STEYR: Ein lohnender Allwetter Ausflug

Rauschend, romantisch, historisch, authent: Steyr im Nationalpark Kalkalpen

by Angelika Mandler-Saul

Als ich das letzte Mal in Steyr war, ging ich nachher noch mit den Mädls in die Disco. Es ist also wirklich lange her. Deshalb war mal wieder ein Tages-Ausflug nach Steyr angesagt, auch wenn das eisige Winterwetter zunächst überschaubar einladend schien.

Zusammenfluss Steyr Enns
Ausblick vom Hotel Minichmayr auf den Zusammenfluss von Steyr und Enns

Ein Tag in Steyr

Natürlich lohnt sich ein ganzes Weekend oder ein Kurzurlaub in Steyr auch. Ich hatte nur einen Tag Zeit, um mir die Schönheiten von Steyr wieder ins Gedächtnis zu rufen. Die letzten beiden Jahre war ich immer nur durchgefahren – mit einem kurzen Seitenblick auf die Altstadt – auf meine Fahrten ins schöne Bad Hall. Mein letzter wissentlicher Ausflug nach Steyr ist lange her: Damals gingen wir abends noch in die Disco – ist wirklich lange her.

Zusammenfluss Steyr
Der Zusammenfluss
Flößerstatue Enns
Flößerstatue

Diesmal stand ein ausgedehnter Stadtspaziergang auf dem Programm, ein Besuch im Museum Arbeitswelt Steyr, der eine oder andere Aussichtspunkt, ein Besuch bei den Steinböcken im Schlosspark und immer wieder: Aufwärmen im Kaffeehaus. Es war nämlich ein eisigkalter Winterausflug und wir konnten nur ahnen, wie gemütlich es in den Schanigärten im Sommer am Stadtplatz sein könnte…

weg zum museum steyr
Am Weg zum Museum
Steyr ausblick tabor
Ausblick vom Tabor auf Steyr

Rauschend: An zwei Flüssen

Steyr liegt direkt am Zusammenfluss von Enns und Steyr und das ist eigentlich das Allerschönste an der Lage, für mich persönlich. Denn es rauscht allerorten und zu jeder Zeit: Wer so nah am Fluss wohnt wie wir im Hotel Minichmayr, für den ist das Rauschen auch nachts allgegenwärtig, für mich ist das pure Entspannung, fast schon Meditation. Beim Wasserturm beim Café Werndl oder auch vom Panoramaaufzug und der Plattform am Tabor aus, hat man einen guten Blick auf diesen Zusammenfluss.

ausblick hotelzimmer Steyr auf die Flüsse
Ausblick vom hotelzimmer

Auf der Enns wurde das Eisen aus der Erzbergregion mit schwer beladenen Zillen flussabwärts befördert, retour ging es mühsam mit Pferden, die die mit anderen Gütern retour beladenen Zillen stromaufwärts zerren mussten, ähnlich wie bei den Zillen in Bad Ischl. Die Steyr wiederum wurde von den Handwerkern genutzt: Für die Mühlen, die Hammerwerke und zur Stromerzeugung. Bei einem Spaziergang durch die Stadt auf den zahlreichen Infotafeln der Bürgerhäuser bekommt man schnell einen Einblick in das Industrieleben von einst. Hammerherren und Schmiede, Eisenhändler und Messerer waren in Steyr früher an jeder Ecke und fast jedem Haus zu finden. Heute finden sich auf der Enns und der Steyr viele Wasserkraftwerke.

Museumssteg Steyr
Beim Museumssteg
Ennskai in Steyr
Ennskai

Romantisch: Die Brücken und Häuser von Steyr

Was beim Spazierengehen auch gleich ins Auge sticht: Die zahlreichen Brücken von Steyr. Es sind 119 Brücken und Stege und nicht wenige davon erwandert man sich auch auf einem Tagesausflug.

Brücke Steyr
Museumssteg
moderne Brücke Ennskai
Modern
Einst eine Brücke

Unser Spaziergang führte uns vom Hotel Minichmayr erstmal zum Stadtplatz und zum Ennskai. Die Fassaden am Ennskai sind wirklich wie ein Flashback in die Geschichte: Sie reichen vom Ufer bis hinauf zum Stadtplatz mit vielen engen Gasserln, Durchschlupfstellen und Höfen. Gleich zu Beginn, bei der berühmten Engen Gasse, liegt auch der Aufstieg zum Schloss Lambert mit dem bunt bemalten Schlosstor.

Enge Gasse Steyr
Schlosstor Enge Gasse
Innenhof

Der Stadtplatz und seine tollen Fassaden (ein vollständig erhaltenes Altstadt-Ensemble) war bei unserem Besuch leider mit Eislaufplatz und vielen parkenden Autos quasi verhüttelt. Die schönen gotischen Fassaden und die teils schmalen Häuser geben aber dennoch ein schönes Bild ab.

Das älteste Bürgerhaus, das Bummerlhaus geht sogar aufs 13. Jahrhundert zurück – „Bummerl“ soll übrigens einst „kleiner, dicker Hund“ bedeutet haben.

Noch ein wichtiges Highlight ist das Sternhaus – der „Stern“ wiederum steht in dieser Gegend für den Eisenhandel.

