Wenn mehrere Generationen unserer Familie gemeinsam nach Baden pilgern, dann ist Musical-Time angesagt! Broadway in Baden, das Sommernachtskonzert der Bühne Baden hatte es in sich. Die Stars: Maya Hakvoort, Ana Milva-Gomes, Drew Sarich und Moritz Mausser.

Inhaltsverzeichnis
Vier Musicalstars machen die Bühne Baden zum Broadway

Was passiert, wenn man vier der größten Stimmen der deutschsprachigen Musicalszene, ein historisches, österreichisches Stadttheater und eine heiße Sommernacht kombiniert?
Man bekommt „Broadway in Baden” – das erste große Sommernachtskonzert der Bühne Baden, live übertragen von ORF III.
Ich war am Vortag, am 15. August live vorort dabei.
Gänsehaut-Momente bei uns – im Alter von 13 bis 55 im Familienverband angereist – waren dabei vorprogrammiert. Dafür sorgten Maya Hakvoort, Ana Milva Gomes, Drew Sarich und Moritz Mausser, das Tanzensemble, der Chor, das Orchester innen im Theater und das Kindeensemble der Bühne Baden.
Die Kulisse ein Traum, der laue Sommerabend perfekt und die Begeisterung im Publikum spürbar: Broadway in Baden.
Broadway in Baden
Broadway in Baden ist das erste große Sommernachtskonzert der Bühne Baden, live übertragen von ORF III, mit vier Weltstars des Musicals am Theatervorplatz vor dem Stadttheater Baden.
- 📅Termine: 14., 15. und 16. August 2026, 19:30 Uhr.
- 🎤Cast: Maya Hakvoort, Ana Milva Gomes, Drew Sarich, Moritz Mausser.
- 🎭Ensemble: Chor, Tanzensemble und Kinderensemble der Bühne Baden.
- 📺TV: ORF III, „Das große Musical Open Air”, live-zeitversetzt am 16.8.
Baden: Vom Strandbad ins Theater
Baden ist eigentlich immer irgendwie in Feierlaune: Heuer feiert das Strandbad sein großes 100-Jahr-Jubiläum. Passend zum runden Geburtstag wurde kräftig investiert, damit das Bad auch für die nächsten 100 Jahre glänzt. Vormittags: Baden in Baden, Nachmittags: La Gacilly Ausstellung, abends ein stimmungsvolles Musical-Konzert. Was will man mehr? Achja, die Mondscheinkonzerte im Park.

🎤 Besetzung & Team: Broadway in Baden

Mein Leihrad für die Nachmittags-Erkundung stammte übrigens aus Badens eigenem Mobilitätspaket: Die Stadt hat ua. City-Bikes über die Wegfinder-App und mehreren Nextbike-Stationen. Damit kommt ich in wenigen Minuten vom Strandbad zum Theaterplatz und auch die La Gacilly Fotoausstellung in der ganzen Stadt verteilt, besichtigt sich bei der großen Hitze vom Rad aus bedeutend angenehmer.

At The Park Hotel
Modernes 4-Sterne-Haus direkt am Kurpark, mit Blick auf Casino Baden und Sommerarena.
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Musical Broadway in Baden: So war´s
Peter Fässlacher als Moderator eröffnete am Feiertag gleich zweimal ausgesprochen launig: Erst mal für das Publikum vorort als kleines Pre-Coaching, dann für die ORF-Übertragung, die als Notfallprogramm fungierte, falls die Live Sendung anderntags irgendwie ins Wasser fallen sollte. Fiel sie aber nicht. Er bestritt auch die Zwischenmoderationen mit “Kulturauftrag”, wie er selbst betonte und erwähnte Peter Weck, der CATS nach Wien brachte und erstmals mit Eigenproduktionen punkten konnte. Bis heute sei Österreich als Musicalland auch wegen dieser bekannt, so Fässlacher.
Musikalisch eröffnet wurde mit „Circle of Life” aus DER KÖNIG DER LÖWEN, die Solistinnen und Solisten plus Tanzensemble auf den Brettern vor dem Stadttheater. Das Orchester saß dabei unsichtbar fürs Publikum, im Theater selbst auf der Bühne. Eine interessante Herausforderung für das Bühnen-Ensemble, die alle perfekt meisterten.
Drew Sarich war diesmal mit roten statt schwarzen Fingernägeln (vielleicht gerade der Zaza auf der Seebühne Mörbisch geschuldet – Empfehlung!) unterwegs, Moritz Mausser als Kind der Stadt dafür mit schwarzen. Maya Hakvoort und Ana Milva Gomes durften traumhafte Damen-Roben im Wechsel präsentieren, während die Herren modetechnisch offenbar nicht von ihrem Gesang ablenken wollten. Alle vier Stars sorgten dafür, dass dieser Sommerabend der Bühne Baden. in Sachen Musical für alle etwas ganz besonderes war.

