Selten hat ein Stück so gut zu einem Premierenabend gepasst wie „SUGAR – Manche mögen’s heiß“ bei der Sommernachtskomödie Rosenburg. Und dann noch MM´s 100. Geburtstag: Zufällig, wie Intendantin Nina Blum sagt, aber perfekt.

Inhaltsverzeichnis
Josephine, Daphne, Sugar, Osgood, Shell Junior und Gamasche
Wer den Film aus 1959 in der deutschen Fassung auswendig mitsprechen kann und Jack Lemmon/Georg Thomalla im Ohr und MM vor Augen hat, erwartet sich naturgemäß dann doch relativ viel von der Bühnenversion. Auch beim Sommertheater – oder erst recht wegen des Sommertheaters? Das Publikum – ob alte Hasen wie wir oder jene, denen der Film nix sagt (solls geben) – wurde in beiden Fällen bei der Rosenburg-Version von SUGAR nicht enttäuscht.

Während die Temperaturen bis in die Nacht auch heuer bei der Premiere hot waren, ging es ebenso auf der Bühne her – mit Gangstern, Jazz, Verwechslungen, jeder Menge Witz und einer ordentlichen Portion Swing, Foxtrott und Charleston. Für die Musik sorgt eine vierköpfige Damen-Combo in 20er Jahren Kostümen.
Schon eine gute Stunde vor Vorstellungsbeginn herrschte reges Treiben im stimmungsvollen Innenhof der Rosenburg. Viele Besucher nutzten die Zeit für einen gemütlichen Aperitif, stärkten sich an den Gastronomieständen oder genossen einfach die besondere Atmosphäre vor der Rosenburg – immer wieder eine wunderschöne Kulisse, dank der Familie Hoyos.

Für mich gehört die Sommernachtskomödie Rosenburg längst zu den schönsten Fixpunkten des Kultursommers in Niederösterreich. Und schon nach wenigen Minuten war klar: Auch 2026 wird dieser Ruf eindrucksvoll bestätigt, und mit SUGAR hat Nina Blum wirklich gut gewählt.
Chicago, Gangster und die Frauenband von Sweet Sue

Pünktlich begann der Premierenabend mit der Begrüßung durch Intendantin Nina Blum, die das Theaterfestival seit vielen Jahren mit großem Engagement leitet. Gemeinsam mitKarl Wilfing eröffnete sie die neue Spielsaison, bevor sich der Vorhang – beziehungsweise die Rundbühne – für eine turbulente und flott inszenierte Reise in die wilden Zwanzigerjahre im Chicago der Prohibition öffnete.
Der Hollywood-Klassiker „Some Like It Hot“ von Billy Wilder zählt zu den beliebtesten Filmkomödien überhaupt. Die Bühnenfassung übernimmt viele der legendären Szenen – verblüffend einfach mit Rundbühne, Versenkungen und , versucht aber erfreulicherweise nicht, den Film einfach zu kopieren. Das liegt zu einem guten Teil an Lola Witzmann als Sugar, die gar nicht erst versucht, MM nachzuahmen, und dabei schnell das Publikum auf ihrer Seite hat.
Die Handlung spielt während der Prohibition in Chicago. Die beiden Musiker Joe und Jerry werden zufällig Zeugen eines Mafia-Massakers und müssen Hals über Kopf flüchten. Ihre einzige Chance: Sie schließen sich – als Frauen verkleidet – einer Damenkapelle an, die Richtung Miami unterwegs ist.
Aus Joe wird kurzerhand Josephine, aus Jerry Daphne. Dass diese Tarnung nicht lange problemlos funktioniert, versteht sich fast von selbst. Zwischen Gangstern, Millionären, Liebeswirren und Florida-Feeling entwickelt sich eine temporeiche Komödie, die auch heute nichts von ihrem Charme verloren hat.

