Dresden hat was. Was hat Dresden?

So nah wie Innsbruck, freundlicher als Wien und mindestens genau genau so viel Kultur wie in Salzburg: Warum sich ein Kurztrip von Wien nach Dresden sicher lohnt. Meine Highlights von der Elbe.

Zum Einstieg gleich einmal jenes Bild, das mich seit meiner Dresden Reise verfolgt – nicht gut fotografiert, aber eindrücklich in jedem Falle:  Dresden im Lauf der letzten 80 Jahre. Dresden war intellektuelle und kulturelle Hochburg in den 1930er Jahren, Dresden war ein Opfer der Flammen am 13. 2. 1945, Dresden war eine Mischung aus Schutt und gleichzeitig dem Erdboden gleich gemacht und Dresden ist heute eine wiederauferstandene Mischung aus Historismus, Kulturbeflissenheit und Modernität.

Dresden

Dresden hat mich nicht kalt gelassen.

Dresden hat mich mehr an meine eigene, österreichische Geschichte erinnert, als mir lieb ist und: Dresden ist ein bisschen wie Wien. Ein bisschen viel. Dort ist es der Theaterplatz bei der Oper, hier der Heldenplatz, der (zu)viel gesehen hat. Dort der Elbstrand, hier die Donauinsel. Erich Kästner – Stefan Zweig als Chronisten ihrer Zeit (verbrannt wurden 1933 die Bücher beider). Dresden als eines der letzten „Opfer“, Österreich angeblich das „erste Opfer“. Semperoper – Staatsoper. Burgtheater und Staatsschauspiel. Semper da wie dort. Museen, Cafés, Buchhandlungen, Gründerstil und Ringstraßenstil, Elbland und Wachau. Unesco-Weltkulturerbe Verlust in Dresden und vielleicht bald auch in Wien?

Vielleicht wird ja doch noch ein 2. Artikel draus – aber hier erstmal meine persönlichen Gründe für einen Kurztrip nach Dresden. Weil: Weit ist es ja nicht nach Sachsen. Dresden

  • Dresden hat die Semperoper. Und den Ball dazu.

Musste ich doch tatsächlich nach Dresden kommen, um nach 38 Jahren Kulturgenuss auch mal ein Ballett zu sehen. Man gab „Schwanensee“ – den Klassiker in der Semperoper, die am geschichtsträchtigen „Theaterplatz“ zwischen Schloss, Hofkirche und dem Zwinger liegt. Semper bastelte auch in Wien: Kunst- und Naturhistorisches Museum, die Hofburg, das Burgtheater und das Semper-Depot entstanden unverkennbar nach seinen Plänen. Übrigens auch die 1938 zerstörte Synagoge in Dresden. Wer die Staatsoper in Wien innen kennt, ist vom farbenfrohen Intérieur der Semperoper „geflashed“. Bunt und üppig kommen Foyers und Wandelgänge daher, 4 Ränge gibt´s und das Catering aus erster Hand: Sternekoch Steffan Hermann vom „bean & beluga“ kocht hier auf – auch für den berühmten Semperopernball übrigens. Auch der aktuelle Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden ist Wiener Operngängern bestens bekannt: Es ist Christian Thielemann.

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  • Dresden hat eine Staatsoperette in einer Fabrikshalle.

Ich stand auf den Brettern der Dresdner Staatsoperette! Na gut, vielleicht ein bisschen abseits hinter den Kulissen, aber ich war ganz nah dran am Geschehen. Seit Dezember 2016 gibt man Operetten, Musicals und Oper im hypermodernen Theaterkomplex, der grenzgenial in einer Fabrikshalle im denkmalgeschützten Kraftwerk Mitte eingepasst ist. Selten hat man mich so beeindruckt von aktueller Industriearchitektur gesehen. Der Spielplan ist à la Viennoise: La Cage aux Folles, das Weiße Rössl, die Csárdásfürstin, aber auch der Figaro. Die alte Uhr aus der Fabrikshalle und ein Kran sind in die Foyers integriert, aber auch zwei Barockfiguren aus dem orginalen Theater vom Albertplatz. Eine geniale Mischung.

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  • Dresden hat ein ehemaliges Kraftwerk als Begegnungs-Kulturzone, syrische Busse als Kunst-Installation am Neumarkt und die Pegida.

