TOSCA in der Oper im Steinbruch: Kanonendonner und Gänsehaut

PREMIERENBERICHT

by Angelika Mandler-Saul

30 Jahre Oper im Steinbruch und mittendrin in diesem Jubiläumsjahr eines der größten Meisterwerke der Opernliteratur: Giacomo Puccinis TOSCA is back nach der gefeierten Produktion von 2015.

kathedrale bühnenbild Tosca Oper im Steinbruch
wenn sich die Kathedrale öffnet, einfach nur WOW

TOSCA: Mein Premierenbericht

programmheft tosca oper im stenbruch

Mit Kanonendonner startete diese meine Premiere am 15. Juli 2026 von TOSCA in der Oper im Steinbruch in St. Margarethen.

Angereist sind wir – wie so gerne beim Sommertheater – auch hier mit dem Campervan, Unsere Basis war der Campingplatz in Mörbisch, denn tags darauf stand dort gleich die nächste Premiere an: „La Cage aux Folles” auf der Seebühne.

Zwei musikalische Abende in fantastischer Kulisse binnen 24 Stunden am Neusiedler See, geht es kulturtechnisch eigentlich noch besser? Für mich nicht…

🎭 DAS WICHTIGSTE ZUERST

Tosca im Steinbruch St. Margarethen 2026

📅 Premiere war am 15. Juli 2026, weitere Vorstellungen bis 22. August 2026, insgesamt 24 Termine.
🎬 Regie und Bühnenbild: Thaddeus Strassberger, musikalische Leitung: Valerio Galli.
💶 Tickets zwischen 29 und 185 Euro, Dauer ca. 2 Std. 45 Min. inkl. Pause.
🔮 2027 folgt Verdis „Rigoletto” mit Frühbucherbonus bis 15. Oktober 2026.

Brütend heiß war sie, die Anreise. Schon knapp nach 6 Uhr abends schlich die Autoschlange Richtung Parkplatz Einfahrt, aber alles war bestens organisiert. Und es ging dann auch wirklich schnell, kein Grund zum Jammern. Riesige Parkplätze, viele EinweiserInnen, dann der Marsch zum Eingang, wahlweise über die schönen Treppen oder im Zickzack hinab in den Foyerpark.

Der war zu dieser Stunde bereits gut gefüllt und die Stimmung war wahrlich bestens, laut und ein bisschen mit Bräustüblcharakter – nur mit besserer Garderobe und Wein statt Bier. Die Bars nannten sich “Rigoletto” oder “Aida” und der Opernwein von Esterházy war selbstverständlich mundend (ein Achterl 5 Euro).

Man merkt einer Premiere im Steinbruch an, dass hier ein eingespieltes Team seit drei Jahrzehnten weiß, wie man 5.000 Menschen an einem Abend bewegt, ohne dass es hektisch wirkt.

TOSCA Bühnenbild Oper im Steinbruch
noch sieht es vergleichsweise harmlos aus, das Bühnenbild von TOSCA

Die Promidichte war zur Premiere entsprechend hoch: Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil, Ex-Bundeskanzler Alexander Schallenberg, Esterházy-Vorstandsvorsitzender Stefan Ottrubay, Franz Patay, Landesrätin Daniela Winkler, ÖNB-Gouverneur Martin Kocher, die beiden weiteren Esterházy-Vorstände Matthias Grün und Michael Gröschl, dazu Danielle Spera, Konstanze Breitebner und Kurt Mann. Auch Alfons Haider war da, tags darauf selbst als „Zaza” in Mörbisch auf der Bühne, ebenso gesichtet: Ellmayer, Franz Posch, Christa Kummer, Maggie Entenfellner und Clemens Unterreiner, Intendant der Oper Burg Gars, wo ich selbst schon bei der „Aida”-Premiere war. Die meisten der VIP Gäste waren anderntags dann wieder bei der Seebühne Mörbisch zu Gast.

Bin zwar eher Theatergeherin, aber die Oper im Steinbruch ist was Besonderes

Worum geht’s in TOSCA?

