Was für eine Pracht: Einer der schönsten, farbenprächtigsten und beeindruckendsten Stadtplätze Europas, die ich je gesehen habe – liegt in der Vysočina, im böhmisch-mährischen Hochland – in der tschechischen UNESCO Stadt Telč.

Inhaltsverzeichnis
Komm mit in die UNESCO Stadt Telč in der Vysočina
Wir stehen für eine Nacht am Campingplatz U Roštěnky, weil wir Telč möglichst unkompliziert (Parkverbot am Stadtplatz) und per pedes erkunden wollen. Schließlich ist es unser erstes Mal hier. Für alle, die es uns gleichmachen und mit WOMO oder Camper anreisen wollen, dem kann ich den Campingplatz Vidlak in der Nähe empfehlen: Ruhig und gepflegt am See gelegen, während man bei U Roštěnky nur einfache Stellplätze am Strandbad und bei einem Gasthaus vorfindet.
Tipp: Am Camping Vidlak kann man auch getrost mehrere Nächte verbringen und von dort das böhmisch-mährische Hochland erkunden.


Aber diesmal schlendern wir gemütlich vom Camp U Roštěnky aus über das Technikmuseum Richtung Telč. Telč ist die erste Station unseres UNESCO-Triangls durch die Vysočina – alle Etappen unserer Campingtour findest du dort im Überblick.
Telč: UNESCO-Welterbe in der Vysočina
Telč ist eine Renaissance-Stadt in Tschechien, seit 1992 UNESCO-Welterbe, bekannt für ihren farbenprächtigen Hauptplatz náměstí Zachariáše z Hradce mit 72 Bürgerhäusern und Arkadengängen.
- 🏛️Hauptplatz: 72 Bürgerhäuser, Mariensäule, Brunnen, Haus Nr. 61 mit Sgraffito.
- 🏰Schloss: Renaissanceschloss mit Goldenem und Blauem Saal, historischen Holzböden.
- 🕳️Untergrund: 150 m begehbare Kellergänge, Tickets online buchbar.
- 🏰Ausflugstipp: Burg Roštejn, 11 km entfernt, im Wald der Javořice-Hügel.
Gleich am ersten Teich der Stadt, dem Štěpnický rybník, begrüßt uns ein ziemlich unübersehbarer Neuankömmling: Ein überlebensgroße Hunde-Figur aus rostfreiem Stahl, der offensichtlich höchst angetan auf seinen Ball schaut – genau wie unser Coffee daheim, der uns natürlich sofort abgeht, als wir diesen “Mischling” sehen. Denn so heißt das Kunstwerk wirklich offiziell, wie auf der Tafel steht. Ein Werk des tschechischen Künstlers František Skála, das erst seit dem Frühling 2026 hier steht. Ein Denkmal für Mischlinge und “übersehene Wesen”, so verstehen wir. Wir fotografieren ihn ausgiebig, das ist selbstverständlich.


Weiter geht’s über den Damm des Teichs, durch das Untere Tor, ursprünglich Teil des Schlosses mit einer Zugbrücke über den Wassergraben. Kurz vorbei am Švejk Restaurant, das in den historischen Wirtschaftsgebäuden des Schlosses steckt (wir kehren erst auf dem Rückweg auf ein Bierchen ein) – und dann stehen wir am Hauptplatz. Wow. Zuerstmal: einfach nur schauen!

Telč: Der UNESCO Hauptplatz mit den Bürgerhäusern
Der náměstí Zachariáše z Hradce hat eine eigenwillige, langgestreckte Form, und egal von welcher Seite man ihn betritt, es gibt immer einen neuen Blickwinkel auf die bunten Fassaden. Seit 1992 steht die Altstadt auf der UNESCO-Welterbeliste, eine der ersten in ganz Tschechien, gleich neben Prag und Český Krumlov. 72 Bürgerhäuser säumen den Platz, die meisten mit Arkaden. Ein wenig werden wir erinnert an den barocken Hauptplatz von Schärding, aber hier gibt es deutlich mehr historische, bunte Häuserfronten mit den reich verzierten Giebeln.

