Was nicht im Reiseführer steht: Vietnam :-)

Im Vorfeld hört man von vielreisenden Traveller-Kollegen, dass die Vietnamesen kaum Englisch sprechen. Kann doch kein Problem sein, denken wir uns. Mit Händen und Füßen (und Zeichnungen) und überdeutlicher Mimik und Gestik sind wir schließlich immer noch weitergekommen auf der Welt. Und dass man in Vietnam die Freundlichkeit nicht so hochhält wie etwa in Thailand… egal, wir sind ja auch Wien-erprobt.

Not one word of English ;-)

Die Verständigung

Aber dass sie so wenig Englisch verstehen oder verstehen wollen, war dann doch eine Überraschung. Einfachst formulierte Fragen (ohne störende Verben oder Adjektive) wurden missinterpretiert, nicht interpretiert oder überhaupt (meistens) schweigend ignoriert. Gerne bedient man sich auch vager Handbewegungen in alle Himmelsrichtungen oder demonstriert betontes Nichtwissen. Für Reiseneulinge eignet sich Vietnam also eher nicht, vielmehr dürfte es verstörend wirken 🙂

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KONFUZIUS sagt: Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben.

Jene Vietnamesen, mit denen wir uns während unserer Reise auf die eine oder andere Weise verständigen konnten, versicherten uns jedoch überzeugend, in der Schule Englisch gelernt zu haben. Alle lernen Englisch hier. Und Französisch auch. Ein bisschen halt. Die TourGuides hatten gar Englisch auf der University studiert, what a surprise.

Von native Speakern allerdings sicher nicht. Denn phonetisch ist das vietnamesische Englisch von Englisch so weit entfernt wie der finno-ugrische Sprachzweig von Jane Austen´s Englisch (im Original 🙂 Außerdem dürfte bei den jungen Vietnamesen eher Südkorea hoch im Kurs stehen…

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Motorbike Mieten mit Händen und Füßen in Hoi An.
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DIe Köchin unseres Vertrauens in Hoi An.

Zuallererst versucht man in Vietnam erst mal, etwaigen störendenden Fragen von Ausländern mit beredtem Schweigen entgegenzutreten. Danach darf man mit ein wenig Aufmerksamkeit rechnen, bzw. darf man auf Antworten wie „No“, „Yes“ oder auch das flüssig hervorgebrachte und beliebte „No have“ hoffen.

Die Aussprache. Der Dialog.

Prinzipiell wird von jedem englischen Wort gerne nur die Hälfte (maximal) ausgesprochen. Was heißt ausgesprochen, vielmehr wird das Wort nur ein wenig angerissen. Im Restaurant hört sich das dann (in korrekter Lautsprache 😉 ungefähr also so an:

Beef – „bi“
Chicken – „chi“
fried noodles – „frei nu“

Während der Vietnamese gerne abwartet, ob der Touri mit seinen störenden Fragen nicht doch abziehen will, entstehen dann irgendwann auch Dialoge wie folgt.

Tourist: I am looking for this kind of watch (zeigt ein Bild)
Viet: schweigt
Tourist: Do you sell this?
Viet: setzt sich Brille auf. Schweigt.
Tourist: Watch. Time. Like this.
Viet: Yes.
Tourist: You have it here?
Viet: no have. yes.
Tourist: Do you now where I can buy this?
Viet: schweigt.
Tourist: Somewhere here?
Viet: vieldeutige Handbewegung in die Ferne.
Tourist: Thank you.
Viet: Yes.
Tourist: Good bye.
Viet: Yes.

 

Der Transport: Bus und Zug und Flug

Die Vietnam Airlines von BKK nach Hanoi hat uns positiv überrascht. Viel Beinfreiheit in der Eco, ein vollständiges warmes Menü inkl. Choice bei nur 1:30 Flugzeit.

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Drei Strecken sind wir insgesamt mit dem Zug gefahren. Die Kurzstrecken können problemlos kurzfristig im Hotel, Guesthouse oder Booking Office gebucht werden (obwohl zwischen Hue und Hoi An wars schon echt voll im Softseater). Der vielzitierte Nachtzug nach Hue (oder auch weiter) erfreut sich (mir nicht ganz verständlich, denn Inlandsflüge sind spottbillig) großer Beliebtheit und ist gut gebucht. Würde ich das nächste Mal langfristiger vorbestellen (geht auch im vorhinein über das Hotel), damit man in der 1.Etage (also ganz unten) liegen kann: Dort sieht man wenigstens aus dem Fenster. Breiter sind die Betten auch nicht.

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Einen pseudo-Touri-Luxuszug gibts auch, aber nicht jeden Tag – dafür mit saftigem Aufpreis. Auf jeden Fall selbst einen eigenen Morgen-Snack mitnehmen – Croissant mit Cappuccio ist nicht. Dafür gabs bei den Softseater-Zügen quasi ein Menü.

Übrigens waren die Buchungsinfos auf der genialen Website http://www.seat61.com/ stets aktueller als auf der Website der Vietnam Railways.IMG_1898

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Die Sache mit den Open Tour Bussen

Jeder redet von ihnen. Mit ihnen kommt man unkompliziert und extrem günstig durchs ganze Land und zu den meisten Sehenswürdigkeiten. Wir haben auch zwei Etappen per Open Bus absolviert und sind so endlich in den Genuss der legendären Sleeping Busses (über die wir uns damals in Laos nicht drüber getraut haben 🙂 gekommen.

Also die Idee ist gut. Der Preis auch. Die Liegemöglichkeiten im Bus sind auch nicht schlecht (auch hier die Empfehlung: UNTEN IST BESSER!) und man schwitzt nicht die ganze Zeit – dazwischen friert man auch ordentlich. Also eigentlich wie im Flieger. Nur mit 180 Grad Ausblick.

Und ein bisschen kommt man sich auch vor wie in einer Mischung aus Legebatterie und Sanatorium.

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Denn in dem Sleeper liegen 36 Personen – und sie liegen immer. Ein wenig kann man den Sitz verstellen, aber.man.liegt.immer. Und das mag eventuell ein wenig seltsam wirken. Noch seltsamer aber ist das Gebahren der vietnamesischen Open Tour Busfahrer – einer eigenwilligen Mischung aus grimmig dreinschauenden Männern, die ihre immerwährende Ignoranz, Aggressivität, schlecht verhehlte Gewaltbereitschaft und ihr Unverständnis gegenüber allen in ihrem Bus Reisenden unverblümt vor sich hertragen.

Da wurde mir schon auch auf die Schienbeine geschlagen, weil ich nicht dort stand, wo er wollte, oder dann die Sache mit den Schuhen: Derer muss man sich nämlich unter den bösen und ungeduldigen Blicken der Bus-Staff entledigen – nur auf Socken oder barfuß darf das Allerheiligste betreten werden.

Eine Pause erkennt man daran, dass der Bus dort stehen bleibt, wo schon viele Busse stehen und einige Worte durchs Wageninnere gebrüllt werden. Dann darf man seine Sanatoriumsliege verlassen und nach der letzten Stufe in bereitgestellte fremde Flipflops schlüpfen, um einzukaufen oder die Toilette aufzusuchen. Die Flipflops werden bei der Rückkehr wieder abgenommen.

Mehr gibt es über die Busse nicht zu vermelden, außer dass sie immer voll sind, überraschend pünktlich, günstig und dass prinzipiell nicht erkennbar ist, wohin sie fahren. Wer auf ein Schild, eine Infotafel, offizielle Abfahrtszeiten oder sonstige verlässliche Hinweise hofft, der kann lang suchen. Aber Ankommen ist super.

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