Die Villa Tugendhat in Brünn: Ja, es gibt Tickets für Führungen!

Die Villen von Brünn

by Angelika Mandler-Saul

Ein kleiner Traum wird wahr: Wir haben Tickets für die Besichtigung der Villa Tugendhat in Brünn und sind voller Vorfreude. Wird die Villa halten, was alle versprechen? Auf nach Brünn!

Die Brünner Villen: Villa Tugendhat, Villa Arnold und die Geschichte der Löw-Beers

Es ist Jänner, es ist eiskalt, es ist neblig und wir sind auf der Weinviertler Autobahn Richtung Brünn unterwegs. Schon wieder – wegen des großen Erfolgs in der Vorwoche, als wir Brünn als Tagesausflug (mit Hund) absolviert haben, sehr empfehlenswert! Meine Begleitung ist diesmal Freundin und Reisebloggerin Gudrun, beide erfüllen wir uns an diesem Tag einen langgehegten Traum: Wir werden endlich die vielzitierte und legendäre Villa Tugendhat in Brünn sehen. Ja, mit Führung auf englisch und diese sogar entgegen aller Unkenrufe super kurzfristig zuvor gebucht!

villa tugendhat warten führung
Warten auf den Einlass

Das “Brünner Villen-Quartett”: Eigentlich sind es vier…

Die Villa Tugendhat, die Villa Löw-Beer, die Villa Stiassni und die Jurkovič-Villa werden auch als “Brünner Villen-Quartett” bezeichnet. Wer Zeit hat, sollte alle vier besuchen – sie erzählen zusammen die Geschichte des reichen, kulturell vielfältigen Brünns der Zwischenkriegszeit. Wir haben bei diesem Ausflug die Villa Tugendhat mit Führung besichtigt, sind danach durch die Villa Arnold gestreunt und haben die Villa Löw-Beer von außen besichtigt.

Warum ist die Villa Tugendhat so besonders und revolutionär?

Die Villa Tugendhat ist nicht irgendein Haus. Sie ist ein Meisterwerk der modernen Architektur, entworfen von Ludwig Mies van der Rohe, und steht seit 2001 auf der UNESCO-Welterbeliste. Die Villa Tugendhat ist eines der bedeutendsten Bauwerke der klassischen Moderne. Was sie so außergewöhnlich macht, ist die Kombination aus revolutionärer Architektur sowie Vordenkertum in Sachen moderner Technik und genialer Funktionalität. Dazu minimalistisch wirkend in Sachen Wohngemütlichkeit, aber doch genial – wenn ich das als Laie so sagen darf.

Ludwig Mies van der Rohe baute die Villa zwischen 1928 und 1930 für das Brünner Industriellen-Ehepaar Fritz und Grete Tugendhat. Das Grundstück war ein Geschenk von Gretes Vater Alfred Löw-Beer zur Hochzeit, dazu kam die Versicherung, dass sich das Ehepaar keine auch wie immer gearteten finanziellen Schranken aufzuerlegen hatte – das hört man doch gern, oder. Sie hat dann auch viel mehr gekostet als jemals geplant, aber dafür wurde sie in Rekordzeit fertig, die Villa Tugendhat.

modell villa tugendhat ausstellung
Das Modell – Gartensicht in der Ausstellung

Die Führung buchen – Thema Nummer 1 bei der Tugendhat

Ja, ich kenne die Thematik: “Villa Tugendhat? Will ich schon ewig sehen, aber man kriegt ja keine Termine!”. Und ja, das war damals auch so, als ich im Sommer nach Terminen suchte. Vielmehr kann ich aber jetzt freudig vermelden: Im Jänner war es Null Problem, kurzfristig einen Termin zur Führung in der Villa Tugendhat unter der Woche zu kriegen, online versteht sich. Also: Nur die Ruhe, es geht schon!

Die Villa Tugendhat: Atemberaubend schönes UNESCO Welterbe

Wer glücklich online eine Führung gebucht hat, einen Timeslot auf englisch in Händen hält, für das fotografieren bezahlt und einen Parkplatz gefunden hat – happy you! Let´s go Tugendhat. Die Villa ist seit 2001 auf der UNESCO Welterbeliste als Denkmal für moderne Architektur.

