Třebíč ist die einzige Stadt in Europa, deren jüdisches Viertel vollständig erhalten ist und weltweit außerdem die einzige eigenständige jüdische UNESCO-Welterbestätte außerhalb Israels. Auf unserer Vysočina Campingtour haben wir dort einen Besichtigungsstop eingelegt.

Inhaltsverzeichnis
Třebíč: Das jüdische Viertel – UNESCO-Welterbe mitten in Mähren
Das Besondere bei Třebíč liegt in Sachen UNESCO im Nebeneinander: Jüdisches Viertel und die christliche Basilika des hl. Prokop haben ein UNESCO-Siegel erhalten – auch deswegen, weil sie gemeinsam Zeugnis geben für das Zusammenleben zweier Religionen. Zwei Stunden marschierten wir in Třebíč durch die engen Gassen des jüdischen Viertels, lugten in Synagogen, sahen eine echte unterirdische alte Mikwe, hatten eine tolle Kirchenführung und uns somit am Schluss unser Bierchen in der Mikrobrauerei beim Parkplatz redlich verdient.
Třebíč ist die zweite Ecke unseres UNESCO-Triangls durch die Vysočina mit dem Campervan – die ganze Route mit allen Stationen gibt’s im Überblicksartikel.


Třebíč: UNESCO-Welterbe in Mähren
Třebíč ist eine Stadt in Südmähren (Tschechien), bekannt für das einzige komplett erhaltene jüdische Ghetto Europas und die romanisch-gotische Basilika des hl. Prokop, beide seit 2003 gemeinsam UNESCO-Welterbe.
- 🕍Jüdisches Viertel: 108 erhaltene Häuser, zwei Synagogen, echte Mikwe, jüdischer Friedhof mit 3.000 Grabsteinen.
- ⛪Basilika hl. Prokop: Romanik trifft Gotik, gotische Krypta, Baubeginn 1230er-Jahre.
- 🏰Schloss & Museum: ehemaliges Benediktinerkloster, Geschichte der Adelsfamilie Waldstein.
- 🅿️Parken: Nad Zámkem, direkt über Basilika und jüdischem Viertel.
- 🍷Ausflugstipp: Jaroměřice nad Rokytnou, das “Mährische Versailles”, 20 Autominuten entfernt.
Was Třebíč zudem noch so genial einzigartig macht, ist nicht nur, dass hier überhaupt ein jüdisches Viertel erhalten blieb, sondern wie vollständig: 108 Häuser, zwei Synagogen, Rathaus, Schule und Friedhof bilden zusammen das einzige komplett erhaltene Ghetto Europas, und die einzige eigenständige jüdische Welterbestätte außerhalb Israels. Dazu kommt auch noch eben jene Basilika des hl. Prokop.

Stopover in Třebíč auf unserer Vysočina Campingtour
Třebíč ist die zweite Station unseres UNESCO-Triangls durch die Vysočina – wer die ganze Route mit Telč und Žďár nad Sázavou sehen will, findet dort alle Etappen unserer Campingtour im Überblick.
Wir haben Glück: Oberhalb der Basilika, am Parkplatz Nad Zámkem, ist noch ein freier Platz für Campervan Cicero zu ergattern, wenn auch erst nach einem Viertelstündchen des Wartens auf einen freien Parkplatz. Direkt daneben braut man – wie praktisch – Bier: Der Podklášterní pivovar hat nach 40 Jahren Pause, die Braukunst in Třebíč wiederbelebt, im ehemaligen Spiritus-Lihovar der Familie Waldstein. Wir merken uns das für später, denn erstmal geht’s per pedes bergab, ins jüdische Viertel.

