Hello Dolly! Musical mit Jux bei der Operette Langenlois

by Angelika Mandler-Saul

Dritte Sommerpremiere für mich binnen weniger Tage heuer: Nach TOSCA im Steinbruch St. Margarethen und “Ein Käfig voller Narren” auf der Seebühne Mörbisch ging es weiter ins Kamptal, zur Operette (& Musical Langenlois) und zur Premiere von „Hello, Dolly!” am 23. Juli 2026 vor Schloss Haindorf.

Foto: Operette Langenlois, Barbara Palffy

Premierenabend in Langenlois

Wagner-Trenkwitz erklärt die Sache mit Operette und Musical

Nach dreißig Operettensommern zum ersten Mal ein echtes Broadway-Musical, und Intendant Christoph Wagner-Trenkwitz hat das offenbar selbst nicht ganz kalt gelassen:

Gleich zu Beginn fühlte er sich bemüßigt, dem Publikum launig zu versichern, Musical sei der Operette an Anspruch keineswegs unterlegen, im Gegenteil, größeres Ensemble, Broadway-Orchester, mehr Aufwand insgesamt.

Mir ist es sehr recht und das restliche Publikum hatten offenbar eh auch nix dagegen.

🎭 DAS WICHTIGSTE ZUERST

Hello, Dolly! auf Schloss Haindorf Langenlois 2026

Hello, Dolly! ist Jerry Hermans Broadway-Musical, das 2026 erstmals als Musical-Debüt bei der Operette & Musical Langenlois auf Schloss Haindorf zu sehen ist.

  • 📅Termine: Premiere 23. Juli, weitere Vorstellungen bis 8. August 2026.
  • 🎤Besetzung: Cornelia Horak und Christoph Wagner-Trenkwitz in den Hauptrollen.
  • 💶Preise: € 35 bis € 74,50.
  • 🎟️Tickets: operettelangenlois.at
hello dolly plakat langenlois

Verena Scheitz war als Dolly angekündigt gewesen, musste aber kurzfristig komplett absagen. Eingesprungen ist Cornelia Horak, die die Rolle bereits am Gärtnerplatztheater München erfolgreich verkörpert hatte, und regelmäßig in Langenlois auf der Bühne steht, ich hab sie zuletzt in “Land des Lächelns gesehen”. Ehegespons und Intendant Wagner-Trenkwitz hat heuer die größere Rolle des Vandergelder inne, die er schauspielerisch, musikalisch und stimmlich wirklich hervorragend meistert.

2023 war ich hier schon einmal bei einer Premiere, bei “Das Land des Lächelns”, ebenfalls unter Wagner-Trenkwitz. Cornelia Horak und Regisseur/Choreograf Florian Hurler waren damals schon Teil der Produktion, jetzt treffen sich alle drei bei „Hello, Dolly!” wieder, nur diesmal mit Horak in der viel größeren, kurzfristig übernommenen Hauptrolle.

bühne haindorf operette langenlois hello dolly
Wunderbares Ambiente beim Schloss Haindorf mit großem Ensemble und großem Orchester

Angereist sind wir mit dem PKW aus dem Weinviertel, diesmal ohne Camper-Übernachtung vor Ort: Die Stellplätze direkt beim Schloss, die es die letzten Jahre gegen einen kleinen Obolus gab (ich hatte selbst 2023 bei “Das Land des Lächelns” noch davon berichtet), sind heuer ohne Angabe von Gründen ersatzlos gestrichen. Schade, das war immer eine praktische Lösung, jetzt heißt es nach der Vorstellung wieder heimfahren.

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Dafür waren wir bei der offiziellen Eröffnung direkt vor dem Schloss beim Empfang dabei, mit den Eröffnungsreden, und konnten anschließend noch das Winzerdorf erkunden. Das ist heuer neu von den Kittenberger Erlebnisgärten gestaltet worden, sehr ansprechend, gemütlich begrünt und beleuchtet, mit vier Weinständen von Kamptaler Winzer:innen.

