammenfließen und heute die Kanuten von der March in die Donau überschwappen, war einst die „grüne Grenze“. Heute erinnert ein Monument mit nachempfundenen Einschüssen an die vielen Grenzgänger, die ihre Flucht durch das vermeintliche Tor der Freiheit damals nicht überlebt haben. Sogar der Fluss war in der Mitte geteilt, tönt Richard mit Stentorstimme gegen den Sturm an – der Mann hat wirklich Stimme. Und er hat was zu sagen. Er erzählt von vor dem Krieg und danach. Auch von der Trennung der Tschechoslovakei, wobei er historisch weit ausholt – aber dafür versteht man es auch.

Ein riesiges Herz aus altem Stacheldraht – eine vermeintlich hübsch anzusehnde Erinnerung an das dunkle Kapitel des Eisernen Vorhangs ist direkt am Radweg gelegen, der entlang der March bis Schloss Hof nach Niederösterreich führt. Ich plane schon mal eine Radtour von Schloss Hof nach Devin/Theben, der Radweg ist breit und wirkt verlockend einladend.

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Die Burganlage Devin ist äußerst gepflegt, bietet zweisprachige Informationsschilder, wunderschöne Aussichtsplatzerln, ein kleines Museum und einen, wie sollte es anders sein, sehr repräsentativen Schloss-Brunnen. Und wiedermal was es Napoleon, der dafür verantwortlich zeichnete, dass wir heute nur noch eine, allerdings sehr schmucke, Ruine besichtigen. Ein sehr empfehlenswerter Ausflug von Bratislava (mit Bus 28 oder 29 aus der City keine 20 Minuten entfert, oder direkt von Schloss Hof auf dem Radweg :-), der zur Hochsaison hochbeliebt ist: Der riesige Parkplatz lässt uns darüber nicht im Ungewissen. Und Ausflügler müssen sich auch laben.

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Wir kehren ein im „Kùltùrny dom“ – einem nett urigen Lokal nahe der Thebener Kirche. Hier gibts riesige Portionen, und irgendwie ist überall Sauerkraut dabei. Das (tschechische) Staropromen Bier scheint, dem Vernehmen nach, vorzüglich zu munden und vor allem die Preise sinds, die mich persönlich überzeugen. Ein großes Bier um 1.20€, da kriegt jeder Durst.

Ein Original: Der Ribiselwein aus Theben

Weniger für den Durst, als für den Gaumen sind die Original Thebener Ribiselweine. In einem Weinkeller nahe der Burg verkosten wir bei Familie Mrázik gleich 6 verschiedene Ribiselweine – manch eine(r) unter uns hat da auch von einer juvenilen Ribiselweinvergangenheit zu berichten. Aber bei Mraáziks schmeckts irgendwie kompetenter als die süße Ribiselweinplörre von damals. Weil der hiesige „Ribizla“ (das Wort zergeht bereits auf der Zunge) ist der bekannteste seiner Art und man ist hier mächtig stolz auf seine Geschichte. 1922 startete ein gewisser Herr Sonntag (sic!) hier in Devin die Ribiselproduktion in großem Stile (80ha nur Ribiselplantagen) und seit 2005 will der Verein „zur Rettung des Ribiselweins“ 🙂 den Verkauf wieder ankurbeln.

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Einer wird gar im kanadischen Barrique Fass ausgebaut, zudem gibts diverse Zuckergehaltvarianten (von halbtrocken bis zum Likör). Richard kennt sich nicht nur in der (tschecho)slovakischen Geschichte, sondern auch beim Wein aus, scheint´s und übersetzt flott simultan bei der kleinen Ribiselweinverkostung im gemütlich eingeheizten Keller.  Die Vereinigung von 12 Herstellern in Devin hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Original Thebener Ribiselwein wieder so bekannt bemachen wie er einst war. Denn beliebt ist er schon lange wieder.

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Die Gärten und Weinberge rund um Devin sind bei Immobilienmaklern aufgrund der lieblichen Lage hochbeliebt, drum ist jeder Quadratmeter, an dem Ribiseln angebaut werden können, offensichtlich heiß umkämpft. Es sind aber auch wirklich köstliche Tropfen – erfreulich, dass es nicht mehr nur die picksüße Kopfwehvariante aus unserer Jugend gibt.

Die Rückfahrt zur Anlegestelle des Twin City Liners ist flott und so finden wir uns bald wieder in der elitären Captains Lounge am Oberdeck. Innen ist es direkt gemütlich warm, während uns draußen an Deck der Sturm fast Mütze und Kamera aus den Händen reißt. In der Captains Lounge reist es sich wahrlich noch gepflegter als in dem ohnehin schon sehr gepflegten Intérieur des Twin City Liners. Kleine Klapptischchen und Dosen-Halter hat jeder einzelne Sitz – hier gibt es zudem fixe Platzkarten. Beliebt ist natürlich die allererste Reihe – bei der Fahrt durch den Donaukanal quasi die Kaiserloge des Twinnie.

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FAZIT: Ein Ausflug nach Bratislava ohne die gewohnten Innenstadt-Spaziergänge. Dafür aber mit vielen neuen Eindrücken rund um unsere Schwesternstadt – und weiteren Ausflugsplänen zum Wiederherkommen. Mit Rad oder Twin City Liner. Zu allen Fotos…

HINWEIS: Der Bloggertrip entstand in Kooperation mit dem Twin City Liner. Die Meinungen in diesem Artikel sind meine eigenen.

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