Spezies Flugbegleiter: So macht man ihnen das Leben schwer.

Wie man es sich mit den Flugbegleitern gleich verscherzt? So macht man sich als Passagier beim Flugpersonal an Bord schnell und nachhaltig unbeliebt. Beobachtungen aus dem Flieger.

So verscherzt man es sich mit Flugbegleitern. Überzeugend, schnell und nachhaltig.

(Ein satirischer Kommentar zu eigenen Beobachtungen)

Egal, ob Sie ein Ticket-Schnäppchen erwischt haben, sich ein fullfare Business Class Ticket leisten oder Weihnachten auf Mauritius verbringen wollen, weil Ihnen „O Palmenbaum“ lieber als „Single Bells“ daheim im Gatsch ist: Sie werden auf der Langstrecke zur vermeintlichen Traumdestination zwischen 8 und 11 Stunden in der Luft verbringen und das auf engstem Raum mit anderen Fluggästen. Alle haben verschiedene Erwartungen, diverse Erfahrungen, divergierende Buchungsklassen und damit Ticketpreise – aber sie alle und Sie auch – wollen:

Den Flug genießen, etwas für ihr Geld bekommen, das Catering (so vorhanden) auskosten, gut schlafen, nicht gestört und doch bedient werden, Filme anschauen und sich in 10km Flughöhe gut betreuen lassen. Soweit, sogut. Das ist rechtens. Das ist der Job der FlugbegleiterInnen.

Was genau ist jetzt die Arbeit der Flugbegleiter? 

Ja, das ist der Job – unter anderem. Die FlugbegleiterInnen sind – soweit wir allwissenden Passagiere das feststellen können, für unser Wohlergehen, das kulinarische Service und zum Streitschlichten für allfällige Gerangel und Misstöne unter den Passagieren verantwortlich.

Echte Insider wissen natürlich, dass hinter den Kulissen noch viel mehr Pflichten für den reibungslosen Ablauf des Fluges notwendig sind, als auf den ersten Moment ersichtlich. Dazu gehören unter anderem die Kommunikation mit dem Cockpit und dem Bodenpersonal, den RampAgents und dem Check-In, die Bürokratie an Bord (neuerdings papierfrei per Notepad), das Boarding und zuvor das Briefing – aber vor allem und das Wichtigste für uns alle, unsere mitfliegenden Eltern, Großeltern, Schulgruppen, Reiseteams, Kids und Babys:

Für UNSER ALLER Sicherheit an Bord. Im Notfall oder Krankheitsfall, falls es soweit kommt. Das alles merken wir aber erst – ja genau, im Notfall. Dass wir nämlich bei der Durchsage mal wieder nicht zugehört haben, das Info-Video übersehen und die demonstrierte Sicherheitsprozedur kichernd ignoriert haben.

Notfall, Panik an Bord? Wieviele Passagiere reagieren wohl korrekt (wer bekommt die Sauerstoffmaske zuerst – Sie oder Ihr Kleinkind?), wissen wo genau die Schwimmweste ist und an welchem Bandl man dann ziehen soll? Die FlugbegleiterInnen werden einmal im Jahr genauestens in einer Zweitages Prozedur auf ihr Wissen geprüft, auch bei Erster Hilfe. Das nur so als kleine Zwischeninfo – vielleicht hören Sie das nächste Mal wieder zu beim Security Briefing – nur so, für den Notfall, ohne abfälliges Gekicher?

Dennoch, Sie haben gezahlt für Ihren Flug und die FlugbegleiterInnen müssen arbeiten – also beachten Sie die folgenden, ungeschriebenen Gesetze bitte genau (Achtung Satire)