Dass sie alle so einheitlich und trotzdem jedes für sich aussehen, verdanken wir einer Katastrophe: dem großen Brand von 1530, der eine ganze Platzseite samt Rathaus in Schutt und Asche legte. Danach baute jeder Hausbesitzer für sich wieder auf, aber alle orientierten sich am gleichen Grundprinzip – daher die Arkaden, teils Renaissance, teils Barock.
Tipp: Audioguide für unterwegs
Wir haben die 150 Meter langen Kellergänge unter dem Hauptplatz leider verpasst. Für den Rundgang oben am Platz empfehlen wir die APP SmartGuide, die bietet einen Audioguide für Telč zum Herunterladen, auch offline nutzbar.
SmartGuide-Tour für Telč ansehenWir gehen den Platz mehrmals ab, mit vielen Foto-Pausen. Bei der Mariensäule und beim Brunnen fotografiert es sich besonders schön. Unter den besagten Arkaden reihen sich kleine Kaffeehäuser und Souvenirshops, Holzpuppen sind hier offenbar Pflichtprogramm zum Mitnehmen, so wie in Pilsen auch schon gesehen.


Besonders lange bleiben wir vor Haus Nr. 61 stehen: die reichste Sgraffito-Fassade am ganzen Platz, erst 1953 bei einer Restaurierung wiederentdeckt. Dort treffen wir auch auf einen Stadtguide, der eine Führung in deutsch hält. Auf dem Sgraffito sind Heerführer sind dort abgebildet, darunter David, Goliath, der Pharao – und tatsächlich auch mein Namensgenosse Saul. Hier kann man mit einer Führung auch die Kellerräume eines der ältesten hiesigen Häuser besichtigen, im Haus des Bäckers Michal – “Dum u Michala”.
Noch zwei Häuser, die den näheren Blick lohnen: Das Rathaus ist eines der wenigen Gebäude am Platz, das komplett von einem italienischen Architekten entworfen wurde, es ist das größte Haus am Platz. Der gewölbte Keller darunter zeigt seit der jüngsten Renovierung Museumsstücke zur Stadtgeschichte. Schräg gegenüber das Eckhaus Nr. 15, mit Erker und einer besonders auffälligen bemalten Renaissance-Fassade.






Kleine Pause am historischen Brunnen, dann weiter ins Bistro Café friends, draußen sitzen, Kaffee trinken, schauen und den österreichischen Gästen gegenüber ein bissel zuhören – daneben ragt der Turm der evangelischen St. Geist Kirche in den Himmel.
Den kann man über 97 Holzstufen erklimmen.
Was wir leider verpasst haben: die 150 Meter langen Kellergänge unter dem Platz, die aus dem 14./15. Jahrhundert stammen und zur Vorratshaltung sowie als Zufluchtsort dienten.

Die Legende sagt, einer der Gänge führe bis zur Burg Roštejn. Die werden wir am nächsten Tag als Ausflugs am Programm haben – wie praktisch. Für den historischen Untergrund von Telč mit seinen mittelalterlichen Gängen kann man übrigens vorab online Tickets kaufen.


Das Video zu Telč
Video auf YouTube ansehen
Alle 8 Videos der Vysočina-Campingtour ansehen →
Das Schloss von Telč
Am Nachmittag haben wir eine Führung im Renaissanceschloss von Telč gebucht, das Zacharias von Hradec Mitte des 16. Jahrhunderts von italienischen Baumeistern auf den Grundmauern einer gotischen Burg errichten ließ. Die Führung selbst war ausschließlich auf Tschechisch, wir konnten während des Rundgangs in einem Konvolut von deutschen Texten mitlesen. Der Innenhof: Ein Traum, wir werden ein wenig erinnert an die Schallaburg.



