[7ways2Travel Wiederunterwegs ganz persönlich: 7 Fragen an die Reiseblogger von 7Ways2Travel.

Maria Kapeller ist Journalistin. Und Reisebloggerin auf kofferpacken.at. Und 1 of 7Ways2Travel. Und sie stellt mir 7 persönliche Fragen, über deren ehrliche Beantwortung ich teilweise sehr lange nachdenken musste. Vor allem die letzte Antwort fiel mir sehr sehr schwer.  

ITB
Jetzt habe ich doch ein gemeinsames Foto von uns gefunden: Im Friedrichstadt Palast in Berlin während der ITB 2016.

Maria Kapeller, www.kofferpacken.at

Ich habe Maria beim Treffen der Österreichischen Reiseblogger 2014 in LINZ kennen gelernt und gleich darauf mit ihre eine Castle Camp Session in Kaprun im Burghof beim Tourismus-Barcamp bestritten („Mit uns Reisebloggern kann man ja reden!“).

Seitdem treffen wir uns auf Messen, Pressereisen und Bloggertrips immer wieder – leider viel zu selten – und arbeiten seit Herbst 2016 im Rahmen der Österreichischen Reiseblogger-Kooperaton #7ways2travel regelmäßig miteinander.

Reiseblogger Treffen Linz 2014
Reiseblogger beim Barcamp #cczk14 Kaprun. Von links: Günter Exel, Kristine Honig, Maria Kapeller, Angelika, Gudrun Krinzinger, Elena Paschinger.
Mit meinen Reiseblogger Kollegen und Maria Kapeller auf der ITB 2016

Maria fragt, ich antworte: 7ways2travel – Reiseblogger Persönlich:

1. Kannst du dich noch an den Auslöser erinnern, der in dir die Reiselust geweckt hat?

Ich vermute, die Freude am Reisen habe ich von der väterlichen Familienseite her geerbt. Opi Saul (vulgo „WauWau – Opi“, weil er einen Hund hatte) war Pfadfinder, Wandersmann und Zeltler der ersten Stunde, mein Vater ebenso PLUS Touristiker seit seinem 18. Lebensjahr. Und deswegen flog ich als 17-Jährige anstatt auf Maturareise gleich mal allein über NYC zu ihm nach Florida – damals eher ungewöhnlich.

Meine Mitschüler haben sich auf jeden Fall gewundert, warum ich eine Partywoche auf Kos dem nicht vorziehe. Die wundern sich wahrscheinlich heute noch über mich – beim letzten Maturatreffen konnte ich mich dieses Eindrucks nicht erwehren. Die Familien-Ausflüge und die Familien-Campingurlaube in der Steiermark haben mir übrigens auch als Kind immer gefallen. Damit bin ich aber heute die einzige in der Familie, alle anderen lehnen Camping heute strikt ab 🙂

Camping und Radfahren in der Steiermark im vorigen Jahrtausend.

Während des Tourismuskollegs und der nachfolgenden Studentenjahre ging dann schon das rastlose Camperleben im selbstgebastelten Campervan los – schon damals war ich jede freie Minute unterwegs. Später dann auf Exkursionen mit der WU nach China, in den Nahen Osten und Südamerika – und allein mit Rad, Auto und Zelt in Europa unterwegs, mit Freunden in den USA.

2. Du lebst privat ruhig im idyllischen Weinviertel. Dazwischen gondelst du unaufhörlich durch die Weltgeschichte. Brauchst du diesen Kontrast?

Ja. Wahrscheinlich. Vielleicht. Ich freue mich nach jeder Reise wieder auf meinen Mann, mein Bett, mein Büro, meinen Garten und die hintaus Gassi Touren mit Hund – da bin ich ganz pragmatisch. Dennoch ist es mir auch privat manchmal hier zu ruhig – aber nur, was das Kulturleben angeht – dafür fahre ich immer gerne nach Wien „hinein“. Um im idyllischen Weinviertel aber ganz glücklich zu sein, fehlt mir das Element Wasser.