Von dort oben ist alles bestens ausgeschildert, City und Sehenswürdigkeiten liegen praktisch vor und unter uns ausgebreitet. Bei der Alten Synagoge, im Infopoint, wartet schon unser Guide – und der nimmt sich wirklich Zeit für uns.
Seit 2003 steht das jüdische Viertel von Třebíč mit dem Friedhof und der Basilika des hl. Prokop auf der begehrten UNESCO Welterbeliste. Die 108 erhaltenen jüdischen Häuser ziehen sich entlang des Flusses Jihlava und entlang zweier Hauptgassen. Leider regnet es bei unserem Besuch, wir verharren also länger in der Synagoge (zu erfahren gibt es eh genug), aber leider schauen halt nicht so tolle Fotos raus…




Lebt heute noch jemand im jüdischen Viertel?
Ja, aber nicht mehr jüdisch. Die jüdische Gemeinde wurde von den Nazi Verbrechern deportiert und ermordet, nur eine Handvoll Menschen kehrte nach 1945 zurück, die meisten Überlebenden zogen dorthin, wo es größere jüdische Gemeinden gab. Heute sind die Häuser des Viertels, das offiziell Zámostí heißt, von Familien bewohnt, die mit der ursprünglichen Geschichte meist nichts zu tun haben. Nur die Hintere Synagoge und das Haus Seligmann Bauer sind öffentlich zugängliche Museumsräume, der Rest ist Privatbesitz – kein Freilichtmuseum, sondern ein Stadtviertel mit historischer Substanz mit Cafés und Museen – leider wegen des schlechten Wetters konnten wir dies nicht so genießen.

Hintere Synagoge Třebíč
Wir starten in der Hinteren (Neuen) Synagoge, erbaut 1669, zwischendurch unwürdig als Obst- und Gemüselager genutzt, seit einer Restaurierung in den 1990ern aber wieder zugänglich. Oben auf der Galerie steht ein detailliertes Modell des Viertels von 1850, bei dem sich einzelne Häuser gezielt beleuchten lassen. Unser Guide nutzt das ausgiebig, schaltet Haus für Haus an und erzählt dazu, wer dort gewohnt hat, was dort passiert ist. Dazu gleich daneben die Ausstellung “Makom chajim” (“Ort des Lebens”) zur jüdischen Kultur.
Tipp: Audioguide & virtueller Rundgang
Die offizielle Tourismusseite visittrebic.eu bietet einen kostenlosen Audioguide als App, dazu einen virtuellen Rundgang: Basilika-Innenraum, jüdischer Friedhof, ein typisches jüdisches Wohnhaus und sogar der Aussichtsturm auf dem Pekelný-Hügel, alles auch schon vorab am Handy oder Computer erkundbar.
Zur virtuellen Tour & Audioguide-App

Haus Seligmann Bauer, Zimmer für Zimmer
Das Haus Seligmann Bauer, erbaut 1798, nehmen wir uns ganz genau vor, und der Guide erklärt hochinteressant Raum für Raum: Im Erdgeschoß liegt eine koschere Küche mit zwei komplett getrennten Arbeitslinien (Fleisch und Milch dürfen ja nicht vermischt werden), daneben ein nachgestelltes Greißlergeschäft aus den 1930ern und eine kleine Ausstellung zur koscheren Schlachtung. Dazu marschieren wir durch originale Wohnräume, wie sie um 1900 ausgesehen haben, Möbel, Alltagsgegenstände, nichts nachgebaut.




Durch die Gassen von Třebíč
Die zwei Straßenzüge, die das jüdische Viertel von Třebíč quasi seit jeher zusammenhalten, heißen Leopolda Pokorného und Blahoslavova, dazwischen der winzige Tiché náměstí (Stiller Platz). Typisch: schmale Gassen, unterbrochen von gemauerten Stützbögen zwischen den Häusern wie wir sie aus Österreich kennen, dazu Innenhöfe, Terrassen, Pawlatschen – ebenso wie bei uns in Krems etwa.