Auch ohne Ticket darf man vorher hin, etwas essen, etwas trinken, das Ambiente genießen, auch in der Pause steht es allen offen.

🎭 Hello, Dolly! in Langenlois: Eckdaten
🎬 Premiere: 23. Juli 2026, Schlosspark Schloss Haindorf
📅 Weitere Termine: 24., 25., 26.*, 29., 31.*, 1.8., 2.8.*, 7.8. (ausverkauft), 8.8.* (* = Frühabendvorstellung)
🕗 Beginn: Abend 20:00 Uhr, Frühabend 18:30 Uhr
💶 Preise: € 35 bis € 74,50 (Kategorie IV–I)
☎️ Tickets: operettelangenlois.at, T +43 2734 3450
🔮 2027: zurück zur Operette mit „Im weißen Rössl am Wolfgangsee”
presseempfang premiere langenlois hello dolly
Empfang, Eröffnung vor der Premiere
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Das einladende Winzerdorf

Molière, Thornton Wilder, Nestroy, der “Jux” und Hello, Dolly

Und dann ist da noch die Geschichte hinter der Geschichte, die mich besonders interessiert: „Hello, Dolly!” führt nämlich über einige Umwege direkt zurück nach Österreich. Michael Stewarts Buch für das Musical basiert auf Thornton Wilders „The Matchmaker”, das wiederum eine Bearbeitung von Johann Nestroys Posse „Einen Jux will er sich machen” (1842) ist. Nestroy selbst hatte sich seinerzeit bei John Oxenfords englischer Vorlage „A Day Well Spent” bedient, die ihrerseits Motive aus Molières „Der Geizige” verarbeitet.

“Einen Jux will er sich machen” ist ein Stück, das mich seit meiner Kindheit begleitet, das ich fast auswendig kann und zuletzt bei den Festspielen Reichenau mit Freude wiedergesehen habe.

Frau von Fischer und Weinberl oder doch aus “Hello Dolly”?
(Foto: Operette Langenlois, Barbara Palffy)

Worum geht’s in Hello, Dolly?

Die resolute Heiratsvermittlerin Dolly Gallagher Levi hat ein Ziel: den grantigen, wohlhabenden Kaufmann Horace Vandergelder aus Yonkers unter die Haube zu bringen, am liebsten mit sich selbst. Auf dem Weg dorthin verkuppelt sie nebenbei noch gleich drei weitere Paare, schickt Vandergelders Gehilfen Cornelius und Barnaby nach New York, wo diese sich mit der Hutladenbesitzerin Irene Molloy und deren Assistentin Minnie verstricken, bis im noblen Harmonia Gardens Restaurant alles kulminiert.

Der Großteil der Geschichte könnte genau so im “Jux” von Nestroy spielen (tut es ja auch), nur die Sache mit der Heiratsvermittlerin, die sich dann selbst vermittelt, Unternehmerin und Kämpferin für das Frauenwahlrecht ist, das gehört zu “Hello Dolly”.

Am Ende gehen gleich vier Paare glücklich vereint aus dem Abend, eines der zufriedenstellendsten Happy Ends, die mir bei Operette oder Musical je untergekommen sind.

Große Bühne, großes Orchester, großes Tanzensemble

Die Bühne ist heuer neu angelegt als in den Operettensommern zuvor, mit reichlich Platz zum Tanzen für ein Ensemble, das spürbar umfangreicher besetzt ist als sonst. Stichwort: Musical :-) Getragen wird der Abend von einem 30-köpfigen Orchester, eine Zahl, die Wagner-Trenkwitz selbst mit sichtlichem Stolz erwähnt… Gesungen wird großteils auf Englisch, die Dialoge und Teaser zu den Liedern laufen auf Deutsch, eine bewusste zweisprachige Mischung, die überraschend gut funktioniert.

