Gastein hat wieder Saison: Sommer.Frische.Kunst.

Über Gastein ist schon viel geschrieben worden – auch auf diesem Blog.  Aber es tut sich dort ja auch was. Jedes Mal ein bisserl mehr. Diesmal:  sommer.frische.kunst, das Hotel Regina und die neue Rudolfshöhe. Wird man sich alles merken müssen. 

Das Café Kraftwerk direkt am Wasserfall (where else), das kenn´ich ja schon. Und warum es damals vom Otto Wagner-Schüler Führich überhaupt geplant wurde, weiß ich auch:

Weil die Gäste auf Kur in Gastein soviel Strom verbrauchten, dass man einfach ein neues E-Werk benötigte. Die erste Straßenbeleuchtung hatte es schon 1876 gegeben, aber das reichte natürlich nicht lange: Auch die Hotels und die Straßen sollten ordentlich und mondän ausgeleuchtet werden, schließlich hatte man auch mondäne Gäste zu begrüßen.

Der hintere Teil des Kraftwerks mit dem Café ist noch ganz original vorhanden – die seit 2016 als Außenbereich gestaltete Terrasse ist wohl die lauteste in Österreich. Aber auch die gesündeste – dieses Wasserfall-Wasser!

Es rauscht, es schießt herunter, es sprudelt, es macht gesund, es ionisiert und es macht einfach froh, hier zu stehen und zu schauen. Egal, bei welchem Wetter. Zurück zum Kraftwerksgebäude: Drinnen wohnten vor 100 Jahren die Angestellten mit ihren Familien, heute (2018) begrüßen uns auch die Bewohner, aber nur die temporären.

Junge Künstler im alten Kraftwerk – das passt hervorragend zu Gastein und seiner Geschichte! 

Das internationale Stipendium-Programm „Kunstresidenz“ bringt junge Künstler hier in das Kraftwerk und sie machen die Räume zu ihren Spielräumen, Kunsträumen und Arbeitsräumen. Mit Blick auf die „heiligen“ Radon-Quellen, das sprudelnde Nass und das schöne, alte Stiegenhaus. Alle Werke werden dann am Art Festival Weekend offiziell präsentiert und befeiert – das ganze Wochenende lang.

 

Das 9. sommer.frische.kunst Festival 2018 in Bad Gastein

Kunst und Künstler gibt es hier sommers während des Festivals allerorten – nicht nur im Kraftwerk. Auch in den Hotels, auf den Promenaden, in den traurig verlassenen einst hochmondänen Gästehäusern und Hotels, in den Schaukästen der Wiener Juweliere in ihren ehemaligen Gasteiner Niederlassungen. Im Quellpark, in den Galerien auf der Kaiser Wilhelm Promenade und in div. Installationen auf der Gasse quasi.

Solange noch nicht alle Hotels wieder finanziell wachgeküsst worden sind und boomen wie das Miramonte, das Haus Hirt oder so gebucht sind wie die Kurhotels Wetzlgut, der Bärenhof oder das Badehospiz – solange kann man den öffentlichen Raum gerne mit Kunst füllen – meine Meinung. Und danach auch noch.

Wer selbst Künstler auf Zeit sein will, der macht einfach mit bei der sommer.frische.kunst und bucht sich in die Workshops ein. Auf die Künstler trifft man im Ort ohnehin auf Schritt und Tritt. Beim Café auf der Promenade, beim Abendessen im künstleraffinen Hotel Regina oder danach an der Bar oder auf der Terrasse.

Hund an Kunst im Kraftwerk Gastein.
Ein Stipendiat: Naneci Yurdagul

Die Künstler, die Politiker, die Gäste – Gastein in historischen Spaziergängen

Zwischen den beiden Weltkriegen war Gastein ein Hot Spot der Hochkultur, auch und vor allem der jüdischen Künstler aus aller Welt. Klimt, Mann, Zweig kurten und urlaubten hier (aber auch im beliebten Marienbad). Nach dem Krieg war es ein Lager für „displaced persons“ und aus Osteuropa vertriebene Juden und von den Amerikanern besetzt. Die riesigen und einstmals begehrten Prunkhotels aus der Kaiserzeit waren veraltet, leer, zerstört. Doch die FIS Rennen, die internationalen Besucher und das radonhältige Thermalwasser (Leset meine Geschichten aus dem heilenden Gasteiner Heilstollen) ließen Gastein u.a. als „Monte Carlo der Alpen“ wieder auferstehen – auch als Kongressdestination. Für den (in heutigen Worten unfassbar hässlichen, aber damals hochmodernen) Kongressbau ließ man die wunderbare Wandelbahn schleifen, seit 2007 steht der preisgekrönte Betonbau mit dem Raumschiff-Flair leer und ist eigentlich nur noch eins: Ein Schandfleck, mit Verlaub.