Puccinis Drama erzählt von der Opernsängerin Floria Tosca und ihrem Geliebten, dem Maler Mario Cavaradossi, deren Lieb e durch politische Verfolgung und die skrupellosen Machenschaften des Polizeichefs Scarpia zu Zeiten Napoleons (1800) auf eine harte Probe gestellt wird. Als Cavaradossi dem politischen Gefangenen Angelotti Unterschlupf gewährt, nutzt Scarpia das aus und stellt Tosca vor die Wahl: eine Nacht mit ihr oder Cavaradossis Leben. Rom um 1800, zur Zeit der napoleonischen Kriege, ist der Schauplatz dieser 24 Stunden zwischen Liebe, Machtmissbrauch und Verzweiflung, verbunden zu einem packenden Musikdrama aus Leidenschaft, politischer Intrige, Sex, Mord und/oder Notwehr.

ÜBERNACHTEN

Schlafen rund um die Oper im Steinbruch

Direkt in St. Margarethen wartet zum Beispiel das Hotel Zachs, nur 5 Autominuten vom Steinbruch. Auch Rust und Mörbisch am See liegen in Fahrdistanz und bieten reichlich Auswahl von der Weinstube bis zum Seehotel.

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Bühnenbild und Inszenierung TOSCA: Rom in Trümmern

Regie und Bühnenbild lagen erneut in den Händen von Thaddeus Strassberger, der bereits die Steinbruch-Produktionen „Turandot” (2021) und „Aida” (2024) verantwortet hatte. Wer seine Arbeiten kennt, weiß, dass auf seinen Bühnen immer viel in Bewegung ist, und auch bei TOSCA hält er sich daran: Ein schwingender Weihrauchkessel sorgte während der Premiere für Staunen im Publikum, dazu das imposante Kirchenportal der Basilika Sant’ Andrea della Valle, das zum eigentlichen Mittelpunkt des Bühnengeschehens wird. Monumentale Momente, wie ich finde, wenn sich dieses Portal mehrmals öffnet: Einfach nur üppiger Prunk, irre beeindruckend.

Die Engelsburg kommt in dieser Fassung gar nicht vor, aber der Auftakt hat es dafür in sich: eine Attacke mit Kanonenkugeln und gewaltigen Feuerwerksexplosionen, bevor sich das Heiligtum öffnet, draußen alles zerbombt, drinnen opulente Schönheit.

Inspiriert vom Barock, deswegen auch prunkige Kostüme und hohe Perücken für die Statistinnen auf der Bühne. Dazu ein Lichtdesign, das seinesgleichen sucht. Verantwortlich dafür zeichnet Driscoll Otto, der mit Licht und Schatten genau jene barocke Spannung zwischen religiöser Pracht und politischer Bedrohung erzeugte, die auf uns Nicht-Opernkenner doch sehr beeindruckend wirkte. Dazu kamen 271 Kostüme aus einer Mailänder Werkstatt, entworfen von Giuseppe Palella.

Ein kleines Detail übrigens, das Puccini-Fans zu schätzen wissen: Der Komponist wollte für die Morgengrauen-Szene im dritten Akt möglichst wahrheitsgetreue Kirchenglocken hören und ließ sich seinerzeit genau notieren, welche Glocken der Kirchen rund um die Engelsburg zu jener Stunde tatsächlich läuten. Besonders das tiefe E der nahen Peterskirche sollte dabei herausklingen, eine akustische Detailverliebtheit, die in der Partitur bis heute weiterlebt (Quelle: Programm).

Internationale Besetzung und Musik TOSCA

Hier im UNESCO Welterbe Neusiedler See/Fertö, wozu auch der Steinbruch gehört, will man gewohnt Oper auf internationalem Spitzenniveau bringen und das ist einmal mehr gelungen. Sogar mich hat diese TOSCA abgeholt…

