Die Story vom Hot Pot in Peking

by Angelika Mandler-Saul

Wer zum wiederholten Male in Peking ist, kennt Sommerpalast, Himmelstempel, die Mauer, die verbotene Stadt, das olympische Dorf und, wer Glück hat, auch die weiße Pagode im Behai Park. Man kennt die Ring Roads besser als die meisten lokalen Taxler (das ist nicht schwer) und kann U-Bahn Fahren. Bleibt für einen neuerlichen Besuch also noch Kunst, Shoppen und Essen.

Die Kunst ließen wir  aus.

Stichwort Restaurant „Hai Di Lao“ – Tripadvisor weiß „Best hot pot in China“, und das Lokal hat auch das unvermeidliche „Trip Advisor Certificate of Excellence 2013„. Chinesisch kann ja jeder essen gehen in Peking, deswegen wirds diesmal bei uns laotisch. Wie damals…. nach unserer Kanufahrt am Mekong, als wir in die Stromschnelle gerieten, kenterten und uns nachher bei einem Hot Pot in Luang Prabang trockenlegten. Aber das ist eine völlig andere Geschichte, es ging nur um das Hot Pot – Essen.

IMG 7031
Farht durch die Hutongs
IMG 7038
Einzelheiten, was übrig geblieben ist
IMG 7104
Schnupftabak oder Cappuccino?
IMG 7111
Ein Gläschen Zuckersaft gefällig
China Smog
Das Bild musste sein
IMG 7193
Konfuzius sagt....
IMG 7194
Iss immer ordentlich!
IMG 7013
UBahn Fahren

Hot Pot Essen in Peking

Wir lassen uns vor dem zweistöckigen Gebäude, das erstmal eher abschreckend wirkt, absetzen. Wir haben nicht reserviert und so heißt es freundlich, aber bestimmt: WARTEN.

Das KANN ja nicht gut gehen; wir haben eine Shopping Tour auf allen Märkten dieser Stadt hinter uns, waren – als kleines Zugeständnis an Peking – in den hutongs und am Platz des Himmlischen Friedens – und haben RECHTSCHAFFEN.HUNGER.JETZT.HIERIN.PEKING.

Durch die sanfte Gewalt der Kellnerinnen finden wir uns aber kurz danach im Obergeschoß auf einem kleinen Katzentischchen wieder; wir bekommen eine Nummer wie am Amt sowie chinesische Snacks in einer ansprechenden, tadellosen Mischung aus Algen, Wasabi und Hummerchips und: Wir sind hier nicht alleine. Viele warten auf einen Tisch (Tripadvisor dürfte Recht haben) und vertreiben sich die Zeit mit Brettspielen oder dem Maniküreangebot (!). Wir hingegen spielen ein wenig mit unserer Atemmaske (2 Wochen vorher war hier in Peking lufttechnisch die Hölle los) und unserem Bier. Und den Snacks.

IMG_6989      IMG_6987      IMG_6974       IMG_6971

Der junge Nudelkoch verkürzt uns die Wartezeit ebenfalls auf das Angenehmste mit einer kleinen KungFu-Tänzchen-Nudelshow („Wie kommt die Nudel in die Suppe“), bevor er die superlang gedehnte Suppennudel dann im Hot Pot am Nachbartisch versenkt.

Nach kaum 40 Minuten werden wir abgeholt und dürfen unseren Tisch beziehen, nicht ohne uns vorher noch je eine Rüschenschürze übergezogen zu haben. Dann gehts Schlag auf Schlag:

  • Auf dem IPAD suchen wir uns die Suppengrundsubstanzen aus (Wir nehmen nicht die mit den Fischköpfen. Glauben wir zumindest heute noch.)
  • Die Fotos von den Ingredienzien verwirren uns, wir täuschen westliche Unwissenheit vor und werden daraufhin
  • ins Allerheiligste vorgelassen: Mit einem Netzhäubchen zu unserer Rüschenschürze dürfen wir in die Küche, werden begeistert mit lautstarkem  „ni hao“ von der Brigade begrüßt werden und zeigen mit den Fingern auf die Dinge, die wir uns in der Suppe gesotten vorstellen können.
IMG 6984
Nach der Showeinlage
IMG 6998
dürfen wir an den Tisch
IMG 6994
hier die Gewürzeauswahl
IMG 7005
unser eigenes Sößchen
IMG 6997
CHILLLLLIIIII
IMG 7004
Die Suppen und ich
IMG 7002
Die Schärfe
IMG 7008
Tsing Tao

Zufrieden mit der geleisteten Vorarbeit bestellen wir noch ein Bier, nehmen vom stark gesüßten Tee, der immer wieder nachgefüllt wird und harren der Dinge. Weil wir unglaublich authent sind, mischen wir uns an der „Spices-Bar“ noch ein eigenes Sößchen aus Koriander, Knobi, Nüsschen und anderen geheimen Ingredienzien zusammen.