Nicht weit davon steht die ehemalige deutsche jüdische Schule, heute mit Gedenktafel und eigenem Gedenkraum. Antonin Kalina, gebürtiger Třebíčer, rettete als Blockältester im KZ Buchenwald über 900 jüdische Jungen, indem er sie in seinem eigenen Block versteckte und als “Facharbeiter” tarnte. Geehrt wurde er erst nach seinem Tod, unter anderem mit dem Titel “Gerechter unter den Völkern”.
Genau das sind die Geschichten, die ich mir merke – wenn ich später von Třebíč erzählen werde.
Das Video zu Třebíč
Video auf YouTube ansehen
Alle 8 Videos der Vysočina-Campingtour ansehen →
Die Mikwe im Keller
An einer Ecke, in einem der größeren Häuser des Viertels, geht’s ein paar Stufen hinab – und plötzlich stehen wir vor einer echten, historischen Mikwe, dem rituellen Tauchbad. Solche Bäder gehörten fix zu jeder jüdischen Gemeinde, waren früher meist im Keller angelegt, mit fließendem oder Grundwasser gespeist. In Třebíč haben sich gleich mehrere davon erhalten. Heutzutage sind diese rituellen Bäder (zb vor einer Hochzeit) aber hochmodern, steril und ein wenig wie ein Spa-Bereich organisiert, wie wir hören.



Der jüdische Friedhof Třebíč
Steil bergauf geht’s zum Abschluss hinauf zum jüdischen Friedhof. Dass der so weit vom Viertel entfernt liegt, hat einen Grund: Anders als bei christlicher Tradition, wo der Friedhof rund um die Kirche liegt, hat ein jüdischer Friedhof grundsätzlich keinen Bezug zur Synagoge. Und im engen Ghetto war ohnehin kein Platz – also musste er außerhalb, auf den Hügel.


Rund 11.700 Quadratmeter ist er groß, etwa 3.000 erhaltene Grabsteine (von geschätzt 11.000 Bestatteten) gibt es, der älteste lesbare Stein von 1630/31. Bei Regenwetter (wie bei uns) fast noch stimmungsvoller, auch wenn die Fotos etwas gelitten haben. Leide haben wir nur ganz wenig Zeit für den Friedhof, wir wären sehr gerne länger durchgestreift und hätten alte Grabsteine studiert.




Aber wettertechnisch haben wir Glück, genau jetzt kommt die Sonne raus und auf unserem flotten Spaziergang zur Basilika bietet sich uns auch ein netter Ausblick auf die Stadt hinab – Třebíč. Seit 2010 gibt es einen eigens wiedereröffneten historischen Durchgang vom Žerotínovo náměstí direkt zur Basilika, ursprünglich Teil der klösterlichen Infrastruktur. Man muss also nicht außen herum, sondern kann auf kurzem Weg zwischen jüdischem Viertel und Basilika wechseln – praktisch, wenn man wie wir aufs Wetter achten muss.


Schlafen zwischen Basilika und jüdischem Viertel
Das Hotel Kocour liegt genau am Žerotínovo náměstí, dort wo der historische Durchgang zur Basilika beginnt: ein sanierter Bauernhof von 1820, drei Gehminuten zur Basilika, zwei zum jüdischen Viertel. Besser lässt sich in Třebíč kaum wohnen.
Hotel Kocour & weitere Unterkünfte in Třebíč checken *
* Affiliate-Link, keine Mehrkosten für dich
Basilika des hl. Prokop – Romanik trifft Gotik
Unsere Führerin für die Basilika kommt extra für uns vom Infopoint herüber, und man merkt ihre Begeisterung für “ihre” Basilika sofort – schon beim Portal, das sie uns ausführlich erklärt.
Die Rajská brána (“Paradiestor”), eine gewölbte Vorhalle mit Säulen, schützt das halbrunde romanische Portal vor Witterung. Das Vorbild soll ein Portal des Wiener Doms gewesen sein, das achtteilige Gewölbe dahinter verweist dagegen schon auf französische Bautechnik. Genau diese europäische Stilmischung an der Grenze von Romanik und Gotik hat der UNESCO-Kommission 2003 den Ausschlag gegeben.