🎭
Besetzung der Premiere
„Tosca”, 15. Juli 2026, Oper im Steinbruch St. Margarethen
🎤 Joyce El-Khoury als Tosca – Steinbruch-Veteranin (2023 schon als Carmen zu erleben), enorme Bühnenpräsenz bis in die letzte Reihe.
🎶 Yongzhao Yu als Cavaradossi – Österreichdebüt, Steigerung im Lauf des Abends bis zum „E lucevan le stelle”.
🗡️ Gevorg Hakobyan als Scarpia – kernig, tief grundiert, ein sehr profunder Bösewicht.
🎭 Volodymyr Morozov, Ivan Zinoviev, Peter Kirk als Angelotti, Sakristan/Sciarrone und Spoletta – tragende Nebenrollen im 250-köpfigen Ensemble.
🎼 Valerio Galli am Pult des Piedra Festivalorchesters, mit Philharmonia Chor Wien und Kinderchor Gumpoldskirchner Spatzen.
Höhepunkte des Abends: Cavaradossis „E lucevan le stelle” im dritten Akt, Toscas „Vissi d’arte” im zweiten – dazwischen ein kurzer Regenguss nach der Pause, der die Stimmung nicht trübte. Rund 5.000 Besucher:innen feierten am Ende mit langanhaltendem Applaus.

Kurz nach der Pause zog ein Regenguss durch, wir blieben davon aber unbeeindruckt. Immer wieder wurde über Lautsprecher an den straffen Zeitplan erinnert, live-zeitversetzt lief die Premiere schließlich auf ORF III.

Der Steinbruch: Geschichte in Stein

Der Römersteinbruch St. Margarethen zählt zu den ältesten und größten Werksteinbrüchen Europas. Geologisch entstand der Kalksandstein aus Lagunenablagerungen des Paratethys-Meeres, das sich vor rund 14 Millionen Jahren bis ins Wiener Becken erstreckte. Seine Konsistenz wussten schon die Römer zu schätzen, die den Stein vor rund 2.000 Jahren für die Siedlung Carnuntum abbauten. Aus St. Margarethener Sandstein entstanden Teile des Wiener Stephansdoms, die Karlskirche und zahlreiche Prachtbauten der Wiener Ringstraße.

steinbruch st. margarethen
der Steinbruch heute in der Abendsonne als Kultur Location

Im 17. Jahrhundert kam der Steinbruch gemeinsam mit der Herrschaft Eisenstadt in den Besitz der Familie Esterházy, die bis heute für Erhalt und Pflege verantwortlich zeichnet. Dass hier überhaupt große Oper gespielt wird, geht auf eine Idee von Harald Serafin zurück, dem langjährigen Intendanten der Operette Mörbisch, umgesetzt hat sie schließlich Manfred Waba – lt. Programmheft mit Hilfe von Marcel Prawy. 2006 folgte unter der Stiftung Esterházy ein umfassender Ausbau: Zwei in Stein gehauene Arenen prägen das Areal bis heute, die große Piedra-Bühne mit rund 7.000 Quadratmetern und bis zu 5.000 Plätzen, sowie die kleinere Ruffini-Bühne mit bis zu 2.200 Plätzen. Seit 2014 liegt die Verantwortung für die Oper im Steinbruch bei den Esterházy Privatstiftungen, seit 2001 zählt die Region gemeinsam mit dem Neusiedler See zudem zum UNESCO-Weltkulturerbe Fertő/Neusiedler See.

Deckname Sandstein

Wo Österreich, wo Kultur, da auch Geschichte und Vergangenheit. Und die ist nicht immer schön, aber sie ist da. Im 2. Weltkrieg wurde der Steinbruch St. Margarethen zum Schauplatz von Kriegsverbrechen: Ab Herbst 1944 mussten tausende ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter beim Bau des sogenannten Südostwalls hier schuften. Am 29. und 30. März 1945, nur wenige Wochen vor Kriegsende, exekutierten SA- und SS-Männer im Steinbruch mehrere Dutzend jüdische Zwangsarbeiter, manche wurden von der Steinbruchkante in die Tiefe gestoßen. Am Friedhof von St. Margarethen erinnert bis heute ein Denkmal an die Opfer des Südostwall-Baus. Angeblich soll es auch ein unterirdisches Stollenprojekt namens Sandstein gegeben haben.

Es ist ein Teil der lokalen Ortsgeschichte, der beim Opernerlebnis leicht in Vergessenheit gerät, der aber dazugehört, wenn man diesen Platz verstehen will.

