Bregenzer Festspiele: Wenn das „Spiel auf dem See“ in´s Wasser fällt.

„Was ist mit der Aufführung auf der Seebühne, wenn es regnet?“ Die Frage haben wir uns verregnete 48 Stunden lang gestellt. Es wäre meine Premiere bei den Bregenzer Festspielen gewesen: Tickets für „Rigoletto“ als das Spiel auf dem See, bei einem prächtigen Clowns-Bühnenbild. Aber es hörte einfach nicht auf zu regnen.Bregenzer Festspiele Regenvorstellung

Meine Premiere: Das Spiel auf dem See auf der Seebühne Bregenz

(Ein ganz persönlicher Erlebnisbericht aus dem Regen)

Was passiert, wenn es vorher stundenlang regnet? Und was, wenn es erst ganz kurz vorher aufhört zu regnen? Und was, wenn es während der Vorstellung beginnt zu tröpfeln, zu schütten oder zu stürmen? Keine Ahnung, ich bin Wien- und Salzburgkultur geeicht, aber im Ländle kenn ich mich mit den Wetterkapriolen nicht aus.

Wir waren für den Festspielabend bei den Bregenzer Festspielen und den Rigoletto auf der Seebühne (die Inszenierung bei der Oper im Steinbruch St. Margarethen hatten wir schon) jedenfalls für alle wettertechnischen Eventualitäten gewappnet und im Auto vorsorglich mit Utensilien ausgerüstet wie für einen Campingtrip nach Norwegen. Zusätzlich einigten wir uns vorort noch auf den spontanen Zukauf von Regenpelerinen mit Festspiel-Branding. Wir waren also bestens präpariert. Gerechnet hatten wir allerdings natürlich zunächst mit Kaiserwetter bei unser persönlichen Premiere.

Bregenzer Festspiele Promenade
Die Promenade am Bodensee.

Jedoch:

Es regnete. 48 Stunden vorher. 24 Stunden vorher. 12 Stunden vorher. Ich begann, mein geplantes abendliches Festspiel Outfit wieder wegzupacken und mein Bregenzerwald Wander Outfit rauszuholen. Die Vorarlberger Verwandtschaft versicherte mir glaubwürdig, dass man zu den Bregenzer Festspielen in jedem Outfit gehen könne, alle seien dort stets allwetterfest gewandet. Also gar kein Problem mit Outoorschuhen und Softshell statt Stöckelschuhen und Kleid. Ist mir sowieso lieber. Und zum Beweis schüttete es weiter. An jenem Weekend regnete es in Bregenz gefühlt soviel wie in den letzten zehn Jahren im Weinviertel.

Bregenzer Festspiele Festspielhaus

Auf der Website der Bregenzer Festspiele gab´s nur rudimentäre Infos zu potentiellen Regenabsagen unter den FAQs und auf Facebook war gar nix Aktuelles zum Wetterstatus auf der Bühne am See zu lesen. Wir beschlossen, den Schüttregen und die Überschwemmungen vor dem Haus zu ignorieren und machten uns auf den Weg zum Parkplatz des Festspielhauses. Regen. Lacken. Sehr mäßige Temperaturen, ich packte meine Mütze aus. Der Spaziergang auf der Seepromenade fiel kurz aus, das geplante Pre-Culture-Schleckeis ganz. Aber die Tribüne am See war geöffnet, wir konnten also rein und das vielzitierte Clown – Bühnenbild bestaunen. Das alleine war schon hocherfreulich, ich hatte damit gerechnet, dass bei dem Wetter alles abgesperrt sein würde. Mitnichten, ein Fotoshooting des immensen Clown-Faces und dessen Händen war also drin und allein das machte mich schon ein wenig froh und zuversichtlich.

Rigoletto Bühne Bregenzer Festspiele

Danach beehrten wir das gut gefüllte Cateringzelt (ausreserviert!) mit unserem Besuch für ein paar aufmunternde Festspieldrinks und beobachteten das Publikum. Alle warteten nur auf eins, schien mir: Auf die offiziellen Durchsagen der Festspielleitung, die für eine Stunde vor Aufführungsbeginn angekündigt waren.  Es schüttete. Wir tropften, der Tisch tropfte und das Programm tropfte. Die Menschen rundum tropften. Auch die, die barfuß und in Flipflops neben mir standen.Cateringzelt Bregenzer Festspiele

Die offizielle Regenabsage auf der Seebühne bei den Bregenzer Festspielen 

Kurz nach acht endlich eine überaus freundliche Stimme aus dem Äther über dem Gelände mit der Grundaussage: „Es gibt eine Chance, dass das Spiel am See heute stattfindet.“ Oder so ähnlich. Der Rest des nett klingenden Texts ging aber im  Lärm des prasselnden Regens und dem Gejohle der Festspielgäste unter à la: „Wo ist da a Chance?“ Die nette Ansage wiederholte sich einige Zeit später, sodass wir mit einem ultrakurzfristigen Wetterwunder rechneten, uns Outfit Nachschub aus dem Auto holten und uns hoffnungsvoll bei unserem Eingangsportal anstellten. So wie sehr viele andere tropfende, nasse, regenmanteltragende und schirmbewaffnete Menschen auch. Kurz vor neun dann allerdings die Durchsage: Leider, es wird doch nix. Das prognostizierte Regenfenster, das einen Beginn outdoors möglich gemacht hätte, wird so nicht eintreffen. Zumindest nicht heute und jetzt.