Eine bewegte Geschichte und eine Führung ganz für uns allein
Baubeginn der Basilika war in den 1230er-Jahren, ab 1704 war sie dem hl. Prokop geweiht, den wir vorne rechts als Statue (mit Teufel zu seinen Füßen) bestaunen. 1462 brannte die Basilika ab, das prächtige Gewölbe wurde erst drei Jahrhunderte später ersetzt. Nach der Vertreibung der letzten Mönche Anfang des 15. Jahrhunderts wurde die Kirche zweckentfremdet – als Brauerei, dann als Pferdestall, Schlossküche und sogar Waschküche! Erst die Familie Waldstein (siehe Brauerei) brachte sie in den heutigen Zustand zurück.

Und da begegnet uns die Familie Waldstein wieder – siehe Brauerei. Gräfin Anna Maria Waldstein-Wartenberg (interessantes, deutschsprachiges Interview online), 1928 in Borovina bei Třebíč geboren, lebt bis heute in Wien, erzählt uns unsere Führerin. Ihre Familie rettete während der NS-Zeit sogar das Dorf Dolní Vilémovice vor der Vernichtung, indem die Mutter die Gestapo mit Geld und Naturalien bestach. 2014 präsentierte die Gräfin persönlich in Třebíč ihr Buch “Když byla Třebíč ještě valdštejnská” (“Als Třebíč noch Waldstein gehörte”).
Noch bin ich am Recherchieren, aber ich hoffe, das Buch auch auf deutsch irgendwo zu finden. Superspannend, oder?




Kloster und Museum
Direkt an die Basilika angeschlossen liegt das ehemalige Benediktinerkloster, heute als Schloss bekannt und Sitz einer weiteren Außenstelle des Muzeum Vysočiny. Mehrere Dauerausstellungen warten dort, von einer mineralogischen Sammlung bis zur Geschichte eben jener Waldsteiner. Für uns hat die Zeit an diesem Tag leider nicht mehr gereicht, das Museum bleibt auf unserer Liste für den nächsten Besuch.
Tipp: Kostenlose Infofolder auf Deutsch
In den beiden Touristinfos gibt’s hervorragende deutschsprachige Infofolder zu einzelnen Themen der Stadt: jüdisches Viertel, Hintere Synagoge und Haus Seligmann Bauer, ein Denkmälerführer sowie eigenes Material zur Basilika des hl. Prokop.
TIC Národní dům – Karlovo náměstí 47, 674 01 Třebíč
TIC Zadní synagoga – Subakova 1/44, 674 01 Třebíč

Der Rest von Třebíč – für den nächsten Besuch vorgemerkt
Zwei Stunden jüdisches Viertel, dazu die Basilika und vormittags hatten wir auch schon genug Programm gehabt (siehe mährisches Versailles), unser Aufenthalt wurde uns leider diesmal zu kurz. Dabei Třebíč hat noch einiges mehr zu bieten, das wir uns aber für den nächsten Besuch aufheben mussten – darunter auch die anderes Seite des Flusses Iglau.
Der Karlovo náměstí (Karlsplatz) etwa, das eigentliche Herz der Stadt, mit 2,2 Hektar einer der größten Plätze Tschechiens, entstanden schon um 1270 als Marktplatz. Historische Fassaden säumen beide Seiten, die östliche Hälfte dient heute als Parkplatz, die westliche für Märkte und Feste.
Direkt am Platz steht das Malovaný dům (Bemaltes Haus), ein Renaissancehaus vom Anfang des 16. Jahrhunderts mit reicher Sgraffito-Fassade, errichtet vom italienischen Kaufmann Calligardo, der hier einst mit Kolonialwaren handelte. Heute Galerie für moderne Kunst, inklusive einer Ausstellung zum historischen Kaiserpanorama. Gleich daneben das Národní dům (Nationalhaus), heute sitzt hier auch die Touristinfo samt TouristPoint für Radfahrer und Wanderer.
Und dann der Stadtturm bei der Pfarrkirche St. Martin: 75 Meter hoch, seit 1335 Teil der Stadtbefestigung, mit Aussichtsplattform auf 35 Metern und einem Zifferblatt von 5,5 Metern Durchmesser, eines der größten in ganz Europa. Der Blick von oben über die Basilika und das jüdische Viertel soll grandios sein, sagt man uns. Leider auch nicht ausgegangen auf unserem Campingtrip.
Mein persönlicher Tipp für warme Tage: Die Říční lázně Polanka, ein Flussbad am rechten Jihlava-Ufer mit einem hübschen Holzgebäude aus der Zwischenkriegszeit vom Architekten Bohuslav Fuchs. Ausgerechnet als die Sonne rauskam, hatten wir keine Zeit mehr dafür. Nächstes Mal. Auch….
Begossen haben wir unsere vielen Eindrücke stattdessen mit einem köstlichen Bierchen – jetzt, wo wir endlich den heiß umkämpften Parkplatz direkt bei der Brauerei hatten, wollten wir das auch auskosten.