Aber jetzt wirklich: So macht man den Flugbegleitern das Leben schwer

  • Steigen Sie in jedem Falle grußlos ein und erwidern Sie jegliche freundliche Wilkommensgeste der Flugbegleiter in keiner Art und Weise. Tun Sie dabei geplagt und möglichst unwillig, damit jeder merkt, dass Sie sicher nicht zum Spaß Business fliegen. Sie haben schließlich bezahlt. Und was wollen Sie dafür ? Leistung wollen Sie. Freundlichkeit Ihrerseits ist nicht beinhaltet, machen Sie das gleich beim Boarding klar.
  • Vermeiden Sie auch jedweden Augenkontakt wenn Sie bedient werden und hüten Sie sich davor, grundlos zu lächeln. Heben Sie während des Services vielleicht auch betont genervt die Arme, um zu jeder Zeit ganz deutlich zu machen, wer zum Arbeiten an Bord ist und wer ganz sicher nicht.
  • Zeigen Sie deutlich zu jeder Zeit, dass Sie der ganz und gar einzige Passagier an Bord sind, der Aufmerksamkeit verdient. Ignorieren Sie geflissentlich während des gesamten Fluges die etwa 300 anderen Gäste an Bord.

  • Wechseln Sie gleich nach dem Boarding mehrmals heimlich den Platz und beschweren Sie sich dann beim Service, dass Ihr Spezialmenü nicht daherkommt. Frechheit, das.
  • Spotten Sie ruhig lautstark über die Sicherheitsvorkehrungen und die Security-Videos. Im Notfall sind ohnehin alle Flugbegleiter nur für Sie alleine da, um Sie persönlich heil aus dem Flieger zu geleiten, weil Sie in Ihrer Panik keine Ahnung haben, wie Sie sich verhalten sollen.
  • Stehen Sie unbedingt dann mehrmals in Folge auf, um sich stöhnend die Beine zu vertreten, wenn das Service begonnen hat und zeigen Sie ganz deutlich Ihren Unwillen mittels Körperkontakt, wenn Sie dann nicht kontaktlos an den Trolleys und den Flugbegleitern vorbeikommen.

  • Seien Sie prinzipiell nicht am Platz, wenn Sie mit Getränkeauswahl oder Essensservice dran sind. Scharen Sie kleine Grüppchen von Gleichgesinnten um sich, die sich ebenfalls gerne an neuralgischen Punkten im Flugzeug zu Stoßzeiten aufhalten. Früher konnte man wenigstens noch Rauchen beim sinnlos Rumstehen, heutzutage kann man ohne Grund im Weg stehen.
  • Falls Sie versehentlich beim Service gerade am Platz sitzen, zeigen Sie deutlich (in Worten, Gesten und Hinauszögerungstaktiken sowie nach reichlich Bedenkzeit), dass Sie es nicht gewohnt sind, Entscheidungen so spontan treffen zu müssen und keinesfalls in so kurzer Zeit zwischen Cola, Wein oder Bier zu wählen geneigt sind.
  • Wenn Sie den Flieger bereits mit Kopfhörern auf den Ohren betreten, nehmen Sie diese unter keinen Umständen ab. Warten Sie bitte solange, bis der Flugbegleiter sich über Ihre beiden Sitznachbarn gebeugt hat, um vor Ihrer Nase herumzufuchteln: Er möchte Ihnen einen Drink anbieten. Schauen Sie möglichst lang verständnislos und reagieren Sie bitte erst, wenn es gar nicht mehr anders geht.
  • Nehmen Sie sich alle Zeit der Welt, um Ihre Getränkewahl mehrmals zu überdenken und tun Sie möglicht überrascht, wenn der Flugbegleiter so unerwartet (siehe Kopfhörer) vor Ihnen auftaucht und Sie (Überraschung!) nach Ihren Wünschen fragt.  Lassen Sie sich tunlichst Zeit mit Ihrer Antwort und überlegen Sie auch ganz genau: Ham or Cheese?