Vom König der Löwen bis Matilda
Nach dem furiosen Einstieg mit „Circle of Life” sang Hakvoort „Arme Seelen in Not” aus ARIELLE (ab Oktober 26 im Stadttheater Baden zu sehen), bevor es mit „Do Re Mi” aus THE SOUND OF MUSIC weiterging (Gomes, Mariella Hofbauer und das Kinderensemble). Das Stück war als Wiederaufnahme an der Bühne Baden im Juni und Juli 2026 am Spielplan, mit Katharina Gorgi als Maria und Lukas Perman als Kapitän von Trapp, Maya Hakvoort spielt darin die Mutter Oberin. Der Standard urteilte dazu: „Besser geht’s nicht.“
Dann wurde es schwungvoll: „I Got Life” und „Aquarius” aus HAIR, ein Musical, das ich selbst schon lange nicht mehr im Radar hatte. Umso netter, mit den Blumenkindern der Siebzigerjahre und einem superwassergrünen Kleid für Gomes’ Aquarius-Auftritt wieder in diese Ära einzutauchen.
Es folgten „Gold von den Sternen” (Gomes, MOZART!) und dann Achtung, jetzt wird’s persönlich, gleich zwei Nummern aus ELISABETH. „Der letzte Tanz” (der Tod, damals in den 1990ern von Uwe Kröger verkörpert, später von Mark Seibert, heute in Baden perfekt von Moritz Mausser interpretiert sowie Hakvoorts „Ich gehör’ nur mir”. Gekreische im Publikum, begeistertes – zu Recht.
Familieninterne Umfragen auf der Heimfahrt ergaben zudem ein deutliches Bild – drei Generationen Musicalfans befanden da: „Ich gehör’ nur mir” war das Highlight des Abends, auf Platz 1 im internen Ranking also.
Weiter ging’s mit Mausser solo bei „Rock Me Amadeus”: die Bewegungen aus seinen Falco-Auftritten im Ronacher hat er sich sichtlich bewahrt, das Tanzensemble hat die Choreografie perfekt ergänzt. Schade eigentlich, dass ich das damals in Wien nicht gesehen habe.

Danach das große MAMMA MIA!-Medley, bevor es zu LA CAGE AUX FOLLES überging, das ja gerade auf der Seebühne Mörbisch zu erleben ist, bei der Premiere war ich dabei. Sarich, der die Rolle der Zaza zuvor schon an der Volksoper mit Viktor Gernot gespielt hat, hatte „Die schönste Zeit ist heut'” und „Ich bin, was ich bin” eindeutig im kleinen Finger. Bei Letzterem gab es die ersten Standing Ovations, sollten an diesem Abend nicht die letzten bleiben.
Ein besonderer Moment vor der Pause: das Kinderensemble mit „Bald bin ich groß/Aufstand” aus MATILDA, choreografisch supernett. Das kam beim Publikum besonders gut an – und ich hatte den Eindruck, da wachsen schon die nächsten Maussers heran.
Nach der Pause: Vampire, Falco und Gänsehaut
Der zweite Teil startete mit voller Wucht, eingedenk des Originalsongs von Bonnie Tyler: „Totale Finsternis” aus TANZ DER VAMPIRE, sehr mitreißend.
Dann Hakvoort mit „Don’t Cry For Me Argentina” aus EVITA am Balkon des Stadttheaters Baden, das hätten sich Fellner und Helmer wohl nie träumen lassen. EVITA war übrigens das allererste Musical, das ich als Kind in Wien gesehen habe, eine legendäre Aufführung im Theater an der Wien. Seither hat mich das Musicalfieber nicht mehr losgelassen. In Baden war Hakvoort die Evita anno 2006.