Naturerbe St. Margarethen

Auf der kargen Trockenrasen-Hochebene rundum wachsen seltene Pflanzen wie Frühlings-Adonisröschen, Pannonischer Goldlack oder Diptam, gebrütet wird hier unter anderem vom Wiedehopf und der Nachtigall. Seit 2025 sorgt ein mehrjähriges Beweidungskonzept mit Angusrindern vom Bio-Landgut Esterházy Donnerskirchen dafür, dass die einst durch Hutweide offen gehaltene Fläche nicht verbuscht.

Seit einiger Zeit sind deswegen auch die Abschluss-Feuerwerke nach der Vorstellung nicht mehr erlaubt, was ich für eine Region wie hier mit UNESCO-Welterbestatus und Naturpark für absolut richtig und notwendig halte.

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Ich war schon einmal bei einer Vorpremiere in der Oper im Steinbruch, das ist allerdings schon einige Jahre her. Stichwort: “Wir waren bei Rigoletto!” und das sogar mit einem kleinen Video von der Vorpremiere damals – eine Führung durften wir durch die Kulissen auch machen. Schon damals: Mehr als beeindruckende Licht-Effekte mit loderndem Feuer.

Umso schöner, jetzt wieder mit einer solch beeindruckenden Premiere zurückzukommen, diesmal mit dem eigenen Campervan direkt vom Neusiedler See aus.

Bühnenbild Tosca Oper im Steinbruch
In der Pause kann man sich das Bühnenbild von ganz vorne besehen

TOSCA in der Oper im Steinbruch 2026 Fakten

🎟️ Tosca im Steinbruch: Eckdaten
🎭 Premiere: 15. Juli 2026
📅 Spielzeit: bis 22. August 2026, 24 Vorstellungen
☀️ Termine Juli: 16., 17., 18., 23., 24., 25., 26., 29., 30., 31.
🌾 Termine August: 1., 5., 6., 7., 8., 13., 14., 15., 16., 19., 20., 21., 22.
🕗 Beginn: Juli 20:30 Uhr (Einlass 18:30), August 20:00 Uhr (Einlass 18:00)
⏱️ Dauer: ca. 2 Std. 45 Min. inkl. Pause
💶 Preise: € 29 bis € 185
☎️ Tickets: pan.event, T +43 2682 65 0 65, tickets@panevent.at
🔮 2027: Verdis „Rigoletto”, 14.7.–22.8., Frühbucherbonus 20% bis 15.10.2026

Mein Fazit

angelika mandler saul bei tosca oper im steinbruch

Bühnenbild und Lichtdesign wirken lange nach! Der Ort selbst ist so speziell, dass das Spiel mit dem Licht für mich einer der Höhepunkte des Abends war. Die “story” selbst war kurzweilig, spannend und auch für Nicht-OpernkennerInnen mitreißend und interessant.

Ein lohnender Opernabend in grandioser Kulisse bei guter Verpflegung, wie es einem österreichischen Sommertheater im Burgenland wohlansteht. Das Programmheft ist sehr interessant, launig und besonders gut kuratiert.

HINWEIS: Ich habe für die Premiere zwei Pressekarten erhalten, um darüber berichten zu können.

❓ Häufige Fragen: Tosca im Steinbruch St. Margarethen

Wie lange läuft Tosca im Steinbruch St. Margarethen noch?

Die Vorstellungen laufen noch bis 22. August 2026, insgesamt stehen 24 Termine auf dem Programm.

Was kosten Tickets für Tosca im Steinbruch?

Die Preise liegen zwischen 29 und 185 Euro, buchbar über pan.event oder operimsteinbruch.at.

Wie lange dauert die Aufführung von Tosca?

Rund 2 Stunden 45 Minuten inklusive einer Pause.

Wer singt in der Premierenbesetzung von Tosca 2026?

Joyce El-Khoury als Tosca, Yongzhao Yu als Cavaradossi und Gevorg Hakobyan als Scarpia, unter der musikalischen Leitung von Valerio Galli.

Was kommt 2027 in der Oper im Steinbruch?

Giuseppe Verdis „Rigoletto”, vom 14. Juli bis 22. August 2027. Wer bis 15. Oktober 2026 bucht, bekommt 20 Prozent Frühbucherbonus.

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