„Brüchiger Frieden“ – das ist das Leitmotiv der Dresdner Opernpremieren in der kommenden Spielsaison. Nirgends besser erkennt man dies (in Dresden wie in Wien wie auf der ganzen Welt) an der Art und Weise, wie Kunst und Kultur dankbar angenommen oder brüsk und aggressiv abgelehnt wird. Heute ist das Kunstprojekt der hochkant aufgestellten Buswracks, das an die Aleppo Opfer erinnert, in Dresden umstritten und umfehdet, da es angeblich im Hinblick an die Auslöschung Dresdens am 13. 2.1945 „unangemessen“ sei. Was kann an einer Installation, die gegen den Krieg protestiert, unangemessen sein? Rechter Hass gegen Kunst. Dresden war übrigens die erste Stadt in Deutschland, in der 1933 die Bücher brannten. Gefolgt u.a. von Berlin, Wien, Salzburg. Erich Kästner, ein Dresdner Kind aus der Königsbrücker Straße und Chronist seiner Zeit, stand dabei, als seine Bücher – gemeinsam mit Werken von den Brüdern Mann, Stefan Zweig, Tucholsky und Heine – am Opernplatz verbrannt wurden. 

Das ehemalige Kraftwerk Mitte, das einst die Schaltzentrale der Energieverwaltung Dresdens war, ist heute ein Kunst- und Kreativstandort für die Staatsoperette, die Hochschule für Musik, die Heinrich Böll Stiftung u.a. Kunst  im imposanten Industriedenkmal mit einem gemütlichen Café im Pförtnerhäuschen.

 

  • Dresden hat die Eierschecke und das Kreutzkamm.

Mehlspeisen und Kaffeehäuser braucht das Land, in Dresden wie in Wien. Was bei uns die Sachertorte, ist in Dresden die Eierschecke. Vorzüglich genossen im altehrwürdigen Café Kreutzkamm. Wer Kästners „Fliegendes Klassenzimmer“ kennt, dem ist auch Kreu(t)zkamm kein unbekannter Name…

 

  • Dresden kann Theater. Immer schon.

    Im „alten Dresden“ gehörten das berühmte „Albert-Theater“, das „Residenztheater“ und die Semperoper zu den berühmtesten Häusern der Theaterwelt. Josef Kainz, Fritz Kortner, Sarah Bernhardt und „unser“ erster Jedermann Alexander Moissi – sie alle waren am Albert Theater engagiert. Am Residenztheater spielten auch Girardi, die berühmte Wienerin „die Geistinger“ und Emil Jannings. Wie Wien war auch Dresden immer für einen ordentlichen Theaterskandal gut (natürlich auch wegen Schnitzlers „Reigen). Übrigens: Der Stammvater einer der berühmtesten österreichischen Theaterfamilien, Hugo Thimig, ist gebürtiger Dresdner und landete irgendwann dort, wo alle Thimigs landeten: Verbandelt über Max Reinhardt mit der Wiener Josefstadt. Ich sah eine schöne Inszenierung von Kleists „Amphitryon“ am Staatsschauspiel Dresden, das übrigens innen ein hervorragendes Restaurant hat: Das William.

  • Dresden hat den Kulturpalast.

Am 28. April 2017 wird der Dresdner Kulturpalast feierlich wiedereröffnet. Der modernistische DDR Bau zwischen Altmarkt und Neumarkt hat mit dem riesigen Mosaik-Wandbild namens „Der Weg der Roten Fahne“ an seiner Westseite ein unbequemes aber schützenswertes Kulturdenkmal. Viel wichtiger ist aber, dass im Kulturpalast die neue Zentralbibliothek, das berühmte Kabarett „Die Herkuleskeule“ und ein Konzertsaal für die Dresdner Philharmonie eine neue Heimat finden. Letzter ist übrigens als „Weinberg“ für die Akustik angelegt und  wird mehr als 1800 Sitzplätze haben.

  • Dresden hat (endlich wieder) seine Frauenkirche.

Das Datum des 13. Februar 1945 ist in Dresden auch heute noch allgegenwärtig. Jeder kennt das Datum, Einheimischer wie Tourist. In vier großen Angriffswellen bombardierten die Briten ab der Nacht vom 13. auf den 14.2. die Dresdner Innenstadt mit Brandbomben. Sie trafen eine unvorbereitete Zivilbevölkerung in einer Stadt fast ohne Bunker. Die wenigen Luftschutzkeller wurden durch den Sog und den Feuersturm zu tödlichen Fallen. Die Feuer brannten tagelang, die Frauenkirche stürzte zwei Tage später in sich zusammen. Jahrzehntelang war ihr Trümmerhaufen ein Mahnmal gegen den Krieg.