  • Sprechen Sie bei all Ihren Bestellungen und Beschwerden möglichst leise und undeutlich, damit die Flugbegleiter öfter nachfragen müssen. Das unterstreicht Ihre alleinige Bedeutsamkeit an Bord ganz besonders. Womit wir auch wieder bei den Kopfhörern sind: Wie gesagt, bloß nicht abnehmen und weiterhin Verständnislosigkeit an den Tag legen. Danke.
  • Reden Sie dafür umso lauter am Smartphone, auch wenn bereits die Durchsage: „Schalten Sie Ihre Mobilgeräte auf Flugmodus“ durchgegeben wurde. Es sollen schließlich alle an Bord mitbekommen, dass Sie allein hier wirklich wichtig sind.
  • Ansonsten fühlen Sie sich einfach wie daheim: Werfen Sie gelesene Zeitschriften, benutzte Becher oder verschnuddelte Polster einfach auf den Boden. Verlangen Sie danach ein Bewertungsformular, um den vielen Müll an Bord zu monieren.
  • Versuchen Sie es so lange wie möglich  hinauszuzögern, Ihr übergroßes Handgepäck im Overhead Fach selbst zu verstauen. Öffnen Sie mehrmals und immer wieder mit ratlosem Gesichtsausdruck die Fächer über Ihnen, sortieren Sie kurzerhand selbst ein wenig um und lassen Sie entgegenfallende Dinge einfach fallen, die Schwerkraft will das so. Wo wären wir ohne Schwerkraft.
  • Denken Sie stets daran, dass sämtliche Flugbegleiter nur zu Ihrem persönlichen Wohlergehen an Bord sind. Ist doch eh ein Honiglecken, der Job in der Luft. Oder?

Mein ganz persönlicher Nachtrag

Ich habe schon viel gesehen  oder „mitbekommen“ an Bord – in den letzten 15 Jahren. Rangelnde Malediven Urlauber nachts in der Business Class, den Vordermann stundenlang absichtlich stoßende Akademiker und heulende Mitfliegende, deren Urlaubsbeginn durch fremde Mitreisende so gehörig vermasselt wurde. Anlassige, beleidigende, untergriffige und aggressive sowie herumbrüllende Flugpassagiere in 10 Kilometern Höhe, die die FlugbegleiterInnen massiv bedrohen und behindern. Aber auch dankbare Menschen, die nach einem medizinischen Notfall an Bord den Flieger heil verlassen haben – weil ein Arzt oder eine Krankenschwester oder ein Notfallsanitäter an Bord waren und weil die Flugbegleiter richtig reagiert haben.

Jedes Mal, wenn ich beim Aussteigen durch die Business Class gehe, staune ich über die das Chaos und die Verwüstung, die 30 Menschen hinterlassen können.

Der Dienst auf einer Langstrecke beginnt für die Flugbegleiter nicht erst dann, wenn wir einsteigen. Sondern in der Regel 2-3 Stunden vorher – diese Zeit ist unbezahlt. Sie werden erst bezahlt, wenn sich die Türen des Fliegers schließen. Der Arbeitsbeginn kann abends um 22 Uhr sein oder morgens um 4. Jede Woche, jedes Monat, jedes Jahr gibt es andere Dienstpläne mit ständig wechselnden Kollegen in Cockpit und Kabine. Wenn wir selbst morgens von Wien nach Berlin fliegen, können wir davon ausgehen, dass die diensthabenden Flugbegleiter noch drei (!) solcher Flüge an diesem Tag absolvieren müssen und nicht vor 22 Uhr abends den Airport verlassen werden. 4 Starts und 4 Landungen pro Arbeitstag – immer neue Gäste an Bord. Ein harter Job eigentlich.

Als Flugbegleiter fehlt man auch immer irgendwie: Man fehlt bei Familienfeiern, Jubiläen und runden Geburtstagen der Kinder, Eltern und Partner.  Man arbeitet nachts, am Wochenende und am Feiertag, hat Bereitschaft und wenn man endlich daheim bei der Familie ist, geht man erst mal schlafen.

Wer zeitlebens „Vollzeit“ fliegt, also kein Teilzeitmodell in Anspruch nimmt, der hat nach 30, 35 oder gar 40 Jahren in der Luft einiges erlebt. Wer 35 Jahre lang fliegt, hat mindestens 500 Mal die Erde umrundet, schläft 4-5 Jahre täglich in einem anderen Hotelbett und legt leicht mehr als 150.000 Kilometer zurück, um überhaupt erst mal zum Flughafen zu gelangen – wenn man in Wien wohnt. Eine Million Gäste werden dabei begrüßt und verabschiedet.

Doch wer solange geflogen ist, der kann sich auch keinen anderen Job vorstellen und hat es meist – trotz aller unserer Versuche, ihm oder ihr durch unsere Launen die Arbeit zu erschweren, gerne und mit großer Überzeugung und Liebe zum Job gemacht. Und vielen merkt man das bei der Arbeit auch an – zumindest bei der Airline, die ich meistens fliege.

 

 

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