Sobald ich wieder daheim im Basislager bin, ist die letzte Reise sofort wie weggeblasen – mit dem Auspacken ist sie abgeschlossen. Wenn ich dann darüber schreibe, lasse ich zwar alles noch einmal Revue passieren, aber: Ich bin dann nach jeder Heimkehr sofort wieder im bodenständigen Hier und Jetzt Alltag – nix Idylle: Einkaufen und Kochen, Haus- und Gartenarbeit und Hundespaziergänge. Aber lange hält es mich nicht daheim, Idylle hin oder her.

So sehe ich aus, wenn ich glücklich UND zufrieden bin. Nicht daheim.

3. Dein Blog ist unter anderem auf Reisen mit Hund spezialisiert. Worin reist denn dein Hund #Coffee am liebsten? Kannst du drei Tipps für speziell hundefreundliche Destinationen geben?

Wenn Du so direkt fragst: Coffee schätzt Städtekurztrips gar nicht – zuviel Beton und zuwenig Grünflächen zum Schnofeln und Laufen. Er ist ein Verfechter des Flussbadens, ein begeisterter Klammgeher und Wandersmann. Die Sterne eines Hotels sind ihm egal – Hauptsache, er kann sich am kühlen Boden im Hotelzimmer am Holzboden ausbreiten (Teppichböden schätzen wir alle gar nicht!). Die Sommerhitze macht ihm zu schaffen, es sei denn es riecht nach Reh oder Hase. FKK ist für ihn voll okay. Winters schätzt er in Hotels die Fußbodenheizung (ich auch). Kalt ist ihm nie, er ist also vielseitig auch für zukünftige Skandinavien Reisen universell einsetzbar. Langläufer machen ihn nervös. Als Camper hat er heuer eine gute Figur gemacht, er kam auch mit wenig Bodenhaftung im Campervan gut zurecht.

Wiederunterwegs: Unsere Urlaub mit Hund Tipps.

4. Campen zählt zu deinen Leidenschaften. Warum? Wie würdest du es Campingmuffeln schmackhaft machen?

Warum, das ist leicht: Weil ich dann den ganzen Tag im Freien sein kann. Weil ich morgens unmittelbar in der Natur aufwache. Weil ich es liebe, mit wenig auskommen zu müssen und das wenige Wichtige immer dabei zu haben. Weil man sein kleines Reich immer mit dabei hat und dabei an den schönsten Plätzen stehen kann, ohne auf Hotelgepflogenheiten Rücksicht nehmen zu müssen. Weil es einen Hauch von Freiheit vermittelt. Weil die Abende vor dem Campingbus mit Mann, Hund, Buch und einem Achterl Rosé die schönsten Abende des Jahres sind. Weil ich es liebe, den Campingbus einzuräumen und für uns startklar zu machen.

Stellplatz am Mexico in Bregenz

Leider: Campingmuffeln kann man Camping nicht schmackhaft machen. Entweder man liebt es oder man hasst es. Das ist ähnlich wie bei Hunden 🙂

5. Welche kleinen Helferlein machen dir das Campingleben bequemer?

Campervan statt Zelt. Eine Bialetti Espressomaschine, ein gut gefüllter Kühlschrank, reichlich Zurrgurte, Klappkisten, Stromverteiler, Luft-Liegesack oä., mein eigener Tempur Kopfpolster. Regionale Spezialitäten unterwegs einkaufen und jederzeit stehen bleiben für eine gemütliche Jause – das ist Campingluxus für mich. Schnelltrocknende Campingduschtücher, die man winzig zusammenlegen kann.

Auch der Ausblick kann Luxus sein: Hier unter der Campervan Klappe mit Blick auf den ULURU im Red Center Australiens.

Und mein persönliches Credo, dem sich jeder Co-Camper zu unterwerfen hat:

Alles muss immer verzurrt, weiters schnell zur Hand und immer am gewohnten Platz zu finden sein, sonst wird Camping schnell zum Chaos. 

6. Wenn du gerade nicht campst, sitzt du wahrscheinlich im Flugzeug nach Shanghai oder Miami. Ist das ständige Unterwegssein nicht auch anstrengend?