Erst 1990 (!) ging der „Ruf aus Dresden“ mit einem Appell um Hilfe um die Welt und ab 1993 wurde sie mit Hilfe der Staatengemeinschaft enttrümmert und wieder aufgebaut. Heute ziert ein Turmkreuz die Spitze, die vom Sohn des ehemaligen britischen Bomberpiloten als Zeichen der Versöhnung geschenkt wurde. Heute ist die Frauenkirche nicht nur ein momumentaler sakraler Bau mit einer riesigen Steinkuppel, sondern auch Aussichtsturm und höchst regelmäßig der Ort für Konzerte von Künstlern aus aller Welt.

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  • Dresden hat Literatur im Blut. Erich Kästner und Karl May.

„Als ich ein kleiner Junge war“ – darin beschrieb Kästner seine Kindheit in der Dresdner Neustadt, die heute als Szeneviertel gilt. Er wohnte in der Königsbrücker Straße und bezog seine Beobachtungsposten gerne am nahen Albertplatz. An der Ecke zur Alaunstraße erinnert übrigens eine witzige Bronzestele mit den 39 Büchern, die er geschaffen hat, seinem Hut und seinem Kaffeetasse nebst  Zeitung an den Chronisten, der danach in Berlin und nach dem Krieg in München lebte. Das Erich Kästner Museum ist als „mobiles, interaktives Micromuseum“ in der Villa Augustin gestaltet – da hätte ich mir ehrlich gesagt, etwas mehr erwartet als bunte Laden, die winzige Zeitungsausschnitte und Bücher enthalten.

Heute liegen in der Neustadt übrigens viele empfehlenswerte Buchläden, wie etwa der „Reisebuchladen“ und „Büchers Best“ in der Louisenstraße, das „Lesezeichen“ und die „Pusteblume“.

Karl May stammt aus der „Wachau“ Dresdens, aus dem Elbland rund um Radebeul bei Dresden. Dort gibt es mit seinem ehemaligen Wohnhaus, der  „Villa Shatterhand“ auch ein Karl-May-Museum. Mit der Tram gelangt man übrigens von Dresden bis nach Radebeul. Sehr praktisch.

  • Dresden hat nicht nur den Zwinger: Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Stellvertretend für die Gemäldegalerie „Alte Meister“ mit seiner berühmten „Sixtinischen Madonna“, dem Grünen Gewölbe, den mathematisch physikalischen Salon im Zwinger und die vielen anderen Sammlungen und Museen der SKD ging sich bei mir zeitlich nur ein Besuch in der Kunsthalle im Lipsiusbau aus.

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Schon vor der Eröffnung von „You May Also Like: Robert Stadler“ durften wir ein Auge auf die Werke des österreichischen Designers werfen und uns von der Wienerin Tulga Beyerle und Kurator Alexis Vaillant durch die Ausstellung führen lassen.Einen beeindruckenden Blick warfen wir auch in das hochmoderne und generalsanierte Albertinum mit seiner innovativen Überdachung.

  • Dresden hat die Elbe. Und die Filmnächte am Elbstrand von Roland Kaiser bis Wanda.

Mit den 30km langen Elbstränden hat Dresden ein Naherholungsgebiet wie Wien mit seiner Donauinsel. Mir war der Elbstrand von den „Filmnächten am Elbufer“ ein Begriff: Vor einer gewaltigen und beeindruckenden nächtlichen Dresdener Stadtkulisse hatte ich im Fernsehen mal ein Roland Kaiser Konzert verfolgt. Zu Zeiten der „Kaisermania“ ist Dresden seit 14 Jahren vollkommen überbucht und die Konzerte sind schneller ausverkauft als Sting, ZZ Top, Wanda (!) und die PetShopBoys. Einer der schönsten Open Air Konzert Locations der Welt, egal was man gibt. Außer vielleicht Andreas Gabalier… Meine Meinung. 