Meine Tipps für Třebíč & Jaroměřice nad Rokytnou
Parken, Führung, Einkehr, Camping – kompakt für deinen Ausflug
Parken Třebíč: Parkplatz Nad Zámkem, direkt über Basilika und jüdischem Viertel, oft knapp, etwas Geduld einplanen.
Führung Třebíč: Start am Infopoint bei der Alten Synagoge, rund 2 Stunden durchs jüdische Viertel, sehr zu empfehlen.
Einkehrtipp: Podklášterní pivovar Urban (Restaurace Lihovar), Nad Zámkem 7, direkt beim Parkplatz, mit eigenem Bier.
Campingplatz: Kemp Poušov, direkt in Třebíč, Saison Mai bis September, mit Stromanschluss.
Parken Jaroměřice: Parkplatz gegenüber des Schlosses, Bezahlung über die EasyPark-App.
Führung Jaroměřice: Unbedingt die Kirchenführung mitmachen, führt bis hinauf zur Orgel.
Öffnungszeiten Schloss & Garten: Schloss Mai/Juni/Sept. täglich außer Montag 9–16 Uhr, Juli/Aug. bis 17 Uhr, April/Okt. nur Wochenende. Der Barockgarten ist ganzjährig frei zugänglich, April–September 7–20 Uhr.
Ausflugstipp Jaroměřice nad Rokytnou – das “Mährische Versailles”
Am Tag unseres Besuchs ist das “mährische Versailles” und seine Räumlichkeiten leider geschlossen, umso mehr genießen wir die ausführliche und mitreißende Führung durch die Schlosskirche gleich nebenan. Die Schlosskirche St. Margarethe ist nämlich keine gewöhnliche Dorfkirche: Sie wurde erbaut 1716 bis 1782 unter den Grafen Questenberk, und verschmilzt richtiggehende architektonisch mit dem Schloss zu einer einzigen Fassade.
Wir parken also direkt vor “Versailles” und sind bass erstaunt, dass das Schloss mitten im Ort steht – nicht so wie Schönbrunn oder Schloss Hof bei uns. Und die Kirche die liegt gleich daneben, man sieht sie auf den ersten Blick gar nicht. Wir parken also morgens mit Cicero direkt vor dem Schloss, machen ein paar nahrhafte Einkäufe für den Abend und schon geht´s zur Kirchenführung.
Das schöne Schloss selbst ist leider an diesem Tag geschlossen – wie schade. Aber bei meiner Kollegin von AskEnrico gibt es die Führung durch das Schloss Jaroměřice nad Rokytnou nachzulesen.

Als Baumeister gilt Jakob Prandtauer, der auch das Stift Melk (!) bei uns in Niederösterreich gebaut hat, an der Kirche selbst könnte sogar Johann Lukas von Hildebrandt mitgewirkt haben. Die Kuppel trägt ein Deckenfresko zu Ehren der heiligen Margarethe, gemalt 1734 von Karl František Töpper. Auch der ist uns kein Unbekannter. Unsere Führung mit der netten Dame, die – wie sie sagt – immer in den Ferien hier die Touren macht, war etwas ganz Besonderes.




