Schloss Marchegg: Von Störchen und anderen Marchfeld-Geheimnissen

Die NÖ Landesausstellung 2022 im Marchfeld

by Angelika Mandler-Saul

Im Schloss Marchegg findet 2022 die NÖ Landesausstellung statt: Thema „Marchfeld-Geheimnisse. Mensch. Kultur. Natur“. Wir haben in die Ausstellung reingeschaut und danach die vielen Storchenpaare in den Marchauen besucht.

Landesausstellung eingang schloss marchegg
Eingang zur Landesausstellung 2022 – Schloss Marchegg

Das Schloss Marchegg

Gleich vorweg das für mich Wichtigste: Ich habe noch nie soviele Weißstorchpaare auf einem Haufen gesehen. Klar, auch am Neusiedler See kriegt man im Frühling viele Störche zu Gesicht (10 Frühlings-Ausflugstipp für den Neusiedler See!) – aber hier in den Marchauen beim Schloss Marchegg ging es so richtig rund. Auch der allererste Storch, der Anfang März von seinem Winteraufenthalt aus Afrika heuer in Österreich eintrudelte, hat sich in Marchegg niedergelassen. Allein am Schlossdach gab es mindestens sechs voll belegte Nester, in denen bereits die Familienplanung für diese Saison begonnen hatte.

Störche am schlossdach schloss marchegg
Ein paar der vielen Storchennester am Schlossdach Marchegg
störche marchegg schloss
Sie sind überall, die Störche von Marchegg

Das Schloss Marchegg (blitzeblank renoviert zur NÖ Landesausstellung 2022) steht seit über 750 Jahren hier an dieser Stelle (eh klar) und hat so einiges erlebt. Hier im Marchfeld, wo kriegstechnisch die ärgsten Schlachten zwischen den Österreichern und Napoleon stattgefunden haben, die größte Ritterschlacht in der Geschichte und wo die erste dampfbetriebene Eisenbahn Österreichs (von Floridsdorf über Deutsch-Wagram bis nach Krakau) fuhr – liegen viele Schlösser, die Marchfeldschlösser. Und jedes einzelne hat seine ganz besondere Geschichte: Ob es Schloss Hof ist mit den Prunkräumen von Prinz Eugen und Maria Theresia nebst Sohn, das Schloss Eckartsau (in dem die letzte Kaiserfamilie noch wohnte, bevor es ins Exil ging) oder aber Schloss Orth mit den Nationalparkzentrum, in dem Kronprinz Rudolf einst forschte, auf die Jagd (u.a. nach Seeadlern) ging und die Schrammeln aufspielen ließ, weiters die Schlösser Niederweiden und Jedenspeigen.

ansicht schloss marchegg
Schloss Marchegg – frisch renoviert

Gegründet wurde Marchegg als Befestigungsanlage mit Schloss von König Premysl Ottokar II. im 13. Jahrhundert. Graf Salm bekam Marchegg als Dankeschön für seine Dienste um die Verteidigung Wiens gegen die Türken, danach ging das Schloss an die Familie Pálffy, deren Familiengrab heute noch im Schlosspark besichtigt werden.

schlosspark marchegg
Durch den Schlosspark weiter zum Fluss und in die Slowakei
schloss marchegg eingang
Schloss Marchegg Eingang

TIPPS
  • Mit einer App kann man sich auf einen geführten Ortsspaziergang durch Marchegg begeben: LINK zur Ortsspaziergänge-App und Infos
  • Im Schlosspark startet ein Schmetterling Erlebnisweg
  • Am Radweg entlang gehts dann auch per pedes schnell mal rüber zur Brücke rüber in die Slowakei
  • Die NÖ Card gilt auch im Schloss Marchegg

Die Storchenkolonie von Marchegg

Das war ein aufgeregtes Flattern, Klappern, Schnäbeln, Landen und Starten! Wir wussten gar nicht, wo wir zuerst hinsehen sollten. Hinter dem Schloss Marchegg starten die Wanderwege durch die March-Auen und auf den hinteren Terrasse scheint man sich mitten in der hochfrequentierten Storchen-Einflugschneise zu befinden. 50 Brutpaare sind alljährlich hier im Marchfeld daheim und sie scheinen sich unglaublich wohl zu fühlen. Die Marchegger Störche sind „Ostzieher“, d.h. sie fliegen von Ost- und Südafrika über Ägypten nach Österreich ins Marchfeld. Lt. Info auf der Website des WWF können sie in 1km Höhe fliegen und dort die Thermik so gut nutzen, dass sie ohne extrem viel Kraftaufwand von Aufwind zu Aufwind segeln. Sie fliegen etwa 50km/h schnell und legen pro Tag 150-200 km zurück. (Quelle: WWF)