Also wir waren schon recht aufgeregt, als wir von unserem Guide abgeholt wurden. Durch die 3 Meter (!) hohe Eingangstür schritten, jawohl schritten Gudrun und ich ins Innere und waren – auf der Ebene der Schlafzimmer. Links die Wendeltreppe ins Wohngeschoß und weiter hinab in die Küche und die zahlreichen Wirtschaftsräume. Vor uns die wie riesige Schränke wirkenden, versteckten Türen in die Kinderzimmer, rechts in die Elternschlafzimmer. Aber zuerst: Schuhe in Plastik einwickeln lassen!

Ludwig Mies van der Rohe und sein Meisterwerk, das teuerste Privathaus seiner Zeit

Mies van der Rohe und seine Partnerin Lilly Reich schufen hier ein Gesamtkunstwerk aus Architektur, Design und Technik. Die Villa kostete damals – wie wir bei der Führung gehört haben – acht Millionen Kronen – ein gewöhnliches Einfamilienhaus soll etwa 15.000 Kronen gekostet haben. Bei den acht Millionen blieb es aber offenbar nicht, bei Übergabe war noch nicht wirklich alles fertig, da kam dann noch einiges hinzu…

Allein die berühmte, honiggelbe Onyxwand im Wohnraum hatte den Preis eines ganzen Hauses: Sie besteht aus 5 Teilen und ist 17 cm dick, wenn ich das richtig verstanden habe und wurde im Atlasgebirge abgebaut. Das Besondere dran: Bei Sonnenuntergang strahlt die Sonne hindurch und versenkt den Raum dahinter in die schönsten Farbtöne. Sie war übrigens von kundigen Händen während der Kriegszeit zugemauert worden und kam erst nach dem Krieg relativ unbeschadet wieder zum Vorschein. Beim unserem Besuch lag leider tiefer Nebel über Brünn, deswegen schien da gar nichts.

Technische Innovationen der Villa Tugendhat

Die technischen Innovationen waren damals revolutionär und ihrer Zeit voraus: Meterhohe, elektrisch versenkbare Fenster (die ersten ihrer Art!), eine Klimaanlage (die auch wärmen und Luft umwälzen konnte), eine Stahlskelettbauweise und ein unglaublich beeindruckendes, ganz offenes Raumkonzept, das damals ebenfalls völlig neu war. Der 240 Quadratmeter große Wohnraum ist durch bewegliche Trennwände oder auch Meterhohe Vorhänge gegliedert – der “fließende Raum”, für den Mies van der Rohe berühmt wurde.

wohnraum villa tugendhat
Ein Teil des Wohnraums

Im Untergeschoß befindet sich ein “Air Mixing Room”, wie wir hören. Die Funktionsweise dürfte so wie unsere eigene Wohnraumlüftung heutzutage funktionieren. Es gibt einen Waschraum, einen mottenfreien Raum für die Pelze und ein Labor für den Hausherrn, der dort seine Fotos selbst entwickelte. Holzstreifen an der Wand saugten die Feuchtigkeit aus der Luft, dort wo es nötig war. Dazu Maschinenräume, Heizraum und Kokslager, der Raum für die Fensterversenkung (!) und ein nicht zu besichtigender Regenwasserbehälter.

In die Küche gelangte man über eine Anrichte vom Essbereich des Wohnraums aus. Hier gibts Speiseaufzug, Kühlschrank, Einbauschränke, Speisekammer.

Das Intérieur und die berühmten Sessel

Was viele nicht wissen: Für die Villa Tugendhat wurden damals eigens Möbel entworfen, die heute zu den berühmtesten Designklassikern der Welt gehören. Und sie sind auch in meinen Augen wunderschön, farbenfroh, funktionalistisch, modern – aber ich vermute, ungemütlich. Also mit den Kindern im Barcelona Sessel im Wohnzimmer Tugendhat zu chillen und abzuhängen, ich fürchte das war nicht drin.

