Ein Spaziergang vom hochsommerlichen St. Gilgen am Wolfgangsee in die Fürbergbucht zum Ochsenkreuz. Flanieren, Wandern, Baden, Sommerfrischeln und die „Hölle am See“.

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Der Wolfgangsee vom Wanderweg über dem Ochsenkreuz aus gesehen

…dass er so schön ist?

Eigentlich hieß er ja Abersee. Zum Wolfgangsee wurde er „erst“ um 1300, weil er da zur Pilgerstätte und nach dem Hl. St. Wolfgang benannt wurde. Heute ist der Wolfgangsee der Inbegriff des Salzkammerguts, der See selbst liegt sowohl in Salzburg als auch in Oberösterreich. Man urlaubt in Strobl, St. Wolfgang itself oder St. Gilgen. Dampft rauf auf den Schafberg zur 13-Seen-Aussicht, gondelt das Zwölferhorn hoch oder erkundet die Panoramastraße der Postalm. Begehrte Foto-Spots sind der Brunnwinkl, das Weiße Rössl, der Falkenstein, das Ochsen- und das Hochzeitskreuz im türkisgrünen Seewasser und natürlich der Bürgl-Panoramasteg am Felsen entlang.

parkplatz gamsjaga am wolfgangsee
Parkplatz Gamsjaga

„Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein“ – und ganz besonders immer schon rund um den Wolfgangsee: Dazu hat natürlich unweigerlich die Operette „Im Weißen Rössl am Wolfgangsee“ mit diesem und anderen Gassenhauern beigetragen. Verfasst wurde es 1930 von Ralph Benatzky – nach einem Berliner Singspiel – in der legendären und sehenswerten Villa Blumenthal, die bei Bad Ischl steht (und auf der Weltausstellung 1893 in Chicago „vom Fleck weggekauft wurde“, als Fertigteilhaus kein Problem).

promende brunnwinkl wolfgangsee
Promenade bei Brunnwinkl am Wolfgangsee

Dennoch: Der Wolfgangsee ist und bleibt ein Schmuckstück. In der von mir sehr geliebten Operette (soo viele Ohrwürmer!) heißt es allerdings so richtig: „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“. Kann er nix, und der Wolfgangsee eben auch nicht.

St. Gilgen am Wolfgangsee
Blick nach St. Gilgen

Spaziergang nach Fürberg entlang des Wolfgangsees

Die Promenade vom Bootsanleger (und Eisgeschäft aus) schlängelt sich zunächst an den Villen und Hotels wie dem Hollweger oder Billroth (natürlich alle mit hochprivaten Badeplätzen am See) entlang hinan auf eine kleine Anhöhe. Ein guter Teil davon ist im Hochsommer auch stark befahrene Straße, hochfrequentierter Radweg, Gehweg, Wanderweg – alles in einem. Mit Hund oder Kindern am Radl manchmal eine kleine Herausforderung.

brunnwinkel am Wolgangsee
Brunnwinkel mit Wolfgangsee und Schafberg

Aber dann beim Brunnwinkl beginnt der schöne Wanderweg (offiziell: Josef Ebner Weg) direkt am See entlang, eine malerische Bucht mit türkisgrünem Wasser – die erste heute für uns. Ab dem Brunnwinkel an der Seepromenade darf man dann endlich auch wildbaden. Es ergeben sich herrliche Ausblicke retour auf die Villen von Gilgen und die Bootsanlegestelle. Man sieht aufs Zwölferhorn und die Gilgener Kirche. Ab hier kann man immer wieder zum Wasser hinunter, sogar einige kleine Kiesbuchten finden sich für uns. Der vielbegangene Wanderweg ist halt immer daneben und man ist auch stets unter Beobachtung.
Wunderbar allerdings die vielen Bankerln am Weg – die „Gschmaaplatzerln“, die es um den ganzen Wolfgangsee verteilt immer wieder gibt – mit Infos zur Sommerfrische, prominenten Besucher, lokale Bierbrauer von einst und andere Gschichtln.

Viele Fotos und Fußbäder später ist man dann da: Am wunderschönen Hotel und Gasthof Fürberg. Am Vormittag kriegt man noch leicht ein Platzerl für´s Kaffeetrinken, ein Eis oder einen Snack – ab Mittag muss man sich schon anstellen oder reserviert haben. Dort legt auch die Wolfgangsee-Schifffahrt an (Hunde nur mit Leine und Beisskorb, 6 Euro pro Fahrt) und die Falkenstein-Infotafeln starten. Einige Schritte weiter und man ist beim Waldbad Fürberg.

Baden im Waldbad Fürberg

Wer in´s Waldbad Fürberg will, zahlt für den privaten Parkplatz 5 Euro und pro Person 3 Euro. Hunde dürfen gratis mit rein (auch auf alle schönen Liegewiesen). Weil hier ja auch die Wanderwege auf den Falkenstein, rüber nach St. Wolfgang und Strobl, zum Hochzeits- und zum Ochsenkreuz verlaufen, dürfen offensichtliche Nur-Durch-Wanderer völlig gratis passieren. Alles anderen, so auch wir, wollen irgendwo hier ein Badeplatzerl finden und werden zur Kassa gebeten. Für solch schöne Naturbadeplätze wie hier in Fürberg zahl ich allerdings gerne: Es gibt mehrere gepflegte Wiesen, eine Jausenstation, Bäume, Kiesbuchten und ganz versteckte kleine Buchten bis zum Hochzeitskreuz, die man sich teils erwandern, aber auch „ersteigen“ muss.

