Alle Hunde schwimmen – und einer kläfft dazu. Hundestrand Donauinsel.

Einmal mehr sind wir ausgezogen, um Coffee (und mir) ein wenig Abkühlung im sommerlichen Tropenhoch zu verschaffen. Die Hundestrandzone Donauinsel ist mit Auto und mit Öffis (31er) sehr gut zu erreichen. Ein Test vorort, Gekläffe auch diesmal inklusive. Warum das so sein muss, habe ich mal bei Coffee´s Hundetrainerin nachgefragt.

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Anfahrt aus dem Weinviertel mit dem Auto eine knappe halbe Stunde über die Brünner Straße, dafür belohnten uns vorort zahlreiche (leere) Schattenparkplätze. Juchuu. Von 8-11 ist zwar Kurzparkzone, aber das ist es mir mehr als wert. Einfach bergab zum Wasser, ein paar Meter gehen und schon das verheißungsvolle Schild: HUNDEZONE. Die ersten glücklich freilaufenden Vierbeiner kommen schon entgegen.

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Und alle alle sind wir nur wegen ihnen da: Wegen unserer Hunde.

Gleich vorweg: Alle Hundehalter am Hundestrand Donauinsel waren sehr nett, sämtliche Hunde im aufgeregten Spiel- und WildwasserModus begriffen und der Sand-Strand war fast vorbildlich sauber. Kein Vergleich zu der ekligen Hundezone beim Angelibad. „Fast steril“ sei es hingegen auf der Donauinsel, schrieb ein Facebook-Fan und er hatte (fast) recht.

Die sommerliche Idylle wurde nur auch diesmal von einem fast durchgängigen begeisterten Kläffen durchbrochen. Richtig, wir haben das lautstarke Problem (siehe Hundebaden in Süßenbrunn und Hirschstetten) noch nicht gelöst. Es gibt durchaus auch temporäre Ruheinseln, in denen Coffee mit anderen irren Hunden im Höllentempo seine Runden rast oder im Wasser herumbalgt.

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Aber dazwischen wird verlässlich rumgekläfft. Offensichtlich aus tierischer Begeisterung über die Action und die Hundefreunde. Entspannung? Mitnichten.

„Manche Hunde machen sich um ihr Frauchen/Herrchen Sorgen. Sie sorgen am Ufer für die Kontrolle“, so Sylvia Seywald – Hundetrainerin von FUNNYDOGS.at und Coffees Trainerin seines Vertrauens.

IMG_6812-2„Manche sitzen und starren gebannt aufs Wasser und lassen sich nicht reinlocken, obwohl sie es normalerweise selbst kaum erwarten können, das kühle Nass zu erreichen. Aber die Situationskontrolle nehmen sie hier sehr ernst. Hunde, die dabei bellen, geben lautstark ihren Unmut und Sorge kund.“

Sorge scheint es bei Coffee nicht direkt zu sein – er weiß sich 4 lange Stunden lang vor Begeisterung nicht zu fassen – unmöglich, ihn zu bändigen oder ihn mehr als 5 Minuten von den anderen und seinen Spielzeugen abzulenken.

„Das ist eben die Freude oder auch Vorfreude. Denn hier am Wasser kann der Hund auch bei Hitze toben ohne gleich nach 3 Minuten k.o. zu sein. Das weiß auch er. Und daher lässt hier die Impulskontrolle leider oft zu wünschen übrig“, sagt Silvia Seywald.

Was also tun, damit ich auch mal ein paar Minuten Ruhe am Sandstrand genießen kann?

Neidvoll schaue ich mal wieder auf die brav ruhenden entspannt liegenden Hunden, die bei ihren Familien auf der Decke liegen, während Coffee unentwegt an mir hochspringt, sich festkrallt, pausenlos rumrennt und … bellt.

seywald1„Bei energiegeladenen Hunden  eher keine Wasserspiele anwenden,  um das hektische Hund-rein-Hund-raus- zu vermeiden, was den Hund sehr hochpusht. Wenn dem Hund heiß ist, geht er auch von alleine – also ohne einen Reizauslöser, ins Wasser und schwimmt auch mal ruhig seine Runden.“

Klingt verheißungsvoll aus den Munde meiner/seiner Hunde-Trainerin. Theoretisch könnte sich Coffee beim Baden also auch selbst beschäftigen. Tut er aber nicht, er rennt wie ein Irrer kreuz und quer auf der Suche nach Kumpanen und fremden Wasserspielzeugen. Wenn ich baden gehe, steht er anklagend am Ufer und kläfft hinterher.

„Oft haben wir es dem Hund selbst konditioniert. Unser Hund quietscht, bellt, ist außer sich, und wir werfen Bälle/Stöcke etc. damit er Ruhe gibt. Bei einem Spaziergang fällt es oft nicht so auf, weil wir da aktiv unterwegs sind. An einem Badeteich erscheint uns und anderen dies lästiger, weil es zu keiner Ortsveränderung kommt“.

Das stimmt wohl. Silvia Seywald weiß, wovon sie spricht. Ich allerdings leidgeprüft – auch.

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Aber gibt es denn gar keine Möglichkeit, einmal ein halbes Stündchen in einem Buch zu blättern (so wie früher in hundelosen Zeiten), währenddessen Coffee  neben mir mal in Ruhe ausharrt? Ich bin etwas mutlos.

Vergleiche es mit einem Kind: Du gehst mit deinem Kind an Spielplatz, alle toben herum und Dein Kind soll aber neben Dir ruhig sitzen bleiben und lesen.“ Okay, das geht auch nicht, also: Gib Deinem Kind die Möglichkeit, den ersten Pfeffer entweichen zu lassen, dann kommt es nach einiger Zeit selbst zu dir auf die Bank um auszuruhen.“ Gut, das muss ich jetzt nur noch auf Coffee „umlegen“.

Coffee kommt müde (und ruhig) zu mir? Das möchte ich erleben. Laut Silvia gibt´s hier aber eigene Entspannungsübungen (zb „Deckentraining“), wobei er lernen kann, seine Aufregung etwas „runterzufahren“.

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Und wie krieg ich jetzt noch das Kläffen weg, wenn wir am Strand spielen? Mit Üben am Trockenen und Ignorieren des Bellens? Das wird schwierig.

„Wasserspiele mit so stark energiegeladenen Hund würde ich entweder gar nicht machen oder zu Übungszwecken nur an einer Wasserstelle, wo niemand belästigt wird. Denn zum Üben der Impulskontrolle muss der Hund beim lautstarken Auffordern ignoriert werden. Dies gilt selbstverständlich auch für Wurf- und Jagdspiele an Land. Hat der Hund nicht gelernt, das Ende oder Pausieren eines Spiels „am Trockenen“ zu akzeptieren, wird er es am Badeteich auch nicht umsetzen können.“ 

Einiges hat Coffee im vergangenen Jahr bei funnydogs.at „im Trockenen“ schon gelernt – wir werden es schaffen! Vielleicht nicht in diesen Hundstagen 2015 – aber irgendwann.

Der Hundestrand auf der Donauinsel bei der Floridsdorfer Brücke ist wirklich zu empfehlen – inkl. Schattenplatzerln für die Nebendarsteller – also die Hundebesitzer. Hunde sind auch in der nahen Eisdiele am Parkplatz gern gesehen: Wasser und Leckerli gibts unaufgefordert von der netten Kellnerin – hier liegen die Vierbeiner nach dem Badespaß todmüde neben ihren Zweibeinern. Ein erfreulicher Anblick.

Und hier wurde dann nach Stunden auch Coffee endlich mal müde – und RUHIG. 


 

 

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