“Es ist schwieriger, einen guten Stuhl zu bauen als einen Wolkenkratzer” soll der Architekt gesagt haben.

Der “Freischwinger” aus verchromtem Stahlrohr und Leder wurde speziell für die Schlafzimmer der Villa entworfen. Mies van der Rohe und Lilly Reich entwickelten diesen Stuhl 1929/30 – und er wird bis heute produziert. Der Brno-Sessel (manchmal auch Tugendhat-Sessel genannt) ist ein Meisterwerk der Reduktion: schlicht, elegant, zeitlos.

Im großen Wohnraum stehen die berühmten grünen Barcelona-Sessel – ursprünglich 1929 für den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in Barcelona entworfen. In der Villa Tugendhat wurden sie in diesem kräftigem Grün bezogen, echt schön! Gemütlich?

Keine Ahnung, man durfte sich nicht reinsetzen. In der Ausstellung im Untergeschoß jedoch findet man (wer genau liest) ungefähr diese Info, die meine Vermutungen bestätigt: Der Sessel wurde nicht gemacht, um gemütlich sitzen zu können. Und dass man nicht mehr hochkommt ohne Hilfe, das sei dem Architekten auch egal gewesen. Dennoch sind die Barcelona-Sessel heute Klassiker und werden weltweit produziert.

Im “Study Room”, wie unser Guide sagt, stehen die Stuttgart Sessel und der rote Lesesessel mit der tollen Aussicht vor der weiten Fensterwand – das ist der “ikonische” MR100 in rubinrot und der wiederum erinnert mich ein wenig an die ungemütlichen Knieschwinger-Sessel von Adolf Loos in den Loos Wohnungen in Pilsen.

Neben diesen legendären Sessel-Kreationen gab es zahlreiche maßgefertigte Möbel: eingebaute Schränke aus Makassar-Ebenholz, die bogenförmige Ebenholzwand im Essbereich und Regale, die perfekt in das Raumkonzept integriert waren. Alles wurde von Mies van der Rohe und Lilly Reich bis ins kleinste Detail geplant. Der riesige, runde Esstisch war modulartig veränderbar.

Wer heute die Villa besucht, sieht Nachbildungen dieser Möbel an den Originalpositionen. Wie eine Familie mit vielen Kindern darin gewohnt haben mag, das ist eine andere Geschichte. Gemütlich? Wie gesagt, nö eher nicht.

Die Schlafzimmer der Kinder sind nach unserem heutigen Empfinden etwas gar spartanisch, noch dazu in weiß gehalten (wie unpraktisch, würd eman heute sagen) und mit direktem Zugang zu den Schlafzimmern der Eltern. Die riesigen, drei Meter hohen Palisander-Türen haben die Kinder erstmal wohl nicht alleine aufbekommen, wie auch ein Foto in der Ausstellung zeigt – hat sicher auch seine Vorteile gehabt… Aber wofür gab es denn schließlich die Gouvernante, die hatte übrigens auch ein eigenes Refugium im Haus mit Stuttgart- und Tugendhat Sessel sowie einem Schreibtisch.

Die Fensterfront beim Esszimmer und vor der Onyx Wand sind zudem – warum überrascht uns das jetzt nicht – vollständig versenkbar auf Bodenniveau. Unglaublich luxuriös.

speisetisch villa tugendhat
Der modulare Speisetisch vor der geschwungenen Wand, versenkbare Fenster und Ausgang in den Garten

Das Schicksal der Familie Tugendhat

Grete und Fritz Tugendhat zogen zu Weihnachten 1930 mit ihren Kindern in die Villa ein. Grete entstammte der besagten jüdischen Industriellenfamilie Löw-Beer, Fritz war Textilfabrikant. Sie waren beide weltgewandt, kulturbegeistert und lebten in ihrer Villa (kurz) ihren Traum vom modernen Wohnen.