Bei „One Night in Bangkok” aus CHESS wurde geschmunzelt im Publikum: Sarich performte mit Tanzensemble und Chor auf Deutsch und baute eine Anspielung auf seinen Kollegen Mark Seibert ein, der aktuell in Mörbisch den George in LA CAGE AUX FOLLES gibt: In Bangkok gibts die “Show, die alles hat, außer Mark Seibert”. Kam unter den Musical-Kennern am Platz besonders gut an.
Die beiden haben übrigens im Sommer 2025 gemeinsam CHESS an der Bühne Baden gespielt mit Sarich als Frederick Trumper, Seibert als Anatoly, Badener Erstaufführung, ich war auch da dabei.
Ein Lied gab es noch aus DEAR EVAN HANSEN: bei uns in Österreich kaum bekannt, während es in New York und London Kassenschlager war – dürfte aber 2027 nach Hamburg kommen. Bei uns in Österreich hatte das Stück erst im Frühling 2024 beim Musical Frühling in Gmunden seine deutschsprachige Erstaufführung.

Dann ging es zu den familienintern ebenfalls hochgeschätzten JESUS CHRIST SUPERSTAR-Melodien, die bei uns jeder auswendig in deutsch und englisch – sollte es jemals nötig sein – mitsingen kann und deswegen mit besonders hohen Erwartungen verbunden waren. Gomes’ „Herod´s Song” hatte ein paar kleine Wackler, war aber trotzdem sympathisch, am nächsten Tag in der ORF-Übertragung saß dann jede Note perfekt.
Sarichs „Gethsemane” war ein Selbstläufer, logischerweise mit Standing Ovations quittiert, er hat die Rolle des Jesus zur Osterzeit oft genug in Wien gespielt. Die, die ihn so noch nicht erlebt hatten: Offene Münder, Standing Ovations, Geklatsche – es ist wunderbar, unter lauter Gleichgesinnten im Sommertheater in Baden zu sitzen.
Zum Abschluss noch einmal Mausser und Sarich gemeinsam bei „Out of the Dark” aus ROCK ME AMADEUS mit purem Gänsehaut-Feeling. Das große Finale gehörte dann „Let the Sunshine In” aus HAIR, alle vier Musicalstars gemeinsam mit Tanzensemble und Chor: Hakvoort im Baden-grünen Kleid, Gomes im waldgrünen.

Peter Fässlacher verabschiedete sich, als Zugabe gab’s noch „Always Look on the Bright Side of Life” von Monty Python – ein sympathischer Rausschmeißer nach zwei Stunden geballter Musicalgeschichte – am Broadway von Baden.

Mein persönliches Fazit
Die Bühne Baden klotzt immer, sie kleckert nie. Bei der heurigen Programmvorstellung im Fasching war ich live dabei und alljährlich bin ich aufs Neue bass erstaunt, was hier jede Saison wieder auf die Beine gestellt wird. Wie viele Produktionen, die genialen Besetzungen, die Sonderformate und die neue Spielstätte des Max Reinhardt-Foyers. Und Broadway in Baden, da bin ich sicher, wird es wieder geben. Wir wollen mehr davon.
Spotted an der Bar: Den superfreundlichen Hausherrn Andreas Gergen und seinen Kollegen von den VBW, Christian Struppeck.
Kleiner Wermutstropfen, meine Meinung: Die Sitze waren für diese Tropenhitze viel zu eng zusammengeschnallt, und anfangs roch es etwas streng – nein, leider nicht nach Schwefel.
Und welche Nummern schafften es in unserem familieninternen Ranking auf die Plätze 2 und 3? Gethsemane und One Night in Bangkok – die alten Hadern :-) mit Sonderpreis für die FALCO Performances und das KinderEnsemble.

