Auf Eis gelegt – Eine Iglu Übernachtung als Hochzeitstest.

by Angelika Mandler-Saul

Eine Iglu Übernachtung als Test für die Hochzeit: Wohlmeinende Verwandte wollten uns vor unserer Hochzeit noch einmal auf die Probe stellen. IMG_5828

Wenn wir eine gemeinsame Nacht – auf Eis gebettet – von Eis umgeben – und im Eis – gemeinsam überstehen könnten, dann wären wir wohl gewappnet für die langen, kalten Nächte einer Ehe. So oder so ähnlich 🙂 war damals der Grundtenor innerhalb meiner Familie. Wir nahmen die Herausforderung an – Eine Iglu Übernachtung im Zillertal.

Am Nachmittag vor der besagten Iglu ÜBernachtung sollten wir uns daselbst still verhalten, also selbst beschäftigen. Das taten wir bei Kaiserwetter Ski fahrend auf den Pisten des Zillertals, denn das Igludorf „White Lounge“ liegt direkt an einer Piste des „Genießerbergs“ Ahorn. Auf sonnigen 2000 Metern. Immer wieder spähten wir bei unseren Abfahrten auf die wenig verheißungsvoll scheinenden klitzekleinen Holzeingänge, hinter denen wir unsere Liegestatt für diese eine Nacht vermuteten. Unter dem Schnee – es sah nicht gerade einladend wohlig-warm aus.IMG_5836

Ich tröstete mich über diese eisigen nächtlichen Aussichten mit heißer Schokolade und Tee hinweg, aber immer mit dem Hintergedanken: „Nicht zuviel trinken, kein Iglu dieser Welt hat eine Indoor – Toilette dabei“. Mit dieser Vermutung lag ich (damals) goldrichtig. Aber dazu später.

Die Iglu Übernachtung – Der Start: Den heißen Welcome-Drink der White Lounge nahm ich trotzdem. Und noch einen. Etc.IMG_5849

Als wir dann frühabends unsere Bett-Statt endlich zum ersten Mal sahen, rannte mir der eiskalte Schweiß über den Rücken, nicht vor Angst, sondern vor Kälte. Ich hatte schon den ganzen Tag über gefroren, es war nicht anzunehmen, dass ich mich hier auf dem Schnee-Bett in der Nacht aufwärmen würde. Egal ob mit Verlobtem oder ohne. Ganz ehrlich.

Auf dem Schnee-Bett waren diverse Lagen aufgetürmt: Felle, Decken, je ein Expeditionsschlafsack. Parole: Nicht zuviel anziehen in der Nacht, Dein Körper macht das schon!IMG_5876

Mein Körper macht das schon mit der Kälte. Ja genau. Zuerst freute er sich aber zunächst vor allem auf das deftige Fleisch-Fondue, das wir ebenfalls auf Schnee sitzend im Eis-Schnee-Restaurant-Iglu (mit den obligaten FELLEN 🙂 einnahmen. Die Portionen waren zwar recht übersichtlich, aber zu diesem Zeitpunkt hätte ich auch getrost einen halben Yeti verspeisen können – dieses Leben im Eis und Schnee verlangte meinem Körper schließlich ganz schön was ab.IMG_5905

Draußen vor unseren Iglu-Eingängen flackerte ein lustiges Lagerfeuer, zu trinken gabs genug an der Bar (alle tranken eiskaltes Bier, das werd ich nie verstehen) und schließlich hieß es:

PAROLE: SAUNA – da war ich doch gleich vorne mit dabei.

Von außen ein harmloses Schnee-Iglu, innen fein warm eingeheizt und mit Holz ausgekleidet, inkl. Dusche und Saunakammer. Das schweißt zusammen – vor allem mit den anderen, fremden Iglu-Nächtigungsgästen. Ein letzter Gang danach mit Taschenlampe und in Schneeschuhen zur nächst gelegenen Toilette – in der Bergstation – danach war es soweit: Wir sollten auf Eis und Schnee die Nacht verbringen.IMG_5916

Meine Nase ist immer kalt – das ist auf den Malediven nicht anders als im Schnee Iglu im Zillertal.

Aber das war schon das Einzige Kalte an mir – als ich schließlich nur mit Skiunterwäsche bekleidet und zwei paar Socken nebst MÜTZE (ganz wichtig) gemeinsam mit meiner Digitalcamera und meiner Brille in meinem Expeditionsschlafsack lag. Ach ja, die Flasche Champagner zuvor hatte ich noch vergessen: Wir hatten nämlich wohlweislich das Romantik-Paket von meiner Schwester bekommen, allzuviel wollte uns mal dann wohl doch nicht abverlangen als Jung Verlobte.