Von der Aussichtsplattform am Start der Wanderpfade aus bekamen wir auf einen Blick gleich 6 Paare zu Gesicht, auf einem Baum siedelten gleich drei Familien quasi. Schon am Parkplatz zum Schloss Marchegg wurden wir eifrig überflogen, Nestbau und -renovierung war offenbau angesagt. Letztes Jahr gabe es 86 (!) Jungstörche in Marchegg – dazu zählte man 34 belegte Horste. Kein Wunder, dass es hier so abgeht, denn:

Die Störche von Marchegg
Marchegg beherbergt die größte auf Bäumen brütende Weißstorch-Kolonie Mitteleuropas! Natürlich gibt´s auch die Nester direkt am Schloss Marchegg oben, aber vor allem die Bäume des Naturreservats Marchauen sind belegt….
aussichtplattform auenreservat marchegg
Aussichtsplattform

Die Störche sind nicht die einzigen, denen es hier im Marchfeld außerordentlich zusagt: Im Schloss Marchegg wohnen noch dazu 250 Fledermäuse, im Park lebt eine Herde Konik-Pferde (sieht man von der hinteren Terrasse aus manchmal) und im WWF Auenreservat leben Biber, Eisvogel und Rotbuchunken – mehr dazu erfährt man auf den schön ausgeschilderten und angelegten Wanderpfaden durch das Reservat.

Wer sich ganz besonders für die Unken, die wilden Pferde, die Fledermäuse oder andere Geheimnisse der Marchauen interessiert, kann eine Spezialführung/Exkursion mitmachen. Oder Ihr habt Glück und es findet gerade eine „Im Reich der Störche“ Vermittlung statt – jeweils um 15 Uhr am Nachmittag.

Kaiseradler
Kaiseradler Info bei der Storchen-Beobachtungsplattform

TIPP: Die NÖ Landesausstellung 2022 – Mensch, Kultur, Natur

NÖ Landesausstellung 2022: Marchfeld Geheimnisse
shop im storchenhaus marchegg
Shop im Storchenhaus

Die Landesausstellung im barocken Schloss Marchegg beschäftigt sich mit der Geschichte und Entwicklung der Naturregion des Marchfelds von den Eiszeiten bis in unsere heutige Realität mit Hochwasser, Naturschutzregionen und Gemüseanbau, dem Nationalpark Donauauen und dem Erhalt und der Renaturierung von Flusslandschaften.

Für Natur- und Tierfreunde, die sich für das Weinviertel und die (noch ziemlich unentdeckte Region des Marchfelds) interessieren – so wie ich, ergibt sich ein interessanter Rundgang durch die Ausstellung – hier gehts zur offiziellen Website.

Wer länger Zeit hat als wir – dem sei eine der Führungen empfohlen. Im Shop des Storchenhauses gibt´s außerdem viele schnuckelige und auch wohlschmeckende Mitbringsel aus dem Marchfeld und dem Weinviertel und v.a. gute Lektüre.

wisent im marchfeld, ausstellung marchegg
Wisent und andere Konsorten – Marchfeld einst und jetzt
infektionstafel 18. jahrdhundert marchegg
Infektionstafel -Pandemie im 18. Jahrhundert

Was ich besonders spannend fand in der Ausstellung – gibt´s hier kurz zusammengefasst – quasi zum Gusto Machen und Staunen:

Interessante Fakts zum Marchfeld
  • Vor 140 Mio Jahren befand sich hier eine tropische Lagune, Erdöl und Erdgas wurden gebildet
  • Vor 500 Mio Jahren lang das Weinviertel am geografischen Südpol der damaligen Erde
  • vor 100.000 Menschen gab es hier nur Steppe
  • vor 10 Mio Jahren wurde die Ur-Donau herausgebildet
  • bis ins Frühmittelalter lebte hier das Wisent (sie liebten Sandbäder :-)
  • im 19. Jhdt. war das Wildschwein bei uns ausgerottet
  • die Bernstein Straße (Bernstein als „Gold des Nordens“) von der Ostsee an die Adria – führt entlang der March
  • Die Römer hatten hier in Stillfried einen wichtigen Stützpunkt (der Ort an der Grenze zur Slowakei besteht seit der Urzeit!)
  • 1058 wurde das Marchfeld erstmal urkundlich erwähnt
  • im Mittelalter war Marchegg von einer 3km langen Stadtmauer umgeben – zwei Tore sind noch erhalten!
  • im 14. Jhdt gabe es eine Reihe von Naturkatastrophen: Sturmfluten, Starkregen, Heuschreckenplage, Pest, es folgte eine starte Verödung der Gegend hier
  • 1278: Die größte Ritterschlacht der Geschichte hat als Schauplatz das Marchfeld – bei Dürnkrut und Jedenspeigen
  • Napoleon im Marchfeld: Bei Aspern/Essling verlor er gegen die Österreicher, bei der Schlacht von Deutsch Wagram siegten die Franzosen
  • Die erste Dampfeisenbahn der Monarchie (Bau 1837) – die Kaiser Ferdinand Nordbahn – fuhr im Endausbau von hier nach Krakau (1856): Deutsch Wagram ist deswegen einer der ältesten Bahnhöfe Österreichs
  • die Zuckerfabriken, die man heute bei der Fahrt zu den Marchfeldschlössern immer noch sieht – die gibt es seit Ende des 19. Jahrhunderts.
  • Die Donaumonarchie zählte zu den größten Erdölproduzenten der Welt – dank des Marchfelds
  • Die „Überschwemmungs-Gelse“ als „Vampir“: Seht selbst in der Ausstellung :-) aber nicht erschrecken!
  • HEUTE steht Naturschutz ganz oben in der Priorität des Marchfelds: Urzeitkrebse, Wacholderheiden, Marchauen, der Nationalpark und viele andere Tiere (Bienenfresser, Wiedehopf, Seeadler) und Gebiete gelten als erhaltenswert.

Wanderpfade durch die March-Auen: Das WWF Auenreservat Marchegg

Während in der Ausstellung im Schloss Marchegg Hundeverbot gilt, dürfen bei den ausgeschilderten Auen-Pfaden im WWF Reservat Hunde an der Leine mit von der Partie sein. Wir haben uns also mal wieder getrennt: Eine darf in die Ausstellung, der andere hat Hundedienst.

hund im schlosspark marchegg
Hunde, die Störche beobachten
storch beobachtung marchegg
Ausblick vom Schloss ins Reservat zu den Störchen

Hier kann man sich den Info-Folder zu den Entdeckungspfaden runterladen.

  • Biber-Weg: 7 km
  • Unken-Weg: 4 km
  • Storchen-Weg: 2 km

Unterwegs gibt es einen Rastplatz, den Aussichtspunkt zur Storchenkolonie, eine Biber-Hütte und einen Beobachtungspunkt. Die Augen sollte man auf jeden Fall auch in die Lüfte richten: Hier schweben Seeadler, Milane und Graureiher über unsere Köpfe, die Weißstörche sind jetzt im Frühling sowieso allgegenwärtig. Auch den einen oder anderen Schwarzstorch soll es in der Au geben – den würde ich zu gerne einmal sehen! Biber, Wasservögel, Rehe, Hirsche und Wildschweine wohnen natürlich ebenfalls hier. Und was es mit den wilden Konik-Pferden, einer robusten urtümlichen polnischen Pferderasse, auf sich hat, die wir von weitem gesehen haben, kann man hier nachlesen.

Vogelvolk marchauen
Vogelvolk in den Marchauen

Digitaler Guide für die Rundwanderwege
Auf den Auenpfaden begleiten uns QR-Codes, so kriegt man unterwegs sehr schnell viele Infos zu Fauna und Flora. Sehr praktisch.
Wanderwege Auenreservat Schloss Marchegg
Hier starten die Wanderwege durch die Au

HINWEIS: Wir haben Schloss Marchegg und die Marchauen im Frühling 2022 besucht.

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1 comment

andreas 18. April 2022 - 13:35

Storch action vor der Haustür quasi. Wir schauen heuer sicher nochmal vorbei.

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