“Diese schlimme Sache am Valentinstag!”
Wer den Film liebt, wird die Parallelen sofort entdecken. Manche Dialoge sorgen schon beim ersten Satz für Lacher, weil man sie sofort wiedererkennt. Daphnes Bassgeige wurde gegen Gitarre getauscht in dieser Rosenburg Inszenierung und so heißt es etwa bei der Bett-Party-Szene im Zug: “Die Gitarre weiß, wie man ne Party schmeißt”…

Auch Rudy Vallée kennt heutzutage keiner mehr, deswegen lockt Osgood mit Musik von Billie Holiday auf seine Yacht. Josephine bleibt aber beim Saxophon, wiewohl hier mehr getanzt und gesungen wird bei Sweet Sue – eine mitreißende Lösung, die das Publikum schnell abholt. Und wenn Daniel Keberle bis zum Schluss in seinen Stöckelschuhen ungelenk über die Bühne wackelt, hat er alle Herzen auf seiner Seite.

Das berühmte „Bienstock!“-Geschrei von Sweet Sue, der ihre Mädels auf der Nase rumtanzen, sorgt dank Adriana Zartl ebenso für Schmunzeln wie das 30er Jahre Gefährt auf der Bühne und die bekannte Radfahr-Ohrringe-Szene von Josephine am Pier.

“Wo ist meine Ukulele?!”
Überhaupt merkt man dem gesamten Ensemble an, wie viel Spaß diese Produktion macht. Okan Cömert als Josephine und Daniel Keberle als Daphne harmonieren ausgezeichnet. Die beiden liefern sich pointierte Dialoge, meistern Perücken und Stöckelschuhe mit viel Spielfreude und sorgen immer wieder für herzhaftes Gelächter im Publikum. Besonders Daniel Keberle genießt seine Rolle sichtlich. Seine Daphne entwickelt im Laufe des Abends einen ganz eigenen Charme, der immer wieder für Szenenapplaus sorgt. Adriana Zartl als energische Bandleaderin Sweet Sue überzeugt einmal mehr mit ihrer Bühnenpräsenz. Sie gehört seit Jahren zu den vertrauten Gesichtern der Sommernachtskomödie. Wie gewohnt Johannes Terne (als Osgood) ein Fixpunkt in der Show.

Andere vertraute Gesichter wie etwa Dany Sigel die im vergangenen Jahr beim “Best Exotic Marigold Hotel” alle an die Wand gespielt hat, darf diesmal in der ersten Reihe zusehen – offenbar mit viel Freude, so wie wir auch. In bewährter Manier ist Marcus Ganser für Regie und Bühne verantwortlich.
Die Live-Band begleitet das Geschehen mit viel Schwung und sorgt dafür, dass der Jazz und Swing der Goldenen Zwanziger förmlich durch das Theaterzelt schwingt. Das gesamte Ensemble spielt, singt und tanzt mit Bravour.


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“Nobody is perfect!”
Nach etwa einer Stunde gibt es eine Pause: Wie jedes Jahr, nutzen wir die Gelegenheit für einen Spaziergang durch den Rosengarten und werfen einen Blick zur Schnee-Eule im Schlossgarten. Gerade diese Kombination aus Theater, Schlossanlage und Natur macht den besonderen Reiz eines Abends auf der Rosenburg aus.



Mit viel Schwung, Tanz und Musik verabschieden sich alle Darsteller mit der Boots-Szene bei der gemeinsamen Flucht Richtung Yacht vom Publikum. Natürlich darf dabei auch die berühmte Melodie „Running Wild“ nicht fehlen. Das Finale wirkt wie eine kleine Revue – alle dürfen wieder auf die Bühne.

Nach dem Schlussapplaus ging der Premierenabend im romantisch beleuchteten Innenhof der Rosenburg nahtlos weiter.

„SUGAR – Manche mögen’s heiß“ ist keine Kopie des berühmten Filmklassikers, sondern eine liebevoll inszenierte Hommage. Wer den Film liebt, wird viele bekannte Szenen wiederentdecken. Wer ihn noch nicht kennt, erlebt einfach drei Stunden voller Witz, Charme und großartiger Musik – vor einer der schönsten Theaterkulissen Niederösterreichs.

HINWEIS: Mir wurden für die Premiere zwei Karten zur Verfügung gestellt.
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