Fünf ungeduldige Schnauzen und viel Gebell – Musher for a day.

Drei Stunden von Toronto entfernt trifft man (auch ohne GPS) in den Haliburton Highlands auf die aufgeregte Meute der sibirischen Huskies von www.winterdance.com. 150  Doggies leben dort entweder als Teil von Race-Teams oder aber sie warten auf abenteuerlustige Besucher, die sich mal als Musher (0der etwas hinreichend ähnliches) versuchen wollen. Wir wollten auch. Unbedingt. Als wir am vereinbarten Treffpunkt im Wald ankommen, ist es verdächtig ruhig. In den Anhängern rasten die Doggies noch, bevor sie mit uns unbekümmerten Musher-Neulingen durch den Wald auf den Track losgelassen werden. 5 Teams zu je zwei Neo-Mushern wollen es mal versuchen, mit 5-7 Hunden vorgespannt auf dem Schlitten auf einem 15km Track durch die Haliburton Highlands zu kurven.

Wir treffen unser Hundeteam

Wir lernen die wichtigsten Kommandos wie „GO“ und das berüchtigte „WHoooo“ und dann ist es so weit. Ein Husky nach dem anderen wird, mittlerweilen sind sie alle -lautstark- wach geworden, aus den Anhängern geholt und eingeteilt und angeleint. Je nach Leit- oder Alphatier, je nach Tagesverfassung, Stimmung (die kann sich minütlich ändern) und  Temperament des Tiers werden die HundeTeams zusammengestellt. Und dann gehts ans Kennenlernen: Unsere fünf Hunde sind schließlich Persönlichkeiten und wollen von uns auch persönlich angesprochen werden. Mit Namen. Beim Kuscheln UND beim Schlittenfahren.

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Die Leute von Winterdance entscheiden jeden Tag aufs Neue, welche Doggies welche Positionen und damit Aufgaben im Team einnehmen, sie kennen ihre Hunde peinlich genau. Bis dann alle vor einen Schlitten gespannt und wir damit auch umgehen können, vergeht noch einige Zeit. Aber langweilig ist es nicht: Man versteht zwar sein eigenes Wort nicht unter dem Gejaule, Gejapse und Gebelle – aber wir erkennen schnell die verschiedenen Temperamente unserer Hunde. Mit jedem einzelnen schmusen wir ein bisschen, sprechen mit ihm und lassen uns ordentlich ansabbern. Das verbindet schließlich für das bevorstehende Abenteuer durch den dicht verschneiten Wald.

Und irgendwann gehts los: Whoooo!!!

Als der Startschuss gegeben wird, sind wir 5 unbedarfte 2 Personen-Schlitten, vorne und hinten flankiert von Mushern des Winterdance Teams. Andreas startet hinten am Schlitten stehend, er gibt die ersten Kommandos und  kontrolliert auch die Bremse; ich sitze am Schlitten und habe ein Auge auf unsere Hunde, die vor Freude kaum zu bändigen sind. Unter lautem Gebelle starten sie los und wir haben erst mal nur damit zu tun, uns fest zu halten. Doch so gerne die Huskies laufen, so interessiert sind sie auch an allem, was rund um sie passiert. Und mit Hunde-Augen gesehen tut sich da rundherum eine ganze Menge.

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Im Klartext: Sobald sie ein Reh im Unterholz wittern oder ein Vogel über ihrer Nase kreist, bremst sich schon der erste Husky ein, und alle anderen sind sofort mit ihm einer Meinung: „Da müssen wir stehen bleiben, uns umschauen“ und – am besten jeder in eine andere Richtung zerren. So dauert es ein wenig, bis wir Tempo machen. Gerne schauen sie auch während des Laufens alle nach hinten statt nach vorne – hinten ist eine läufige Hündin und das scheint, vor allem für unseren Leithund, ungemein anregend zu sein.

Mit diesen und anderen Unterbrechungen (Auch wenn in voller Fahrt ein Hundeteammitglied mal schnell aufs Klo muss) schlittern wir durch den Wald und sind schließlich ziemlich allein auf weiter Flur. Sobald der erste Hund von irgendetwas rundum abgelenkt ist, ist unsere hart erarbeitete innerteamliche Organisation dahin: Entweder sie balgen sich, graben sich im Schnee ein, verheddern sich jaulend in ihren Leinen, wollen Rehe jagen oder eine „Klopause“.

Unser Leithund wird versetzt

Schließlich werden die Führungshunde ein wenig umgruppiert. Ein (echter) Musher schließt zu uns auf und bringt seinen eigenen Leithund unter dem Arm zu unserem Gespann: Unter großem Gebelle werden die Hunde ausgetauscht und unsere neue Leithündin zieht gleich ein ganz anderes Tempo auf. Schließlich muss sie sich nicht permanent im Laufen nach der läufigen Hündin umdrehen 🙂 und kann endlich mal nach vorne schauen. Davon profitieren wir alle….

Unser Ex-Leithund wird kurzer Hand in ein Team hinter die Hündin seines Interesses versetzt und so zum NachvorneLaufen, anstatt zum NachhintenSchauen motiviert. Klappt vorzüglich und alle Teams werden jetzt deutlich schneller.

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Nachdem wir dann die Aufmerksamkeit unserer Doggies wieder erfolgreich auf uns gelenkt haben, starten wir neuerlich mit lautem „Gooooo!“ und die Partie zerrt wie von Furien gehetzt los. Und irgendwann kommt dann das erste Gefälle, inkl. scharfer Rechtskurve. Unser Hundeteam verdoppelt willig sein Tempo und wir donnern mit Karacho durch den kanadischen Winterwald, juchuuuuuuu! Jetzt haben sie keine Zeit mehr zum Schauen und Schnuppern, jetzt wird gerast!

Hunde-Frühstück mit Würstelsnack

Nach etwa zwei Stunden warten wir an einer Lichtung wieder alle zusammen und es gibt Snacks zum Aufwärmen und Stärken – für Tier- und Menschenteams wohlgemerkt. Jeder Schlittenhund bekommt etwas zu trinken und ein paar Stück Wurst. Erst als alle Hunde zufrieden sind und schon wieder ungeduldig zu jaulen und bellen beginnen („Uns ist fad, wir müssen weiter!!!“), wärmen wir uns mit ein paar Schluck Kakao auf. Aber wir wollen uns nicht lange aufhalten, zu aufregend ist das Düsen durch den kanadischen Winterwald mit den eigenen Hunden vorgespannt.

Noch eine gute Stunde zieht unser braves Gespann vorwärts; bergauf schieben wir hinten mit lauten Kommandos  an oder laufen daneben mit und bergab: Holla, da gehts in die Kurven, als gäbs kein Hunde-Morgen. Natürlich merkt unser Hundeteam deutlich früher als wir Pseudo-Musher, dass es wieder heim zum Ausgangspunkt geht, denn das Tempo wird – von Hundeseite – gegen Ende der Tour deutlich engagierter. Mit großen Abständen trudeln die erschöpften Teams wieder am Start ein – unterwegs hatte wohl jedes so seine eigenen Erlebnisse und Herausforderungen zu meistern, um die Hunde ansatzweise unter Kontrolle zu halten. Bevor die Doggies aber wieder ihr Geheul anstimmen können, werden sie pfeilschnell abgeschirrt und in ihren Ruheboxen wiederum zur Entspannung „gezwungen“.

Und wir zwei stolzen Neo-Musher düsen, von Kopf bis Fuß angesabbert und mit Hundehaaren übersät, wieder retour nach Toronto. Goooooo!!!!! What a day!   

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