Auf einer kleinen Dampferfahrt kommt man von Dresden City übrigens schnell durch das Villenviertel bis nach Blasewitz, Loschwitz und zum Weißen Hirschen. Klingt alles unglaublich exotisch, ist aber bebaut mit Villen aus dem Gründerviertel und hat noch dazu das „Blaue Wunder“, die einzige Brücke Dresdens zu zu Kriegsende nicht gesprengt wurde.

  • Dresden hat ein Asisi Panorama.

Und genau deswegen habe ich die „Alten Meister“ und das weltberühmte „Grüne Gewölbe“ in Dresden diesmal nicht gesehen: Die laufen mir nicht weg, ich komme ja wieder. Aber „Dresden 1945“ – das 360 Grad Panorama von Yadegar Asisi im Panometer Dresden ist immer nur ein halbes Jahr lang zu sehen. Schon Asisis Panorama von der Berliner Mauer am Checkpoint Charlie hatte mich immens beeindruckt. In Dresden sah ich von einer 15 Meter hohen Besucherplattform im ehemaligen Gasometer (auch wie in Wien) jenen Blick auf das vollkommen ausgebrannte Dresden, das sich am 15.2.1945 einem Besucher vom Turm des Rathauses geboten hätte. 30 Meter hoch sind die Bilder und 100 Meter Umfang hat die Installation – man erlebt Tag- und Nachtwechsel über einer zerstörten Stadt mit und es sind die Kleinigkeiten neben der Musik, die so unglaublich betroffen machen: 2 bunte Papageien fliegen über die Brandruinen, irgendwo hängen noch zwei zerfetzte Hakenkreuzfahnen und neben mir auf der Plattform erklärt ein (Ur)Großvater seinem kleinen Enkel: „Wenn Du dir nichts merkst, DAS merke Dir. SO kann es aussehen. Sogar die Elbe hat gebrannt.“  Ich bin sehr froh, dass ich diesen Blickwinkel auf Dresden auch noch mitgenommen habe.

  • Dresden hat viel erlebt und hat viel vor.

So wie ich: Ich bin auch noch nicht fertig mit Dresden. Die lange Nacht der Theater, ein übervoller Dresdner Literaturkalender, der neue Kulturpalast, die Sixtinische Madonna und eine Vorstellung in der Operette in der Fabrik sowie noch ein Bummel durch die Neustadt – das alles und noch viel mehr fehlt mir noch. Wo wohl die Tram zum Wilden Mann hinfährt?

Luther fehlt, die Weinregion des nahen Elblands ebenso und gegen eine Filmnacht am Elbstrand hätte ich auch nichts einzuwenden. Das berühmte Dresdner Schloss habe ich von innen noch nicht gesehen und ein Konzert in der Frauenkirche muss umwerfend sein. Soviele Gründe für noch ein Kultur-Weekend in Dresden. 

INFO DRESDEN
Die Fahrt Weinviertel-Dresden hat mit dem Auto 5 Stunden gedauert, wobei die Strecke zwischen Schrick und Brünn recht zeitaufwändig und wenig spannend war. Ansonsten Autobahn zügig über Prag bis nach Dresden. Das Vienna House Hotel QF war ein perfektes städtisches Basislager: Alle kulturellen Einrichtungen waren fußläufig in kürzester Zeit zu erreichen und die Frauenkirche hat allabendlich 10 Minuten lang den Feierabend eingeläutet – wunderschön! Der Ausblick von meinem Hotelzimmer war fulminant, das Frühstück punktete mit regionalen Köstlichkeiten. Cool: Kaffee selbst aufgießen! Um die Ecke im Swissotel Dresden konnte ich auch einen Blick auf die wunderschönen Suiten werfen – mit offener Badewanne, Holzboden, Blick aufs Schloss, Nespressomaschine und perfekt für Sportler geeignet: Spa im Steinkeller aus dem 15. Jahrhundert – historisch und modern! Wie alles in Dresden. Laufeinheiten werden mit Erfrischungssnack belohnt 🙂

HINWEIS: Ich wurde von Dresden Marketing GmbH eingeladen, Dresden kennen zu lernen. Die Unterkunft wurde dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt von Vienna House QF Dresden, zum Abendessen war ich geladen im Swissotel Dresden. Die Meinungen und Eindrücke in diesem daraus entstandenen Artikel sind, wie unschwer erkennbar, meine eigenen.

Die besuchten Hotels in Dresden:

  • Vienna House QF Hotel
  • Swissotel Dresden am Schloss

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