Das Meditzhaus wiederum hat eine sehr üppige barocke Fassade, einen Renaissanceinnenhof und reicht mit seinen Arkaden und Innenhöfen bis runter zur Enns.

Historisch: Schloss Lamberg

Es erinnert mich ein wenig an Linz und an Krems, wenn man von der Fuzo rauf zum Schloss Lamberg steigt. Das Schloss hat Steyr seinen Namen gegeben und ist so barock wie barock nur sein kann. Im Graben sind Steinböcke angesiedelt, die ich unbedingt sehen wollte.

Auch direkt vom Schloss kann man über eine Wendeltreppe hinunter zum Fluss steigen und gelangt von dort über eine Brücke (was sonst) – den Museumssteg – direkt und schnell zum Museum Arbeitswelt Steyr.

Der Schlosspark war uns jetzt im Winter keinen eigenen Walk wert, aber er wurde als englischer Landschaftspark angelegt.

Abendliches Schloss Lambert in steyr
Abendliches Schloss

Authent: Die Arbeitswelt Steyr

1987 fand die Landesausstellung „Arbeit-Mensch-Maschine“ statt und im Zuge dessen entstand das hiesige Arbeitsmuseum . Und genau aus diesem Jahr datiert mein erster Besuch in Steyr: Es war eine Schulexkursion per Bus nach Steyr in genau eben dieses Museum.

Museum Steyr Arbeitswelt
Museum Steyr Arbeitswelt

Die denkmalgeschützten Fabriksgebäude haben wir -als einzige Gäste des Tages- bei unserem Kurztrip auch besucht, besonders schön muss das Café dort sein, wenn im Sommer Hochbetrieb direkt am Fluss herrscht. Am Heimweg kamen wir – mit unserem neu erworbenen Wissen aus dem Museum – auch am Wehrgraben vorbei. Ohne das Wasser aus diesem Kanal wäre in den Fabriken keine Arbeit möglich gewesen, er lieferte das so dringend nötige Wasser für alle Arbeiten. Heute ist er und die Häuser dort denkmalgeschützt und wirkt fast ein bisschen romantisch.

Im Museum sieht man noch immer die OÖ Landesausstellung 2021 „Arbeit Wohlstand Macht“, sie wurde verlängert und beschreibt das Leben der arbeitenden Bevölkerung seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Dass dabei auch die KFZ-Produktion nicht zu kurz kommt, ist klar. Aber niht nur das „Steyr Baby“, sondern auch das „Waffenrad“, Maschinen- oder Sturmgewehre, Traktoren, Motorräder und Flugzeuge sind hier Thema der Ausstellung. Ganz ursprünglich waren die Steyr Werke, wie man umgangssprachlich in Österreich sagt, zu allererst eine Gewehrfabrik (1830). Nach 1918 spezialisierte man sich auf Autos und ab 1934 war es dann die bekannte Steyr-Daimler-Puch AG. Ferdinand Porsche etwa war hier als Konstrukteur tätig. Wem gehört das ganze Werkl heute – fragten wir uns am Schluss der Ausstellung. Das ist für Laien etwas schwierig zu durchschauen.

Wer früh genug im Museum ist, kann sich dort den Schlüssel für den Stollen der Erinnerung holen. Die Stollenanlage unter dem Schloss Lamberg thematisiert die Zwangsarbeit und den Einsatz von KZ-Häftlingen bei der Arbeit in den Steyr Werken während des Zweiten Weltkriegs. Der Stollen war ein Luftschutzbunker und wurde von KZ-Insassen errichtet.

Stollen der Erinnerung Steyr
Der Stollen der Erinnerung

Natürlich gibt es noch viel mehr zu erzählen über die abwechslungsreiche Geschichte Steyrs, über die Hammerherren, die Flößer und die Schmiede, die alten Bürgerhäuser und die Kirchen und Museen. Allein all die Infos, die ich aus dem Museum Arbeitswelt mitgenommen habe (die Auswanderer, die Arbeitsbedingungen, die Waffenproduktion, die alten Tourismusplakate) würden einen eigenen Bericht lohnen.

Aber der Artikel soll zu allererst Lust machen auf einen Trip nach Steyr Und wer zur Adventzeit kommt, der wird überhaupt begeistert sein vom Ambiente- soviel kann ich sagen.

Hoteltipp Steyr: Das Hotel Minichmayr

Die Lage des Hotels ist wirklich unvergleichlich: Beim Blick aus unserem Zimmer erschließt sich uns der ganze, traumhafte Blick auf den Zusammenfluss. Laut, beeindruckend, wunderschön. Das Haus existiert seit dem 16. Jahrhundert, ab 1919 war es ein Wirtshaus, ab 1933 ein Hotel.

Vom Restaurant aus sieht man direkt auf die Altstadt, auf den Fluss sowieso. Uns wurde ein schönes Frühstück zum Tisch serviert (Coronabedingt kein Buffet), unser Zwei-Raum-Studio war abends wirklich gemütlich zum Sitzen und von der Bar konnte man sich einen Drink ins Zimmer holen.


HINWEIS: Ich habe den Ausflug nach Steyr selbst bezahlt, die og. Meinungen sind meine eigenen. Die Kosten der Nächtigung für eine Person hat das Hotel Minichmayr dankenswerter Weise übernommen.

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