Blick zurück: Die erste Nacht zu dritt.

Nach der Überführung von Coffee, dem kohlrabenschwarzen Jungspund zu uns ins heimatliche Weinviertel, ging alles ganz schnell.

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Was war zu beobachten?

Das, nebst viele anderen bunten Hunde-Dingen neu angeschaffte und zentral in unserem Wohnzimmer ausgerichtete Hundebett ignorierte er geflissentlich, aber dafür wälzte er sich fast sofort ganzkörperflächig in unserem roten Wohnzimmerteppich.

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Das von Tierärzten, selbsternannten Hunde-Therapeuten im Freundeskreise und genervten Futterhaus-Verkäuferinnen angepriesene Highquality Hundefutter für Junghunde mit hohem Fleischanteil lockte ihn kein bisschen. Die billigen Feuchtfutterdosen stießen auf deutlich mehr Resonanz, wobei sich mein Mann erst daran gewöhnen musste, jetzt einen etwas schlampigen Esser im zunächst noch peinlich sauberen Haus zu haben.

Folgendes war also am ersten Abend festzustellen:

  • Der Hund haarte. Unglaublich. Sehr schwarz. Soviel zu unserem „Kurzhaarhundprojekt“.
  • Er war kein Labrador. Kein ganz richtiger zumindest.
  • Er war wirklich ein Rüde.
  • Er übernahm den weißen Sessel. Nun ja, ich konnte eh nicht schmerzfrei drin sitzen. Sei´s drum.

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Nach Recherchen im Internet kam ich zu dem Schluss, dass es eine Art Flat Coat Retriever war, der jetzt in unserem Wohnzimmer das Kommando übernommen hatte. In seinem Pass stand allerdings „Labrador“. Spätestens dann, als ich aber in einem Youtube Video gesehen hattte, wie Labradore ihr Fressen hinunterschlingen und weiß, dass Coffee zwar ein unsauberer, aber vornehmer Genießer ist, ist mir klar: Da ist mehr Flat Coat als Labrador.
Viel später lernten wir auch noch schöne Worte wie Apportierhunde, Wasserfreudigkeit und Findewillen etc und dann war sowieso klar, dass Coffee der geborene Retriever ist.

Ein kleiner Auszug aus der Website des Flat Coat Retriever Clubs:

„Der Flatcoated Retriever ist ein passionierter Jagdhund mit unermüdlichem Finder- und Apportierwillen, stets bemüht, seinem Besitzer zu gefallen. Sein etwas überschäumendes Temperament stellt – vor allem in der Jugend – größere Anforderungen an die Geduld des Besitzers.

Wenn jedoch stets der Grundsatz „liebevolle Konsequenz“ beachtet wird, so wird aus dem gelehrigen Temperamentbündel ein verlässlicher, aufmerksamer Jagdbegleiter und anhänglicher Familienhund, der ständig den Kontakt zum Menschen braucht.“

DIESE LEUTE WISSEN, WOVON SIE SPRECHEN! … „ETWAS überschäumendes Temperament…“

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„Überschäumend“

Die erste Nacht in unserem Haus, die wir zu dritt verbrachten, gestaltete sich also folgendermaßen: Es wurde ausgiebig geschmust, gestreichelt, gekrault. Wir versicherten uns gegenseitig wortreich, dass wir nun einen wunderschönen, drahtigen, schlanken und anschmiegsamen Hund hatten.

Unseren Plänen zufolge sollte dieser Superhund über Nacht das Erdgeschoß hüten, während wir im Obergeschoß schliefen. Netter Plan. Aber schwarze Junghunde halten nichts von vermeintlich klugen Theorien ihrer Hausbewohner.

Gefühlte 100 Mal in dieser Nacht stand einer von uns beiden auf, um den tippelnden schwarzen Gesellen am neuen Hundegeschirr wieder die Stufen hinunter ins Wohnzimmer, das er doch hüten sollte, zu zerren. Und gefühlte 30 Sekunden später vernahmen wir dann wieder das vorsichtige aber doch zuversichtliche Getrappel von sauber geschnittenen Krallen, die sich bergan über die Stufen ins Obergeschoß stahlen.

An Alle: DIESES Foto ist eine Ausnahme! :-)
An Alle: DIESES Foto ist eine Ausnahme! 🙂

Um es kurz zu machen: 12 Monate später hat sich Coffee Zugang zu allen Räumlichkeiten im Haus erkämpft. Wäre ja viel zu wenig Herausforderung, nur das Erdgeschoß gegen Eindringlinge zu verteidigen. Das verstehen wir jetzt auch.

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