großes ensemble hello dolly langenlois
Viel los auf der Bühne

Eine launige, witzige, bunte und durchwegs ansprechende Inszenierung, bei der spürbar wird, wie viel Vorbereitung in diesem Musical-Debüt steckt. Cornelia Horak hat die Dolly im kleinen Finger, die jungen Paare überzeugen auch allesamt. Loes Cools als Irene Molloy könnte quasi sofort 1:1 die Frau von Fischer im “Jux” übernehmen, während Paul Valentin Clementi und Jakob Riegler problemlos sofort als Weinberl und Christopherl durchgehen könnten. Christoph Wagner-Trenkwitz selbst wirft sich als Horace Vandergelder in Kostüm und eine hochtoupierte, mehrfach gezwirbelte Frisur, und spielt seine Rolle mit sichtlicher Lust an der eigenen Grantigkeit.

Am Ende: großer Applaus, große Begeisterung, für alle vier glücklichen Paare gleichermaßen, im Anschluss noch die Premierenfeier im Winzerdorf des Schloss Haindorf. Das kann man übrigens vor der Vorstellung jeweils auch ohne Theaterticket besuchen.

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Hello, Dolly in Österreich: von Marika Rökk in Wien bis Bühne Baden

Die österreichische Erstaufführung fand erst 1968/69 am Theater an der Wien statt, mit Marika Rökk in der Titelrolle, die Jahrzehnte später übrigens selbst in Baden bei Wien lebte und dort 2004 auch verstarb. Leider gibts dazu offenbar weder Bild- noch Tonmaterial, das hätt ich mir gerne reingezogen: Marika Rökk war ja dafür bekannt, nicht nicht zu outrieren. Ihr Gegenüber: Der unvergleichliche Karl Schönböck – was für ein ungleiches Paar.

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Langenlois 2026. Horak und Trenkwitz in den Titelrollen

1984 zog die Volksoper Wien nach, mit Dagmar Koller als Dolly. Kennt man. In einer späteren Neuinszenierung von Josef E. Köpplinger an derselben Bühne gaben dann Sigrid Hauser und Ex-Hausherr Robert Meyer das Paar. 2022 stand das Stück wieder auf einer niederösterreichischen Bühne: an der Bühne Baden, mit Patricia Nessy als Dolly und Andreas Steppan als Vandergelder, unter der Regie von Michael Lakner.

cornelia horak als hello dolly
Cornelia Horak als Dolly 2026 in Langenlois

Mein Fazit

Ein erster Musical-Schritt für Langenlois, der sich für mich sofort ausgezahlt hat: große Show, gutes, teils neues Ensemble, und ein dankbarer Stoff mit eingängigen Melodien, die man (wieder) erkennt. Sehr gerne wieder! Dennoch: 2027 kehrt man doch zur guten alten Operette zurück: “Im weißen Rössl am Wolfgangsee” steht am Programm. Ist mir auch sehr recht.

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Ensemble und Orchester

❓ Häufige Fragen: Hello, Dolly! in Langenlois

Wie lange läuft Hello, Dolly! auf Schloss Haindorf noch?

Die Vorstellungen laufen noch bis 8. August 2026, mit einer bereits ausverkauften Zusatzvorstellung am 7. August.

Wer spielt die Hauptrollen bei Hello, Dolly! in Langenlois?

Cornelia Horak spielt die Dolly Gallagher Levi, Intendant Christoph Wagner-Trenkwitz den Horace Vandergelder.

Was kosten Tickets für Hello, Dolly! in Langenlois?

Die Preise liegen zwischen 35 und 74,50 Euro, je nach Kategorie.

Worauf basiert das Musical Hello, Dolly!?

Auf Thornton Wilders “The Matchmaker”, das wiederum auf Johann Nestroys Posse “Einen Jux will er sich machen” zurückgeht.

Was zeigt die Operette Langenlois 2027?

2027 kehrt man zur klassischen Operette zurück, mit “Im weißen Rössl am Wolfgangsee”.


Hinweis: Mir wurden für die Premiere zwei Karten zur Verfügung gestellt, um darüber berichten zu können.

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