Sehr kurz. Im Mai 1938 floh die Familie in die Schweiz nach St. Gallen. Grete Tugendhat hatte sich bereits seit 1933 für Flüchtlinge aus Deutschland engagiert, die Familie Tugendhat war offenbar eine der ersten jüdischen Familien, die Brünn verließ.

Die Familie lebte also nur etwa siebeneinhalb Jahre in ihrem Traumhaus – von Dezember 1930 bis Mai 1938. Nach der Flucht in die Schweiz fühlte sich die Familie auch dort nicht sicher. Im Januar 1941 flohen sie weiter nach Venezuela, wo sie in Caracas eine neue Existenz aufbauten. Dort wurde 1946 die jüngste Tochter Daniela geboren – später als Daniela Hammer-Tugendhat eine bedeutende Kunsthistorikerin.

Gretes Vater, Alfred Löw-Beer, blieb als einziger in Brünn zurück. Er kam 1939 unter ungeklärten Umständen ums Leben – vermutlich während eines Fluchtversuchs. Fritz Tugendhat sah sein Haus nie wieder. Er starb 1958 in der Schweiz. Grete kehrte erst in den 1960er Jahren nach Brünn zurück, um sich für die Erhaltung der Villa einzusetzen. Sie starb 1970 in der Schweiz.

Die Stadt Brünn hat 2027 mehr als 100 Mitglieder der Familien Löw-Beer, Tugendhat und Stiassni nach Brünn geladen. Lt. Website der Villa Tugendhat wohnen heute 12 Enkel und 19 Urenkel von Grete Tugendhat in Kanada, den USA, Deutschland, der Schweiz und in Österreich.

study room tugendhat
Study Room

Die Villa im Zweiten Weltkrieg: Beschlagnahmt, zerstört, zweckentfremdet

Am 4. Oktober 1939 wurde die Villa Tugendhat offiziell für den Bedarf der Gestapo beschlagnahmt. Später diente die Villa als Konstruktionsbüro der Flugmotorenwerke Ostmark. Massive Zwischenwände wurden eingezogen, der offene Wohnraum brutal zerteilt. Ab Juni 1943 bewohnte Walter Messerschmidt, Direktor einer Außenstelle der Klöckner-Werke, das Haus mit seiner Familie. Die Messerschmidts fanden den großen, offenen Wohnraum “ungemütlich” und richteten sich eine “Bauernstube” darin ein – ein absurder Kontrast zur puristischen Moderne.

Irgendjemand mauerte die Onywand zu – so überstand sie den Krieg

Die verschwundene Ebenholzwand

Die geschwungene Ebenholzwand im Essbereich verschwand 1940 spurlos. Jahrzehntelang galt sie als verloren. Dann, im Jahr 2011, geschah ein kleines Wunder: Bei Renovierungsarbeiten in der Mensa der Masaryk-Universität Brünn wurde die Wand zufällig wiederentdeckt! Die Gestapo hatte sie in ihr damaliges Hauptquartier – die Universität – bringen lassen. Nach dem Krieg blieb sie dort, ohne dass jemand ihre Herkunft kannte. Bei der großen Restaurierung der Villa (2010–2012) wurde die Originalwand wieder an ihren angestammten Platz im Essbereich eingebaut. Nach Kriegsende nutzte die Rote Armee die Villa – und hinterließ weitere Schäden. Dann wurde das Haus zur Tanzschule (!) umfunktioniert, später diente es als Therapiezentrum für Kinderund der einzigartige Wohnraum wurde erst zum Tanz- dann zum Turnsaal.

Die wiedergefundene Wand links

Erst in den 1960er Jahren begannen Brünner Kulturschaffende, sich für eine würdige Nutzung des Kulturdenkmals einzusetzen. 1963 wurde die Villa unter Denkmalschutz gestellt.

Daniela Hammer-Tugendhat: Die Kämpferin für das Erbe

Eine Schlüsselrolle bei der Rettung der Villa spielte Daniela Hammer-Tugendhat, die jüngste Tochter von Fritz und Grete. Geboren 1946 in Caracas, kehrte sie als Kind nach Europa zurück und wurde Kunsthistorikerin und Professorin in Wien. Gemeinsam mit ihrem Mann Ivo Hammer, einem Konservator, setzte sie sich jahrzehntelang für die sachgerechte Restaurierung der Villa ein. Ivo Hammer leitete schließlich das internationale Expertenteam, das die Villa von 2010 bis 2012 aufwendig restaurierte.