Drinnen ist es trotzdem beeindruckend: Gleich zu Beginn bestaunen wir den Theatersaal und ahnen nicht, dass es gleich darauf wirklich prunkig wird: Der Goldene Saal (mit viel Blau) mit den geschnitzten Kassettendecken aus dem Jahr 1561 und dem historischen Holzboden, daneben gleich der auch nicht un-opulente Blaue Saal. Nur der Rittersaal hat einen Steinboden, die anderen großen Säle im Nordtrakt haben noch ihre originalen Holzböden. Dazu der kleine, aber feine barocke Innengarten – kein riesiger Park, aber ein netter Abschluss der Besichtigung, bevor es wieder raus auf den abendlich erleuchteten Stadtplatz geht. Zuvor gabs aber noch einen Blick von den Renaissance Arkaden hinab in den Innenhof.






Ein Spaziergang zum zweiten Teich war auch noch drin: Denn Telč als die “Perle der Vysočina” liegt zwischen zwei Teichen, in denen sich – je nach Tageszeit – die “Skyline” wunderbar spiegelt. Und dass hier mit Vorliebe tschechische Märchen verfilmt werden, ja, das können wir uns gut vorstellen.

Einkehren und Wohnen in Telč
Nach unserem Stadtspaziergang und dem Bierchen beim Schweijk gings für uns retour zum Stellplatz. Eine ausgiebige Labung nahmen wir noch bei Panský dvůr, am Ortsrand Richtung Campingplatz, mit eigener Brauerei und Ausblick auf eine Hochzeitsgesellschaft.

Wenn wir nicht den Campervan dabei gehabt hätten, direkt in diesem Ambiente des historischen Platzes zu nächtigen, das hätte schon was. Was mir ins Auge gestochen ist: Das historische Hotel Hotel U Černého orla direkt am Platz, die Stelzenhäuser des Bierlokals namens Posedy Panský dvůr Telč und in dem historischen Chroneritzeruv Dum gibts auch wunderschöne Appartements zu mieten:
Wohnen im Renaissance-Haus am Hauptplatz
Der Chornitzerův dům steht direkt auf dem UNESCO-Hauptplatz von Telč, das Gebäude selbst stammt aus dem 16. Jahrhundert: gotischer Tonnenkeller, Holzbalken, Apartments mit eigener Küche. Historischer geht Wohnen in Telč kaum.
Chornitzerův dům & weitere Unterkünfte in Telč *
* Affiliate-Link, keine Mehrkosten für dich
Ausflug nach Roštejn – Schloss Rosenstein
Warum haben wir dieses Schloss eigentlich die ganze Fahrt lang irgendwie als “Schloss Rosenstein” im Kopf? Der ursprüngliche deutsche Name der Burg war tatsächlich Rosenstein (“Rosenstein” = Rosenstein, wegen der goldenen fünfblättrigen Rose im Familienwappen), erst später wurde daraus das tschechische Roštejn.
Das Video zu Schloss Roštejn (Rosenstein)
Video auf YouTube ansehen
Alle 8 Videos der Vysočina-Campingtour ansehen →
Die Burg liegt recht einsam im Wald, rund 7 km nördlich von Telč auf einem Felsen über dem Dorf Doupě, mitten in der Roštýnská obora, einem 132 Hektar großen Naturschutzgebiet und ehemaligen Jagdrevier, das Zacharias von Hradec 1592 anlegen ließ. Ein 2 km langer Naturlehrpfad führt drumherum, wir stehen mit dem Campervan direkt am Eingang quasi. Die morgendliche Anfahrt mit dem Camper war fast ein wenig mystisch.