Auch das legendäre Hotel Straubinger (hier wohnten Franz und Sissi) und das gegenüber liegende wunderschöne Badeschloss (Kaiser Wilhelm wohnte hier) mit der Dependance des Wiener Juwelier Hügler harren der Renovierung (Ich sage nur: „Der Fall Duval“). Bis sich Gastein vollkommen neu erfunden, aufgestellt und positioniert hat, dürfen die Künstler alljährlich die einst mondänen Locations bespielen – das ist das Gute daran. Wegbereiter und Vordenker für ein neues, chilliges und hippes Gastein (angeblich ja eine Außenstelle von Berlin Mitte) sind u.a. Miramonte Besitzer Ike Ikrath – aber auch Olaf Krohne (jetzt Hotel Regina, früher mit dabei beim Miramonte) und die beiden Waldhaus Rudolfshöhe – Wachküsser Jan und Stefan. 

Tipp: Waldhaus Rudolfshöhe

Es war ein Ausflugsgasthaus und das einige hundert Jahre lang. Es hatte eine resolute Wirtin, die zwar gut kochte aber nicht unbedingt auch ein Ausbund an kommunikativer Freundlichkeit gewesen sein soll. Jetzt kommen sogar die Einheimischen hier rauf zum Jausnen, Plaudern und Trinken – weil´s gar so schön geworden ist. 

Dank der beiden Berliner, die das Haus nach kurzer Bedenkzeit übernommen haben: Viel haben sie entrümpelt, einiges dazugebastelt und viel ist noch geplant. Eine Oase ist der Garten für die Hausgäste, stimmig der neue Pavillon und die Sonnenterrasse mit den Köstlichkeiten ist viel mehr, als man sich von einem Ausflugsziel erwarten kann. Es gibt vier Gästezimmer, die höchstpersönlich eingerichtet sind, sogar mit Büchern aus Jan´s Kindheit – Wiedererkennungswert hoch! Wir kommen bald – Hunde erlaubt!

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Tipp: Hotel Regina

Die Website des Regina ist so ultramodern, dass es schon wieder anstrengend ist. Aber das Haus selbst ist es gar nicht: Im Gegenteil, da geht es gemütlich ab. Und stylish ist es auch – mit einem Touch von vornehmer Schäbigkeit (klingt nicht so cool wie „shabby“, gelt?). Und immer scheint auch ein Dalmatiner eine Rolle zu spielen in diesem Jahrhundertwendehaus, das mich im Entrée ein wenig an ein Mini-Panhans erinnert. Baby-Dalmi Scout sitzt mit Hundefreund in der Rezeption, während wir einchecken. Alles easy hier.

Besitzer Olaf Krohne kam über das Grand Hotel de l´Europe und das Miramonte in seine Regina. Und eine Bar in Sportgastein (original Garstenauer – siehe Kongresshaus) hat er jetzt auch. Das private Kino im Hotel mit 16 Plätzen ist entzückend, vielleicht funktioniert deshalb das TV-Gerät in meinem Deluxe Zimmer nicht – aber der Wasserfall reicht ohnehin.  Der Ausblick aus den mannshohen Fensterfronten ist Atem beraubend: Gastein und Graukogel auf einen Blick. Das Zimmer hat einen schnuckeligen Balkon (Als Balkonpflanzen fungieren hier Föhren) und ein Mini-Spa gibt es auch.

Und weil hier schon beim Empfang die Vierbeiner ein- und ausgehen, sind natürlich Hunde hier auch gern gesehene Gäste – und übernachten sogar gratis. Während des sommer.frische.kunst Festivals ist das Regina das Künstlerhotel – die „Artists in residence“ wohnen hier.

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HINWEIS: Ich wurde von Gastein und dem Hotel Regina in Zusammenarbeit mit Salzburger Land Tourismus zu dieser Pressereise „Kunst und Kultur“ eingeladen.

Gleich WEITERLESEN über Gastein:

 

Recherchen: derstandard.at, Museum Gastein, Presseunterlagen

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