Daniela Hammer-Tugendhat verstarb am 17. September 2025 in Wien – nur wenige Monate vor unserem Besuch. Kurz bevor wir nach Brünn gefahren sind, habe ich mir ihr letztes Ö1 Interview noch angehört, um mich auf unseren Ausflug in die Vergangenheit einzustimmen. Im Dokufilm von Pandora hat sie gesagt: “… meine Eltern wollten eigentlich nur ein kleines Haus mit fünf Zimmern”…

wintergarten tugendhat
Wintergarten

Villa Arnold: Das wiedererwachte Jugendstil-Juwel

Nach unserem Besuch in der Villa Tugendhat marschieren wir durch den verschneiten Park rüber zur Villa Arnold. Das Gebäude wurde in den 1860er Jahren für den Architekten Josef Arnold erbaut und diente lange als Wohnhaus.

Nach jahrelanger Restaurierung wurde die Villa Arnold 2024 neu eröffnet – und ist jetzt ein wunderschönes Café mit Museum. Dort sehe ich auch ein Foto vom Besitzer-Ehepaar der Villa Tugendhat: Sie sehen so “normal” aus, wie Du und ich – aber halt vor knapp 100 Jahren… Gar nicht wie Menschen, die eine solche Luxusvilla mit fünf Kindern bewohnten.

Wir gönnen uns einen Kaffee und was Süßes und wärmen uns auf. Die Villa Arnold ist perfekt geeignet als entspannter Zwischenstopp nach der intensiven Führung durch die Villa Tugendhat.

Josef Arnold: Ringstraßen Baumeister

Die Villa Arnold ist nach ihrem Erbauer benannt: Josef Arnold, einem bedeutenden Brünner Baumeister der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Arnold stammte aus Bayern und hatte zuvor im renommierten Architekturbüro von Heinrich von Ferstel in Wien gearbeitet – jenem Architekten, der auch an den berühmten Ringstraßenprojekten beteiligt war.

Im Jahr 1862 kaufte Josef Arnold gemeinsam mit seiner Frau Katharina ein schmales, langes Grundstück am Hang oberhalb des Lužánky-Parks – in der ältesten Villenkolonie Brünns und eine der ältesten in ganz Mitteleuropa. Die Villa wurde im Stil des Historismus errichtet und war bereits im Sommer 1862 fertig – das ging damals erstaunlich schnell! Allerdings nutzten die Arnolds das Haus nur als Sommerresidenz, nicht als Hauptwohnsitz.

Cecilie Hože: Die Tante von Grete Tugendhat

Im frühen 20. Jahrhundert kauften Cecilie und Cornelius Hože die Villa Arnold. Und hier wird die Geschichte richtig spannend: Cecilie Hože war die Schwester von Alfred Löw-Beer – also die Tante von Grete Tugendhat.

Cecilie und Cornelius Hože gestalteten die Villa grundlegend um. Sie ließen das Gebäude im damals hochmodernen Jugendstil mit Art-Déco-Elementen umbauen, installierten eine Zentralheizung und verlegten Stromleitungen – damals absolute Luxus-Innovationen. Die Villa wurde zu einem prächtigen Wohnsitz, der die Eleganz und den Wohlstand der Familie widerspiegelte.

Doch dann kam der Zweite Weltkrieg. Als jüdische Besitzerin wurde Cecilie Hože in den 1940er Jahren nach Theresienstadt deportiert, wo sie umkam. Die Gestapo beschlagnahmte die Villa – genau wie die Villa Tugendhat. Nach dem Krieg wurde die Villa Arnold als Kindergarten genutzt. Danach stand sie leer und verfiel zusehends. Dank der Stadt Brünn und der Unterstützung durch norwegische Fonds wurde die Villa Arnold von 2021 bis 2024 aufwendig restauriert. Das Ziel der Restaurierung war es, den Zustand aus der Zeit von Cecilie Hože zu bewahren – also die Jugendstil- und Art-Déco-Elemente, die sie geschaffen hatte.