eingangsbereich Bregenz Rigoletto bei Regen

Die Anzeigetafeln im Festspielhaus wechselten sofort auf den Regentext und die Security Menschen überblickten den nun beginnenden Exodus jener Menschen, die nur Tickets für outdoor hatten, nicht aber für die szenische Aufführung im Festspielhaus im Falle des Regens. Es startete also ein großes Drängen in alle Richtungen, denn die, die jetzt rausmussten, weil sie kein gültiges Ticket für drinnen mehr hatten, waren naturgemäß ganz drinnen gestanden und wollten jetzt sofort, aber wirklich sofort, raus und nach Haus. Unruhe allerorten. Wir drängten hinein, denn unsere Karte war auch für die Regenversion im Festspielhaus gültig.

Rigoletto im Regen Bregenzer Festspiele

Meine brennende Frage als geeichte Burgtheatergeherin: Müssen wir jetzt alle das gesamte Regenequipment, das wir am Mann und an der Frau trugen und mitschleppten, an der Garderobe abgeben, sodass sich der Beginn um gefühlte Tage nach hinten verschieben würde? In der Burg darf man nicht mal mit einem durchsichtigen Überzieher am Rang sitzen (Feuervorschrift!), ohne von den Platzanweisern persönlich rausgepfiffen zu werden. Von Rucksäcken, Sackerln, Sitzpölstern und Schirmen – wie hier in Bregenz – wage ich in Wien gar nicht zu reden.

Festspielhaus innen Bregenzer Festspiele

Aber nein, keiner wurde gezwungen irgendwas an der Garderobe abzugeben und so saßen wir wenig später mit einem riesigen Einkaufssackerl mit Sitzpölstern und nassem Regengewand, Softshelljacke und nasser Mütze im Parkett im Bregenzer Festspielhaus. Es war eine recht aufgeräumte Stimmung im Publikum – mit einem Hauch von Abenteuer.  Und das halbszenische Spiel, das anstatt der großen Inszenierung auf der Seebühne nun gegeben wurde, konnte ganz pünktlich und nach einer kurzen Ansprache der Operndirektorin beginnen. Und es war –  beeindruckend, mitreißend und wunderbar. Auch drinnen. Und auch ohne der gewaltigen Bühnenkulisse, die drinnen nur mit Hintergrundbildern angedeutet werden konnte.

Dennoch sah ich mir die TV Übertragung zwei Mal an – die Outdoor Inszenierung mit den in der Höhe gesicherten SängerInnen, der Choreographie, dem Clownskopf, der sich im Laufe der Handlung verändert und dessen Handbewegungen, die Protagonisten die in 15 Metern Höhe schwebend singen oder in den See fallen – das alles fehlte natürlich im Festspielhaus.

Pressefoto Bregenzer Festspiele (Ralph Larmann)

Regenabsage & Refundierung – INFOs auf der Website der Bregenzer Festspiele

Später am Abend fand man diese unsere Absage auch online auf der Website. Es war übrigens die erste Absage des Spiels auf dem See wegen Regens in dieser aktuellen Saison der Bregenzer Festspiele gewesen, bis zur Publikation dieses Artikels sollten nur zwei weitere folgen.

  • Die offiziellen Infos der Bregenzer Festspiele zu Vorstellungen im Regen findet man unter den FAQ.
  • Auf dieser Website kann man sich die Ticketkosten ggf. refundieren lassen, sofern man ein Ticket für Outdoor mit dem Aufdruck „gültig nur für die Seebühne“ gehabt hatte. Das Geld wird aber nur dann refundiert, wenn die Vorstellung gleich ins Festspielhaus verlegt wird (wie in unserem Falle) oder aber das Spiel auf dem See weniger als 60 Minuten lang gezeigt werden konnte.
  • Für die Premium Tickets sowie Kategorie 1 und 2 und Festspiel Lounge Tickets gibt es bei Regen keinen Refund: Die Tickets gelten dann auch für die stattdessen stattfindende halbszenische Vorführung im Festspielhaus.
  • Hier gibts übrigens die Webcam der Seebühne Bregenz.
  • Noch mehr Tipps zu meinem Kultursommer und vielen Sommertheater Aufführungen in Österreich gibt´s hier online.

Nach der Vorstellung im Bregenzer Festspielhaus (Begeisterung bei den Zuschauern trotz Indoor) schauten wir noch mal auf der beleuchteten, nächtlichen Seebühne vorbei. Der Clown schlief schon längst. Immer noch beeindruckend.

Einen Vorteil hatte die verregnete Vorstellung: Wir versuchen es nächstes Jahr nochmal! Denn seit 18.8.2019 kann man den Rigoletto bereits für die Vorstellungen 2020 vor-reservieren. Wiederaufnahme Premiere ist am 23. Juli 2020. Wir bleiben dran!


HINWEIS: Wir haben von den Bregenzer Festspielen zwei Pressekarten erhalten. Der Artikel spiegelt meine ganz persönliche Meinung wider und ist eine Momentaufnahme unseres Besuchs im Sommer 2019.

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