Noch mehr Bühne in Baden
Mein Bericht von „Der Kuss der Spinnenfrau” zeigt, dass das Haus auch schwerere Kost kann. Wer so wie ich vor dem Theater nochBaden erkunden will, findet in meiner Überlandpartie nach Baden Tipps zu Kurpark, Sommertheater und Thermalquellen, und unser City Dog Walk durch Baden führt direkt am Stadttheater vorbeiführt.
Wer’s noch genauer wissen will: „Hunde willkommen” in Baden bei Wien zeigt die Kurstadt auf vier Pfoten, und auf Spurensuche bei den Villen von Baden taucht man tief in die Sommerfrische-Geschichte der Stadt ein. Übernachten lässt es sich dabei stilvoll im Herzoghof direkt am Kurpark oder im At The Park – beide mit Blick aufs Casino Baden und nur einen Katzensprung vom Theaterplatz entfernt.
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Jugendstil-Boutiquehotel von 1910, direkt gegenüber Casino Baden und Kurpark – nur wenige Gehminuten vom Theaterplatz entfernt.
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Das Stadttheater Baden: Ein Fellner-und-Helmer-Bau at it´s best
Dass ausgerechnet dieser Theatervorplatz zum Broadway wurde, hat seinen eigenen Reiz – denn das Stadttheater Baden selbst ist schon eine Geschichte für sich. Die Theatertradition hier reicht bis ins Jahr 1716 zurück, 1775 baute die Stadt hier ihr erstes Theatergebäude.
Das heutige Haus stammt vom berühmten Architekten-Duo Fellner & Helmer, das mit über vierzig Theaterbauten quer durch die Donaumonarchie und weit darüber hinaus (Zürich, Berlin) Maßstäbe gesetzt hat. Von ihren Bauten kann ich nicht genug bekommen, ob in Bratislava oder Brünn, in Torun in Polen oder am Semmering – soviel Zeit muss bei jedem Citytrip sein.

Der Bau begann am 14. September 1908 und war bereits am 2. Oktober 1909 fertig – eine für damalige Verhältnisse rekordverdächtige Bauzeit von nur zehn Monaten, wofür Fellner und Helmer sogar eine Ehrenplakette erhielten. Zur Eröffnung spielte man Beethovens „Weihe des Hauses” (in Baden komponiert), die Belehnungsszene aus Grillparzers „König Ottokars Glück und Ende” sowie die „Fledermaus”. Der Jugendstil-Saal fasste ursprünglich 816 Plätze, heute bietet er 744 Sitzplätze.


Schmuckkasterl Sommerarena im Kurpark
Ein paar Gehminuten weiter, mitten im Kurpark, steht mit der Sommerarena die zweite Spielstätte der Bühne Baden. 1841 ließ Theaterdirektor Franz Pokorny hier die erste Sommerarena errichten, einen Holzbau ohne Dach. Um das Theater wetterunabhängig zu machen, beschloss der Gemeinderat 1905/1906 einen festen Bau. Heute gibt es ein verschiebbares Glasdach, das echtes Freiluft-Feeling mit Wetterschutz kombiniert. Während der NS-Zeit war die Sommerarena ab 1939 geschlossen, auch in den Wirren der Nachkriegszeit blieb sie bis 1957 unbespielbar. Von Herbst 2021 bis Frühsommer 2023 wurde sie einer umfassenden Sanierung unterzogen und erstrahlt seither in neuem Glanz.

HINWEIS: Mir wurde von der Bühne Baden ein Presseticket zur Verfügung gestellt.
RECHERCHE: Wikipedia, Bühne Baden, musicalzentrale.de