Übrigens: Wer mit dem Auto ins Waldbad Fürberg kommt, findet nicht nur am Anfang bei der Kassa Plätze: Sondern die Parkplätze schlängeln sich entlang Richtung St. Wolfgang an mehreren großen Wiesen bis nach weiter hinten, ganz uneinsichtig und reichlich. Bis 19 Uhr darf man reinfahren und parken, danach ist Badeschluss.

Die Hölle am See: Sommertheater am Wolfgangsee

„Die Hölle“ in Wien, das ist nicht nur die Innenstadt im Hochsommer bei Unmengen von Touristen und brütender Hitze, sondern in erster Linie eine Kabarett-Location, die von 1906 bis in die 1930er Jahre im Souterrain des Theaters an der Wien beheimatet war. Dort starteten legendäre österreichische Karrieren wie jene von Hugo Wiener (der von der Cissy Kraner), dem obgenannten Ralph Benatzky, Fritz Grünbaum, Robert Stolz, Karl Farkas und Stella Kadmon. Letztere wurde mit den frechen Chansons von Fritz Grünbaum berühmt und später selbst Theaterleiterin. Mit einem Souterrain Theater „Der Liebe Augustin“ unter dem Café Prückel: Dort wiederum kamen Neuzugänge wie Leon Askin, Fritz Muliar und Fritz Eckhardt zu Wort. Im Sommmer 1935 übersiedelte der „Liebe Augustin“ für die Sommersaison in Grüne.

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Mein Kennenlernen mit Dr. Marie-Theres Arnbom in Ischl

So geht auch die „Hölle“ auf Sommerfrische an den Wolfgangsee: Ihr wurde in Wien 2010 von Georg Wacks wieder Leben eingehaucht, unter anderem mit und von der von mir so verehrten Historikern Marie-Theres Arnbom sowie Christoph Wagner-Trenkwitz.

Die Historikerin, die über Grünbaum, die u.a. über die Villengegenden Österreichs, jüdische Künstlerschicksale an der Volksoper, jüdisches Kabarett und Großbürgerfamilien in Wien, den Wolfgangsee und Stars von anno dazumals geforscht und publiziert hat – hat die Hölle sommers auch ins Grüne an „ihren“ See geholt.

„Die Hölle am See“ geht also auf Sommerfrische nach St. Gilgen – ins Geburtshaus von Mozarts Mutter („Mozarthaus“) oder an den Steg beim Abtenauer Haus direkt am See mit Blick auf den Schafberg.

-Die Hölle am See im Mozarthaus St. Gilgen

Im Sommer 2021 war ich erstmals zu Gast bei der „Hölle am See“ im Mozarthaus mit dem Proramm „Gustav auf Sommerfrische“: Paul Gulda und Agnes Palmisano spielten und sangen Gassenhauer von Benatzky, Hermann Leopoldi und Co („Wie wärs mit einer schönen kleinen Überlandpartie?“).

Das Picknick von der Alm-Marie hatten wir natürlich dazubestellt („Bin ich zum Fasten ins Salzkammergut gekommen?“ würde Grünbaum sagen), wozu sind wir im Kultursommer und auf Sommerfrische im Salzkammergut unterwegs. Leider konnten wir es nach der Vorstellung nicht im Park stilvoll mit dem Weinglas in der Hand liegend auf der Picknickdecke genießen, weil ein typischer Schnürlregen mit ordentlichem Gewitter dazwischen kam. Wir genossen das wirklich entzückend angerichtete Picknick dennoch mit großer Freude an einem Tischchen mit Ausblick auf den nebelverhangenen See – auch das ist Sommerfrische im Salzkammergut.

-Die Hölle am See beim Steg vom Abtenauerhaus

Was für ein Platzerl am Wolfgangsee, ja – mich frisst wahrlich der Neid, als ich das schöne Seegrundstück in St. Gilgen betrete: Im August 2022 stand „Grünbaum am See“ am Programm. Trenkwitz las gekonnt, mit Übung und Verve Texte von Fritz Grünbaum (1880-1941, Dachau), darunter natürlich „Mein Kollege, der Affe“, „Der Hausfreund“, „Grüß mich Gott“, „Die Kinder von Pipsenstein“ und mein Favorit „Der Gast“: „Gestern war ich bei Kopplers geladen… „, „Bin ich zum Fasten ins Haus gekommen?“ – GENIAL! Grünbaum verfasste u.a. Schlagertexte, Libretti für Operetten und war berühmt für seine frech gereimten Monologe.

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Der Rednertisch am See
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Das Event beim Steg war ein Highlight meines Kultursommers 2022, soviel war klar. Ich durfte Hund Coffee mit reinnehmen, man kann jederzeit die Schuhe ausziehen und die Füße im kühlen Gras abkühlen, hat den Schafberg im Blick und sieht nachher den Mond über dem Wolfgangsee aufgehen. Das Catering der Alm-Marie war auch diesmal wieder köstlich, vor allem das feine Essen im Glas, „ready to eat“ – dazu hervorragende Weine aus dem heimatlichen Weinviertel und musikalische Pausenuntermalung. Danke für dieses Erlebnis.

Meine Tipps für Unterkünfte am Wolfgangsee

Lesetipp und was zum Rein-Hören


-„Grüß mich Gott“, Fritz Grünbaum Biographie 1880 – 1941, Brandstätter Verlag, Arnbom/Trenkwitz

-„Ich hab das Fräulein Helen baden sehen“ (Youtube)

-„Der Gast“, Fritz Grünbaum – gelesen von Christoph Wagner-Trenkwitz


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