Die Villa Löw-Beer: Das Haus der Schwiegereltern

Direkt unterhalb der Villa Tugendhat, am Fuß des Hangs im Park, steht die Villa Löw-Beer. Sie gehörte Alfred und Marianne Löw-Beer, Gretes Eltern, und wurde 1903/04 im Jugendstil erbaut.

Heute beherbergt die Villa Löw-Beer ein Museum, das die Geschichte der Familie und der Brünner Textilindustrie erzählt. Der Besuch lohnt sich sehr – vor allem, weil man hier die Verbindung zwischen den beiden Häusern und den Familien besser versteht.

Unser Fazit: Ein Muss für Architektur-Fans

Die Villa Tugendhat ist eines der beeindruckendsten Wohn-Gebäude, die ich je besucht habe. Ja, man muss sich rechtzeitig um Tickets kümmern. Ja, man muss eine Führung mitmachen. Aber es lohnt sich – jede Minute.

Ausstellung in der Villa Tugendhat

Wenn ihr in Brünn seid: Besucht die Villa Tugendhat. Plant genug Zeit ein (mindestens einen halben Tag), kombiniert den Besuch mit der Villa Löw-Beer und der Villa Arnold direkt nebenan, und genießt dieses einzigartige Stück Architekturgeschichte.

Und wer weiß – vielleicht steht ihr bald auch dort im großen Wohnraum, schaut auf die Onyxwand, es scheint die Sonne hindurch und ihr seht über den Park bis nach Brünn runter – und seid einfach nur stumm vor Begeisterung. Wir kommen wieder, bei besserem Wetter! Ich glaube, ich buche gleich jetzt mal Tickets für den Sommer…

Mein IG VIDEO von der Villa Tugendhat

Parken, Führung & Co: Praktische Infos Tugendhat

Tickets & Buchung & Infos

Die Villa Tugendhat kann nur mit Führung besichtigt werden. Tickets müssen online im Voraus gebucht werden und zwar direkt auf der Website der Villa.

  • Im Jänner (Winter/Nebensaison): Wir hatten Glück und konnten kurzfristig buchen. Es gab noch reichlich freie Timeslots, die Buchung war unkompliziert.
  • Im Frühling, Sommer und Herbst (Hauptsaison): Mindestens 2-3 Monate im Voraus buchen! Die Führungen sind oft auf Monate hinaus ausgebucht.
  • Wer fotografieren will, zahlt noch extra einen Aufpreis.
  • Englisch, Tschechisch, teilweise auch Deutsch
  • Dauer: ca. 90 Minuten
  • Gruppengröße: max. 15 Personen
  • Hunde verboten, nicht barrierefrei
  • Virtual Tour
  • Es gibt einen Dokufilm über die UNESCO Villa Tugendhat
  • Hotels in der Umgebung*

Weitere Führungen in Brünn:

Parken

Rund um die Villa Tugendhat parkt man im blauen Brünner Park-Bereich, d.h. man muss untertags zahlen,. wenn man kein Resident ist. Am besten installiert man sich die App ParkSimpyBrno (vor der Anreise) und so hat man auch gleich im Auge, wo man wieviel und wielange zahlen muss. Oder man hat einen Parkplatz beim Hotel* und spaziert herauf zur Villa Tugendhat.

Hotels in Brünn

Ich persönlich würde ja im Hotel Grandezza oder im Grand Palace* absteigen. Im Grandezza schon allein wegen dem Jugendstil und der Lobby mit der handgemalten Glaskuppel.

Das gefällt Euch sicher auch in Tschechien

Recherche:

  • derstandard.at
  • tugendhat.eu
  • gotobrno.cz
  • austriaca.at

1 comment

andreas 25. Januar 2026 - 17:22

Eine Wand durch die die Sonne scheint, wenn sie scheint. Genial.

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