Die bestellten Zutaten stapeln sich schon bald am Tisch, wir versenken sie ohne Plan in den beiden Suppen (einmal höllescharfglutamatig, einmal weißlichweißnichtrecht), garen und rühren, würzen und mischen und dann wird alles mit Unmengen von Reis nebst unserer eigenen Soßen-Kreation ungerührt vertilgt. Ja, wir hatten Hunger.

FAZIT: Die exotisch anmutenden Basensuppen waren doch etwas gewöhnungsbedürftig (Glutamat Faktor etwas hoch, wie ich vermute), aber mit einer gesunden Mischung aus beiden plus Unmengen an Reis konnten wir durchaus sehr gut leben. Der Star des Abends war aber in jedem Fall die selbstgemixte Koriander-Erdnuss-Soße meines Mannes. Next time in Peking geht´s dann sicher an die moderne Kunst. Versprochen.

HINWEIS: Mehr China-Stories und Wissenswertes über das Land der Mitte gibts auf www.sinograph.ch.

Dann gefällt Euch sicher auch

7 comments

Lea 23. Dezember 2019 - 15:07

Toll

Reply
beste-spionageapps.com 11. Juni 2019 - 17:14

find das Video auch toll 🙂

Reply
Blogschau: Mai 2014 | Weltreiseforum: Langsam reisen in Asien und der Welt 26. Juli 2018 - 03:38

[…] Blogs der Reisepartner angeschaut und bin  – als alter Chinese – an einem Beitrag zum Hotpot-Essen in Peking hängen geblieben. Angelika hat nämlich zufälligerweise eine meiner Lieblings-Restaurantketten in […]

Reply
Geschichten aus China - heldenwetter 8. Juni 2017 - 21:42

[…] immer noch am liebsten in Garküchen und von Straßenständen und einmal bin ich in Peking sogar kulinarisch laotisch fremdgegangen (höchst spannende Nudel-Tanzperformance eines Cooks […]

Reply
Angelika Mandler-Saul 27. April 2014 - 09:35

Danke, Oli!
Ich liebe Tipps in meinen Kommentaren. Authentischer in den Hutongs – das glaube ich in jedem Fall.
Steht schon auf der Liste für mein nächstes Mal. DANKE!

Reply
Oli 27. April 2014 - 03:08

Die Hotpot-Kette Haidilao ist tatsächlich einer der stylishsten Orte um den chinesischen „Feuertopf“ auszuprobieren und zurecht auch bei Chinesen sehr beliebt. Ich war selber recht oft dort.

Wenn du (oder deine Leser) aber etwas mehr Zeit hast/haben, lohnt es sich auch, in den Hutongs nach den traditionellen Hotpot-Restaurants zu suchen. Man erkennt sie an den speziellen, mit Kohle beheizten Kupferbehältern auf dem Tisch. Achte dort aber unbedingt auf dieses Zeichen 狗肉 (Hundefleisch) – entweder, um diesen Leckerbissen zu versuchen, oder eben um ihn zu vermeiden.

Diese einfacheren Restaurants kosten nur etwa einen Drittel bis die Hälfte von Haidilao und sind irgendwie authetischer, finde ich. Dort kriegst du zwar keine Maniküre, aber dafür musst du auch nicht 40 Minuten aufs Essen warten… 🙂

Reply
andreas 27. März 2014 - 10:25

Herrlich, aufregend geschrieben. Das Video vom Kungfu-Nudelkoch ist super. Tolle Geschichte.

Reply

Leave a Comment

* By using this form you agree with the storage and handling of your data by this website.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Auch diese Website verwendet Cookies – nähere Informationen dazu und zu Ihren Rechten als Benutzer finden Sie in unserer Datenschutzerklärung am Ende der Seite. Klicken Sie auf „Geht klar“, um Cookies zu akzeptieren und die Website besuchen zu können. Geht klar. WEITER