25 hours in München. My Fair Lady Premiere inklusive.

Manche Reisen unternimmt man, weil man will oder muss. Manche, weil man es sich einfach nur so wünscht. 25 Stunden in München: Eine Premiere und ein Faschingsdienstag 2018.

Als eine, die dem Faschingstreiben so gar nichts abgewinnen kann, am Faschingsdienstag mitten in München aufzuschlagen, kann ich nur sagen: Nicht gar so empfehlenswert. Die Museen vermelden „Feiertag, geschlossen“. Die Geschäfte schreiben: „Am Faschingsdienstag, 13. 2. 2018 geschlossen“ oder gleich „Betriebsferien von 12. – 15. 2.“ Sogar die Buchgeschäfte sind zu und von der „Monacensia“, die ich endlich mal wegen der Thomas Mann Sammlung besuchen wollte, rede ich gar nicht. Am Viktualienmarkt herrscht Ausnahmezustand (übrigens bei Wolfgang Ambros Klängen – das verstehe, wer mag: „Zwickt´s mi!“ ist angesagt. Die Bayern sind begeistert) und am Rathausplatz ist kein Durchkommen. Nicht mal zum Hugendubel konnte ich mich vorarbeiten.

Wenigstens mit dem 25hours Royal Bavarian Hotel am Bahnhof hatte ich ein ruhiges Rückzugsgebiet gefunden und dort fand man auch Kulinarische Versorgung abseits von Krapfen und Würstel, Bier und Sekt.

Apropos Krapfen: Die schmecken ja hier um einiges besser als bei uns daheim und auch die Auswahl ist hier nicht enden wollend. Mit einer Grundversorgung an Krapfen (Schoko, Eierlikör und Himbeerfüllung) zog ich mich nach dem enttäuschenden Kurz-Rundgang (kreisende Hubschrauber über der Innenstadt, schwer fassbare lustige Menschen in unglaublich hässlichen Kostümen und ein Höllenlärm dazu) in meine „Dienstbotenkammer“ im 25hours Hotel zurück, bevor am Abend der Grund meines München Ausflugs am Programm stand:

Die Premiere von „My fair lady“ am Gärtnerplatztheater mit vielen österreichischen Schauspielern. 

Wenn die Dienstboten übrigens früher tatsächlich so eine „Kammer“ gehabt hätten, wie ich das namensgleiche Zimmerchen im 25hours Hotel München bewohnte – Heureka. Schnuckelige Kleinigkeiten, Service aufs Zimmer vom nahen „Neni“ und ein Schmuse-Flamingo zu meiner Verfügung. Brauch ich aber nicht, ich reise oft allein – no worries.

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Schon in der Glanzzeit des Gärtnerplatztheater traten hier bekannte österreichische Künstler wie die Geistinger oder Girardi auf – seit 2012 ist der Niederösterreicher Josef E. Köpplinger  Intendant.  Er war zuvor Chef am Stadttheater Klagenfurt und von dort hat er seine „My Fair Lady“ nach München mitgenommen: Das Bühnenbild bleibt auch in München weiß/grün und seine Eliza, die Oberösterreicherin Nadine Zeintl, kam auch gleich mit. Unseren Volksoperndirektor Robert Meyer hat er ebenfalls „abgezogen“ und den Higgins holte er sich mit Michael Dangl gar gleich aus dem Theater in der Josefstadt.

So wird seine bayrische Fassung zu einer netten oberösterreichisch-bayrisch-englischen-josefstadtdeutschen Variante.

Ich habe ZUFÄLLIG eine Premierenkarte ergattert.

Während die Österreicher nicht nur die Bühne bevölkern, sondern auch einen guten Teil des Premierenpublikums ausmachen, hört man draußen vor dem Theater dank dem Faschingsdienstag Helene Fischer  und Andreas Gabalier. Im Foyer im ersten Stock beim Gspritzten, pardon „Weißweinschorle“ (wie sich da meine Zunge spreizt) ist es da schon ruhiger und vor allem gibt es eine höhere Promidichte. So kann es geschehen, dass sich Konstantin Wecker nebst Sohn und Bier (auch zufällig!) zu mir an den Tisch gesellt, wir unbekannterweise anstoßen und Programmheft austauschen. Der hatte nämlich kurz zuvor ebenda mit Michael Dangl Premiere seines literarisch-musikalischen Abends „Der Klang der ungespielten Töne“ gehabt. Später wird er mir auch in den Mantel helfen, vielen Dank – sehr aufmerksam.

Weitere Sichtungen ergeben einige Josefstadt Schauspieler sowie Lotte Ledl, die in der Klagenfurt Variante die Mrs. Higgins gegeben hatte. Heute sieht man hier Cornelia Froboess als Higgins – Mama, die Münchner kennen sie als langjährige Eliza und bedenken sie dementsprechend auch mit Auftrittsapplaus, obwohl sie die Rolle sehr zurückhaltend anlegt. Die Kessler-Zwillinge sitzen prominent Mitte 1. Reihe im Parkett und können ihre Begeisterung gut verbergen, Markus Spiegel sitzt weiter hinten und ist in seiner Kritik für den Kurier nicht so begeistert von der Darbietung (außer von der Meyer´schen) und Max von Thun ist wegen seinem Vater da, der den wortkargen Pickering gibt. Robert Meyer erholt sich auf der Bühne von der Volksoper, gibt die Rampensau und ist erklärter Liebling des Publikums, nebst Freddy Darsteller, den gesangstechnisch auch alle lieben. Das Premierenpublikum erinnert sehr an das Josefstadt-Publikum in Wien, ganz nebenbei bemerkt. Michael Dangl ist noch unterkühlter als seinerzeit Paul Hubschmid in der deutschsprachigen Erstaufführung im Berliner Theater des Westens, dafür hat er eine noch schönere Aussprache beim Singen – das er übrigens auch ganz hervorragend kann, nicht nur den Higgins´schen Sprechgesang. Mich überrascht das ja nicht. Er kann ja auch vorzüglich Bernhard lesen und Schnitzler spielen. Und die Vorstadtweiber. Und schreiben – deswegen gehts im April für mich auch mal nach Grado.

Nach den Standing Ovations und einer Zugabe des Orchesters gehen gefühlt alle zur Premierenfeier, nur ich geh heim in meine 25hours Dienstbotenkammer. Anderntags gehts weiter nach Salzburg:

Auf den Spuren von Max Reinhardt ins Schloss Lepoldskron und IN die Kulissen der Salzburger Festspielhäuser.  Ein Kulturtrip nach meinem Geschmack, nur auf die Faschingskomponente hätte ich verzichten können.

Anderntags wieder eine Premiere: In der Bibliothek von Max Reinhardt im Schloss Leopoldskron in Salzburg.

 

 

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