Noch eine Nacht im Kloster: Im Stift Lilienfeld.

Es ist das größte mittelalterliche Klöster Österreichs und jeder, der möchte, kann hier nächtigen: Man muss dazu kein Pilger sein. Eine Nacht im Stift Lilienfeld inkl. Ausflug auf den Muckenkogel. 

   

Was ist das Wichtigste an einem Kloster? Was ist lange vor der Kirche und den Mönchen da? Das Wasser.

Das Wasser?

Jedes Zisterzienserstift (Reformkloster der Benediktiner) folgt dem gleichen Bauplan und wo kein Wasser, da kein Kloster. Das erklärt uns gleich zu Beginn unseres Besuches im Stift Lilienfeld nahe der Traisen im Mostviertel der gut gelaunte Abt Matthäus Nimmervoll anhand des Grundrisses „seines Klosters“.

Das Wasser, dann der Brunnen und danach erst folgt der Kreuzgang und sämtliche Wohn- und Arbeitsräume der Mönche und Laienbrüder.

Wir befinden uns in der größten Kirche Niederösterreichs, in der Anfang des 19. Jahrhunderts Ladislaus Pyrker Abt war. Wer das ist? Wir kennen ihn aus Gastein! Die Villa Pyrker in Bad Hofgastein aus dem Jahre 1832 existiert heute noch als Therapiezentrum und jeder Kurgast (so auch ich, siehe: „Gasteiner Heilstollen Reloaded“ ) kennt den Spazierweg zur Pyrkerhöhe.

Der spätere Erzbischof, Menschenfreund und Vordenker zeichnet verantwortlich für die erste über 7 Kilometer lange Zuleitung des Thermalwassers von den Gasteiner Quellen nach Bad Hofgastein. Bis dahin war das heilende, radonhältige Thermalwasser mit Pferdefuhrwerken hinunter gekarrt worden. Aber zurück nach Lilienfeld, wo er auch die Gemäldegalerie begründete.

Im Cellarium – aufgeregte Reisebloggerin im tiefsten Mittelalter.

 

Der Abt führt uns in die barocke Bibliothek, später sehen wir das beeindruckende mittelalterliche Cellarium (der Keller als Lager für allerlei im Mittelalter quasi, der heute für Events genutzt wird). Der Kreuzgang ist wie immer, neben der Bibliothek, der auf- und anregendste Teil eines Klosters für mich. 

Auch der ehemalige Schlafsaal der Laienbrüder, den wir durchqueren müssen, um zu unseren Zimmerchen zu gelangen, wird für Events genutzt. Von hier führen auch die Via Sacra und der Traisental Radweg nach Mariazell und im Sommer findet hier die Sommerakademie Lilienfeld statt – auch hier: Ein Kloster, das mitten im Leben steht.

Auch wegen des Gymnasiums, das in den Räumlichkeiten eingemietet ist und für ordentlich frischen Wind sorgt, wie mir scheint. 

Ganz etwas Besonderes für mich: Wir dürfen im Archiv Frau Dr. Irene Rabl über die Schulter schauen und ein paar ihrer Schätze begutachten.  Sie ist die wissenschaftliche Herrin über 1500 Originalurkunden  (digitalisiert und online abrufbar auf MONASTERIUM), historische Bücher und Akten des Stiftsarchivs und zeigt uns ein Originaldokument Maria Theresias mit ihrer Unterschrift (1743) sowie eine der ältesten mittelalterlichen Handschriften des Stifts – eine Heiligengeschichte, reicht verziert. Auch eine Papsturkunde auf Pergament mit Bleisiegel aus dem Jahre 1222 – alles liegt vor uns – unsere eigene Geschichte aus fast 1000 Jahren, fast wie neu. Einer der vielen Schätze, die in Österreichs Klöstern wohlverwahrt liegen, ein riesiges Wissen.

Ich beziehe mein Gästezimmer entlang der vielen Gänge der großen Klosteranlage. Hintaus sieht man zum ehemaligen Gutshaus aus einer Zeit, als die Mönche quasi noch Selbstversorger waren und hinauf zum Muckenkogel. Als waldreichster Bezirk Mitteleuropas liegt Lilienfeld und damit auch das Stift natürlich mitten im Grünen, im Forst, im Wald. Zum Stift gehören auch noch 10 Kilometer Fließgewässer, wie etwa die Traisen, die Triesting und die Lassnitz. Die Tore stehen auch hier für Gäste offen – nach einer der Benediktinerregeln, wonach in einem Kloster immer auch Gäste sein dürfen, ja sollen. 

Mein Zimmer ist groß, etwas „retro“ eingerichtet, dafür mit eigenem Bad und WC. Um das riesige Fenster zu öffnen, muss man erst mal raufklettern. Vor dem Fenster rauscht der Fluss und neben dem großen Schreibtisch steht ein alter Minerva Radio – und: Er funktioniert! Das Bett knarrt, der Fluss rauscht und ich höre ein schönes Abendkonzert im Radio.

Eine Nacht im Kloster – irgendwas nehme ich immer mit. Wie gesagt: Man muss dazu kein Pilger sein. 

Ausflugstipp: Rauf auf den Muckenkogel mit einem der letzten Einzelsessler und dort in die „Klosteralm“ einkehren!

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HINWEIS: Ich wurde von Klösterreich und vom Stift Lilienfeld eingeladen, eine Nacht als Gast im Kloster zu verbringen.

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