Wir durften quasi mit ihr backstage in die Kirche und auch direkt hinauf zur Orgel, mit ihren genau 2416 Pfeifen, und bekamen sogar ein kurzes Orgelspiel vorgeführt, hautnah, mitten im barocken Kirchenraum.
“Ach, nur improvisiert” bekommen wir lächelnd zur Antwort – dabei war es für mich ein kleines musikalisches Meisterwerk, vor allem hoch oben in diesem Ambiente! Kein Wunder, dass Jaroměřice einst auch als Musikstadt galt, mit einer der bedeutendsten Schlosskapellen ihrer Zeit.
Während unserer Tour durch die Kirche bekommen wir auch ein 3D-Modell der beachtlichen Kuppel zu sehen – wie man das früher nur so bauen konnte, schleierhaft!
Das Video zur Schlosskirche St. Margarethe
Video auf YouTube ansehen
Alle 8 Videos der Vysočina-Campingtour ansehen →



Nach der Führung geht sich noch ein Kaffee mit Schaumrolle direkt in der Kavarna gegenüber der Kirche aus. Supergemütlich innendrin und wir lauschen einmal mehr den Gesprächen der ÖsterreicherInnen am Nebentisch, die über Josef Hoffmann, Iglau und die Wittgensteins parlieren.
Oh làlà, da sind wir doch gleich in Iglau und Brtnice – dort erfahren wir nämlich alles über Gustav Mahler und u.a. das Poldihaus von Josef Hoffmann für die Wittgensteins: Diese Campingtour hat es auch kulturhistorisch in sich…
Der barocke Schlossgarten von Jaromerice übrigens wäre eigentlich ein Pflichtprogramm gewesen, aber es hat wie aus Kübeln geschüttet, an einen Spaziergang war nicht zu denken.




Übrigens, es gibt auch das “böhmische Versailles” in Tschechien – aber das ist wieder eine andere Geschichte!
Wer nach Třebíč noch nicht genug hat: Brünn liegt von hier aus nur einen Katzensprung entfernt, meine Sehenswürdigkeiten in Brünn geben dir einen guten Überblick, und wer sich für Architektur begeistert, kommt an der Villa Tugendhat nicht vorbei. Auch Znaim mit seinem eigenen Untergrund liegt gut auf dem Rückweg.
Warum ist Třebíč UNESCO-Welterbe?
Weil hier das einzige komplett erhaltene jüdische Ghetto Europas gemeinsam mit der romanisch-gotischen Basilika des hl. Prokop und dem jüdischen Friedhof seit 2003 als ein zusammenhängendes UNESCO-Welterbe geschützt wird, als Zeugnis für das jahrhundertelange Zusammenleben von jüdischer und christlicher Gemeinde.
Lebt heute noch jemand im jüdischen Viertel von Třebíč?
Ja, aber nicht mehr jüdisch. Die ursprüngliche jüdische Gemeinde wurde während der NS-Zeit fast vollständig deportiert und ermordet. Heute sind die Häuser des Viertels, das offiziell Zámostí heißt, ganz normal bewohnt.
Wie lange dauert eine Führung durch das jüdische Viertel?
Rund zwei Stunden, Start ist am Infopoint bei der Alten Synagoge.
Wo kann man in Třebíč parken?
Am Parkplatz Nad Zámkem, direkt über der Basilika und dem jüdischen Viertel. Der Platz ist oft knapp, etwas Geduld einplanen.
Was ist Jaroměřice nad Rokytnou?
Ein Ort rund 20 Autominuten von Třebíč entfernt, bekannt als “Mährisches Versailles” wegen seines monumentalen Barockschlosses samt Schlosskirche St. Margarethe und barockem Garten.
Hinweis: Dieser Artikel entstand in entgeltlicher Kooperation mit Tschechien Tourismus in Wien und Vysočina Tourism.