Für mich persönlich ist es manchmal sehr anstrengend – vor allem, weil ich daneben ja noch mit meiner eigenen Werbeagentur Kunden betreue und beides zeitlich unterbringen möchte. Aber es zwingt mich ja keiner dazu. Ich könnte auch 40 Stunden pro Woche für eine andere Firma als die meine in einem Büro sitzen, Marketing machen und mich nach dem Job noch um Haus, Familie und Alltag kümmern müssen – das wäre auch anstrengend.

Ich hab mir diesen Job ausgesucht (Wie ich mein Geld verdiene? Wovon ich lebe?), teilweise sogar „erschaffen“ und erarbeitet. Noch vor 5 Jahren hätte ich nicht gewusst, dass es Reiseblogger gibt, nun bin ich einer davon – bin selbständig, gehe beruflich meinen Lieblingsbeschäftigungen nach (Reisen, Fotografieren, Schreiben & Lesen, Recherchieren, Marketing), kann mir mein Leben autark einteilen und davon leben. Das allein macht mich sehr froh. Der Gedanke an diese persönlichen Errungenschaften ist so gar nicht anstrengend. Aber dass ich mindestens doppelt soviel arbeite wie früher als Angestellte und das zu Un-Zeiten und an jedem Wochenende, das ist eine Tatsache.

Ein Tag mit Hund und Mann am Fluss – und ich bin wieder erholt.
Mein Mann ist immer da, auch wenn er oft nicht da ist.

Mich von dem temporären Druck, etwas zeitnah abliefern zu müssen und immer gleichbleibende Qualität zu liefern, emotional abgrenzen zu können – das kann ich noch nicht. Mehr Gelassenheit würde mir nicht schaden, aber daran arbeite ich bereits – mit kleinen Teilerfolgen. Es gibt täglich ganz viele kleine Dinge, die mich sehr froh machen.

Hier im Thalhof in Reichenau ist der Boden echt alt. Auf dem ist Arthur Schnitzler gegangen. Auch sowas macht mich froh.

7. Inwiefern hat dich das Reisen zu der Person gemacht, die du heute bist?

Schwierige Frage. Ich habe keine Ahnung. Unabhängig von meiner Person kann ich nur sagen, dass ich hundertprozentig von dem berühmten Ausspruch Alexander von Humboldts überzeugt bin:

Deswegen heißt mein Firmenwagen auch Humboldt – kommt ja alles nicht von ungefähr. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Reisen bildet und den eigenen Horizont erweitert. Und wenn jetzt der übliche Ausspruch kommt: „Ja, jeder kann sich halt keinen Urlaub leisten“, dann sage ich: Ja, stimmt. Kann sich nicht jeder leisten, das – was manche unter „Urlaub“ verstehen.

Aber jeder kann es sich leisten, am Wochenende einen Ausflug zu unternehmen, ein Museum zu besuchen, in einer Klamm zu wandern, einen Zoo zu besuchen oder eine Radtour zu machen. Das alles ist Reisen – das sind nicht nur die Malediven oder das Fünf Stern Suitenhotel oder das überteuerte Familienhotel in der Hochsaison. Das sind viele kleine Erlebnisse außerhalb der eigenen Komfortzone, außerhalb der eigenen Vier Wände, außerhalb seiner virtuellen und reellen „Blase“, in der wir alle leben.

Und ja, jetzt kann ich es beantworten: Ohne das Reisen UND ohne das Lesen, ohne mein Interesse an anderen Orten, Landschaften und Ländern, ohne meine Naturverbundenheit und ohne Offenheit gegenüber Fremdem und Fremden – wäre ich nicht so wie ich bin. Und ich wäre arm dran. Aber ich wüsste es nicht.

Danke Maria! Ein Jahr nach unserer Gründung von #7ways2travel stellen wir einander höchstpersönliche Fragen: Travel Pins fragte Reisebloggerin fragte Andersreisender fragte City Sea Country fragte kofferpacken.at fragte Wiederunterwegs fragt Lifetravellerz fragt Travel Pins… Lest nach, wie die anderen so ticken – so höchstpersönlich…


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