Wir wurden am Ticketcounter sehr freundlich begrüßt (Verständigen mit Händen und Füßen mit einem englischen Kauderwelsch, das können wir :-)) und mit einer Broschüre und Audioguides ausgestattet.
Die Nummern, die man darauf je nach Position in der Burg drücken sollte, waren drinnen zwar selbst nirgends angeschrieben – aber unsere Führerin hat nach unserer Nachfrage dann stets angesagt, welchen Punkt wir zu drücken hatten, um an die deutschen Infos zu kommen.
Ursprünglich war Rosenstein eine gotische Jagdburg aus dem 14. Jahrhundert, im 16. Jahrhundert wurde sie von Zacharias zum Renaissance-Jagdsitz umgebaut. Die sehr hübsche Turm ist etwa 45 Meter hoch, bei gutem Wetter reicht der Blick von oben angeblich bis zu den österreichischen Alpen. Bei uns aber nicht, oben waren wir dennoch.
Ein Teil der Burg ist von Granitfelsen eingeschlossen, sowohl innen als auch außen – was besonders beeindruckend wirkt – wie man sich eine Burg halt vorstellt.






Drinnen sehen wir einige Kamine, die dem Vernehmen nach aber nicht oft eingeheizt worden sind, die Burg wurde also nicht das ganze Jahr über benutzt, wie man glaubt. Witzig ist der Speisesaal: Wir setzen uns an einen “gedeckten” Tisch von anno dazumals und daneben im Vorbereitungsraum sehen wir, wie damals (wahrscheinlich) gekocht und vorbereitet wurde. Besonders spannend fand ich persönlich das Arbeitszimmer des Forstverwalters: Mit Schreibtisch, Kalkuliermaschine, Schreibmaschine und vielen deutschsprachigen Wälzern zu tierärztlichem Wissen. Wir erklimmen noch den Turm und danach geht es durch eine interessante Waldausstellung mit Spielraum retour zum Innenhof, wo Katze und Hunde auf uns warten.








Ein interessanter Rundgang, bevor es für uns weiter nach Iglau und Brtnice zu Josef Hoffmann geht. Natürlich per Campervan.
UNESCO Weltkulturerbe in Tschechien
In Tschechien hat man viel zu tun und zu reisen, wenn man alle UNESCO Welterbestätten und das immaterielle Kulturgut erobern will. Einen Teil hab ich schon gesehen und darüber berichtet:
Diese UNESCO-Stätten in Tschechien kenne ich schon
Meine bisherigen Artikel zum tschechischen Welterbe
Český Krumlov – Historisches Zentrum (seit 1992)
Telč – Historisches Zentrum (seit 1992)
Žďár nad Sázavou – Wallfahrtskirche auf Zelená hora (seit 1994)
Lednice-Valtice – Kulturlandschaft (seit 1996)
Olmütz – Dreifaltigkeitssäule (seit 2000)
Brünn – Villa Tugendhat (seit 2001)
Třebíč – Jüdisches Viertel & Basilika St. Prokop (seit 2003)
Warum ist Telč UNESCO-Welterbe?
Seit 1992 steht die gesamte Altstadt auf der Liste, wegen des einzigartig erhaltenen Renaissance-Hauptplatzes mit 72 Bürgerhäusern, die nach dem großen Brand von 1530 einheitlich mit Arkaden wiederaufgebaut wurden.
Kann man in Telč mit dem Wohnmobil direkt am Platz parken?
Nein, am historischen Hauptplatz gilt Parkverbot. Empfehlenswert ist Camping Vidlák in der Nähe oder ein Parkplatz am Ortsrand mit kurzem Fußweg.
Was gibt es im Telčer Untergrund zu sehen?
150 Meter begehbare mittelalterliche Kellergänge aus dem 14./15. Jahrhundert, dazu eine interaktive Ausstellung zur Stadtgeschichte und seit 2022 eine kuriose Teufel-Ausstellung mit historischen “Höllenbüchern”.
Was lohnt sich als Ausflug ab Telč?
Die gotische Burg Roštejn, elf Kilometer entfernt, mitten im Wald der Javořice-Hügel, nur mit Führung und Audioguide zu besichtigen.
Hinweis: Dieser Artikel entstand in entgeltlicher Kooperation mit Tschechien Tourismus in Wien und Vysočina Tourism.