Kurz: Mir war wirklich schön warm in meinem Schlafsack. Außer meiner Mütze ragte aber auch nicht viel heraus.IMG_5922

Natürlich kam es wie es kommen musste, das ist beim Camping im Outback oder im Zelt in der Steiermark nicht anders als im Iglu: Ich musste mich nächtens im Stockdunklen aus meinem Schlafsack schälen, Überhose, Anorak und Mütze anziehen, Brille und Taschenlampe finden und dann noch in eiskalte Schneeschuhe schlüpfen, um meinen unvermeidlichen Toilettengang Richtung Bergstation anzutreten. IMG_5950

Vor unserem Iglu erwartete mich allerdings dann die Belohnung: Totenstille, blauschwarzer Himmel, knirschender weißer Schnee und ein leuchtendes Sternenzelt.

Mittendrin ich in eiskalten Schuhen und mit Taschenlampe UND mir war unglaublich WARM- einmal Toilette und zurück.

Ja, wir haben dann einige Monate später geheiratet. Danke an das IGLU und an alle anderen!

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HINWEIS: Wir haben anno 2010 in diesem Iglu-Dorf „WHITE LOUNGE“ in Mayrhofen/Zillertal genächtigt. Christina und Tom von www.cityseacountry.com haben jüngst auf der Zugspitze im Iglu geschlafen – dort gabs übrigens sehr wohl eine nahe Toilette 🙂 Nachzulesen inkl. VIDEO hier.


 

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9 comments

Gudrun 22. Februar 2015 - 16:20

Sehr coole Geschichte, im wahrsten Sinne des Wortes! Wir haben damals in Finnland aufgegeben (nach 30 Minuten), es war a….kalt und sind in unsere Hütte mit Sauna geflüchtet. Am nächsten Tag hat uns ein kanadisches Ehepaar erzählt, sie haben im Toilettenhäuschen übernachtet, das war beheizt….

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Angelika Mandler-Saul 22. Februar 2015 - 17:38

Ja, es war auch cool. v.a. die Sauna im Eis 🙂 Und das ÜBernachten im toilettenhäuschen hat gleich einen Zusatznutzen – das versteh ich gut. FINNLAND – das wär was. Da war ich zuletzt mit 5 Jahren glaub ich, allerdings nur in helsinki. Ist auf meinr Liste gleich nach Island 🙂 Cu soon! Angelika & Coffee in Oberösterreich

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Ritchie Blogfried Pettauer 22. Februar 2015 - 15:18

Tolle Story, sehr feine Fotos. Ich will das auch schon lang mal machen, dein Beitrag motiviert mich jetzt sehr zu einem Abstecher ins Zillertal.

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Angelika Mandler-Saul 22. Februar 2015 - 17:39

Ja, wir hatten Glück mit dem Wetter – einfach Kaiserwetter. Das trägt zur Motivation dann doch bei! Lieben Gruß aus Oberösterreich!

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Franzi 19. Februar 2015 - 21:22

Das sieht ja traumhaft aus 🙂 Würde ich wahnsinnig gerne auch mal machen! LG Franzi

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Angelika Mandler-Saul 20. Februar 2015 - 09:34

Ja es waren zwei Traumtage und eine recht gute Nacht 🙂 Und der nächtliche einsame Spaziergang war eigentlich ein Höhepunkt. Lg Angelika

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Anna 19. Februar 2015 - 20:24

Oh, ich fürchte, das würde mir auch blühen, dass ich nachts aufs Klo muss. Nichtsdestotrotz eine coole Sache. Obwohl ich schon seit Jahren im Zillertal Winterurlaub mache, wusste ich gar nicht, dass es dieses Iglu-Hotel gibt. Jetzt weiß ich ja, wo ich nächstes Mal übernachte 😉

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Angelika Mandler-Saul 20. Februar 2015 - 09:35

Ja die White Lounge ist oben am Ahorn, mittlerweilen haben sie sicher schon einiges neu gemacht – da bin ich sicher. Und auf der Zugspitze im Iglu-Hotel war die Toiletten-Sache kein Problem, schreiben meine REiseblogger Kollegen 🙂 An was man alles denken muss 🙂 Aber ich bin ja Tibet, China, Nepal Toiletten erprobt 🙂 lg Angelika

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andreas 19. Februar 2015 - 20:15

Tolles Erlebnis. „Nur die Nasenspitze war kalt. Aber das war sie auch auf den Malediven.“

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